New On Stag-O-Lee Tav Falco & Panther Burns - Behind the Magnolia Curtain/Blow Your Top
Besonders stolz bin ich auf den Reissue des Tav Falco Debüts, über das wir im Glitterhouse Fanzine vor über 25 Jahren schon berichtet haben. Exakt 30 Jahre nach Erstveröffentlichung spendieren wir den Tonträgern eine liebevolle Spezialverpackung: Die remastert Doppel-CD enthält die LP und die EP in Vinyl Replica Sleeves, dazu ein 24-seitiges Booklet mit 3 Essays - alles gewandet in eine einzigartige Umverpackung/Box. Die limitierte Doppel-LP kommt ebenfalls remastert und im Klappcover mit dem Original-Artwork. Das 24-seitige Booklet wurde auf 4 bedruckte Innenhüllenseiten aufgeteilt.
Und hier ein frisches und zutreffenedes 4 Sterne Review:
„Vorsicht: der Titel dieses Mini-Box-Sets darf nicht verwirren: Das Album ist kein neues Werk des genialen Memphis-Dilettanten, sondern eine Wiederveröffentlichung des ersten regulären Albums von 1979, ein Re-Release, das aber in sich hat! `Behind The Magnolia Curtain´, das Debüt von Tav und seiner bizarren Chaos-Truppe The Panther Burns, eingespielt in wenigen Sessions in den Sun-Studios, ist ein Meilenstein des modernen Rock`n´Trash-a-Billy, vergleichbar mit dem Debüt der Cramps, ebenso monolithisch wie der Erstling von den Kollegen des Gun Clubs. Die gerade erwähnten sind die (un-) heilige Dreifaltigkeit fast aller aktuellen Psychobilly oder Voodoo-Billy Bands aus dieser Galaxie, denn als Beweis dieser These werden die hier versammelten Rock-Klassiker von den Panther Burns regelrecht gehetzt, wie ein wildes Tier in die Enge getrieben, bis es sich windet und faucht, und dann wieder freigelassen, mit dem Urschrei des Rock`n´Roll. Hier stöhnt und röhrt die Matrix des Rockabilly-Revivals der Achtzigerjahre. Mit in die wunderbar gestaltete Papp-Box im Vinyl-Design mit Original Cover Artwork hat man bei Stag-O-Lee auch noch die erste Mini-EP der Band gepackt, hier kann der Musik-Großwildjäger nichts falsch machen.“ (Von Emmerich Thürmer: CD des Monats in Nürnberg’s Plärrer und bald auch im Dynamite)
1.645 Posts haben wir in den paar Jahren geschafft. Das ist schon ein ganzes Blog-Leben und mehr, vor allem, wenn man hört, dass ein Opossum mit 3 Jahren ausgedient hat. Hier war in den letzten Monaten wenig los, so manch einer hat wohl schon ans Aufhören gedacht, aber es war eben auch nicht einfach, neben allen lebensnotwendigen Dingen auch noch regelmässig den Blog zu füttern. Und dann diese Hitze...
Das ist allerdings jetzt keine Grabesrede, ganz im Gegentum. Eigentlich überlege ich gerade, wieviel ich Euch versprechen soll, damit Ihr bei der Stange (ähem) bleibt, aber ohne Gefahr zu laufen, den Mund zu voll zu nehmen. ?!?
Ich denke der Oktober wird unser Monat. Es gibt viel zu berichten aus dem Hause Spoonful und auch bei dem von mir betreuten Stag-O-Lee Label tut sich eine ganze Menge. Zudem sind ja sowohl Joe, K-Nut und ich ständig irgendwo im Netz unterwegs und fündig, sodaß ich hoffe, dass wir uns gegenseitig mitreissen und den Blog regelmässiger updaten.
Ein frommer Wunsch, I know. Meine Sekretärin bearbeitet noch die letzte Post, dann legen wir los.
Haut rein - R-man
Dienstag, 27. September 2011
Montag, 26. September 2011
Stuttgart: 3 Days of Rock’n’Roll
Part 1: Mittwoch – Kitty Daisy & Lewis @ LKA
Puh, 28 Euro und ein absehbar proppenvolles Konzert in Stuttgarts allergrösstem, äh, Club. An die tausend hippe Stuttgarter standen sich dann auf den Füßen rum und trauten sich nicht wirklich zu tanzen. Ich auch nicht. Denn wir standen ganz außen am Notausgang, neben der Bühne. Mieser Sound dort, aber immerhin ein bisschen was zu sehen. Die gute Gemma Ray im Vorprogramm hatten wir da schon verpasst, weil irgendein Schussel an der Kasse unsere Tickets verschlampt hatte.
Das heitere Sehen und Gesehen werden im Publikum war aber auch ein Spaß, das Konzert hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn der Rahmen einfach zu groß war und ich in Erinnerungen an ihren Auftritt beim Stag-O-Lee Shakedown vor zwei Jahren schwelgte, wo die drei Geschwister ja ca. fünf Minuten vor Erreichen endgültigen Weltruhms einen furiosen Auftritt hinlegten und auch Backstage und bei der anschließenden Party für Trubel sorgten.
Diesmal also alles wesentlich professioneller, anonymer und distanzierter. Die Hits saßen dennoch, das neue Album hat meines Erachtens auch einige zu bieten, dazu eindeutig mehr Abwechslung in Richtung Ska und sogar ein wenig Funk. Dass die (zahlreich vertretenen) beinharten Rockabillies im Publikum dies nicht goutierten, war kein Wunder. Die Mainstream-Leute amüsierten sich aber umso besser. Ich mich auch, denn im Gegensatz zum Kölner Auftritt, von dem K-Nut berichtete, fand ich die Instrumentenwechsel nicht weiter störend. Die kleinen Jams gefielen mir sogar richtig gut, nur in Sachen Showmanship und Dramaturgie wirkte der Familienclan ein wenig unlocker, was man ja fast schon wieder sympathisch finden kann.
