Donnerstag, 9. August 2012

Folk im Park in Nürnberg
das zweitschönste kleine Festival der Welt

Letzten Sonntag entschlossen wir uns recht spontan, mit Wölzlein-Tours von Stuttgart aus ins Frankenland zu fahren, um nach kompaktem Sightseeing und leckerem Esssen (u.a. glutenfreies Scheufele mit Kloß) bei allerschönstem Sonnenschein am Nachmittag das idyllisch gelegene Festivalgelände im Marienpark zu erreichen.

Die Location teilt man sich mit einem improvisierten Open Air Kino, dazu kann man mit dem Auto fast bis an den Eingang fahren. Unser Franken-Guide Chris berichtete, dass Folk im Park letztes Jahr zur Premiere noch vor rund 300 Leuten stattfand, diesmal hatte man abends beinahe die 1000er Marke geknackt – ein schöner Erfolg für ein extrem liebevoll gemachtes Festival. Die Wiese am Waldrand verströmt entspannte Freibadatmosphäre, die meisten Gäste haben sich auf bunten Picknick-Teppichen niedergelassen. Man sieht keine Security und den ganzen Abend auch keine Betrunkenen, obwohl man mit extrem leckerem Schanzenbräu (in hell und dunkel) verköstigt wird – sehr zu empfehlen!

Selbstredend trafen wir dann nicht nur diverse Leute, die auch schon beim Orange Blossom Special in Beverungen dabei waren, sondern sogar eine offizielle Glitterhouse-Delegation unter Federführung von Rembert S., dessen Aktionsradius sich lustigerweise auf den kleinen Kaffee- und Kuchen-Bereich links neben der Bühne beschränkte, wo man sein Bier auf Tischdeckchen abstellen konnte – mal was anderes als der Balkon der Glitzervilla.

Zur Musik:
die Münchner Moonband verpassten wir fast komplett, die letzten beiden Songs offenbarten aber feingestrickten Kammer-Folk mit Ausstrahlung. Dan San aus Belgien konnten die gut gechillten Besucher zwar noch nicht von ihren Picknickdecken reißen, überzeugten aber mit trendgemäßem Indie-Folk in Richtung Fleet Foxes oder Bright Eyes.
Den guten Denis Jones aus Manchester konnten wir schon vor einigen Tagen in Stuttgart begutachten, sehr sehenswert, was der kauzig-bärtige Brite ganz allein auf der Bühne aus seinem elektronischen Equipment mit ausgefeilter Loop-Technik zaubert. Leider traf Jones erst mal ohne seine Technik ein, Air France hatte sein Gepäck verloren, weshalb er zunächst einen Song zur akustischen Gitarre mitten im Publikum spielte. Später am Abend hat es dann auch mit seinem Bühnenauftritt noch geklappt, was nach dem Headliner Other Lives eigentlich sogar sehr stimmungsvoll war.

Sehr gespannt war ich auf Ewert And The Two Dragons aus Estland, die sich tatsächlich als die erhofft indie-poppige und endlos melodiöse Gutelaune-Band erwiesen. Das könnte noch etwas Größeres werden, will ich meinen. Denn sie haben richtige Hits wie den hier zu bieten.



Nach dem vorläufigen Ausfall von Denis Jones durften Other Lives aus Oklahoma schon recht früh am Abend ran, und der Truppe merkte man an, dass so ein familiäres Mini-Festival schon eine willkommene Abwechslung zu Stadiontourneen mit Radiohead ist. Die ersten beiden Nummern der beständig die Instrumente wechselnden Amis waren mir dann auch prompt zu umständlich radiohead-lastig, danach wurde es aber immer besser. Der Sänger ist schon sehr charismatisch, die Dame am Cello singt eine famose zweite Stimme und die vielen Instrumente (Unmengen Keyboards, Glockenspiel, Percussion, Geige, Pump-Organ) sorgen für einen mächtigen, üppigen Breitwand-Sound, der mich aufs Angenehmste an Lieblingsbands wie Decemberists und Portugal The Man erinnerte.
Ein rundum grandioser Auftritt, den man ganz entspannt direkt vor der Bühne geniessen konnte. Das wäre doch mal eine Truppe fürs nächste OBS, Rembert?

Insgesamt war das ein ganz herrlicher Sommer-Sonntag, mit sonnigstem Wetter und keinerlei Gewittergrummeln (wie überall angedroht). Nächstes Jahr sind wir garantiert wieder dabei. Respekt und Komplimente an die Veranstalter. ...und die Brauerei.

(Whirlyjoe)

Samstag, 4. August 2012

Dienstag, 31. Juli 2012

Shaolin Afronauts - Quest Under Capricorn

Zweites Album der avancierten Afrobeat-Truppe aus Australien.
Während das Debüt “Flight Of The Ancients” letztes Jahr noch relativ exakt zwischen Fela Kuti und Mulatu Astatke zu verorten war, hat sich der musikalische Horizont mittlerweile ein gutes Stück verschoben. Zwar spielen The Shaolin Afronauts noch immer wie einst in den frühen Siebzigern: groove-betont, brass-lastig-jazzig und fiebrig-treibend, der Vibe ist aber ein anderer. Maßgebliche Referenz ist diesmal Sun Ra, denn hier dominiert ein freifließender Jazzgeist mit der einen oder anderen teils wilden und sehr freien Bläser-Eskapade.
Die Basis fast aller Songs ist aber ein subtiles Fender Rhodes-Piano oder auch mal eine spacige Orgel, über die dann ein brodelnder Groove mir coolen WahWah-Gitarren und leichtem Blaxploitation-Touch gelegt wird, bevor dann fast immer die üppige Brass-Section das Geschehen an sich reißt. Wie diese komplexe, aufregende und innovative Musik inszeniert ist, erinnert deutlich an die Kunst des großen Jazz-Arrangeurs Oliver Nelson („The Blues And The Abstract Truth“), der einst in den 60ern ähnlich subtile und dynamische Klangbilder kreiert hat.
Womit „Quest Under Capricorn“ das Kunststück gelingt, subtile Jazz-Eleganz, psychedelische Voodoo-Beats und ungezügelt nach Freiheit strebende Kreativität unter einen Hut zu bringen.

(Whirlyjoe)

Samstag, 28. Juli 2012

Ondatrópica – Ondatrópica

Für Musik aus Kolumbien ist ja seit geraumer Zeit der großartige Will Holland aka Quantic unser sehr verlässlicher Gewährsmann.
Für dieses Projekt hat er sich mit Mario Galeano von der der kolumbianischen Band Frente Cumberio zusammengetan. Gemeinsam holten die beiden so ziemlich alle verfügbaren (also noch lebenden) Legenden der kolumbianischen Musikgeschichte in ein ebenso legendäres Aufnahmestudio in Medellín (laut Holland das Studio 1 Kolumbiens), wo diese 26 Nummern strictly analogue (und nicht nur deshalb so fantastisch klingend) aufgenommen wurden.

Und die Mischung aus alt und neu macht den Reiz von Ondatrópica aus, denn selbstredend sind hier auch die jungen  Musiker aus Quantics Umfeld dabei (Flowering Inferno etc.), die steinalte Latino-Styles wie Cumbia, Porro, Gaita und Champeta mit nicht ganz so alten wie Boogaloo und karibischem Ska vermischen, gelegentlich angereichert durch Modernes wie dezente HipHop-Beats oder auch mal etwas Latino-Rap. 
Die überwiegende Anzahl der Nummern klingt jedoch traditionell, mit brodelnder Percussion, wildem Gebläse, einem immer präsenten Akkordeon und atemloser guter Laune. Die zeigt sich auch im leicht bizarren Cover von Black Sabbaths „Iron Man“.
Es gilt also mehr denn je: wo Quantic drauf steht, ist immer Qualität drin.

(Whirlyjoe)

Mittwoch, 25. Juli 2012

Can - The Lost Tapes

Dass ich das noch erleben darf. Kann mich nicht erinnern, an dieser Stelle bei aller Lobhudelei mal von einer echten Sensation gesprochen zu haben.
Hier ist sie. Ein Traum wird wahr: das 3CD-Deluxe Box Set im 10-Inch Format mit über drei Stunden unveröffentlichter Can-Musik aus den besten Schaffensphasen. Macht sage und schreibe 30 faktisch neue Can-Tunes direkt aus der Zeitmaschine und in makellosem Sound.
Angemessen ausführlich kommentiert von Tastenmann Irmin Schmidt (Gratulation noch zum 75.!) und einem ausführlichen Essay von Ian Harrison.

Die verschollenen und vergessenen Tapes fanden sich beim Umzug des legendären Can-Studios in Weilerswist und wurden – so sagt man heute – von Irmin Schmidt und Daniel Miller (das Ganze erscheint auf Mute Records) kuratiert. Ganz wichtig: die Tracks aus den goldenen Jahren 1968-1977 sind keine Outtakes, Demos oder Alternativ-Aufnahmen, sondern unveröffentlichte Original-Songs, dazu kommen einige wenige (und sehr lohnende) Live-Aufnahmen (darunter ein fast 17-minütiges „Spoon“-Monster).

