Freitag, 20. Februar 2009

The Return Of Arena-Rock: Van Halen Beim Konzert der furiosen Black Diamond Heavies bin ich wieder auf den (schlechten) Geschmack gekommen: Van Halen! Ein Lichtblick in den flachen Gewässern matschigen Stadionrocks. Zumindest auf den ersten vier Alben der Jahre 1978 bis 1981. Natürlich spielten Van Halen damals eher stumpfen Ami-Hardrock, aber eben doch mit einem speziellen Kick. Während die ähnlich guten ZZ Top mit soliden Blues-, Boogie- und R&B-Roots überzeugten, war es bei Van Halen ebenfalls der Boogie, aber eben auch eine latente Dosis schwer stampfenden Funks, die die Band vom flauen Durchschnitt abhob. Dazu hat Dave Lee Roth eindeutig dreckigen Soul in der Stimme und Gitarrero Eddie Van Halen zumindest einen mächtigen Sound, auch wenn er immer viel zu viele Noten spielt. Nicht umsonst war ihr erster Hit ja ein brettartiges Cover des spoonfultauglichen Kinks-Klassikers „You Really Got Me“. Auf dem ersten Longplayer von 1978 hieß der Hit aber „Ain’t Talkin’ Bout Love“, gerade erst von den Black Diamond Heavies kongenial gecovert. Das ganze Album klingt auch heute noch frisch und wuchtig, von Ted Templeman perfekt (sauber und kraftvoll) produziert. A true classic. „Van Halen II“ fand ich eher enttäuschend: 1979 setzte der Fluch des zweiten Albums ein – solides Handwerk, aber kein Hit. In den Staaten reichte das dennoch zu wachsendem Starstatus. Immerhin mit einem Cover von „You’re No Good“ aus der Feder von Holland/Dozier/Holland. Album Nummer drei, „Women And Children First“ von 1980 ist dann aber deutlich besser. Mit „And The Cradle Will Rock“ kriegen sie wieder so einen mächtigen Stampfer hin, mit massiv pumpendem Bass, „Diamond Dave“ stimmlich am Höhepunkt und selbst Flinkfinger Eddie hält seine Soli kurz und halbwegs übersichtlich. Und Templeman hat das Ding wieder so hervorragend produziert, dass mein Jahrzehnte altes Vinyl wie eine audiophile Japan-Pressung klingt. Auch knorke: „Take Your Whiskey Home“ mit bluesigem Akustik-Intro und dann mit mächtig schleppendem Midtempo-Heavy Funk nach vorne. Mein Favorit bleibt aber der 81er Longplayer „Fair Warning“, im Oeuvre leider unterschätzt, da auch hier wieder der ganz große Singlehit fehlte, der mit „Jump“ drei Jahre später dann alle Schleusen zum endgültigen Superstardom öffnete. Schon beim Opener „Mean Street“ packt Basser Michael Anthony ein lupenreines Funk-Riff aus, das sich gewaschen hat. Dann gleich mein Top-Favorit: „Dirty Movies“: derselbe monströse Groove, Schwergewichtsfunk mit ganz erstaunlichem Bass-Sound, nur Eddie daddelt ein wenig zu inspiriert dazwischen - ist aber kein Vergleich zu dem was Carlos Santana mittlerweile so treibt. Weiter reicht meine Van Halen-Sammlung nicht, ist vielleicht ganz gut so, obwohl sich auf Album Nummer 6 neben „Jump“ auch der grandiose Speed-Boogie „Hot For Teacher“ findet. Danach kam dann Sammy Hagar und noch Schlimmeres – schweigen wir gnädig. Anno 84 durfte ich sie sogar bei einem Monsters Of Rock-Festival live erleben – noch mit Macho-Mann David Lee Roth, der neuerdings ja wieder bei den noch immer aktiven Rockern singt. Damals eine grandiose Showband, mit Selbstironie und offensichtlichem Spaß an der Arbeit den formatierten Metal-Genossen weit voraus. Habe ich mich jetzt zum Narren gemacht oder steht mir da draußen irgend jemand mit Van Halen bei? Authentisches Gepose: hier! (Whirlyjoe)

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich stehe Dir bei, Whirlyjoe; hab' die auch schon Mal live gesehen. Früher bin ich sogar eine Zeit lang mit einem Van Halen-Shirt rumgelaufen und dafür nicht zu knapp verlacht worden. Peinliche Poser - Stichwort "vier Bass-Drums" - aber lustig.

Anonym hat gesagt…

Huch, bin ich im falschen Blog gelandet? ;-) Späßle gmacht! Kenn von Van Halen erst die Phase ab Jump. OK, die fand ich grauslich. Aber Whirly, dein Vertrauensvorschuss ist so groß, daß ich mir bei Gelegenheit auch mal die Van Halen-Frühphase punktuell reinziehe. Freu mich schon auf die nächste Woche im Beat-Club!

Caesar

Anonym hat gesagt…

Oh mann, ihr habt doch mindestens einen guten Plattenladen in Sturrgart, oder???

Ehrlich gesagt sind mir die ironisch-Metalhörer 'nen graus'

Die Welt wird komisch: Scorpions auf dem Wackenfestival und Kraftwerk in Schessel. Wohin soll das alles noch führen...

Anonym hat gesagt…

Oweia,
hab in meiner frühen Jugend auch zwischen den Stühlen gesessen (Queen!)und musste mir deswegen auch einiges anhören. Angesagt waren Sweet, Smokie, Bay City Rollers etc. Die Älteren trugen Jeansjacken mit Deep Purple-Aufnähern. Zum Glück waren Anfang der 80er (meine Rettung) PostPunk und Ska-Revival angesagt. Vielleicht find ich ja noch Zugang zu Deinen verehrten Thin Lizzy, whirlyjoe. Kann ja mal im second hand shop nächste Woche in Stuttgart nachschauen...
An-Dréad

Anonym hat gesagt…

stimmt: thin lizzy. gute band, aber eigentlich ja gar nicht so heavy. sonst mag ich ja noch blue öyster cult. thin lizzy habe ich noch einen tollen song in petto, den gerüchteweise auch schon irgendwelche hiphopper gesampelt haben - so funky ist das. könnte ich eigentlich im beatclub spielen wenn r-man schon auf dem heimweg ist....

Anonym hat gesagt…

Fastelovend zosamme!

@w.joe: mach dir nix daraus, der andere w. stand bekannterweise auch auf Van Halen und der hat es ja wirklich weit gebracht, da biste also in bester gesellschaft!
für den festausschuss
BadaBing!

ps: the sweet waren weltklasse!