Fazit: ein grundsolides Konzert einer einzigartigen Band, die es wohl immer noch nicht so richtig glauben kann, derart große Hallen zu füllen. Die ganz große Stimmung und enthemmte Begeisterung wollte sich allerdings nicht einstellen, dazu war das Publikum aber von vornherein einen kleinen Tick zu cool.
Einen ganz hervorragenden Konzertbericht mit noch besseren Fotios haben übrigens mal wieder die verehrten Kollegen vom Gig-Blog abgeliefert.
Part 2: Donnerstag - The Stag-O-Lee Allstars @ Palast der Republik
Die Stuttgarter Kneipen-Institution Palast der Republik fand an dieser Stelle ja schon häufiger Erwähnung, auch weil ich dort gerne donnerstags Platten auflege, was im Sommer vor mehreren hundert Gästen im Freien ein ziemlicher Spaß sein kann. Den wollte die weserbergländische Fraktion der Stag-O-Lee Allstars schon seit längerem mit mir teilen und nach mehreren Absagen fanden sich King Axel 45 und Prince R-man dann gegen halb zehn tatsächlich ein – gut gelaunt und mit einem kleinen Säckchen frisch gebrannter CDs unterm Arm.
Es war dann auch sehr ordentlich besucht für einen Abend im späten September, wo es bei Dunkelheit doch gerne schnell recht frisch wird. Das Wetter war toll, alle Fenster und Türen geöffnet, dazu Massen von jungen Menschen unterwegs, die sich zum größeren Teil aus Erstsemestern der nahen Stuttgarter Uni herausstellten, die von ihren Fachschaften ins Stuttgarter Nachtleben begleitet wurden. Lustig, zu meiner Studienzeit mussten wir die Kneipen ja noch selbst erkunden.
Zeitgleich stand mit Duke Jens-O-Matic gleich noch ein Stag-O-Lee Allstar an der Theke, weshalb ich dann meinen Dienst an den Decks wie üblich fast alleine absolvierte, die beiden Herren aus Beverungen mit den auffallenden Hemden aber auch die eine oder andere coole Nummer einspeisten. Biertrinken und musikalische Fachgespräche prägten dann den Verlauf des sehr entspannten Abends. Als ich mich um halb zwei auf mein Rad in Richtung Heimat schwang, standen die restlichen Allstars noch bei einer letzten Runde Bier am Eingang. Ein ebenso schöner wie beruhigender Anblick.
Part 3: Freitag – Ray Collins Hot Club @ Zwölfzehn
Dieses von Herrn Omatic veranstaltete Konzert war dann auch der eigentliche Grund für R-man und Axel, die weite Reise nach Stuttgart zu unternehmen. Und das erwies sich als weiser Entschluss. Denn die Kölner Bigband kam, sah und siegte. Mit neun Männern auf der kleinen Bühne, darunter vier Mal fettes Gebläse. Und schon deshalb ein Bombensound im gut gefüllten kleinen Club.
Ray ist ein sehr lässiger Entertainer, der das tanzfreudige Publikum von Anfang an im Griff hatte. Der Sound der Band ist konsequent retro, way back in die Nachkriegszeit mit Jump Blues und Swing, R&B und Rock’n’Roll. Und mit tollen Songs in teils atemberaubender Hitqualität („Bye Bye Paris!“) – soweit ich weiß alles Eigenkompositionen, die aber eben wie steinalte Klassiker klingen – große Kunst!. Die Meute (von Rocker bis Rockabilly, einer kam sogar im authentischen US Army WWII-Outfit) war begeistert und das schweißtreibende Konzert dauerte schließlich fast zwei Stunden. Im Anschluss legte Jens-O mit zwei kompetenten Kollegen den dazu passenden Sound auf, während wir draußen bei schönstem Spätsommerwetter unser Bier tranken.
Ein fantastischer Abend mit einer grandiosen Band – im direkten Vergleich mit Kitty, Daisy & Lewis lag der Hot Club in allen Bereichen klar vorne. Wobei man natürlich zugestehen muss, dass die Durham-Geschwister in einem coolen kleinen Laden natürlich auch anders abgeschnitten hätten. Insgesamt 3 Days of Rock’n’Roll, sowas sollte man öfters machen.
Handyfotos wie immer von Chris, heißen Dank mal wieder.
(Whirlyjoe)
Freitag, 23. September 2011
...und noch'n Konzert-Tipp The Branded im Sonic Ballroom Köln-Ehrenfeld
Während die Herren R-man, Whirlyjoe und Axel gestern abend das coolste Toiletten-Häuschen Deutschlands beschallten (auch bekannt als Palast Der Republik) waren BadaBing! und ich mal wieder im Sonic Ballroom im Kölner Westen zu Besuch.
Da ich drei verschiedene Anfangs-Zeiten gelesen hatte drängelte ich zu Beginn etwas.
Völlig unnötig - wir trafen kurz nach der Band ein. Die hatten allerdings gerade eine über zehnstündige Autofahrt von Malmö, inkl. sich lösendem Vorder-Rad, hinter sich. Dafür wurden wir dann Zeugen der rasantesten Auslade-, Aufbau-, Soundcheck-Aktion, die ich jemals erleben durfte. Hochprofessionell von Band und "Stage-Manager". Hut ab!
Dann verschwanden die Herren zu einer wohlverdienten Pause zwecks Ausspannen und Nahrungsaufnahme.
Um 22:30 gings dann endlich los. Wer auf punkigen Garagen-R&B steht bekommt hier die perfekte Show geboten. Völlig schnörkelloser, kraftvoller Rock mit tollen Riffs - auf den Punkt - oder auf die Zwölf...