Wir hören Can in Höchstform, mit der stoischsten aller Rhythm Sections Holger Czukay und Jaki Liebezeit, Klangforscher Schmidt und dem unglaublichen Gitarristen Michael Karoli, den ich zum Helden dieser Aufnahmen küren möchte. Was für eine präsente, präzise und dennoch säurehaltige Gitarre Karoli einst gespielt hat, ist schlicht atemberaubend. Dazu singen Malcolm Mooney oder Damo Suzuki, wobei sich der ja eher unterschätzte Mooney vor allem beim zehnminütigen „Waiting For The Streetcar“ von 1968 als perfekte Stimme zum funkbetriebenen Mantra-Spacerock erweist.
Es gibt hier aber noch mehr echte Hits zu entdecken, denn die Sammlung besteht eben nicht aus B-Ware, sondern schließt geschmeidig die bislang gar nicht erkannten Lücken zwischen den regulären Alben. Wir hören also überwiegend echte Songs, psychedelische Rocknummern und nur selten das eine oder andere Klangexperiment.
Bleibt nur noch die Frage nach einer angemessen opulenten Vinyl-Edition, die ich bis Weihnachten unterm Baum liegen haben muss.

(Whirlyjoe)

Montag, 23. Juli 2012

The C-Types & Rocco Recycle im Sonic Ballroom

Mit BadaBing! und seiner reizenden Gattin beinahe pünktlich im Ballroom einlaufend wurden wir schon an der Tür von Rocco mit den Worten begrüsst: "Da seid Ihr ja endlich! Dann kann ich ja anfangen!".
Der Laden war trotz beinahe sommerlichen Aussentemperaturen ordentlich gefüllt.

Rocco legte dann auch gleich mit einer Vehemenz los, als müsse er sein komplettes Repertoire in den etwas enger gesteckten Support-Rahmen packen. Das machte sein Equipment zwar irgendwann nicht mehr mit, aber der coole Hund bewältigte alle technischen Herausforderungen äusserst souverain. So bewies er, dass man durchaus eine Gitarrensaite wechseln, seine HiHat neu verschrauben, Schlagzeug spielen und dazu singen kann - und das alles mehr oder weniger zeitgleich!
Als dann auch noch das Funk-Mikro ausfiel "...wohl an den Batterien gespart?" wurde halt kurzerhand in's Schlagzeug-Mikro gesungen.
Ein mal wieder überaus gelungener, kurzweiliger und sympathischer Auftritt der silbernen One-Man-Band.

Nach kurzer Umbau-Pause betraten dann die drei Herren der C-Types die Bühne. Standschlagzeug, Keyboards, Trompete, Theremin und Gitarre, that's it! - und es ist schon beeindruckend welche Sounds die Band aus ihrem überschaubaren Instrumentarium zaubert.
Musikalisch verortet sich das zwischen Rock'N'Roll mit Schräglage, groovendem Surf, lauter Filmmusik und leichten TexMex-Sprengseln.

 Der C-Types-Sänger machte sich dabei keinesfalls der Publikumsanbiederung schuldig; seine Moderationen bewegten sich zwischen skurilem Genuschel, sanftem Publikumsbashing und etwas wirren Ansagen. Das führte zu zahlreichen Zwischenrufen und irgendwo hinter mir grummelte jemand jedesmal "Was'n Arsch!".
Gefallsucht kann man diesem Mann zumindest nicht vorwerfen...
    
Musikalisch gab's bei den Männern aus dem MardiGrasBrassBand-Umfeld aber so gar nichts zu meckern:
sehr ansprechende, z.T. gar zwingende und tanzbare Mischung aus allerlei coolen Stilen inkl. zwei schweisstreibenden Zugaben!

Unbedingte Empfehlung - wenn die mal in Eurer Nähe spielen: hingehen!
Aktuell wird wohl auch in den fabulösen Toerag-Studios an neuem Material (und einer 7") gebastelt.

Insgesamt war das also mal wieder ein überaus gelungener und spaßiger Abend mit zwei großartigen Liveacts in einem der besten Clubs in Köln.

(K-Nut)


Samstag, 21. Juli 2012


Glitterhouse-Classic: The Walkabouts

Aus aktuellem Anlass (der gerade beendeten Europa-Tournee) ein kurzer Bericht zu der maßgeblichen Glitterhouse-Band, die mich nun schon seit fast einem Vierteljahrhundert begleitet.

Zum Tourbeginn hatten wir das Vergnügen, bei der Generalprobe im privaten Kreis dabei zu sein, denn die Band (beheimatet in Seattle und Ljubljana) traf sich zum Rehearsal im Glitterhouse-Headquarter Süd in Stuttgart. Ein schönes Erlebnis, die Musiker mal wieder im ganz privaten Kreis zu treffen, wobei sich das gespielte Set dann doch wieder zum Wunschkonzert entwickelte, mit den wenigen Gästen quasi mit auf der Bühne. Tolle Sache, danke für die Einladung, Peter.

Zum Tourabschluss traten die Walkabouts dann wieder in der Nähe auf (Esslingen am Neckar), diesmal mit den ebenfalls in der Nähe befindlichen Tamikrest anstelle von Andrea Schroeder als Support. Die Wüstensöhne aus Mali spielten ein leider sehr kurzes Akustik-Set, wobei wir Schwaben schon eine Woche vorher das Vergnügen hatten, ein fantastisches Tamikrest-Set vor mehreren tausend Besuchern auf dem Stuttgarter Marktplatz beim Festival der Kulturen zu erleben.

Die Walkabouts hatten danach leichtes Spiel, die knapp 200 Besucher (die anderen Konzerte waren laut Management teils noch deutlich besser besucht) auf ihre Seite zu ziehen – die meisten hatten die Band offensichtlich schon das eine oder andere mal live erlebt.
Das aktuelle Album Travels In Dustland halte ich zwar nicht für ihr bestes Werk, wobei die Reviews insgesamt ja hervorragend waren. Da halte ich mich doch lieber an die alten Songs, von denen vor allem Jack Candy und Grand Theft Auto vom 93er Album New West Motel die klaren Highlights waren.



Die kristallklare Gitarre von Paul Austin harmoniert perfekt mit dem (leider nicht mehr ganz so ruffen) Brett von Chris Eckman, und alle hatten offensichtlich viel Spaß am Spielen. Nach all den Jahren sind Walkabouts-Konzerte für mich zwar auch ein nostalgisches Vergnügen, sie schaffen es aber doch immer wieder, mich voll und ganz mitzureißen – und das seit nun fast 25 Jahren. Was eben auch daran liegt, dass die Jungs und Mädels eben keine abgehobenen Rockstars sind, sondern ganz normale, superfreundliche Leute.

Bei Chris Eckman möchte ich seinen wirklich ansteckenden Enthusiasmus loben, im Gespräch nach dem Konzert erzählte er mit leuchtenden Augen von seinen zukünftigen Projekten in Sachen afrikanischer Musik. Da wird sich bei Glitterhouse in Bälde sehr Erfreuliches tun. Wer das fantastische neue Album von Ben Zabo gehört hat, wird sich darauf ebenso freuen wie ich. Hört euch nur mal diese unglaubliche Gitarrenarbeit an! Das Lob für die hervorragende Produktionsarbeit, die Chris Eckman dabei geleistet hat, nahm er mit berechtigtem Stolz entgegen.

Auf jeden Fall werde ich auch bei der nächsten Walkabouts-Tour wieder dabei sein – eigentlich könnten sie ja auch mal wieder beim OBS auftreten, wie ich finde. Die Fotos hat Eckard gemacht, vielen Dank!

(Whirlyjoe)

Freitag, 20. Juli 2012

David Holmes auf dem Friedhof!

So, meine Lieben! Aus dem Exil zurück. Und hoffentlich in Kürze regelmässiger bis ganz regelmässig. Ich bin gerade dabei ein musikalisches Bonbon auszupacken, das ich euch nicht vorenthalten möchte. In Hollywood gibt es einen Friedhof, auf dem Filme gezeigt werden. Man wird dazu ermuntert, Decken und Picknick-Körbe mitzubringen. Vorher und nachher wird aufgelegt. Neulich hat das einer meiner alten Helden gemacht - ein gewisser David Holmes, dessen Mixe ich vor gut zehn Jahren sowas von geliebt habe und dessen 2002er Mixalbum Come Get It I Got It ab und zu noch immer aus dem Regal gezogen und gestreichelt wird. Ein paar Stufen aufwärts ging es danach, als er für die Soundtracks zu Blockbustern wie Out Of Sight und den drei Folgen Ocean's Eleven (+12+13) verantwortlich zeichnete. Da stand er nun auf dem Friedhof und legte auf und mixte, atmosphärisches Geschwurbel wechselt sich mit atmosphärischen Songs ab, eigentlich ist alles ganz schön atmo. Und ganz schön gut. Das erinnert mich ein wenig an die Late Night Tales von Air oder unser eigenes Mixtape Lazin' On A Sunday Afternnon - nur besser natürlich. Der ganze Mix ist fast 2 Stunden lang und kann hier gestreamt oder in 192 kbsec heruntergeladen werden. Tatsächlich ganz große Klasse wie er sich Zeit nimmt den Mix zu entwickeln, was er alles anspielt und wieder rausnimmt aus dem Mix und welche Atmosphäre (hatten wir schon, I know) er damit entwickelt. Maximum Respekt. (R-man)

Dienstag, 10. Juli 2012

Top Ten 2012 so far...
Whirlyjoe

Can – The Lost Tapes
Mein musikalisches Ereignis des ersten Halbjahres: 30 frische Originaltunes aus den besten Jahren direkt aus der Zeitmaschine, alles bislang unveröffentlicht und selbst die wenigen Live-Aufnahmen sind überragend. Hach….

