Sonntag, 7. Januar 2007

Leergefressen!
Flohmarkt in HX

Keine Ahnung, ob es bekannt ist, aber viele Flohmärkte sind heutzutage wie Karawanen fahrender Händler. Einer organisiert den ganzen Kram und immer die gleichen Verkäufer finden sich auf seinen Veranstaltungen ein. Das können natürlich auf Privatleute sein, für die Flohmarktverkauf gleichzeitig Hobby und Nebenerwerb ist. Oder aber türkische Kurzwaren-Dealer, die nichts anderes machen. In den seltensten Fällen jemand, der seinen Keller leer geräumt hat. Was ich damit sagen will: geht man zu mehreren Veranstaltungen des gleichen Anbieters innerhalb von ein paar Wochen, so ist man schnell damit durch. Und so ging es mir diesen Samstag in Höxter (aber wenigestens war ich jetzt mal in der neuen Stadthalle)...

Aber es ist halt auch immer dieser eine in der Karawane mitziehende Dealer da, der zirka 4-5 Meter Vinyl aufgebaut hat und aus dessen 1-Euro-7"-Kiste ich noch immer was brauchbares gefischt habe. Der packt zwar immer ein paar Bücklinge (um jetzt mal im Bild zu bleiben) dazu, aber im Prinzip ist dieser Teil des Vinyl-Ozeans bei 3 Besuchen in 6 Wochen tatsächlich überfischt. Trotz allem gab es auch dieses Mal ein paar Sachen: so z.B. Ooops Up von Snap als 12" (für meine 2. Karriere als Ü-30 Party-DJ) und eine kleine Handvoll 7"-es von Rose Royce, Whispers, Frantique (Philadelphia International) und K.C. & The Sunshine Band (T.K.). Meine Sammlung mit George McRae 45s (der ja weit besser als sein Ruf ist) habe ich gleich mit drei Scheiben verdichtet und da ich neulich aus berufenem Munde gehört habe, daß man alles kaufen soll, wo ein Spaceship/UFO das Cover ziert und/oder wenn die Band in futuristischen Raum-/Space-Anzügen abgebildet ist, bin ich nun stolzer Besitzer zweier Ganymed 7"-es. Die erfüllen gar beide Kategorien.

Ebenfalls nicht vorbei konnte ich an einer 91er Zyx-Single von L.A. Style mit dem schon damals pietätlosen Titel James Brown Is Dead. Und, worüber ich mich besonders gefreut habe, zwei Singles der J.A.L.N. Band. Nie gehört? Ich auch nicht. Aber das Frontcover verspricht die Lösung des Fatboy Slim-Rätsels von vor Weihnachten (genauer: 16 Dez.). Der sagte ja, man sollte beim Gebrauchtplattenkauf auf gemischtrassige, vielköpfige Bands aus den 70ern achten ("4 black, 4 white") und bis dato sind ich und meine diversen Mitstreiter noch nicht wirklich fündig geworden (Sea Level war nahe dran). Auf dem Cover ist die J.A.L.N. Band zu neunt, mit immerhin drei Whiteys! Mehr dazu nächste Woche, wenn das Cover eingescannt und die Platte gehört ist.

Jause. Das wars. Den Flohmarkt in der Tiefgarage in Göttingen muß ich mir heute wegen eines bad case of post-shake-baby-shake-blues wohl schenken. (R-man)

Samstag, 6. Januar 2007

In Deckung!
Phil Collins
Ich schäme mich nicht...

Eins ist mal klar, Whirlyjoe wird mich dafür hassen. Und da mir scheint, daß er sowieso der einzige ist, der hier mal reinschaut, hätte ich ihm das hier auch per E-Mail schreiben können, aber ich dachte, ich vertrete meinen Standpunkt hier mal (mehr oder weniger) öffentlich.

Genesis habe ich immer gehasst. Phil Collins war mir auch immer ziemlich schnuppe, bis ich letztes Jahr bei HomeCookin' einen Mix gefunden habe, der vom Miami Vice Soundtrack inspiriert war. Unit von Logic System habe ich da entdeckt, oder Crockett´s Theme im Kervokian Mix und so weiter. Sogar eine Miami Vice DVD-Box habe ich mir gekauft, aber für die Augen ist das doch etwas zu angestaubt (ich rede hier vom Original). Dann den Soundtrack irgendwo billig geschossen und mal wieder In The Air Tonight gehört. Zu dem Song sind Tubbs und Crockett oft im schwarzen Ferrari 365 GTB durch das nächtliche Miami gerast. Und ich muß sagen, es passte...