Leider waren gerade mal 20 Leute zugegen, die schienen aber, genau wie wir, echten Spaß zu haben.
Falls es irgendeinem durchgeknallten Bio-Wissenschaftler mal in den Sinn käme eine Kreuzung aus unserem lieben Freund Chrispop, dem jungen Heinz Erhard und einem coolen Rock&Roll-Drummer zu züchten - sie wäre das exakte Ebenbild von Anders, dem Branded-Schlagzeuger. Übrigens, genau wie seine Bandmates, ein echt hochsympathischer Zeitgenosse.
btw: Das kommende Album veröffentlichen die geschmackssicheren Herren von Soundflat.
Wer also mit hochenergetischem Garagen/R&B/Rock'N'Roll etwas anfangen kann, dem gilt eine absolute Empfehlung für diese wirklich coole Drei-Mann-Band. In dieser Hinsicht sind sich die Herren BadaBing! und K-Nut aber mal wieder völlig einig.
Hingehen! Fri 23 Sept - Bassy Cowboy Club, Berlin
Sat 24 Sept - Waldmeister, Solingen
Thurs 6 Oct - Komet Musik Bar, Hamburg
Fri 7 Oct - Goldmark's Stuttgart
Sat 8 Oct - Gearbox, Braunschweig
Nun hoffen und warten wir auf Berichte aus Stuttgart. (K,D&L, Palast-Beschallung, Ray Collins)
(K-Nut)
Dienstag, 20. September 2011
Kitty, Daisy & Lewis vs. Fat Freddy’s Drop
Dass gewöhnlich im Herbst die Konzert-Dichte steigt ist ja kein Geheimnis. Dieses Jahr ist aber anscheinend ein besonders gutes - zumindest für meinen Geschmack. So gab es gleich zwei Highlights in der vergangenen Woche.
Am vergangenen Mittwoch besuchte ich die Herren von Fat Freddy’s Drop in der Live Music Hall und am Sonntag gab’s Kitty, Daisy & Lewis in der Essigfabrik. ...und da ich mich in letzter Zeit öfter mal über mich selbst geärgert habe weil ich mich bei Konzerten auch gerne im hinteren Drittel (in Thekennähe) rumtrieb und anschließend überlegte ob ich nicht vor der Bühne mehr Spaß gehabt hätte, hieß es nun: früh da sein und ab in die erste Reihe!
Fat Freddy’s Drop ließen das Publikum eine Stunde auf sich warten und vertrieben ihm die Zeit mit einem recht gelungenen Mixtape (Reggae, HipHop, 80s-Soul und diverse Hybriden über die Bühnen-PA) und geschäftigen Roadies, die Handtücher und Bühnengetränke auch gerne mal einzeln auf der Bühne verteilten.
Um 21:00 ging’s dann los. Mir wurde innerhalb von wenigen Sekunden erstmal speiübel. Das lag nicht am gewohnt überteuerten Konzert-Bier sondern an den enormen Bassfrequenzen die mir in heftiger Lautstärke den Magen massierten. Ich hatte mich aber recht zügig dran gewöhnt und in der Folge so viel Spaß, wie schon lange nicht mehr.
Die, nicht gerade kleine, Live Music Hall war rappelvoll mit feierwütigem, sehr gut gelauntem und eher jungem Publikum. Ab dem ersten Beat wurde ausgelassen getanzt.
Auf der Bühne immer mindestens sieben Musiker, wobei das Fehlen eines Bassisten und eines Schlagzeugers nicht wirklich störte - Beats und Bassläufe steuerte der mächtige DJ Fitchie bei.
Alle Musiker hatten ganz offensichtlich Spaß an ihrem Job und freuten sich über ein lautstark und textsicher mitsingendes Publikum. Für die Show-Einlagen war hauptsächlich der Posaunist zuständig, eine echte Rampen-Sau, die auch gekonnt Mundharmonika, Tuba und E-Bass (2 Songs) bediente.
Nach zwei Stunden mitreißendem Reggae mit 4/4-House- und leichten Space-Rock-Exkursionen war das Set beendet.Das Publikum erklatschte sich natürlich noch eine hochverdiente Zugabe, die auch noch mal eine gute halbe Stunde dauerte.
Nassgeschwitzt und euphorisiert machte ich mich dann auf den Heimweg und hatte dabei sogar an den ansonsten ungeliebten öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwie Spaß.
Sonntag dann zu den britischen Teenies. Wieder, dank früher Anreise, in der ersten Reihe. Ich hatte mich natürlich auch sehr auf’s Vorprogram gefreut. Das bestritt Gemma Ray, die zur Zeit nur von Organist (steinalte Hammond mit Leslie-Speaker) und Schlagzeuger begleitet auftritt. Ich finde diese Besetzung großartig. Ich habe Gemma Ray bisher Solo sowie mit großer Band gesehen, finde aber diese aktuelle Kombination perfekt. Ihr Set war nach 30 Minuten beendet, was für einen Support-Act ja nicht unüblich ist, aber da die Hauptband ziemlich lange auf sich warten ließ, hätte ich gerne noch ein wenig mehr gehört.
Um Punkt 21:00 betraten die Geschwister nebst Eltern die Bühne und wurden vom bunt gemischten Publikum frenetisch begrüßt. Ich hatte K,D&L ja schon einmal vor ein paar Jahren gesehen und hatte das sehr verhaltene Bühnen-Gebaren ihrer Jugend und Schüchternheit zugeschrieben. ...da hat sich in den letzten Jahren aber leider so gar nichts geändert. Da wird wenig gesprochen und kaum gelächelt, nach Spaß sieht das nur ganz selten aus. Und - bei aller Sympathie: Die Sinnhaftigkeit der ständigen Platz- und Instrumenten-Wechsel werde ich nie begreifen! Die Umbauerei (Snare nach rechts, Snare nach links, Schlagzeug-Schemel rauf und wieder runter, Kabel umstöpseln, neu stimmen, Effekt-Pedale neu stellen und verkleben...) kostet nur Zeit, reißt unschöne Löcher ins Programm und ist auch einem vernünftigen Sound nicht recht bekömmlich. Ich verstehe es einfach nicht! Macht auch klanglich keinen Unterschied wer da gerade am rudimentären Schlagzeug sitzt...
