Samstag, 18. Juni 2011

„You’re At Home, Baby“ - OBS Tag 3

Orange Blossom Special, das kleine feine Festival von Glitterhouse Records, Ausgabe Nummer 15 – und schöner denn je. Eure Korrespondenten K-Nut und Whirly berichten wie jedes Jahr direkt aus den Augen des Hurricanes (Glittergarten, Stag-O-Lee-Area, Stadtkrug) und zeigen euch die schönsten Fotos.
K-Nut: Den Sonntags-Opener Talking To Turtles fand ich ja sehr charmant und war auch von den Keyboard-Sounds sehr angetan. Eine sehr schöne Begrüßung, die auf einen tollen Sonntag hoffen ließ, hatte mich schon der Samstag wieder komplett glücklich machen können.
Whirlyjoe: Meine heimliche Lieblingsband, auch wenn ich erst das letzte Drittel des Konzerts erlebt habe. Ganz charmante Musik, wunderbare Harmony Vocals und mal wieder so eine rundum perfekte Band zum Start in den OBS-Tag, auch wenn man noch mit den Nachwirkungen der letzten Party zu kämpfen hat.

Tamikrest
K-Nut: Tamikrest  machten ja zu Beginn einen etwas unsicheren Eindruck, hatten aber spätestens beim dritten Song in ihren unwiderstehlichen Groove hineingefunden. Die neue Sängerin brachte auch zusätzliche Energie auf die Bühne. Gefiel mir tatsächlich besser als der gemeinsame Auftritt mit den Herren von Dirt Music. Das kann inzwischen ganz für sich alleine stehen, und der sich anbahnende Erfolg gibt ja auch allen Beteiligten recht.
 Whirlyjoe: Die haben sich deutlich verbessert und die große Aufmerksamkeit des schon zahlreich anwesenden Publikums absolut verdient. In der Mittagssonne fand ich den psychedelischen Wüsten-Blues noch hypnotischer als letztes Jahr.

K-Nut: Der Sänger von Who Knew war anscheinend das männliche Gegenstück zu Wallis Bird, oder? Ein singender Gummiball mit schier unbegrenzter Energie. Das war mir aber nach drei Songs zu gleichförmig, so dass ich den Rest des Auftrittes zu einer kleinen Pause nutzte.
Madison Violet – da war ich ja hin und weg. Da hatte ich schon glattes Mainstream-Gezupfe und –Gefiedel befürchtet, die Damen zeigten sich zwar handwerklich sehr professionell aber auch sehr beseelt und recht amüsant. Dazu hätte ich mir dann am liebsten einen der zahlreichen Klappstühle stibitzt und mich direkt vor der Bühne niedergelassen. Hach!
An dieser Stelle auch noch mal ein fettes Lob an Thorsten und seine Crew, die für einen wirklich sensationellen Sound auf dem Gelände sorgten! Einen großartigen Job habt Ihr da gemacht!
Whirlyjoe: Natürlich, dickes Lob mal wieder an Thorsten und die Soundleute – Superjob! Who Knew hab ich nach drei Tagen schon wieder vergessen, Madison Violet haben mich trotz arger Glätte im Sound aber auch gekriegt. Die neuen Indigo Girls.

K-Nut: Und wer den Auftritt von Miraculous Mule am Vortag für ein Strohfeuer gehalten hatte, wurde auf der kleinen Publikums-Bühne von den Herren eines besseren belehrt. Alex musste leider schon vormittags abreisen, darum also nur zu dritt und etwas härter und sehr intensiv. Diesmal war der WDR (anders als am Vortag) auch mit mehreren Kameras direkt hautnah dran. Ich bin auf die Aufnahmen gespannt. 
Miraculous Mule -1
The Great Crusades, der Volkswagen der Rockmusik: zuverlässig, unverwüstlich, nicht sonderlich spannend aber mit sehr hohem Unterhaltungswert. Spaßig auch der Gastauftritt von Rocco Recycle. Alle paar Jahre müssen die einfach auf’s OBS! Keine Widerrede!
Whirlyjoe: Mule rocken jede Bühne, ob groß oder klein. Dass Patrick anfangs mit arg ramponierter Stimme aufgetreten ist, hat dann auch nicht weiter gestört. Die Stars des OBS, keine Frage. Great Crusades hab ich auch schon zu oft erlebt, freue mich aber jedes Mal über die dunkle Version von Echo & The Bunnymens „The Killing Moon“.