Und heute abend, nachdem ich die Scheiben sortiert habe für shake baby shake und Kelis, Marvin Gaye und James Brown aufgelegt habe, bin ich über die In The Air Tonight (Extended Version) Maxi gestolpert, die meine Frau mit in die Ehe gebracht hat. Und jetzt läuft dieses 7 1/2 Minuten Ding schon zum 2. Mal. Und gefällt mir jetzt noch besser.

Ich habe die 7"-Version vor 10 Monaten mal bei shake baby shake aufgelegt, bin aber rausgegangen, als die Drums so mächtig Patsch-Patsch-Patsch machten. Das machen sie hier zwar auch (aber gefühlt nicht so aufdringlich) und es geht elektronisch-pluckernd weiter. Das Tempo zieht leicht an, aber ich muß sagen, das Arrangement íst wirklich gelungen. Und: eine echte Hymne. Wahrscheinlich wäre das Ding noch besser, wenn er nicht singen würde, aber man sollte seine festgefressenen Vorurteile eventuell mal aussen vor lassen.

Für Phil Collins ist bei shake baby shake morgen eigentlich kein Platz, aber ich werde die 12" trotzdem mal einpacken. Falls ihr das Werk mal für 1 Euro im Bargain-Bin seht, solltet ihr euch eine eigene Meinung bilden. (R-man)

PS.: Angesichts meiner gestrigen Diskussion mit Whirlyjoe, ob wir bei kommerziellen Ü-30 Feten Life Is Life von Opus auflegen würden oder nicht (ich-pro - er-contra), wird er mir jetzt wohl die Freundschaft kündigen. Tja, life is life.

Freitag, 5. Januar 2007

Abt.: Sammler & Jäger
2 Songs von Yazoo

Da will ich dem R-Man doch mal ein Stück weit in Richtung Plastik-Disco entgegenkommen – obwohl Yazoo ja eigentlich Elektro-Pop mit Soulstimme waren. Jedenfalls kann ich zumindest zwei Songs des Duos Vince Clark (Ex-Depeche Mode, später Erasure) und Alison Moyet wieder hören, denn das Zeug hat immerhin fast ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel.

Ihren ersten Hit Only You mochte ich nie besonders, erst recht nicht als Acapella-Cover der grässlichen Flying Pickets, aber dann kam schon Don’t Go, das man mit etwas Glück auf dem Flohmarkt als Mute-12-Inch finden kann. Hier gibt es dann auch den Achteinhalb-Minuten-Extended-Mix von Vince Clark selbst. Das Ding rockt mit mächtigem Beat, die Electronics trotz allem relativ dosiert, funky und druckvoll. Dazu Alisons Stimme wirklich enorm kraftvoll und tiefschwarz. Kaum zu glauben, dass die (weiße) Britin später so dröge Soloalben machen sollte.

Noch besser ist aber Situation, auch vom Debütalbum, wobei man auch hier zur Maxi greifen sollte, die allerdings schon etwas rarer als Don’t Go ist – findet man aber auch mit etwas Geduld. Es gibt unterschiedliche Remixes, alle die ich gehört habe taugen aber. Am besten ist der knapp Sechsminütige von Francois K, der wohl erst einige Jahre später entstanden ist und trotzdem recht nah am Original bleibt. Eher Midtempo, die Keyboards durchaus psychedelisch und selbst der Beat keinesfalls angestaubt. Ich finde das ja schon sehr hypnotisch, Musik die auch nach 25 Jahren nicht verschleißt. Ein eher seltenes Beispiel für doch recht typische 80s-Sounds, die man auch heute noch ohne allzu peinlichen Ü30-Disco-Verdacht spielen kann (wahrscheinlich mache ich mir da was vor.)

Etwas verwirrend ist die Tatsache, dass sich die Band in den USA Yaz nennen musste, wo es doch dann wiederum in GB eine Sängerin namens Yazz gab. Nach einem zweiten Album war eh Schluss, geblieben sind diese beiden Dance-Classics für die Ewigkeit. (Whirlyjoe)

Donnerstag, 4. Januar 2007

Noch 2 Tage...
shake baby shake
Fight of the Generations

Am Samstag, dem 6. Januar ist es soweit: unsere shake baby shake Party wird wieder den Stadtkrug rocken! Da Resident Axel noch immer in Goa weilt, haben sich die anderen beiden Altmeister Ingolf (oben links) und R-man (rechts) mit Chrispop und Fruity Mulati (die kleinen in der Mitte) zwei Frischlinge zum Kräftemessen eingeladen.