Auch toll fand ich ansonsten diese hier, ohne Rangfolge.
Allo Darlin’ – Europe
Codeine – When I See The Sun/Complete Recordings
De La Soul – First Serve
First Aid Kit – The Lion’s Roar
Holmes – Burning Bridges
Soul Snatchers – Scratch My Itch
Spain – The Soul Of Spain
Sterne – Für Anfänger
Wave Pictures – Long Black Cars

Montag, 9. Juli 2012





Top Ten 2012 so far...
Black Caesar

Hervorragend: 
 
The Wave Pictures – Long Black Cars
Aus meiner Sicht ihr bislang bestes! Vielleicht etwas besser produziert, aber immer noch rumplig mit prägnantem Gesang, tollen Melodien und vor allem einer exzellenten Solo-Gitarre.

First Aid Kit – The Lion’s Roar
Wen dieser Gesang nicht berührt, hat ein Herz aus Stein!

Django Django – same
Experimenteller, hochklassiger Indie-Pop im Stile der Beta Band mit mindestens drei Turbo-Hits.

Tindersticks – The something rain
Für mich Überraschungsplatte des Jahres bislang. Große Stimmung nach wie vor.

Spiritualized – Sweet heart, sweet light
Als Ex-Spacemen 3-Fan kommt man an Jason Pierce nicht vorbei. Die 7. von ihm mittlerweile. Nicht alle haben gezündet, die aber schon. Allein ‘Hey Jane’ macht den Unterschied.

Beachtlich:

Dexys- One Day I'm Going to Soar, Michael Kiwanuka – Home Again,
Lee Ranaldo – Between the times and the tides, Beach House – Bloom,
The Shins – Port of Morrow, Diagrams – Black Light, AA Bondy - Believers

Bislang verpasst:

Nick Waterhouse, Bobby Womack, Dr.John, Gemma Ray, Spain, Alabama Shakes – wird kurzfristig nachgeholt!

Unverstanden:

Phantom/Ghost

Sonntag, 8. Juli 2012

Top Ten 2012 so far...
bluetwang

Meine Liste ist auch noch fertig geworden.
Mir fehlt der Zettel neben Bildschirm und Stereoanlage.
So hat es halt ein wenig Zeit gebraucht die 6 Monate zu rekapitulieren. Musikalisch haben mich in den vergangenen 6 Monaten diese Neuerscheinungen bewegt. Einiges davon dürfte es dann auch auf die Jahresende-Liste schaffen.
Einfach hingeworfen, ohne spezifische Reihenfolge. Das auch noch festzulegen tue ich mich immer sehr schwer.

The Funk Ark – High Noon
Afrobeat-Funk-Latin-Style. Erinnert an Afrika in den 70ern, die JB’s und die Fania Allstars oder auch Santana. Sehr heiss, sehr sommerlich.

Kingfisha – Kingfisha
Dub/Reggae aus Neuseeland. Von wo sonst?

John Hiatt - Paper Thin - The 1989 Canadian Broadcast
Auszüge seiner unsterblichen Topalben "Bring The Family" und "Slow Turning" aus einem Konzert in Ottawa das von einer lokalen Radiostation gesendet worden ist.

Chelle Rose – Ghost of Browder Holler
Lucinda Williams, Bobbie Gentry and Holly Golightly werden als Inspiration und Vergleich genannt. Von Ray Wylie Hubbard produziertes Album voll mit dripping gothic blues, rowdy country rock, atmospheric folk und einer anständigen Portion Memphis Soul.

Lee Fields - Faithful Man
Purer Soul. Geht ganz tief.

Janiva Magness - Stronger For It
Blues der Topklasse. Grandiose Version von Waits "Make It Rain" aber nicht nur das, auch der Rest überzeugt.

Malted Milk – Get Some
Top Blues und Soul aus Frankreich(!). Grandiose Stimme, gute Instrumentierung, geniale Produktion.

Anders Osborne – Black Eye Galaxy
Der Schwede aus New Orleans mit einem nicht ganz einfachen weil stilistisch sehr vielfältigen Werk das viel Aufmerksamkeit fordert.

Royal Southern Brotherhood - Royal Southern Brotherhood
Heisses Gebräu mit einigen bekannten Cracks. Spitze!

Warren Haynes - Live at the Moody Theater
Beim Stax-Logo auf dem Cover hat man hohe Erwartungen. Und die werden nicht enttäuscht. Der Typ wird immer besser.

Erick Baker – Goodbye June
Singer/Songwriter der neuen Generation.

The Shins – Port of Morrow
Einfach umwerfend guter Pop.

Sind wir doch gespannt was uns die zweite Hälfte noch bringt. Geniesst den Sommer!

Samstag, 7. Juli 2012

Top Ten 2012 so far…
Heino Walter

Täusche ich mich oder ist 2012 wirklich ein überdurchschnittlich ergiebiges Jahr für außergewöhnlich interessante Veröffentlichungen? Jedenfalls haben einige der in der Halbjahresbilanz vorgestellten Beiträge bei mir große Neugier ausgelöst. Und vielversprechende Sachen wie die dB`s-Reunion oder die 3. Solo-CD von Jim Cuddy (von Blue Rodeo) müssen auch noch entdeckt werden.
Wenn das so weitergeht, muss ich einen Kleinkredit aufnehmen…
Hier nun mein absolutes Highlight und die nicht minder lohnende Musik auf den Plätzen:

1. Neil Young & Crazy Horse - Americana NEIL YOUNG adaptiert uralte Volkslieder, die jeder schon mal gehört hat, wie Oh Susannah, (Oh my Darling) Clementine oder (Hang down your head) Tom Dooley (hier: Tom Dula) so, als kämen sie aus seiner Feder. Seine Begleitband CRAZY HORSE veredelt das traditionelle Liedgut mit ihrem Trademark-Sound. Die rumpelnde, stoische, mächtige Basis legen Billy Talbot und Ralph Molina an Bass und Schlagzeug. NEIL YOUNG und FRANK PONCHO SAMPEDRO steuern oft dröhnende, sich duellierende, mehr oder weniger verzerrte Gitarrenlinien dazu. Diesen Garagenrock mit Folkeinschlag zelebriert niemand sonst so vibrierend, energetisch und lebendig. Da darf es auch ruhig mal nicht ganz so perfekt sein. Hauptsache, die Spielfreude ist überschäumend. Und das spürt man hier bei jedem Titel.
Die Band findet die richtige Balance aus eingängigen Melodien gepaart mit brachialer oder auch einfühlsamer Begleitung. Die Interpretationen sind für CRAZY HORSE-Verhältnisse hier sogar sehr variabel und reichen von massiv rockig bis intim folkig mit verschiedensten Schattierungen dazwischen. Die besondere kreative Leistung des Quartetts wird gleich im Eröffnungstrack OH SUSANNAH deutlich: Das Stück beginnt relativ konturlos wie ein lockerer Jam und dann grooven sich die Musiker plötzlich in den Song rein, bauen Spannung und pure Magie auf.
AMERICANA ist meiner Meinung nach die überzeugendste NEIL YOUNG & CRAZY HORSE CD seit SLEEPS WITH ANGELS von 1994. Aber AMERICANA scheint zu polarisieren, denn dieses Werk hatte bisher noch niemand auf dem Schirm.

2. Nick Waterhouse - Time`s All Gone
Der bieder aussehende weiße Kalifornier präsentiert unbändigen Rhythm & Blues und verbindet ihn mit der Inbrunst des STAX-Sound und dem Schwung von MOTOWN-Klassikern. Einziger Makel: Mit 32 Minuten Spielzeit viel zu kurz.

3. Dr. John - Locked Down
Der Doktor ist weiter im Aufwind. Schon 1998 hat er auf ANUTHA ZONE bewiesen, dass ihn junge Mitstreiter zu Höchstleistungen inspirieren können. LOCKED DOWN ist unter den Fittichen von DAN AUERBACH von den BLACK KEYS entstanden. Der hat es verstanden, die Qualitäten seiner frühen Werke zu reanimieren und so ist mit LOCKED DOWN ein brodelndes, geheimnisvolles Projekt entstanden.

4. Quantic & Alice Russell - Look Around The Corner
Den bisher nicht stattgefundenen Sommer hat mir diese luftig-leichte Latin-Soul Kollaboration ersetzt. Sanfte hypnotische Grooves treffen auf die unvergleichlich einnehmende Stimme von Alice Russell. Hat ein bisschen gedauert, bis die CD ihre volle Wirkung entfaltet hat, dann aber gewaltig.

5. Darrell Scott - Long Ride Home
Der Multiinstrumentalist ist Mitglied von Robert Plant`s BAND OF JOY und nahm mit LONG RIDE HOME sein 7tes Solo-Album auf. Hatte er das Vorgängerwerk A CROOKED ROAD noch komplett alleine eingespielt, so hat er sich hier Hilfe von Szenegrößen wie GUY CLARK, RODNEY CROWELL und LLOYD GREENE geholt. Herausgekommen ist Country-Folk vom Feinsten. Besonders die Balladen sind eine Klasse für sich.