Insgesamt war es allerdings ein richtig schöner Abend. Meiner Gattin und meinen Freunden hat es zwar deutlich mehr Spaß gemacht als mir, aber ich habe das Konzert dennoch sehr genossen. Mit ca. 90 Minuten Brutto-Spielzeit (netto ca. 15 Minuten weniger) eine Stunde weniger als Fat Freddy’s Drop, aber bei denen dauern die Songs ja auch gerne mal zehn Minuten und mehr. Bis auf (das in dieser Länge ziemlich nervige) What Quid? alles schön auf den Punkt gespielte Songs, bei denen es kaum Unterschied machte ob diese aus der Coverphase oder vom selbstkomponierten zweiten Album stammten.
Die beiden Konzerte sind natürlich schlecht vergleichbar, aber die zehn Euro mehr für Fat Freddy’s Drop habe ich im Nachherein sehr gerne bezahlt. Vom Auftritt der Neuseeländer werde ich sicherlich noch länger zehren. Falls Ihr noch Gelegenheit habt Euch ein Konzert von Fat Freddy's Drop oder Kitty, Daisy & Lewis anzuschauen: Tut es!
Ich bin als gelernter Fotograf offensichtlich zu blöde um mit einem Telefon zu fotografieren. Drum gibt’s von mir nur ein verwackeltes Bild der Fat-Freddy-Bläser. Die Handy-Bilder vom Kitty, Daisy & Lewis-Konzert hat der liebe badabing! gemacht (Danke dafür).
(K-Nut)
Mittwoch, 7. September 2011
Freitag, 19. August 2011
Abt. Summer Reggae
Das Debut von Hollie Cook
Den radioeins-Hit hier in Berlin „Walking in the Sand“ (zweite Single-Auskopplung) bekomm ich einfach nicht mehr aus dem Kopf. Schön fluffig plätschert dieser bei immer besserem Sommerwetter durch den Äther.
Hollie Cook, Tochter des Sex Pistols-Drummer Paul Cook (heute für Edwyn Collins tätig), hat ein schönes Debut hingelegt.
Reggae-Pop (sie selbst nennt es „Tropical Pop“) für die ganze Familie, nette säuselnde Songs, dezent mit Orgel und Bläsern unterlegt, die einen okayen Vintage-Sound produzieren, erinnert das Ganze ein wenig an Althea & Donna.
So langsam tauchen die ersten Remixe auf, die sich mehr oder weniger an Studio One orientieren. Stimmlich etwas schwach auf der Brust (aber das macht nichts) kommt sie daher (auch optisch) wie die junge Neneh Cherry zu New Age Steppers-Zeiten. Das kommt nicht von ungefähr, so gibt es auch in wirklich Verbindungen zur Slits-Famile, das Album ist ausdrücklich Ari Up gewidmet.
Was ich letztens noch auf arte beim „Summer of Girls“ live mit Band zu bestaunen hatte, sah sehr vielversprechend aus. Wie gesagt, mit der Scheibe, die es auch auf Vinyl gibt, kann man nichts falsch machen, ein ideales Geschenk für ungeübte Reggae-Hörer.
(An-Dréad)
Montag, 15. August 2011
Ray Lugo & The Boogaloo Destroyers – Mi Watusi
Bitte nicht vom kühnen Bandnamen irritieren lassen, denn Ray Lugo pflegt und kultiviert den Boogaloo.Und zwar stilecht wie kaum ein anderer.
Obwohl das Album wie ein wiederveröffentlichter Salsa-Klassiker aussieht (und auch so klingt!), ist Ray Lugo ein Junger, mit venezolanischen Wurzeln, aber aufgewachsen in Nu Yorica, Lower East Side. Entsprechend klingt auch sein Sound, der wie einst in den späten 60ern karibischen Son und Guaracha mit dem Feuer von James Brown und Ray Charles im Stil der großen Fania Allstars verbindet.
Weshalb sich Ray Lugo auch gleich bei etlichen Klassikern von Ray Baretto und Mongo Santamaria bedient.
Die Resultate sind absolut Oldschool und würden problemlos auf den besten Soul Jazz-Compilations zum Thema durchgehen. Bislang war Lugo übrigens als Mitglied der New Yorker Afro-Beat-Truppe Kokolo aktiv. Mein persönlicher Favorit ist die salsafizierte Version des alten Tränenziehers „A Taste Of Honey“, der Ray Lugo und seine vielköpfige Truppe nicht nur perkussives Leben einhaucht.
Der Soundtrack für heiße und schwitzige Sommernächte!
(Whirlyjoe)
Dienstag, 9. August 2011
The Shaolin Afronauts - Flight Of The Ancients
Australien ist das neue Äthiopien. Oder Nigeria. Will sagen: diese Truppe aus Down Under spielt die feinste, schwitzigste, groovendste Afro-Jazz-Funk-Fusion seit Fela Kuti und Mulatu Astatke. Die Namen der beiden AfroBeat- und -Jazz-Großmeister habe ich geradewegs aus dem Promo-Info importiert, sie sind zur Beschreibung des Sounds von „Flight Of The Ancients“ aber unverzichtbar.
Wobei man auch Bembeya Jazz National oder Manu Dibango hätte bemühen können.