The Fight of the Generations - unter diesem Motto treffen die beiden alten Hasen auf die Jungspunde. Wird sich die, auch altersbedingte, Tiefe der Plattensammlung als unschlagbarer Vorteil erweisen ("Nichts ist wichtiger als die Foundation! Und an der arbeiten wir nun schon 35 Jahre! Das ist wie Hubraum. Der ist auch nur durch mehr Hubraum zu ersetzen!" R-man)? Oder wird der jugendliche Ungestüm in Verbindung mit solider Mixtechnik ("Da ist auch jede Menge Show dabei!" Ingolf) die Nase vorn haben? Die Tatsache, daß Ingolf und R-man schon mehr als ein Jahrzehnt geschlechtsreif waren, als Chris & Fruity das Licht der Welt erblickten, bedeutet an diesem Abend nicht unbedingt, daß wir väterlich Gnade walten lassen werden.

Gegen 2 Uhr am Sonntag morgen wird die Entscheidung über Sieg oder Niederlage gefallen sein. Dabei sein ist alles! (R-man)

PS.: Wie immer ab zirka 21 Uhr, Eintritt natürlich frei, Bier billig, Leute nett, Wirt Klasse, knackige Bardamen (Himmel!), Discokugel etc.

Mittwoch, 3. Januar 2007

Die Jahres Top-10 des
Compilation Mannes...
In 10 Akten


Keine Ahnung, was es ist. Aber wenn auf einem Tonträger Boozoo Bajou steht, dann hat mich das noch immer nachhaltig glücklich gemacht. Auch wenn es sich wie hier eigentlich um eine Art Mix-Tape mit vorwiegend Fremdmaterial handelt, ist es doch eine knapp 80-minütige Seelenmassage. Da hat sich zum Vorgänger (Juke Joint I) nichts geändert. Juke Joint II ist wie sein Vorgänger ein souveräner Mixtape Prototyp, der einem auch nach dem 50. Durchlauf immer wieder das Herz erwärmt. Und das hat noch jeder zugegeben, den ich von diesem Mix überzeugt habe.

Auf Rang 1.
Boozoo Bajou - Juke Joint II
Nun also Vol. 2. Wie gewohnt werden auch dieses Mal 20 Songs und zirka 10 verschiedene Stile zu einer Einheit vermixt. Man glaubt es kaum, aber es funktioniert. Swamp-Blues, Electronica, Afrika-Funk und Dub beißen sich nicht. Vielmehr gleiten sie langsam ineinander, als wären sie füreinander bestimmt.

Alleine die erste Hälfte ist ein Meisterwerk der entschleunigten Lässigkeit mit Tony Joe White (Rainy Night In Georgia im BB-Dub), DJ Day, Alice Russel & TM Juke, Urbs & Cutex und den Meters (eine unübliche Ballade). Irgendwie Soul mit mehr oder eher weniger Elektro - aber vor allem Song und S-E-E-L-E. Auf die bezaubernden El Michels Affair folgt mit Rowing von Dennis Bovell eines der mitreissendsten Reggae/Dub-Stücke ever. Nach den Blend Crafters (Hillbilly-HipHop?) kommt der großartige Mark Rae mit dem noch großartigeren Medicine, bevor Boozoo Bajou einen ihrer fetten Grooves vom Stapel lassen und mit Back Up einen neuen (HipHop-) Tune beisteuern. Nicole Willis gleitet gekonnt durch Stax/Motown-Gefilde (Killer-Tune!), bevor der geschätzte Mulatu Astatque den Juke Joint mit einer Prise psychedelischen Afro-Funk beglückt. Headtric ist dann Düster-Downbeat in Cinemascope, Boozoo Bajou`s Pflug ein typisches BB-Kurzinstrumental und Rechenzentrum gar Minimal-Elektronik… aber keine Angst, es läuft noch, alles richtige Songs, die jede Scheuklappe penetrieren.

Hanne Hukkelberg flüstert sich durch ihren Tune und die Bajou-Jungs verpassen einem zuvor unveröffentlichten Gecko Turner Tune ihren reduzierten Schaufelrad-Sound. Beim phänomenalen Lambs Bread Collie von Credric Im Brooks’ Lights Of Saba geht das Herz noch einmal weit auf und John Holt schlägt natürlich in die gleiche Kerbe. Mit Comeback von Josh Rouse fahren Boozoo Bajou zum Abschluß noch mal eine Granaten-Basslinie von höchster Ansteckungsgefahr auf…

Warum kann das nicht ewig so weiter gehen? Klar. Ich bin ein Compilation-Mann. Einer der im Jahre 2006 noch Mix-CDs für sich und seine Kumpels brennt. Und als Mixmeister habe ich (hoffe ich) einiges drauf, aber verglichen mit Juke Joint II bin ich nur Bezirksliga. Denn das hier ist Champions League! (R-man)

Dienstag, 2. Januar 2007

Die Jahres Top-10
des Compilation Mannes...
In 10 Akten!