Michael + R-man
K-Nut: The Young Rebel Set gefielen mir hervorragend, wenn sie wie die Söhne der Pogues und deutlich weniger wenn sie die Brüder von Mumford & Sons klangen. Gottseidank war ersteres eindeutig in der Überzahl. Ein weiterer Festival-Höhepunkt. Meine Erwartungen an den Sonntag waren schon hier übertroffen.
Whirlyjoe: In Indie-Kreisen dank das wunderbaren „If I Was“ ja mittlerweile hoch gehandelt. Ich sah sie schon in Stuttgart und stimme dem Knutster zu: mehr Pogues als Mumford. Gute Laune und Gefühl, dazu ein verdienter Publikumserfolg.
K-Nut: Ich hatte ja vermutet Du hättest mit dem Hit "Lion’s Mouth" gemeint, das ist doch eigentlich die (noch) bessere Nummer!
Holmes
Beim Auftritt von Holmes hätte ich ja beinahe geweint. Nicht weil das so rührend war, sondern weil ich diesen wundervollen Auftritt nur zu einem ganz kleinen Teil sehen konnte!
Die hatten mich sofort gepackt – aber: Plattenspieler-Transport, Taxi zum Stadtkrug, Ihr wisst ja...
Alle, die ich später sprach waren hochgradig begeistert, hoffentlich ergibt sich für mich da noch mal eine Gelegenheit.
Whirlyjoe: Jau, da haste was verpasst. Ich hab meine Stadtkrugpflichten glatt vergessen und mich ganz in die Musik fallen lassen. Was für ein wunderschöner Sound: diese Stimme! Dieser unglaubliche Drum-Sound! Pedal Steel! Große Emotions-Oper, dabei lästere ich sonst ja immer über all die Coldplays und Washingtons dieser Welt. Holmes trafen mich mitten ins Herz, für mich das beste Konzert des OBS. Punkt.

K-Nut: Der Stadtkrug war mal wieder kurz vor dem Platzen. Die Herren Joe und R-man eröffneten mit einem recht eklektischen Set. R&B, leichte Jazzanklänge bei Joe, Soul, Rockabilly bis zur angedrohten ZZ-Top Nummer. Die Tanzfläche war mal wieder so gut und dauerhaft gefüllt wie nie zuvor.
Allerdings fiel Chrispop und mir irgendwann auf, dass der größte Teil der Tanzmeute männlichen Geschlechts war während die hübschen Damen im Nebenraum hockten. Das galt es schleunigst zu ändern. Da Chrispop und ich uns als Team schon in der vorherigen Nacht ganz gut eingespielt hatten übernahmen wir wieder für die letzten Stunden. Ein überaus dankbares und feierwütiges Publikum (es gab sogar Szenenapplaus) und die Möglichkeit sich mal zur Theke oder zur Toilette durchkämpfen zu können, während der Kollege beide Seiten übernahm, machten das ganze zu einem puren Vergnügen. Irgendwann umklammerte mich dann ein junger Mann, den ich zuerst leider so gar nicht verstand (starker englischer Dialekt und etwas betrunken). Das war der Young Rebel-Sänger, der sich einen Dylan-Song wünschte. Chrispop empfahl ihm seine Gitarre auszupacken und einen zu singen – respektlose Jugend!
Wir stromerten dann durch R&B, Soul (da galt es ungeahnte tänzerische Talente von Norbert zu entdecken), Reggae, Motown, Beat, und Garage. Dass ausgerechnet ich alter Beatles-Hasser mit Paperback Writer für eine der wenigen Doubletten des Wochenendes sorgte (wie bereits im OBS-Guestbook bemängelt) sei mir verziehen. Passte gerade und funktionierte wunderbar. Als Deadline für die Musik war 06:00 ausgerufen worden. Wir wussten ja, dass Smells Like Teenspirit als offizielle Ausklang-Hymne ans Ende gehört – hatten wir aber beide nicht dabei. Also war hektische Suche in fremden Plattenkoffern angesagt – nix! Axel (noch in Top-Form) meinte das hätte er da, müsste aber 3-4 Koffer dafür durchsuchen. Also bastelten wir uns ein neues Finale und endeten mit Have Love Will Travel um 06:15, was zwar auch sehr begrüsst wurde, aber als wir danach den Stecker zogen gab’s einiges Gemaule nach Nirvana. Dann erschien Lothar mit einer Nirvana-CD unter dem Hemd versteckt und fragte ob das mit uns abgesprochen wäre. Na klar! Strom wieder an, alle Regler auf 11 (es wurde sogar kolportiert ein DJ hätte dabei „Wake the neighbours!“ gegröhlt) und der Stadtkrug hob zu einer letzten Runde ab. Es gab sogar ein gewagtes Stagediving (ok: Bardiving) mit anschließendem Crowdsurfing dicht unter der Decke. Großartiger Abschluss für ein fantastisches Wochenende!
Whirlyjoe und K-Nut im Chor: Das OBS als Gesamtpaket wird tatsächlich von Jahr zu Jahr besser! Allergrößter Dank gilt natürlich Rembert, Reinhard, unseren unglaublichen Gastgebern Familie Richter, Heike und Axel und dem sensationellen OBS-Team. Wir kommen wieder! (...das habt Ihr jetzt davon.)    

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

servus jungs,
vielen dank für die schöne berichterstattung!
BadaBing!

busch-Man hat gesagt…

Jungs, ihr ruled! Irgendwann schaffe ich es auch, im Paralleluniversum dabeizusein ...

Anonym hat gesagt…

Gäääähhhhnnnnn....Tumbleweed.....