6. Michael Kiwanuka - Home Again
Er ist im Augenblick everybody`s darling. Seine Mischung aus BILL WITHERS und TERRY CALLIER ist ja auch grundsympathisch, ja eigentlich sogar zwingend. Hoffentlich bleibt er sich treu und zerbricht nicht am derzeitigen Medienrummel.

7. Menic - Railroad Blues Anthology
Nicht vom Titel täuschen lassen! Das ist kein klassisches Blues Album, sondern ein vor Optimismus strotzendes, selbstbewusst vorgetragenes Singer-Songwriter-Werk mit lebendigen, nicht glatt gebügelten Kompositionen im erweiterten akustischen Roots-Rock/Americana-Umfeld. Für mich bisher der Newcomer des Jahres.

8. Amos Lee - As The Crow Flie
Der Folks-Jazz-Barde trifft auf Joey Burns und John Convertino von Calexico und spielt mit ihnen eine 6-Track-CD mit hymnischen, entspannten, weiträumigen, seelenvollen Country-Folk-Titeln ein. Hoffentlich arbeiten sie weiter zusammen.

9. The Excitements - The Excitements
Retro Soul/Funk a la SHARON JONES & THE DAP KINGS mit der großartigen Sängerin KOKO JEAN DAVIS. So retro, dass sogar in Mono aufgenommen wurde. Spannend, abwechslungsreich und mitreißend, genau so muss solche Musik klingen.

10. Leonard Cohen - Old Ideas
 Die CD ist bei mir ein bisschen ins Hintertreffen geraten, denn diese Musik passt so gar nicht in die helle Jahreszeit. Aber die dunklen Tage kommen ja leider auf jeden Fall viel zu früh wieder. Und dann wärmt dieses abgehangene, merkwürdige sakrale Alterswerk wahrscheinlich wieder die Seele.

Jetzt schon die Compilation des Jahres:
Beat From Badsville Vol. 1 - Trash Classics from Lux & Ivy`s Vinyl Mountain
Vor kurzem bestellt und rasend schnell geliefert. Diese Zusammenstellung aus krudem, unangepassten, rarem Rock`n`Roll aus der Sammlung der CRAMPS-Leader ist nicht nur auf Grund des farbigen 10-Inch-Doppel-Vinyls ein Hingucker sondern auch noch aufgrund der mitgelieferten CD-Version universell einsatzbar. Ich freue mich jetzt schon auf Teil zwei.

Da nur eine Top 10 gemeldet werden sollte, sind die CD`s von Jack White, Lee Ranaldo, The Great Lake Swimmers, Cold Specks, Patti Smith, Lee Fields, First Aid Kit, Patrick Watson, Father John Misty (= John Tillman), Lambchop und Great Lake Swimmers nicht mit in die Wertung gekommen.
Mal sehen, wo sie sich am Jahresende wiederfinden.

Freitag, 6. Juli 2012

Top Ten 2012 so far...
K-Nut


Spain - The Soul Of Spain
Finde ich genau so großartig, wie das erste Spain-Album - und das finde ich wirklich verdammt großartig!
Glücklichmachende Wiederkehr des Josh Haden.

Der Rest ohne wertende Reihenfolge:

Bobby Womack - The Bravest Man In The Universe
Nur zu Beginn gewöhnungsbedürftig - ein absolutes Monster von einem Album. (s.u.)

Kelly Hogan - I Like To Keep Myself In Pain
Fast schon zu perfektes Amalgam aus Country und Soul. Dazu die denkbar beste Begleitcombo.

Die Aeronauten - Too Big To Fail
Sensationelle Wundertüte zum Band-Jubiläum; Doppel-Album mit einer höchst abwechslungsreichen "normalen" und einer völlig abgedrehten Instrumental-LP. Neben Koppruch die beste deutschsprachige Musik zur Zeit.

Gemma Ray -  Island Fire
Großzügiger instrumentiert, dadurch noch abwechslungsreicher als bisher. Unglaublich viele Einflüsse so geschickt verbunden, dass eine ganz unverwechselbare eigene musikalische Sprache entsteht. Bekennenderweise dauerverliebt.

Mary Epworth - Dream Life
Endlich! Zwar noch ganz frisch, aber der erwartete Debut-Volltreffer. Ein wunderschönes Album, dem es mit anscheinend spielerischer Leichtigkeit gelingt vernebelte englische Landschaften und sonnen-gleissende amerikanische Sandstrände zu verschmelzen. Ganz eigenständige Kunst.

Dexys - One Day I'm Going To Soar
Wie konnte ich es nur so lange ohne meine Lieblings-Dramaqueen Kevin Rowland aushalten? Die Arbeiterklassen-Ästhetik ist einer leicht operettenhaften Dandy-Attitüde gewichen, aber die relativ erdige Produktion reisst alles wieder raus. Gottseidank singt der Mann immer noch deutlich besser als er inzwischen aussieht. Tolles Album!

Tindersticks - The Something Rain
Zurück zu alten Stärken. Kommt nicht an die Grandezza der ersten beiden Alben heran, ist aber besser als alles, was danach kam. Live ein Erlebnis!

Holmes - Burning Bridges
Unverändertes Rezept, nach wie vor absolut betörend! Möchte ich unbedingt nochmal live sehen!

Pepe Deluxé - Queen Of The Wave
"Esoteric Pop-Opera" nennen die Herren das; in Wirklichkeit hören wir jedoch die besten Sounds, Grooves, Melodien und seltsamsten Harmonien seit langem. Kurzweiliger geht's nicht! Beeindruckt mich immer wieder (von der ersten Sekunde an). 

Knapp vorbei, dennoch empfehlenswert:

Django Django - Django Django
Electro-Pop, Tribal-Chants, Beach Boys-Harmonien, Disco-Stomps, Psychedelisches, elektrischer Glam-Rock, Western-Gitarren, Ethno-Gedöns, ...
Was sich jetzt liest wie Erbsensuppe mit Schokoflocken und Matjeshering klingt tatsächlich richtig lecker.


Kandidaten für die Jahres-End-Liste:

Andrea Schroeder - Blackbird (da bin ich mir sogar ziemlich sicher, ist aber noch nicht veröffentlicht)
Richard Hawley - Standing At The Sky's Edge (das wächst noch - aber ganz langsam...)
Nick Waterhouse - Time's All Gone (da hatte ich etwas mehr erwartet, vielleicht k(l)ickt's doch noch) 
Farmen - Farmen (tolle Arrangements, tolle Songs, alles auf Dänisch - noch ganz neu für mich)
Paul Buchanan - Mid Air (bei diesem Album bin ich bisher immer eingeschlafen, und das ist
noch nicht mal als Kritik zu verstehen)



...und damit begeben wir uns zurück in die Sommerpause (falls nicht doch noch ein paar Listen aufschlagen).

Donnerstag, 5. Juli 2012

Top Ten 2012 so far...
BadaBing!

Kinder wie die Zeit vergeht…
Dä! Gerade noch, Ende Januar, den Gisbert zu Knyphausen bei seinem schönen Auftritt im Gloria erlebt und schon ist es Hochsommer.

Platz Eins: The Tindersticks - The Something Rain
Inkl. großem Abend, auch im Kölner Gloria. Da fehlen mir fast die Worte, jetzt schon Platte des Jahrzehnts!

Platz Zwo: Spain – The Soul Of Spain
Ehrlich, ich kannte Spain bis dato nicht, aber die Platte bringt mich bei Stress immer wieder fein runter.

Platz Drei: The Black Seeds – Dust And Dirt
Reggae war eigentlich nie so richtig “mein Ding”, jedoch die Herrn aus Neuseeland konnten mich bei ihrem Auftritt im Underground richtig begeistern, und kamen auch nach dem Konzert äußerst sympathisch daher. Die Platte, Doppelalbum, läuft gern komplett, und dann zucken durchaus auch mal die Beine…

Platz Vier: Garland Jeffreys – The King Of Between
Auch da muß ich ehrlich sein, von ihm kannte ich nur  „Hail Hail Rock'N'Roll“ und natürlich „Matador“, aber auch hier: Großartige Platte, großartiges Konzert in der Kulturkirche zu Nippes, großartiges Comeback des kleinen Mannes!

Platz Fünf: Lana Del Ray – Born To Die
Beim ersten durchhören fand ich schon, naja, nicht schlecht, aber…mittlerweile mag ich die CD richtig gern.

Alles sicher recht mainstream, nun gut, aber es half mir über die ein und andere sportliche Katastrophe hinweg, am schlimmsten ist natürlich der Abstieg des geliebten Domclubs, dann das frühe (jawohl: Das FRÜHE!) ausscheiden der DFB-Elf bei der Euro, da half auch der Sieg gegen die Elftal nix. Sowie ein bisschen auch die Niederlage der Bayern gegen Chelsea.
…in dem Sinne “Zweite Liga: wir kommen!“

Schönen Restsommer!

Mittwoch, 4. Juli 2012

Top Ten 2012 so far
Pete F.

hier sind die Resultate der Ingolstadt-Jury:

01. Bobby Womack - The Bravest Man In The Universe
02. Spain - The Soul Of Spain
03. Michael Kiwanuka - Home Again
04. Dr. John - Locked Down
05. Amos Lee - As The Crow Flies (EP)
06. Nick Waterhouse - Time's All Gone
07. Jack White - Blunderbuss
08. Rufus Wainwright - Out Of The Game
09. The Tindersticks - The Something Rain
10. Patti Smith - Banga

Montag, 2. Juli 2012

Halbjahresbilanz 2012
An-Dréad

Patti Smith – Banga
Ich geb zu, dass ich als Fan mehr als befangen bin, deshalb außerhalb der Wertung. Bestes Album seit 1978 (das 2007er Cover-Album Twelve war auch schon überraschend gut), was freue ich mich auf den Open Air Gig mit den Walkabouts in Bonn nächsten Montag!