Der Name Bill Brewster als Compilant war ausschlaggebend für den Kauf dieser Doppel-CD, ist der doch einer der Herausgeber von Last Night A DJ Saved My Life und How To DJ Right, zweier Bücher, die ich in den letzten Jahren immer wieder in die Hand genommen habe. Hier hat er sich tief in die Archive von T.K. Records begeben und Tracks zu Tage gefördert, die selbst er nicht kannte. Noch dazu hat er sie teilweise editiert, um den Dancefloor-Wirkungsgrad zu erhöhen. Ein wirklich geiles Teil und völlig zu Recht...

Auf Rang 2.
Faith Presents T.K. Disco
T.K. war das Label von Henry Stone, der in einem heruntergekommenen Vorort von Miami (Hialeah) ansässig war, und das James Brown in den 70ern als "last bastion of funky soul" bezeichnete. Der 1921 geborene Stone war schon seit dem WWII im Musikgeschäft aktiv, vor allem als Großhändler/Vertrieb, bewies aber schon früh eine gute Nase. So war er an der Entdeckung/den ersten Aufnahmen von Ray Charles, Sam & Dave und James Brown beteiligt.

In den 60ern gründete er T.K. Records (und diverse Sublabels im Laufe der Zeit), aber erst in den 70ern war T.K. mit Künstlern wie Timmy Thomas, George McRae, T Connection und KC & The Sunshine Band lange auf Erfolgsspur. Nun ist Bill Brewster in die Untiefen des Labels abgetaucht, hat die Hits im Regal gelassen und hier 24 wirklich unglaublich gute Tracks aus der zweiten 70er Hälfte ausgegraben. Eine CD kommt gemixt (16 Tracks), die andere ungemixt (15 Tracks). Teilweise Überschneidungen, aber 24 verschiedene Tunes. Ein etwas seltsames Konzept. Mit wenigen Aufnahmen finden sich die Killertunes der gemixten CD auch auf der ungemixten. Brewster und ich scheinen den gleichen Geschmack zu haben...

Zwar sind hier die Stars wie McRae, Thomas und Jimmy Bo Horne vertreten, aber eher mit unbekannten Tracks. Die ersten beiden liefern gar Instrumentals ab, von denen vor allem Thomas' Africano schön perkussiv nach vorne geht. Die Kracher aber kommen von John Tropea, Peter Brown (mit gleich 3 Songs, u.a. mit The Singer Becomes The Dancer, das Steely Dan vorweg nimmt), Mad Dog Fire Department, Eli's Second Coming, Ultrafunk oder Paul Lewis (Killerversionen von Inner City Blues und Girl You Need A Change Of Mind). Songtitel wie Living In The Jungle, Cosmic Funk oder Super Jaws sprechen da eine eigene Sprache.

Geiles Zeug, super funky, oft mit einem unterschwelligen Blaxploitation-Vibe, seltenst cheesy. Ein schönes Booklet mit informativen Linernotes machen die Compilation zur runden Sache. In punkto Label-Retrospektive ganz weit vorne! (R-man)

Montag, 1. Januar 2007

CountrySoul
& FunkyBlues
Revisited


Als härtester Kritiker seines DJ-Wesens will ich hier unbedingt noch mal eine Lanze brechen für des R-Mans an Weihnachten auf dieser Seite präsentierten Soul Deep-Mix.

Dieser Lobgesang ist mehr als verdient, denn nicht nur stimmt hier formal einfach alles, vom liebevollen Cover (wird mir der zip-Datei gleich mitgeschickt) bis hin zum lässig-unprätentiösen Mix.

Vor allem aber erweist sich der R-Man (wieder einmal) als Großmeister des guten Geschmacks von weißem Soul bis Black Country. Den Blues nicht zu vergessen, denn eines der Mix-Highlights ist das unsterbliche „Tupelo“ vom Allstar-Team Staples/King/Cropper, das dann von Little Miltons kongenialem „Tupelo Honey“-Cover (bekanntlich aus der Feder des Iren Van Morrison) getopt wird. Das ist dann schon fast so ergreifend wie Solomon Burkes jüngstes „Nashville“-Album.

