Freitag, 24. August 2012



Adrian Sherwood - Survival & Resistance

Da war ich dann doch gespannt, wie Mister Sherwood heute so klingt.
Seine Karriere ist ja schon eigentümlich: in den 80ern schuf er mit On-U Sound als Producer und Label-Betreiber einen ganz eigenen britischen Dub-Kosmos, dann wurde es deutlich ruhiger (Produktionspause dank Schuldenchaos), bevor er seit 2003 plötzlich eigene Alben veröffentlicht.

Dies ist jetzt sein dritter Longplayer, veröffentlicht auf On-U Sound, und er klingt kaum mehr nach Reggae. Sherwoods ganz eigener Dub Style ist eher kontemplativer Art. Der mächtige Bass rührt zwar immer unter der Oberfläche, die Beats sind aber abstrakter, entspannter, sophisticated. Die meisten Tracks bieten sehr relaxte Soundcapes. Mit moody Klangflächen und klaren, organischen und poiniert-minimalistischen Piano-, Harmonica-, Cello-, Glockenspiel- oder Akustikgitarrenlinien mit Blues- und sogar  ein wenig Jazz/Bossa-Flavour. 

Authentische Kiffermusik ist das nicht mehr. Vielmehr wird man von diesem reifen Dub-Vibe förmlich eingesaugt. Vieles erinnert in seiner dunklen Schönheit an Massive Attack, aber auch der Ethno-Dub-Entwurf von Bill Laswell kommt mir in den Sinn.
Gesungen wird selten (je einmal von Ghetto Priest und der betörenden Lilli), einige alte Weggefährten wie Skip McDonald und Crucial Tony sind natürlich auch dabei.

„Survival & Resistance“ ist ein altersreifes, in sich ruhendes Werk, das ich am heißesten Tag des Jahres nun schon zum vierten Mal hintereinander höre. Etwas anderes kommt heute jedenfalls nicht mehr auf meine Ohren.

(Whirlyjoe)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hi, habe ich mir inzwischen auch zugelegt, absolut geniale Scheibe. Etwas anders gelagert, aber auch empfehlenswert: The Orb & Lee Scratch Perry - The Observer in the Starhouse