Hier die Liste:
1. Spain – Soul of Spain Comeback des Jahres. Ein Fest auf Glitterhouse.
2. Sergio Mendoza – Mambo Mexicano Latin-Platte des Jahres auf LePop, live noch besser.
3. Quantic & Alice Russell – Look Around The Corner Collaboration des Jahres, live mit Spielfreude eine Wucht.
4. Alabama Shakes – Boys & Girls Konsensplatte des Jahres, sehr schöner Groove das Ganze.
5. Gemma Ray – Island Fire Die 60’s Pop Queen jetzt Neu-Berlinerin und somit oft zu sehen.
6. Stabil Elite – Douze Pouze La Düsseldorf lassen grüßen, sehr gelungen!
7. Michael Kiwanuka – Home Again Auch gut: Nick Waterhouse – Times All Gone
8. Chairlift - Something Dream Pop Alternative mit noch mehr Autotunes: Polica – Give You The Ghost
9. Paul Buchanan – Mid Air Ebenso contemplativ ohne Vocals: Hilary Hahn & Hauschka – Silfra
10. Fenster – Bones Die Band der Stunde aus Berlin. Stammgäste: Wave Pictures – Long Black Cars

Noch recht frisch in der Folie: Bobby Womack – Bravest Man in the Universe (Tour leider abgesagt). Dexys – Someday I’m Going to Soar. Da fehlt mir noch der Kick.

Ohrwürmer, denen ich mich nicht entziehen konnte (schöne Videos auch):
1. Lana Del Rey – Video Games / Born to Die
2. Mount Washington – Lisbon
3. Gemma Ray – Runaway

Ein Tune aus dem letzten Jahr, der aus traurigem Anlass ständig im Radio läuft: Beastie Boys feat. Santigold – Don’t Play No Game I Can’t Win

Viele gute Berlin-Konzerte in chronologischer Reihenfolge (großartig: Mouse on Mars, Fenster, Sergio Mendoza, Quantic & Spain):
1. Walkabouts & Miss Kenichi - Lido
2. Black Keys & Portugal The Man – Arena
3. Mouse On Mars – Berghain
4. Mount Washington – Waschhaus (Potsdam)
5. Fenster – Marie Antoinette
6. Nick Waterhouse – Lido
7. Olafur Arnalds – Lindenpark (Potsdam)
8. Obsidians & Excellos – Roadrunner’s
9. Excitements – Bassy
10. Malia – Porgy & Bess (Wien)
11. Sergio Mendoza & Marianne Dissard – Heimathafen Neukölln
12. Holmes – Schokoladen
13. Tu Fawning – HAU2
14. Quantic & Alice Russell – Gretchen
15. Stabil Elite – Festsaal Kreuzberg
16. Spain – Lido
17. Codeine & Schneider TM – Festsaal Kreuzberg
18. Barbara Morgenstern – HBC
19. Manuel Göttsching & Ashra – UfA Fabrik
20. Jah Wobble & Keith Levine Play Metal Box - Volksbühne
Dreimal erlebt: die kleinste Ska-Band der Welt, die Skalitzer aus Berlin(-Neukölln),
gesehen: “Marley” auf der Berlinale.

Uff, war doch ganz schön viel los dieses Jahr.
Top Ten 2012 so far…
Günter Ramsauer

Gute Idee mit der Top Ten so far. Da kann man selbst überprüfen was sich bis zum Jahresende alles geändert hat. Also denn:

Nick Waterhouse – Time’s All Gone
Als Bankangestellter würde er kaum auffallen, als Sänger dagegen schon! Stimme und Musik platzieren sich ziemlich exakt zwischen R&B und Rock’n’Roll. Dazu The Naturelles als fantastisches weibliches Background Vocals Trio und zu den messerscharfen Bläsersätzen blitzen E-Gitarrenlicks und Riffs plus das famoseste Rhythmusgepoltere seit langem. Ein echter Hammer diese Platte!

Hiss Golden Messenger – Poor Moon
Zu Beginn etwas untergegangen bei den vielen Neuheiten, die ich mir so anhöre. Inzwischen ganz vorne in meiner Liste und bereits als Vinyl bestellt. Mike Taylor von The Court And Spark hat hier ein Americana Meisterwerk abgeliefert. Für Kopf und Bauch gleichermaßen!

Gallon Drunk – The Road Gets Darker From Here
Die hatte ich nicht mehr auf dem Zettel. Mehr als gelungene Rückkehr der Großstadtmelancholiker. Haut einen fast um mit welcher Urgewalt sie hier in Saiten, Tasten und Schlagzeug hauen. Der Sänger war ja schon immer eine Klasse für sich und hier faucht und zischt er mit Orgeln, Bass und Stromgitarren um die Wette. Phasenweise glaubt man einer Session der frühen Nick Cave & The Bad Seeds mit The Black Keys beizuwohnen. Ein Rock’n’Roll-Monster! Derzeit nur als Import (Vinyl + CD + Download-Code als limited Edition) erhältlich, im August wird es (meines Wissens) auch hierzulande veröffentlicht. Hervorragend produziert von Johann Scheerer (1000 Robota, Karamel) in dessen Clouds Hill Studios Hamburg.

Buxton – Nothing Here Seems Strange
Vom leisen Americana Folk bis zu beinahe lärmendem Roots Rock. Der AMG vergleicht mit Gram Parsons und Crazy Horse. Der Sänger hat die Emotionalität von Gram, von David Blue die Nonchalance und ein Ryan Adams ähnliches Timbre. Musikalisch geht das Richtung The Band. Bisher die Platte, die ich am öftesten gehört habe. Ein Americana Masterpiece!

Crybaby – Crybaby
Der frühe Richard Hawley trifft Morrisey. Verdammt toller Crooner dieser Danny Coughlan und was für schneidende Stromgitarren im transparenten Klangbild. Leider kein Vinyl.

Adam Arcuragi – Like A Fire That Consumes All Before It…
Wahrscheinlich nicht das kunstvollste Singer / Songwriter Album des Halbjahres, indes das mitreißendste. Vor lauter Begeisterung steht man plötzlich mitten im Raum, breitet seine Arme aus und fällt in die passionierten Gesänge und die himmlischen Chöre mit ein.

Michael Kiwanuka – Home Again
Den werden einige in ihrer “so far Liste” aufführen. Immer wieder fallen die Namen Bill Withers und Terry Callier, ich füge Lou Bond hinzu. Smoother Soul-Folk ist das, der unter die Haut geht. Ganz wunderbar!

Chicken Snake – Trouble On My Doorstep Blues
Stompin' Rock'n'Roll im Geiste von Holly Golightly, Billy Childish etc. Das rockt und stampft bis zum Abwinken!

Dry The River – Shallow Bed
Die Briten wurden mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Da war ich zunächst eher skeptisch. Zu Unrecht, denn diese erhabenen, teils mächtigen Songs gehen ins Ohr ohne anzubiedern. Brit-Folk-Pop trifft Westcoast-Harmonien!

Wovenhand – Live At Roepaen
DVD und CD haben die Magie eines Wovenhand-Konzerts in seiner dunklen Poesie und sakralen Wucht mehr als eindrucksvoll eingefangen.

Des weiteren: Tiny Ruins, Mariee Sioux, Patrick Watson, Will Stratton, Lindsay Fuller, Sophia Knapp, The Dynamite Pussy Club, Alabama Shakes, Gemma Ray, The Wave Pictures, Holmes, Leonard Cohen, Paper Dollhouse

Donnerstag, 28. Juni 2012


Bobby Womack - The Bravest Man In The Universe

Bobby Womack hat mich bis in die bösen 80er hinein begleitet und ich habe seine Poet-Alben geliebt. Das war zum Teil völlig überarrangierter aber dennoch hochgradig seelenvoller Stoff. Dieser großartigen Stimme konnte einfach kein Produktions-Overkill (und auch kein noch so scheussliches Album-Cover) etwas anhaben.
Dann wurde der Mann irgendwann sehr sehr krank, man hörte lange gar nichts mehr von ihm.
Und jetzt ein neues Album, nach 18 Jahren.

Vorab gab es einen sehr ungewohnten Song zu hören, und ein noch eigenartigeres Video dazu: "Please Forgive My Heart". Seltsame, aber wohl hochmoderne Beats, ein karges Arrangement mit sparsamen Piano-Tupfern und etwas Synth-Begleitung. Zum Ende dann noch ein wenig Gitarre... Ziemlich befremdlich das ganze. Die gealterte, aber immer noch großartige Stimme packt allerdings zuverlässig. Ich habe den Song relativ oft hören müssen - um dann doch in freudiger Erwartung das Album (Vinyl inkl. CD)zu kaufen.
Wäre es doch der einfachere Weg gewesen für ein Comeback einen, für solche Fälle bewährten Produzenten, wie Joe Henry oder Mark Nevers (die ich beide sehr schätze!) zu verpflichten - nein das ganze Album geriet in die Hände von Richard Russel, dem Chef von XL Records, und Damon Albarn. Und die beiden lassen den alten Mann über ein Gerippe von Beats, Synth-Bässen und Spuren-Elementen von Klavier und Gitarre singen. Das hat ähnlich, wenn auch nicht ganz so radikal, bereits bei der letzten Russel-Produktion für das leider letzte Gil Scott Heron-Album funktioniert.