Oder wie wär’s mit Psychedelic Gospel von Pops Staples? Lowdown Guitar-Funk von Albert King? Zum Finale dann die beiden wirklich schönsten Tunes: „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ kennt man ja vielleicht von Paul Weller oder gar von Whitesnake (gar nicht übel übrigens), aber diese Version mit den himmlischen Streichern ist der Hammer. Wie auch der grandiose George Soule mit seiner eher rauen Soul-Stimme vor überragenden Bläser-Arrangements, Orgel und Fender Rhodes in kristallklarem Sound.

Da kann man dann wirklich nur noch „Get involved“ ausrufen, holt euch dieses wunderbare Stück Musik und preist mit mir den R-Man mit der tiefen Seele. (Whirlyjoe)

PS: Nun ja, was soll ich (R-man) sagen?!? Da dieses Review offensichtlich direkt aus Blog-Brother Whirlyjoe's funky Soul geflossen ist und er mich zum Posten dieses Beitrags aufgefordert hat, mache ich es mal, denn:
1. Whirlyjoe ist ein Mann mit Geschmack.
2. Der Mix ist tatsächlich ganz gut geworden.
3. Kostet es Euch ja nicht die Welt.
Tracklisting und mehr Informationen wurden erstmals am 24.12. gepostet. Und hier ist der Download-Link.

PPS: Das Bild oben rechts ist von Elliott Landy und zeigt Robbie Robertson. Ein Foto von The Band ziert auch das Cover von Soul Deep. Passt irgendwie, finde ich.

Sonntag, 31. Dezember 2006

Nächste Woche...
shake baby shake
again!

Ist etwas schon Tradition, wenn man irgendwas 1 Jahr regelmässig macht? Wahrscheinlich gibt es in unserem Land eine DIN-Norm für Tradition, aber das ist mir tatsächlich egal, denn über das Regeltum rege ich mich schon seit Jahrzehnten auf.

Also, trotz allem: traditionell am 1. Samstag des Monats trifft sich der gute Geschmack im Stadtkrug zu Beverungen. Ab 20:30 Uhr sind die Türen dieser Kneipe (seit 1877, also ganz sicher eine Tradition) geöffnet, der Eintritt ist trotz MWSt.-Erhöhung noch immer frei.
Vor Ort werden die beiden shake baby shake Residents Ingolf und R-man für flotte Unterhaltung sorgen, unterstützt von Fruity Mulati und Chrispop, zwei gern gesehenen DJ-Gästen. Bei 4 Plattenlegern bin ich ja für eher kürzere Sets, was sicher auch einem erhöhten Unterhaltungswert/Abwechslungsreichtum zu Gute kommt. Ganz sicher werden wir dem frisch verstorbenen James Brown huldigen, aber auch sonst wird einiges gehen. Da bin ich mir sicher!
Ansonsten wünsche ich einen guten Rutsch, ein positiv-aufregendes 2007 und immer ein Stück Vinyl unter der Nadel! (R-man)
Die Jahres Top-10
des Compilation Mannes...
In 10 Akten!

Jetzt mal was ganz anderes. Nichts für shake baby shake, eher etwas für unrockige Zeiten zu Hause. Um das noch einmal einführend zu erklären, die beiden Serien Back To Mine und LateNightTales (früher: Another Late Night) gaukeln dem potentiellen Käufer gekonnt vor, man würde mit den beiden Jungs von Air (oder den vielen anderen vor ihnen) abends zu ihnen nach Hause gehen, sich vor ihre erhebliche Plattensammlung stellen (Stapel von Flohmarkt-Juwelen überall) und sie würden eine nach der anderen hervorkramen, mit den leuchtenden Augen eines passionierten Sammlers (der zudem gerne sein Wissen teilt) und fragenden Blicken: „Hast Du die schon gehört? Was? Kennst du nicht? Dann pass mal auf...“

In diesem Sinne sind diese CDs zummengestellt und das hat mich bis dato durchweg begeistert. Es gibt keine von den 35-40 Compilationen dieser beiden Serien, die ich missen möchte. Und mit der CD von Air ist vielleicht das Highlight überhaupt gelungen. Und deshalb 2006…

Auf Rang 3.
Air - LateNightTales
Beinahe wie erwartet fällt ihre Sammlung sehr songorientiert aus. Sehr ruhig und sehr gedeckt geht es hier zu, fast nur pechschwarze Balladen von Leftfield-Songwritern (Cat Power, Scott Walker, Robert Wyatt, Lee Hazlewood, Elliott Smith), dazu Lysergsäure-verseuchte Schleicher von den Troggs und Black Sabbath (Planet Caravan – vom ersten Album, nicht zu fassen!), kaum aufgelockert durch tiefhängende Soundtrack-Instrumentals, langsam von Zeitlupe bis zum Fast-Stillstand (Tan Dun, George Delerue, Air/Alessandro Baricco, Nino Rota, Cleveland Orchestra, Sebastien Tellier). Musik von The Cure, The Band (I Shall Be Released), Japan (Ghosts) und Minnie Riperton (Lving You) machen diese Orgie in Moll komplett.