Jedenfalls spielen The Shaolin Afronauts wie einst in den frühen Siebzigern: groove-betont, brass-lastig-jazzig (aber auch mal folky mit Flöte), vor allem aber endlos hypnotisch, fiebrig-treibend und extrem tanzbar. Ganz ohne Vocals und nicht zu glatt produziert, gefallen mir die psychedelischen Gitarren allerdings noch besser als die fetten Bläser. Der eine oder andere Tune ist mir zwar ein wenig zu jazzig-verdaddelt, das Album bietet aber mindestens drei absolute Killer-Nummern („Kilimanjaro“, „Shira“) in Sachen messerscharfem Afro-Funk. Hier hört man auch die reine Man-Power der vielköpfigen Truppe, wobei die beiden Gitarristen wirklich durchgehend grandios sind.
(Whirlyjoe)
Freitag, 5. August 2011
Black Feeling – Volume 2
Dies ist keine billige Soul-Compilation, sondern nur so aufgemacht. Vielmehr handelt es sich um ein Instrumental-Album des umtriebigen Australiers Lance Ferguson aka Lanu, den man mit eigenen Bands wie Cookin’ On 3 Burners oder als formidablen Producer von The Bamboos und Kylie Auldist kennt.
2007 veröffentlichte er das erste „Black Feeling“-Album mit neuen Versionen alter Soul- und Funk-Klassiker, instrumental und im ziemlich üppigen Format.
Jetzt also die zweite Runde und zum Style sage ich einfach mal Acid-Jazz in gut. Und in sehr knackig und schweißtreibend funky. Vor allem der Opener, das bewährte „Shaft In Africa“-Thema von Johnny Pate rockt schwerstens, aber auch das wunderbare „Oboe“ von Jackie Mittoo kommt im neuen Gewand sehr überzeugend rüber. Dazu gibt es Songs von u.a. Ronnie Foster („Mystic Brew“), Jorge Ben oder Richard Evans („Burning Spear“).
Großes Muckertum, phasenweise höllisch funky!
(Whirlyjoe)
Donnerstag, 28. Juli 2011
Mittwoch, 27. Juli 2011
Norman Jay presents Good Times 30
Der Glitzer-Chef pilgert ja seit Jahren regelmäßig zum Londoner Nottinghill Carnival und beglückt uns im SBS-Blog mit seinen süffigen Berichten vom wilden Partytreiben. Ein unverzichtbarer Protagonist des karibischen Straßenkarnevals ist DJ Norman Jay mit seinem Good Times-Soundsystem. Das betreibt Norman seit mittlerweile 30 Jahren, weshalb das Premium-Label Strut nun eine 30th Anniversary Edition in Form eines Norman Jay-DJ Sets veröffentlicht – übrigens in allen Formaten ungemixt, was nicht nur den DJ in uns freut.
Allerdings gibt es hier kaum Reggae zu hören (exakt ein Tune von Jacob Miller & Inner Circle), dafür aber alles andere, was Spaß macht und zum Tanzen anregt: Rare Groove (Zalmac, Curtis Mayfield, Terry Wells, Ted Taylor fast schon Disco-Style), ebenso raren wie extrem coolen HipHop (The Basement Khemist), Soul (Avery Sunshine), Modern Brasil (Attic Tree) und sogar ein kleines bisschen ziemlich aufregendes House (Fries & Bridges, muss man wohl nicht kennen…). Meine Highlights sind zwei rare Cover-Versionen: Marc Capannis butterweich-soulige „I Believe In Miracles“-Interpretation (Jackson Sisters), sowie jemand namens Mario Biondi, der „My Girl“ von den Temptations mit toller Stimme eine neue Klangfarbe verleiht. Für Norman Jay existieren längst keine Genre-Grenzen mehr – gut so!
Wow, die fetteste One-Man-Band, die ich kenne. Der Titel dieses Debütalbums ist Programm, denn dieser wilde Londoner Straßenmusiker arbeitet nur mit einer dreckigen elektrisch verstärkten Bluesgitarre (gerne mit Slide) und einem kaputten Mini-Drumset, klingt dabei aber so kraftvoll wie mindestens die Black Keys.
Deren Liebe zum alten Blues teilt auch Lewis Floyd Henry, der aber keinesfalls ein Purist ist, sondern zumindest live auch gerne Stooges und Jimi Hendrix – aber auch Wu Tang-Clan covert, legendär ist auch seine 20-Minuten-Version von Frees „Allright Now“.
Auf seinem angemessen roh gezimmerten und oft richtig heavy klingenden Debütalbum mit eigenen Songs reicht das Spektrum von stampfenden Bluesrockern mit reichlich Fuzz im Sound bis zu folkig Gezupftem, vor allem sein pointierter (Bass-)Drum-Einsatz gefällt mir durchgehend gut. Ein echtes Londoner Original, dabei ein wirklich cooler Styler, der es tatsächlich schafft, wie eine komplette garagentrashige Blues-Band zu klingen.
(Whirlyjoe)
Freitag, 22. Juli 2011
Blog-Mix Delight!
Hier mal wieder die innige Empfehlung für einen ganz wunderbaren DJ-Mix, den ich in diesem schönen Blog gefunden habe.
Das Ding beginnt cool, mellow und soulig, mit spacic-verdaddelten Westcoast-Sounds (Kris Kristofferson and Rita Coolidge), um dann über Southern Soul (ausgerechnet von den Black Keys!) ganz langsam seinen Weg zu den geraden Beats zu finden.
Die mag ich ja nur bedingt, hier gefallen sie mir aber fast durchgehend, wobei vor allem die Tunes von Todd Terje und Burnt Island Casual der Hammer sind. Letztere verhelfen übrigens den Temptations und Undisputed Truth zugleich zu einem zeitgemäßen neuen Beat-Kostüm, weshalb die Nummer dann auch „Truth & Temptation“ heißt.