Ich habe zwar ein Weilchen gebraucht um zu dieser Einsicht zu kommen, aber dies ist ein großartiges Album! Das Ding wächst und wächst. Die Kompositionen taugen durchweg, die Stimme ergreift sofort und alles greift irgendwann perfekt ineinander.
Zum Ende hin wird es zwar etwas schwächer, "Love is Gonna Lift You Up" ist mir etwas zu simpel und "Jubilee" geht mir mit seinem stupiden Geballer dann doch gehörig auf die Nerven. Mit der Nummer kann man (trotz mal wieder tollen Vocals) jedem Atzen-3er-BMW an der benachbarten Ampel Konkurenz machen. Ein unwürdiger (und gottseidank sehr kurzer) Abschluss für ein insgesamt überragendes Album.

Meisterwerk!
(K-Nut)

Montag, 25. Juni 2012


shake baby shake vs. Sommerloch

....tja, da hat das jährliche blog-Sommerloch anscheinend etwas früher und heftiger als gewohnt zugeschlagen.
Das mag private oder berufliche Gründe haben, vielleicht liegt es an der EM, am Kackwetter oder einfach daran, daß seit dem OBS eigentlich nix spannendes mehr passiert ist

Und so saß ich nun gestern vor der Glotze und während das England-Italien-Spiel gen Ende immer langweiliger wurde, überlegte ich mir wie man unser blog-Baby mal wieder etwas wiederbeleben könnte.
Online-Mixtapes wurden ja bereits vorgeschlagen - aber aus diversen Gründen haben wir uns ja schon (leider) vor geraumer Zeit davon verabschiedet.

Ein bisschen Mitarbeit von Euch, lieben Lesern, finde ich persönlich ja auch immer sehr hilfreich. Und da ich neben Plattenspieler und Rechner immer einen Zettel liegen habe, auf dem ich mir besonders gelungene Tonträger notiere (damit ich sie bei der "Jahres-Endabrechnung" nicht vergesse), dachte ich mir "Warum nicht einfach mal 'ne Liste zur Halbzeit-Pause?".
Der Guardian macht das ja auch immer im Juni: "best albums 2012 - so far". Und falls im Dezember tatsächlich die Welt untergeht, wären wir unseren Listenpflichten schon längst brav nachgekommen...

Angesichts des kürzeren Zeitraumes würde ich um maximal 10 Alben-Nennungen bitten. Singles, Bücher, Filme sind natürlich auch willkommen. Also: welche 2012er Alben haben sich bisher als absolut unverzichtbar und empfehlenswert herausgestellt?
Mails (gerne mit einer separaten Bilddatei des Lieblingsalbums) bitte an top-10 (at) live.de.
Unter 5 Beiträgen fange ich allerdings gar nicht erst an! 
Freue mich über jede Wortmeldung! Haut rein!


(K-Nut)



Sonntag, 3. Juni 2012


"This is Ace!"
OBS16 revisited Teil 3

Der Sonntag:
K-Nut:
Ich verschlafe und versäume den surprise act The Frictions. Das tut mir leid.

Whirlyjoe:
Oh weh, ich auch. Soll wie Crazy Horse geklungen haben, argh! Nächstes Jahr muss ein Wecker mit ins Sarglager in Lauenförde, wo wir wieder höchst komfortabel bei Heike und Axel wohnen durften – tausend Dank noch mal euch beiden!

Pete F.:
Tja Jungs, in Sachen The Frictions habe ich Euch was voraus. Habe allerdings auch, um der Wahrheit die Ehre zu geben, am Vorabend den Stadtkrug geschwänzt.
Aber, oh boy, dieses Konzert war jedes Opfer wert. Chris Eckman und seine slowenischen Kumpels im klassischen Zwei-Gitarren-Bass-Schlagzeug-mehr-braucht-kein-Mensch-Modus reiten das Verrückte Pferd mit einer Begeisterung und Spielfreude, dass es nur so eine Art hat. Selten habe ich Chris so locker und so selig gesehen.
Highlights: der abgespeckte Walkabouts-Klassiker „The Stopping-Off Place“, die Zugabe „Revolution Blues“ (von Neil Youngs epochalem „On The Beach-Album“, einer meiner Top-5-Platten für die Ewigkeit) und eine Handvoll mir bis dato völlig unbekannter Klassesongs von The Frictions.
Long may you run, guys.

K-Nut:
Clickclickdecker finde ich nett und einige mich mit Joe auf „Mädchenmusik“.

Whirlyjoe:
Sag ich doch. Grundsympathisch bei derber Mittagshitze.

K-Nut:
Von Nive Nielsen hatte ich ja im Vorfeld behauptet, ihre Musik lebe auch von einem gewissen Niedlichkeitsfaktor. Da sollte ich recht behalten – das gilt auch live und ebenso für ihre komplette Band The Deer Children. (Besonders auffallend dabei die expressive Drummerin.)
Dennoch überrollt mich diese Niedlichkeits- und Charme-Offensive ohne ernsthaften Widerstand meinerseits. Hach! Sofort das Album gekauft!

Whirlyjoe:
Da sind wir uns völlig einig. Supernette Typen, niedlich und herzlich, die Schlagzeugerin tatsächlich was Besonderes. Mir fehlt es live und auf Platte ja noch an klaren Songstrukturen, so ein Konzert funktioniert aber auch ohne Mitsing-Hits. In der Tat eine vielversprechende Entdeckung, die den zu immer noch früher Stunde erfreulich gut gefüllten Garten ergriffen zuhören ließ.

Pete F.:
Für mich ist Nive Nielsen die Königin der Herzen dieses Festivals. Singt über Staubsauger und darüber, dass ihr Freund ohne Kaffee nicht in die Gänge kommt. Banal eigentlich, doch es klingt, als hätten Engel diese Songs geschrieben.
Im Ernst: Miss Nielsen könnte mir auch das Telefonbuch von Paderborn vorsingen - ich würde fasziniert lauschen.

K-Nut:
The Travelling Band hatte mir Joe sehr ans Herz gelegt. Mit ihm recht weit vorne eine halbe Stunde geschwelgt, weitere zehn Minuten ausgeharrt, dann nach hinten ein Bier holen und nicht zurückgekehrt. Das ist mir schon fast zu schön und darum nicht aufregend genug. Auf dem Weg zur Zinkrinne drei Klappstuhl-Besitzer beim konzentrierten Zeitung-Lesen beobachtet - das finde ich wiederum irgendwie doof.

Whirlyjoe:
Ich bin gegen Klappstühle. Die bärtigen Briten finde ich dennoch großartig, selten zwei so prächtig harmonierende Singstimmen gehört. Ihr Auftritt vor einigen Wochen in der schwäbischen Diaspora war noch ein wenig deftiger in Richtung Southern Rock gegangen, dennoch verschaffte mir die Travelling Band schon beim Einstieg den OBS-typischen Gänsehautmoment.
Einer der Sänger gab in seiner Begeisterung dann auch das Motto für diesen Festivalbericht aus: „This Is Ace!“


Pete F.:
Gänsehaut, that‘s it: Als der Sänger sich langsam vom Mikro wegbewegte und die komplette Band loslegte, habe ich, glaube ich, gejauchzt vor Glück. Tolle Harmonies und alles - aber ein paar mehr memorable Songs wären schon schön gewesen.

K-Nut:
Bei den Fog Joggers eine enorme Girlie-Dichte vor der Bühne festgestellt. Wo kommen die plötzlich alle her? Die unbeschuhten Bengels klingen mir inzwischen fast etwas zu erwachsen und abgehangen. Gute Songs und Bühnenpräsenz dennoch. Weitermachen!

Ich bezeichne The Flying Eyes backstage unflätig als „Kinder mit Bärten“. Auf der Bühne fliegen keine Augen sondern Haare, viele Haare! Das rockt wie in den Siebzigern, seitdem aber nicht viel dazugelernt. Aber ganz große Live-Qualitäten, zweifellos! Leider viel zu wenig Pedalsteel gespielt. (Der beste Song war der von der Hömma-Compi.) Dennoch sehr angetan!

Whirlyjoe:
Nach ausgiebigem Chillen an der lauschigen Weser (und dem Verpassen der Fog Joggers und Orph) waren The Flying Eyes dann aber ein echter Knaller. Psychedelischer Boogie’n‘Blues-Hardrock wie anno 73. Freut mich immer sehr, dass auch nachwachsende Generationen von Langhaarigen diesen unverwüstlichen Sound pflegen. Stilistisch zwischen der ersten Bad Company, Blue Cheer und „Stranglehold“ von Ted Nugent.

Pete F.:
Mein Tipp war ja Cobo Hall, Detroit, 1971: Das ging aber auch mächtig los. Songs wie Lava, Gitarrensoli wie ein Güterzug, den keiner stoppen kann, und Vocals in der Tradition großer Shouter (sagt man das heute noch so?). Machen wir‘s kurz: Solange es noch junge Menschen gibt, die so eine Musik spielen, kann diese Welt nicht ganz schlecht sein.