Konsequent auf den Punkt gebracht, im atmosphärisch wundervollem Flow Stimmungen auslösend (traurig-morbide Musik wirkt bei mir immer uplifting) und garantiert das schönste Herbst-Mixtape, das es seit Erfindung des Tonträgers gegeben hat. (R-man)

Samstag, 30. Dezember 2006

Die Jahres Top-10 des Compilation Mannes... In 10 Akten! DJ Samir war mir bis dato nur als Compilant der Planter's Club CDs bekannt, durchaus empfehlenswerten bis großartigen 70er Soul-Schatzkästchen. Als er sich nach vier PC-CDs mit dem namensspendenden Club in Wien überwarf, verlor er auch den internationalen Deal mit Universal und das 5. Volumen der Serie, nun in Believer’s Edition umgetauft, versackte in Samirs Heimat Österreich. Das hatte die CD nicht verdient. Ich habe ihn dann mal angeschrieben und mitbekommen, daß er mit Hot Grits auch in Richtung Funk unterwegs war und das auch diese Compilation das gleiche, territorial begrenzte Schicksal ereilen sollte. Keine Ahnung was das soll, aber für so ein kleines Land und ohne Exportaktivitäten kann man sich die Arbeit eigentlich auch schenken. Drama, sag ich. Ich habe dann in meiner Eigenschaft als Mailorderbesitzer eine Handvoll davon nach D importiert und noch jeder war von dem Ding begeistert. Diverse Hot Grits-Tunes haben sich derweil zu shake baby shake Favoriten entwickelt. Aus diesem Grund, mit kleinem Trommelwirbel: Auf Rang 4. Hot Grits - The Hottest Recipes For Your Funk Kitchen DJ Samir (der sich Maitre des Connaisseurs-Tempels `Zum Schwarzen Gold´ nennt) hat hier nur echte Kracher an Bord, die auch über die JB-Schule hinausgehen. Roher Funk, erdige Rare Grooves, abgeschmeckt mit einer Prise Soul und fertig ist ein Festmahl mit 18 Gängen. Und ich wage jetzt mal zu behaupten, dass es keine bessere Funk-Compilation gibt als diese. Und ich habe da ein paar Meter im Regal, von Labels wie BBE, BGP, Harmless etc. und natürlich die Ausgrabungsteile, bei denen es wichtiger ist, rares Material an den Start zu bringen als wirkliche Qualität. Und obwohl hier James Browns Funky Family (der Meister selbst, Lyn Collins, The J.B.’s, Bobby Byrd und Fred & The New J.B.’s.) gleich mehrfach antritt und alle einen durchaus ähnlichen Teufelsgroove reiten, ist diese Zusammenstellung doch um vieles spannender und abwechslungsreicher als alles was ich sonst kenne. Es ist einfach die Mischung aus perfekten Flow und Überraschungsmomenten, die hier überzeugt. Jede Menge erstklassige Songs helfen natürlich auch: da gibt es Motown-eskes (The Sisters Love, ein Killersong), Swamp-Funk (Crystal Mansion, mit Slide-Gitarre), brodelnder Downtempo (Etta James´ All The Way Down – gloriose 5 1/2 Minuten), Fela-style Percussion (Round Robin Monopoly), Jazziges (Roy Ayers, Blackbyrds), Instrumentales (Jermaine Jackson) und sogar der alte Rufus Thomas (The Funky Bird) geht ab wie Hölle. Als Funk-Liebhaber wird man beim Instrumental-Einsteig von Johnny Pate anfangen zu zucken und das wird erst beim abschließenden Lyn Collins Song aufhören. Der ist Himmel sei dank eine Ballade, die einzige auf dieser Zusammenstellung, die den Fan ganz langsam auf die Erde zurück bringt. Einfach nur geil! (R-man) PS: Laut Samir ist Vol. 2 für das Frühjahr 2007 geplant.