Den wirklich außergewöhnlichen Mix kann man hier abholen.
Intro
Time & Space Machine – Amorous Ways
Kris Kristofferson and Rita Coolidge – I’m Down (But I Keep Falling)
Get a room! Edit – We Learn
Get a room! – Secret Weapon
The Black Keys – I’m Not The One
Rune Lindbæk – Disco Jock
Cream – White Room (Dj Medhi Edit)
Optimo – Cumbia Break
James Brown DJ Tool – Stomp
Todd Terje – Ragysh
It’s A Fine Line Edit – Mischa
The Glimmers Edit – Love Nature
Burnt Island Casual – Truth & Temptation (The Revenge Edit)
Kurt vs Mafia – China Jon
Dionigi – Do You Feel The Way I Feel Love ?
Rootz n°7
Chikiba – Supra Edits
Sasha Distel – Le Bateau Blanc (Cosmo Vitelli Edit)
(Whirlyjoe)
Donnerstag, 21. Juli 2011
Little Barrie – King Of The Waves
Drittes Album der Briten nach unnötig langen fünf Jahren Pause.
Zum Vorgänger Stand Your Ground und der Gitarrenkunst von Mastermind Barrie Cadogan schrieb Glitzerchef Reinhard seinerzeit: „Fast durchweg hört man nur eine knochentrockene Gitarre, selten werden hier ein paar Spuren übereinander gelegt. Das klingt manchmal wie ein Meters-Album auf 45 oder das ach so geile, stoische Saitengekratze auf James Brown Platten. Aber immer wieder zeigt er, was er drauf hat und bringt kleine Beweise seines Könnens ins Spiel – mal ein Jazzlick, dann Chicago-Blues, Hendrix-mässiges oder ruppigen Rock`n´Roll.“
Funky Garagenrocker bietet auch das neue Album, das von Edwyn Collins mitproduziert wurde, was den Mod-Aspekt der Musik betont, wobei der Sound diesmal insgesamt rougher und dreckiger, auch härter geriet. Mehr Rock’n’Roll also, manchmal fast schon heavy, aber immer wieder auch funky-soulig, ja sogar ein wenig psychedelisch, durchaus im Stil von Paul Weller in seinen rockigsten Momenten. UK-Topband und stilistische Allzweckwaffe auf Gitarrenbasis.
(Whirlyjoe)
Mittwoch, 20. Juli 2011
Black Dub im Stadtgarten Köln
Ich hatte ja etwas länger mit mir gerungen ob ich mir das Ensemble um Star-Produzent Daniel Lanois tatsächlich live ansehen und -hören wollte. Aber da das Black Dub-Album immerhin in meiner Jahres-Bestenliste 2010 auf Platz eins gelandet war, habe ich mich dann doch aufgerafft. Der Konzertsaal des Stadtgartens war komplett ausverkauft.
Das Vorprogram gestaltet Rocco DeLuca, dessen öffentliches Leiden zur Sologitarre bei mir allerdings nicht auf allzu große Gegenliebe stößt. Das bewegt sich zwischen harschen Bluesriffs, leisem Geklimper, expressivem Geheule und etwas orientierungslosem Singer/Songwriter-Gesang. Mir fällt jedoch (seit leider sehr langer Zeit) auf, dass es noch respektvolle Konzertbesucher gibt. Sehr wohlwollender Applaus, kein Gequatsche während der Songs, toll.
Um 22:30 betritt die Band die Bühne und hat das Publikum (trotz leichter Technik-Probleme) sofort im Griff. Nomad, I Believe In You, Silverado gleich zu Beginn - mutig!
Ich wage die Behauptung: Brian Blade ist der beste Schlagzeuger der Welt (mindestens)! Was der Mann da auf seinem kleinen Kit zaubert ist grandios. Man hört zwar meistens heraus, dass Mr. Blade ein begnadeter Jazzer ist, aber mit welcher Energie und sagenhaftem Groove er spielt lässt doch so manchen Unterkiefer runterklappen. Bei drei Songs begleitet ihn Trixie Whitley auf einem parallel aufgebauten Schlagzeug, das passt, groovt und macht beiden offensichtlich einen Heidenspaß.
Und überhaupt sorgt Trixie für den größten Unterhaltungs-Faktor auf der Bühne. So püppchenhaft sie auf den ersten Blick wirkt, die Frau ist eine großartige Musikerin und singt sich die Seele aus dem schmalen Leib. Sie hat zwar keine sonderlich "schwarze" Stimme und rutscht auch so manches mal gefährlich in die "Rock-Röhren"-Ecke, doch das hat tatsächlich 'ne Menge Soul und Ausdruck.
Der Black Dub-Bassist Daryl Johnson wird auf der Tour durch Jim Wilson ersetzt, der zwar nicht die Bühnenpräsenz von Johnson mitbringt, aber einer sehr soliden Job abliefert und auch als Sänger beeindruckt.
Daniel Lanois bekommt im Mittelteil des Konzertes sein Solo-Showcase und spielt eine knappe halbe Stunde seine Trademark-Sounds. Trixie Whitley verlässt solange die Bühne und ich vermisse sie sehr! Denn so sehr Lanois seinen Sound zu einem echten Markenzeichen gemacht hat (auch als Produzent) - auf Dauer finde ich das etwas langweilig. Abgesehen von einer Pedalsteel-Einlage spielt Lanois den ganzen Abend nur sehr ähnliche Sounds. Da empfinde ich es als echten Lichtblick, wenn sich Frau Whitley für ihren Song I'd Rather Go Blind auch mal 'ne Gitarre umhängt und dieser ein paar andere Töne entlockt.
Für ebenfalls "andere Töne" sorgt natürlich auch der Soundmann (ist es Mark Howard?), der vom Mischpult aus den ein oder anderen dezenten Dub-Effekt zaubert.