K-Nut:
Die Spain-LP (die CD habe ich schon) kaufe ich mir schon vor dem Auftritt, nötige Josh Haden ein kurzes Gespräch auf, lasse mir das Cover signieren – so benehmen sich nur Fanboys? Ok, ich gestehe.

Hätte mir vor einem Jahr jemand erzählt Spain machen ein neues Album und spielen auf dem OBS. Ich hätte es niemals geglaubt! Seit Anfang an bin ich ein echter Fan von Josh Haden, der sich als extrem netter und höflicher Mensch erweist.
Kündigt mir Andread vor dem großen Finale noch an: „Josh Haden spricht auf der Bühne kaum ein Wort.“ (Das war beim Berliner Gig – vor 61 Gästen; schämt Euch, Ihr Ferngebliebenen! – wohl so) gibt der Mann auf der OBS-Bühne die Festival-Rampensau. Wen und was er da so hochleben lässt: nette Geburtstags-Kinder (die WDR-Tonfrau), Boote, Papa Charlie, Rembert, Lutz, das Glitterhouse, etc.; das ergibt ein tolles Spannungsfeld zwischen befreiendem Gelächter und ergreifenden Tränenziehern.
Musikalisch ist das in meinem Universum kaum noch zu toppen und löst Michael J. Sheehy/The Miraculous Mule als bisheriges OBS-Highlight ab. (...sorry Michael) Das war für mich kein Konzert, das war so etwas wie eine Messe! Mein bisheriger OBS-Höhepunkt in immerhin 14 Jahren.
Ich bin tatsächlich zwischenzeitlich den Tränen nahe und lache anschließend mit den Umstehenden um die Wette. Nuff said!

Whirlyjoe:
Ich hab’s ja nun nicht so mit Gottesdiensten, habe mich aber auch schon sehr auf Spain gefreut, denn das neue Album auf Glitterhouse ist wirklich sensationell und die alten Sachen der Band eh über jeden Zweifel erhaben. Hadens Performance geriet dann für einen gottesfürchtigen Amerikaner doch ein wenig eigentümlich („…in the motherfuckin‘ house!!!“), in einem Interview während des Festivals bezog er sich ja lustigerweise auf Ozzy Osbourne, was tatsächlich ein wenig Licht in die Sache bringt. Die Musik war jedenfalls einfach nur ganz wunderbar. Gänsehaut pur, erhabene Schönheit und als letzte Zugabe „Spiritual“. Wow, besser geht’s nicht – auch wenn die Meinungen zu Spain anscheinend weit auseinander gehen.

Pete F.:
Dem ist ganz wenig hinzuzufügen. Auch für mich das - neben Midnight Choir (die Älteren werden sich vielleicht erinnern) - wohl schönste Konzert der 13 OBSe, die ich bisher besuchen durfte. Wie Knut stehen mir beim Spain-Auftritt Tränen des Glücks in den Augen. Es ist ergreifend. Wunderschön. Unvergesslich. Ein magischer Moment. Danke, Josh Haden. Danke, Euch allen für ein Festival, das ich immer in meinem Herzen tragen werde. Und dann fließen die Tränen doch, auch weil ich meinen Freund Reinhard noch selten so emotional erlebt habe wie bei seinen Abschiedsworten.

K-Nut:
Rembert und Reinhard sprechen die famosen letzten Worte des OBS16. Rembert dankt, Reinhard erzählt Interna, während Rembert um Jahre altert. Alle sind bewegt, alle lachen – wie bei Spain. Ich bin schon wieder (oder immer noch) gerührt. Was für ein Finale!
Bevor ich tatsächlich noch anfange in mein Bier zu weinen, ab in den Stadtkrug!

Ca. 80% der Gäste sind auf der Tanzfläche. Der Sänger der Flying Eyes tanzt sturzbetrunken, aber unfallfrei, auf seinem Barhocker stehend, und lässt sich anschließend von den Umstehenden den nackten Oberkörper signieren. Um kurz nach Sieben verabschiede ich mich, während die Glitterhäusler zum traditionell letzten Song „Smells Like Teen Spirit“ abheben.
R-man meint: „Ich würde sonst was geben, hätte ich jetzt John Miles’ Music dabei!“
Ich gehe und sehe, dass Jens seinen Plattenkoffer wieder ausgepackt hat.
Die Sonne scheint.
Ich bin glücklich.


Pete F.:
Glücklich ist das Stichwort: Ich halte zwar nur bis zwei Uhr morgens durch, aber als ich gehe, fühlt es sich an, als würde ich eine Familie verlassen. Für ein ganzes langes Jahr. Auf dem Weg zum Hotel schon wieder Tränen. Aber Tränen der Freude. Über die Musik. Und darüber, Euch alle kennen zu dürfen. Danke.


Whirlyjoe:
Danksagungen gehen wie immer an Alle: Macher und Gäste, Künstler, DJs und Dienstleister. Extrapunkte verleihe ich an die Sound-Crew (High Fidelity live!), das ebenso wunderbare wie hartschuftende Stadtkrug-Team, sowie den Bäcker am Eingang für den Käsekuchen. Den schönsten Sailorgirl-Pulli trug – Sailorgirl.

K-Nut:
Käsekuchen hatte ich keinen, ansonsten kann ich mich nur in allen Punkten anschliessen. Rembert, Yannick: alles richtig gemacht!
R-man: Danke!!! Die famosen Richters und die restliche Stadtkrug-Crew - Ihr seid großartig.
Give it up to OBS!

Samstag, 2. Juni 2012

"This is Ace!"
OBS16 revisited Teil 2

Der Samstag:

K-Nut:
Auch wenn es schwerfällt: Für Rocco Recycle geht es früh aus dem Bett. Gefrühstückt wird am Weserufer. Die Sonne knallt auf den Schädel. Rocco hat sich die große Bühne absolut verdient. Er bestreitet, sich im Glitterhouse hochgeschlafen zu haben. Ich glaube ihm.
Blues, Garagenrock und durchaus mal ein paar poppige Töne, alles höchst unterhaltsam. Ein perfekter Start in den Samstag.

Whirlyjoe:
Verflucht – ich hab Rocco verpennt. Bin aber auch mit schwerem Schlafdefizit angereist. Asche auf mein Haupt, ich könnte mir jetzt noch in den Hintern beißen.

K-Nut:
Amanda Rogers hat abgesagt. Ich bin nicht traurig. Als „Ersatz“ kommt Scott Matthew. Ich bin begeistert. Scott singt ausschließlich Coversongs zu Gitarre oder Ukulele. Die Auswahl der Songs ist hochgradig eklektisch, alles wunderschön und very charming.

Whirlyjoe:
Also ich hätte mir Frau Rogers sehr gerne angesehen. Scott Matthew schätze ich ja sehr, aus dem hinteren Garten genossen, erschließt sich der Reiz seiner superentspannten Performance aber nur bedingt. Erneut mein Fehler, aber immerhin habe ich Songs von Sex Pistols und Whitney Houston erkannt. Der Mann hat einfach Stil und Charisma.

K-Nut:
Das "Opfer" der unpassenden Uhrzeit und des schönen Wetters ist diesmal Andrea Schroeder, sind ihre Musik und Stimme doch eigentlich für düstere und späte Augenblicke prädestiniert.
Aber lassen wir dieses Luxusproblem mal beiseite, ich sehe und höre einen wundervollen und bewegenden Auftritt. Einige finden Frau Schroeder zu „divenhaft“, ich finde ihr Auftreten äusserst passend. (Abseits der Bühne ist mein Eindruck auch ein völlig anderer.) Ich ergattere das Album und liebe es. Die Dame hat einen neuen Fan.

Whirlyjoe:
Hui, da war‘s aber mal richtig heiß. Das hatte ich gut durchgebraten vor der Bühne aber schnell vergessen. Gemeinsam mit Pete F. genossen wir die dunkle Schönheit ihrer noch dunkleren Musik, hörten deutliche Einflüsse von Nico, Cowboy Junkies und Mazzy Star heraus. Das Album will ich als Vinyl.

Pete F.:
Wo, bitteschön, darf ich die roten Rosen hinschicken? Im Ernst: Andrea Schroeder und ihre fabelhafte Band sind für mich die Entdeckung dieses OBS. Eine charismatische Sängerin, kongeniale Begleiter, wundervolle Songs, eine Atmosphäre, als träfen sich Nico und Nick Cave, Margo Timmins und Beth Gibbons zur Séance - Andrea und ihre Jungs würde ich für mein Leben gern in einem in blaues Licht getauchten Club erleben, wenn sie schon im sonnendurchfluteten Glitterhouse-Garten so zu betören wissen.
Achtung: Anfang September erscheint das Album offiziell. Kaufen!

Und Scott Matthew war natürlich so großartig wie immer.

K-Nut:
The Fuzztones auf dem OBS. Sie sind tatsächlich da und rocken das Haus bzw. den Garten. Den Saxophonisten, der sie auf dem Stag-O-Lee-Shakedown noch begleitete, haben sie gnädigerweise daheim gelassen.
Die Herrschaften machen einen überaus gut gelaunten Eindruck. Ein Teil der Gäste ist irritiert, der Rest begeistert.