Freitag, 29. Dezember 2006

Jungspung-DJs aufgepasst! Zu Sven Väth, seinen Aktivitäten und seiner Musik mag man stehen wie man will, aber eine kurze Passage aus seinem Jahresrückblick hat mich dann schon beeindruckt. Wenn das tatsächlich so stimmt, ziehe ich (R-man) als alternder Amateur-Plattenleger aber sowas von meinen Hut. Zugetragen hat sich das auf seiner 2006er Worldtour mit Richie Hawtin und Stop in Medellin in Kolumbien: "Wir kamen beide vom Abend vorher in Bogota an und hatten noch immer leichte Schlagseite, da man sich dort wirklich sehr gut um uns gekümmert hatte. Der Gig in Medellin hat aber den vom Vorabend dann getoppt. Richie und ich haben back to back aufgelegt und jeder hat jeweils zur Platte des anderen Stagediving gemacht - bei einer besonders langen Platte sogar beide zusammen. Einmal quer durch den Club getragen werden und zurück!" Respekt! Da wartet man doch förmlich drauf, durch den Stadtkrug getragen zu werden! Zum Klo surfen, eine echte Alternative! (R-man)
Abt.: Exotica Martin Böttcher Gogo With Uschi 23 German Comedy And Thriller Movie Themes Verdammt, als Weihnachtsgeschenk-Tipp kommt diese CD leider zu spät: eignet sie sich doch wie keine andere sowohl für coole Trash-Film-Checker als auch für Tante Erna mit ihren James Last-Swing-Präferenzen. Sehr liebevoll und schick aufgemacht geht es hier um Easy Listening-Orchester-Grooves der richtig cheesigen Sorte, denn Martin Böttcher (of Winnetou-Thema-Fame) ist eben nicht Peter Thomas. Obwohl er durchaus funky kann, auch mondäne Bossa-Lässigkeit hat er im Repertoire. Die allermeisten Tunes sind Instrumental-Nummern, gesungen wird zwischendurch auch, zwar nicht von der das Cover zierenden jungen Uschi Glas, dafür aber vom leibhaftigen Bruder von Harry Valerien (aka Don Blue) – das nenne ich mal Kult. Unter den Arrangeuren finden sich immerhin Größen wie Claus Ogermann, ansonsten geht es hier aber wirklich leichtgewichtig zu – kein Wunder bei Filmtiteln wie "Dr. med. Fabian - Lachen ist die beste Medizin", "Verliebte Ferien in Tirol" oder "Die Ente klingelt um 1/2 8". Das Nürnberger Label Brigade Mondaine leistet damit weiterhin Pionierarbeit, Trash-Kompatibles, oft aber nur einfach Schönes aus den verstaubten Schallarchiven zu zerren. (Whirlyjoe)

Donnerstag, 28. Dezember 2006

Abt.: Entdeckung Fugi Mary, Don’t Take Me On No Bad Trip Ellington Fugi Jordan verfasste Etta James’ Hit I’d Rather Go Blind, ehe er unter seinem Künstlernamen beim Chess-Sublabel Cadet einen Solovertrag unterschrieb. Ende der 60er nahm er dieses Album auf, wozu er Black Merda als Backingband verpflichtete. Die hatten sich in und um Detroit schon einen guten Namen als Funk-Rocker à la Sly Stone erspielt und wussten wohl durch Riesen-Afros auch optisch zu überzeugen. Sie passten perfekt zu Fugi´s düsterer Soundvision. Der als 7“ ausgekoppelte Titeltrack wurde zum lokalen Hit. Eigentlich war er für die Temptations geschrieben worden, aber die verzichteten, weil ihre psychedelische Phase (in die der Track gepasst hätte) erst ein Jahr später begann. Das Fugi Album aber verschwand in den Archiven, weil es den Leuten von Chess zu abgefahren/trippy war. Ein paar Jahre später jagten sie sogar ihre alten Bluesmänner für Exkursionen in Soul/Psych/Rock-Gefilde ins Studio, aber da war Fugi schon vergessen. Ahead of his time, sagt man wohl zu sowas. Erst 1996 wurde das Album auf Vinyl veröffentlicht und schließlich 2004 auf dem Funky Delicacies Label mit einem Bonustrack als CD zugänglich gemacht.

Und was für ein cooles Stück funky Soul ist das! Die drogigen Sounds der frühen Funkadelic (Revelation) kommen in den Sinn, Sly & The Family Stone und was Norman Whitfield daraus machte, als er die Temptations Cloud Nine aufnehmen ließ (Titelsong). Oder Curtis Mayfield’s Get Down Single auf 33 rpm. Aber auch Jimi Hendrix mit dessen Stimme aber ohne dessen Firepower. Aber mit jeder Menge Feeling. Man höre Can’t You Hear Me Call You, Woman als Beweis. Oder die Originalversion des eingangs erwähnten Etta James-Hits, hier I’d Rather Be A Blind Man betitelt.