Die Version von Ring The Alarm finde ich auf dem Album nicht wirklich zwingend, aber was die vier da auf der Bühne abbrennen ist sagenhaft. Zur Zugabe gibt es noch The Maker in einer echten Gänsehaut-Version.
Insgesamt ein wirklich großartiges Konzert und eine dringliche Empfehlung für die restliche Tour!
(K-Nut)
Samstag, 16. Juli 2011
Americana – Rock Your Soul/Various Artists
Nicht die Art von Americana, wie sie ansonsten hier im Hause propagiert wird. Sondern „Blue Eyed Souland Sounds from the Land of the Free“, so der Untertitel dieser BBE-Compilation mit raren bis komplett unbekannten Nummern ebensolcher Künstler.
Es geht um überwiegend weiße US-Artists der 70er Jahre, die sich stilistisch am slicken California-Sound von Topanga und Laurel Canyon versuchten. Also prinzipiell auf den Spuren von Crosby Stills & Nash, Jackson Browne und Joni Mitchell, faktisch aber souliger, seichter, glatter, muckermäßiger und softrockiger, als sagen wir mal im Stil des notorischen Producers Lenny Waronker.
Dieses Softrock-Ding erlebt momentan ja einen kleinen und ziemlich umstrittenen Hype, auch in Kreisen des Shake Baby Shake-Blogs wird das heikle Thema kontrovers diskutiert.
R-man nennt die Musik auf diesem zweifellos liebevoll gemachten und ebenso kommentierten Album schlicht „Grütze“, Kollege K-Nut spricht von „ziemlich seichtem, von vorne bis hinten zugegeigtem Kram“. Beide liegen grundsätzlich nicht falsch, ich möchte aber dennoch die elegante Schönheit der Gesangsharmonien, die chromblitzenden, zum Teil leicht discoiden Arrangements und den dezenten Funk von wahrscheinlich zurecht vergessenen Künstlern wie Babadu, Eric Tagg, Mike Lundy, Tender Leaf, Michael Killen oder Evans Pyramid loben.
Wer das Gute auch in generell schwierigen Genres sucht, bekommt hier einen durchaus appetitmachenden Einstieg geboten.
(Whirlyjoe)
Montag, 4. Juli 2011
Wenn einer eine Reise tut: R-man in Switzerland!
Ein kurzer Bericht eines Spontanwochenendes in der Schweiz. Am Donnerstagmorgen setzte ich mich in meinen Ford Transit Tourneo, die beiden Bänke hatte ich flugs gegen eine Matratze und Kühlbox eingetauscht und cruiste in diesem so wundervollen Gefährt aus dem regnerischen Weserbergland in die sonnige Schweiz.
Die erste Station war da schöne Brugg bei Aargau, im Norden der Schweiz. Beim Lauschallee Open Air sollten die Moon Invaders als Headliner auftreten, eine meiner favorisierten Livebands. Vorher musste ich mich aber durch drei unterklassige lokale Truppen kämpfen. Eine Band wie Stonefloor gibt es in jeder mittelgroßen Stadt – schüchterner Gitarrist, 5-Saiten-Bass-Jungspund, Rockröhre und keine Songs. Warum man sich als Rocksteady Band Alaska nennt, wird mir immer verborgen bleiben, an die Knödelstimme des Sängers werde ich mich aber noch lang erinnern. Daumen runter. Zwei Mitglieder des Samu Projects traten dann Barfuß auf, der Drummer wechselte von Drums zu Congas, das Songwriting war verkopft, aber minderwertig. Die Eingeborenen waren scheinbar informiert über die Klasse ihrer Bands, denn schlagartig bei den Moon Invaders aus Belgien füllte sich der kleine umsonst-und-draussen Platz. Und was waren die wieder gut! Es gibt einfach keine bessere Band, die an der Schnittstelle early Reggae/Rocksteady/Ska und Soul/R&B agiert. Zu neunt standen sie da auf der Bühne und rockten und rollten, skankten und groovten gut gelaunt durch fast 90 Minuten Programm, das direkt in die Tanzbeine ging. Die Interaktion der drei Bläser ist schon mal sehr genial, dazu eine Rhythmusgruppe der Extraklasse und mannschaftsdienlich arbeitende Gitarre und Orgel. An der Front dann Backingsänger Thomas Hardison und Rampensau/Bruder Matthew, beide in New Orleans geboren und in Charleroi gelandet. Im Stile eines souveränen Bandleaders peitscht Sänger Matt die Band permanent nach vorne und benutzt charmant den einen oder anderen billigen Trick von der Sorte, die man einfach lieben muss. Einfach grandios und so wankte ich zufrieden zurück zu meinem Bus/Hotel.
Nachdem ich am Freitagmorgen meine Bahnen im Freibad Brugg gezogen hatte, stellte ich erfrischt fest, dass die Orte um mein Hauptziel von meinem Navi nicht erkannt wurden. Also besorgte ich mir eine Karte der Schweiz und zuckelte auf schmalen B-Roads durch das malerische und sonnendurchflutete Berner Oberland nach St. Stephan, einer Gemeinde im Simmental. Dort sollte das 10. Hangar Rockin‘ Festival stattfinden, eine Mischung aus Hot Rodding, 1/8 Meile Rennen, US Car Meeting und Rock&Roll Festival. Ganz meine Tasse Bourbon, die Szene aus pomadierten Geezern, Damen im 50s Chic und zutätowierten Körpern gefällt mir seit ein paar Jahren einfach und das eine oder andere Event hatte ich schon mitgenommen – z.B. das Race 61 in Finowfurt (bei Berlin) oder die Bottrop Kustom Kulture, beides sehr feine Veranstaltungen.