Pete F.:
Genau deswegen höre ich seit 40 Jahren Rock and Roll: Cool, calm and collected legen Rudi und seine Spießgesellen einen Wahnsinnsauftritt hin. Und die gute, alte Vox treibt mir immer noch und immer wieder Tränen der Begeisterung ins Auge. Weiß übrigens wer, wo Lana Loveland ihren einteiligen Zebra-Suite herhat?

Whirlyjoe:
Ich hatte auch befürchtet, dass das mit den Garagen-Legenden im sonnigen Garten nichts wird. Aber ganz im Gegenteil – Rudi und seine Mistreiter strahlten mit der Sonne um die Wette, gaben sich während des gesamten Festivals freundlich, volksnah und handzahm – und legten ein total souveränes Konzert hin.

Das Publikum blieb leider ein wenig misstrauisch, während ich dann doch sehr froh war, ein tolles Konzert privilegiert vom seitlichen Backstage-Bereich zu erleben. Am Durchgang zum Instrumentenkeller war es fast ein wenig zu kühl….

K-Nut:
Auch Kill It Kid mussten absagen. Das finde ich sehr schade. Ihren Platz übernehmen Navel aus der Schweiz. Gefällt mir größtenteils sehr gut. Einige Menschen aus meinem Umfeld, die ansonsten ganz andere Musik hören, sind gar begeistert und kaufen Navel-Schallplatten.
Erland & The Carnival gefallen mir trotz latent vorhandener Indie-Hype-Allergie meinerseits erstaunlich gut. So abwechslungsreich wie erhofft. Sie spielen sogar eine Stagger-Lee-Version.

Whirlyjoe:
Von meinen Indie-Freunden vorab in höchsten Tönen gepriesen, wurden die hohen Erwartungen dennoch problemlos erfüllt. Zweifellos ist die Band mit dem Gitarristen von The Verve ein Fall für das jüngere Drittel des Publikums, aber wie sie das mit sonnigen Mitsing-Melodien, hüfenden Beats und tollen Plinker-Gitarren gemacht haben, finde ich ganz famos. Die perfekte Stimmungsband zur Primetime.


Pete F.:
Das kann ich nur unterschreiben, Joe, bis auf einen Punkt: In meinem Fall war‘s auch ein Fall für das älteste Viertel im Publikum. Großes Kino. Nuff Said.



K-Nut:
Immanu El brauchen eigentlich keine Dia-Schau im Hintergrund. Sie haben trotzdem eine.
Ich denke zu Beginn an die betörenden Holmes aus dem Vorjahr. Auf Dauer wird mir das aber zu drängend, zu dräuend und zu ähnlich in der Struktur.
Wir brechen auf.

Im Stadtkrug brennt die Hütte. Alle DJs in Bestlaune und Höchstform. Lustige Musikwünsche nur vereinzelt – es trifft Stompin Johnson mit: „Das ist die Nummer Eins der Deutschen Charts! Das kennst Du nicht?“
Alle anderen tanzen. Der Schweiß tropft mal wieder von der Decke. Das Thekenteam schwitzt solidarisch mit.

Whirlyjoe:
Oh ja. Das war voll. Und laut, heiß und verraucht. Stadtkrug eben. Der Sound: strictly spoonful auf Anweisung des Chefs. Bekannte Hits muss man dort nicht mehr spielen, damit die Massen tanzen. Hier wurde tatsächlich über die Jahre etwas aufgebaut. Ein Beweis für die Klasse des OBS ist ja immer wieder auch die Tatsache, dass teils prominente Musiker im überfüllten Stadtkrug ihre Hüften schwingen – am Samstag wurde mehrere Fuzztones gesichtet, am Sonntag wie immer auch Chris Eckman.


- to be continued -

Freitag, 1. Juni 2012

"This is Ace!"
OBS16 revisited Teil 1

K-Nut:
 ...und ratzfatz ist das Pfingstwochenende schon wieder rum; das Internet quillt über von OBS-Lobhudeleien. Alle sind hochgradig wohlwollend, alle sind durchgängig positiv, alle sind wahr!
Und wir sind mal wieder ziemlich spät dran. Unsere Ausreden sind aber gut: Wir hatten keine Laptops dabei, wir haben wenig geschlafen, wir haben viel getrunken.

Um es diesmal etwas kompakter zu halten, haben wir uns dazu entschieden, nichts zu Bands zu schreiben, die wir entweder gar nicht gesehen haben oder nicht ganz so aufregend fanden.

Der Donnerstag:
 Anreise aus Köln, zur Abwechselung mal völlig problemfrei. Leider nicht über Paderborn – der liebe Chrispop ist traurigerweise diesjährig nicht dabei. Dafür habe ich mit Martin und Steffi nette Mitfahrer an Bord.
Ankunft am Stadtkrug: großes Hallo, nette Menschen, gute Pizza bei Harry, das erste Bier. Im Stadtkrug ist es mir viel zu heiß, ich verpasse Crocozebra. Alle sind begeistert, sogar der dezent durchnässte R-man. Crocozebra haben viele tanzwütige junge Menschen mitgebracht, der Stadtkrug ist rappelvoll, der Schweiß tropft von der Decke. Das macht Spaß.
Ich verlasse den Laden im Morgengrauen - müde, nass, aber glücklich.

Pete F.:
Spätestens wenn Axel im Stadtkrug Buffalo Springfields „For What It‘s Worth“ auflegt, weiß ich: Irgendwie bin ich back where I belong. Und dann auch mal wieder „Spoon“ von Can in aller Öffentlichkeit gehört (und nicht nur in der stillen Music-Lover-Klause daheim) - das hat schon was. R-Man und K-Nut lassen die Temperaturen mit ihren Platten anschließend ins Subtropische klettern. Was für eine Nacht, was für ein Start.


Der Freitag:
K-Nut:
Früh raus – die Arbeit ruft! Der Stag-O-Lee-Stand will aufgebaut werden. Obwohl wir diesmal nur zu zweit sind und entsprechend früh angefangen haben, sind wir überraschend zügig fertig. Zweite Dusche, der Tag kann kommen! Die Stuttgarter trudeln ein, großes Hallo zum zweiten.

Whirlyjoe:
Trudeln trifft es. Vier vollgepackte PKW (die meisten von uns campen ja) wollen erst mal koordiniert sein. Der für früh geplante Start verlief dann doch eher unkoordiniert und entsprechend stauträchtig. Was uns dann gleich mal den Auftritt von Alamo Race Track kostete.
Christian Kjellvander nahm ich dann leider nur im Hintergrund wahr, denn das Hallo im OBS-Garten wird tatsächlich immer größer, länger und breiter – versüßt mit den ersten leckeren Bieren – so muss das sein! 

K-Nut:
Christian Kjellvander klingt tatsächlich, als wäre er schon mehrfach auf dem OBS aufgetreten. Passt wundervoll hierhin. Stimmungsvoll und ergreifend – sehr schön, das!
The Moon Invaders
Irgendwo lese ich, dass Reggae auf dem OBS immer ein Zuhause hatte. Das ist mir neu!
Die Belgier füllen den Garten (siehe Foto vom Dienstag). Seelenvoller und gar nicht eintöniger Spaß. Da könnte man durchaus gerne eine Tradition draus machen.

Whirlyjoe:
Den Quatsch mit der Reggae-Tradition hat der Herr vom Rolling Stone verbreitet. Tsss. Lustiger war da schon die Ansage, dass die Moon Invaders auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn an Bord waren – wir wissen, von welchem. Danke R-man fürs Entdecken der famosen Belgier, die diesmal eher noch besser als vor zwei Jahren beim Stag-O-Lee Shakedown waren.

K-Nut:
The Miserable Rich gingen beim OBS13 ja gänzlich an mir vorbei. Ob’s am fehlenden Schlagzeug, der unpassenden Uhrzeit, zu großer Entfernung zur Bühne oder an falscher Gesellschaft lag? Wer weiß – diesmal gefällt mir das irgendwie! Verführt mich zwar nicht zum Plattenkauf, ist aber bei Weitem nicht so verkopft, wie mich der OBS-Compi-Track vermuten ließ.

Pete F.:
„Time is a jet plane“, sang Bob Dylan einst in „You‘re A Big Girl Now“, „it moves too fast.“ Manchmal hat es aber auch was, wenn die Zeit rast: Man behält offenbar nur das Essenzielle in Erinnerung. Und so ist für mich der Freitag - bei allem Respekt vor den sympathischen Alamo Race Track, dem großartigen Christian Kjellvander und den bewährten Miserable Rich - der Tag der Moon Invaders, jenes bläserbetriebenen Ska-, Reggae- und Soul-Kraftwerks, das angeblich aus Belgien stammt. Wo doch jeder, der Ohren hat zu hören, weiß: Die können in ihrer ganzen groovigen Grandezza nur aus Kingston oder New Orleans kommen
Furios. Nicht weniger.

K-Nut:
Der Stadtkrug ist mal wieder gut gefüllt, es bleibt aber Luft zum Atmen. Das Auflegen läuft ganz entspannt, die Stuttgarter Gast-DJs Jens-O-Matik und Stompin Johnson (am Stag-O-Lee-Headquarter leicht an Tattoos und Sonnenbrillen zu erkennen) sind eine echte Bereicherung. Der unkaputtbare Axel übernimmt die Spätschicht bis in den Morgen.

- to be continued -