Über das Gelände eines großen Sägewerks gelangte man auf den Platz und da ich früh vor Ort war, ergatterte ich einen 1A Parkplatz für mein Wundergefährt. Über den Parkplatz für die US-Cars, Hot Rods und Custom Cars (die noch näher dran parken durften) gelangte man zum Hangar/Zelt und einem Areal, welches mit Cocktail Bars, Verkaufsständen, Bierbuden und ähnlichem dicht gefüllt war. Überall legten DJs auf, vorwiegend Rock & Roll, Rockabilly und Rhythm & Blues, dazu die Capital Soul Sinners in der Tiki Cocktail Bar mit durchweg astreinem Sixties Soul, New Breed und Popcorn rund um die Uhr.
Am Freitagabend konnte man sich schon an den großartigen Autos und vintage Motorrädern erfreuen, bis gegen 22 Uhr Dollar Bill auf der Bühne stand. Oder besser: er saß, denn der Mann aus London ist eine One-Man-Band mit Bassdrum, Hi-Hat, Harp und Gitarre. Primitiver Boogie-Blues mit Anleihen an Slim Harpo, Dr. Ross und John Lee Hooker, sehr fingerfertig an der Gitarre und gut abrockend. Ein guter Einstieg, ebenso wie der DJ-Set des Duos um Hot Poppa Peter (1210 Stuttgart). Die Starliters aus Mailand machten den Abschluss für den Abend, aber mir war nicht so sehr nach Countrybilly und Western Swing, sondern eher nach Matratze. Allerdings wurde die Nacht eiskalt, den Leuten in den Zelten war mein Mitleid gewiss. Temperature drop in dowtown St. Stephan! Der Zeltplatz lag übrigens direkt neben dem Racestrip, der wiederum 100 Meter vom eben beschriebenen Areal lag. Die paar hundert Meter vom Park- zum Zeltplatz konnte man auf dem Hänger eines Traktors zurücklegen, der pendelte, um das Gepäck zu transportieren. Service.
Am nächsten Tag machte ich mich in der Dusche der lokalen Turnhalle frisch (500 Meter) und freute mich auf einen sonnigen Tag. Links und rechts ragten die Alpen in die Höhe, teilweise gar schneebedeckt. St. Stephan selbst liegt auf 1.000 Meter und durch den stetigen Wind merkt man nicht, dass man sich gerade einen fetten Sonnenbrand holt. So lungerte ich in der Gegend rum, träumte davon, welches Gefährt demnächst in meiner Garage stehen sollte (einige waren 4 sale) und checkte die Stände von Voodoo Rhythm und Rockaway Beach aus. Gegen 13 Uhr begannen die 1/8 Meile Rennen. Immer wieder ein Spass zu sehen, wie die alten Motoren und Vehikel ihr Bestes geben. Und zu hören natürlich, denn es gibt etwas Besseres als den röchelnden Klang eines V8-Big Block? Schnell hatten sich die Favoriten durchgesetzt und es blieb etwas unklar, ob hier nun ein Ausscheidungsrennen gefahren wird (wie beim Race 61 etwa) oder einfach nur so losgekachelt wird. Da kam es gerade Recht, dass mein Nachbar, der Lorenz aus Solothurn auch alleine unterwegs war, sein Bier zu Hause in der Gefriertruhe vorgekühlt hatte und sich spendabel zeigte. Selber fuhr er einen Chevrolet Caprice, war Automechaniker und ist auf Baumaschinen umgesattelt. Also repariert er jetzt Bagger, verdient aber 1.000 Franken mehr als als Kfz-Schrauber.
Irgendwann tauchte auch Kumpel Jens-O-Matic aus Stuttgart auf, mit dem ich ein paar Stunden abhing, bis man sich im allgemeinen Trubel wieder verlor. Um 20.30 Uhr traf man sich bei den Staggers wieder, sehr unterhaltsamer Garage-Rock der schrägen Vögel aus Österreich. Ein guter, schwer aktiver Frontmann und ihr Highspeed Sound sorgten für die positive Überraschung des Abends.
Von Voola & The Jayhawks hatte ich schon gehört und mich auch bärig auf den Voodoo Rhythm & Blues der Londoner Truppe gefreut. Zwei Saxphone, Double-Bass, Drums (Dollar Bill) und Gitarre hatte der dunkelhäutige Voola im Rücken, der sich im Vorfeld als beinharter Screamin‘ Jay Hawkins Fan outete, den Verdacht des Posertums aber nie ganz entkräften konnte. Solide.
J.D. McPherson mit Jimmy Sutton am Bass, dazu Drums und Sax war dann eine kraftvolle Angelegenheit. McPherson ist ein bodenständiger Typ mit Kraft in Stimme und Gitarre. Die Mischung aus Rock & Roll und Rockabilly zündete wie erwartet und sorgte für ausgelassene Stimmung im Hangar. Die letzte Band habe ich mir geschenkt, schließlich hatte ich am nächsten Tag einen satten Trip gen Heimat vor mir.
Nach einer weiteren eiskalten Nacht machte ich mich auf den Heimweg, wählte die Strecke über den 1.700 hohen Jaunpass und holte mir eben noch eine Überdosis Natur, bevor ich mich auf die Autobahn einfädelte und meinem Ford die Sporen gab.
Fazit: ein feiner Trip. Die Schweiz ist toll, das Hangar Rockin‘ Festival eine sehr relaxte und erstklassige Angelegenheit, der Schweizer ist ausnehmend freundlich, die Damen in Bank, Bäckerei oder Supermarkt singen dich an (anders kann man es nicht nennen) – a damn good feeling gibt es quasi obendrauf. Das man sich allerdings auch recht teuer erkaufen muss, die Schweiz ist nicht billig, und beim nächsten Mal werde ich mich einfach besser vorbereiten und mich in Deutschland besser eindecken.
(R-man)