Größtenteils bewegt sich das im Midtempobereich, hat aber immer diese geile Funkyness, einen düsteren, psychedelisierten Vibe und exzellente Gitarrenarbeit. Ein echtes Juwel! Superdeep! (R-man)

Die Jahres Top-10 des Compilation Mannes... In 10 Akten! Der Grower unter den Compis dieses Jahres. Von Anfang an gut gefunden, aber mit jedem Hören gewachsen, immer wieder mit eingepackt (Auto, Büro…) und mittlerweile in diesem „die wird mir auch die nächsten Jahre noch Spass machen“ Stadium angedockt: Auf Rang 5. Permanent Vacation Debüt-Release eines neuen Münchner Labels gleichen Namens. Der Untertitel lautet „space disco, balearic and cosmic sound influences” und passte zum Zeitpunkt des Erscheinens (August 06) sowas von in mein Hörschema. Nach einem kurzen Intro hören wir Double (tatsächlich die von Captain Of Your Heart) mit der Instrumental-Version von Woman Of The World, Elle Et Moi von Max Berlin (im Maurice Fulton Remix), Ost & Kjex, den tollen Kelly Polar und die mir unbekannten AN 2 (bei deren Track ich noch jedes Mal mit der Zunge geschnalzt habe). Tommy Seebach’s Bubble Sex ist vielleicht etwas cheesy, aber eigentlich gibt es auch hier nichts auszusetzen. In der Folge kommen noch WhoMadeWho, Manhead, Alexander Robotnik, Six Cups Of Rebel (aka Lindstrom), Antena und andere. Alles im guten kosmischen Flow, leicht psychedelisiert und spacig. Sehr songorientiert, recht elektronisch, mit durchweg absoluten Großartigkeiten. Durchaus tanzbar, aber auch gut im Sessel zu verfolgen. Eigentlich in jeder Lebenslage. Und an jedem Ort. (R-man) PS: Permanent Vacation gibt es nicht auf Vinyl. Vorab wurde eine 4-Track-12“ ausgekoppelt mit Double, Ilya Santana, Tommie Seebach und Ost&Kjex. Die ist mittlerweile aber auch offiziell ausverkauft.

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Abt.: Disco-Legenden Hamilton Bohannon: Dance Your Ass Off! Dieser Mann gehört längst mal gewürdigt, denn Bohannon ist ganz klar das Nonplusultra in Sachen Seventies-Style Guitar-Disco. Und dennoch ist Hamilton Bohannon ein weitgehend verkanntes Genie, dessen Platten (viele CDs sind vermutlich gar nie erschienen) oft genug in der Grabbelkiste verramscht werden. Oder gerne auch auf dem Flohmarkt weit unter Wert verkauft werden, also Augen auf R-Man! Alles aus den Siebzigern lohnt sich auf jeden Fall. Der gelernte Drummer Hamilton Frederick Bohannon (Jahrgang 1942) spielte in jungen Jahren sogar mal in einer Band mit Jimi Hendrix und Stevie Wonder, veröffentlichte sein erstes Album „Stop And Go“ dann1973 beim Dakar-Label. Dieses Debüt kenne ich leider nicht, Bohannon erwies sich in der Folge aber als ausgesprochen produktiver Künstler, der in der Regel nicht nur einen Longplayer pro Jahr veröffentlichte. Eine vernünftige Discographie ist leider nicht aufzutreiben gewesen, der ansonsten verlässliche Allmusic Guide liefert hier nur Bruchstücke. Ich besaß mal so rund ein Dutzend Alben, die bis Anfang der Achtziger erschienen waren, habe das Ganze auf fünf wesentliche Scheiben reduziert, alle mit dem typischen Gütesiegel: „All Songs written, arranged, directed and produced by Hamilton Bohannon“. Was genau der Chef auch instrumental zu seinen Produktionen beiträgt, ist oft nicht klar, ich nehme aber mal an, dass er selbst die Songs gesungen hat, und zwar mit einem leicht fisteligen Falsett, was aber kaum störte, da fast immer hypnotische Instrumental-Passagen das Geschehen dominierten oder gleich ganz auf Gesang verzichtet wurde. In späteren Jahren arbeitete er dann zunehmend mit Gastvokalisten wie Carolyn Crawford oder Altrinna Grayson, die man aber wohl nicht kennen muss. Stilistisch bewegte sich Bohannon souverän von eigenwillig stoischem Funk in Richtung Disco, wobei das dominierende Element immer die Gitarren waren. Oft hört man gleich mehrere, die konsequent ihre lässigen Funk-Licks durchspielen, dabei aber niemals eruptiv heavy klingen, wie ja beispielsweise oft genug bei Parliament/Funkadelic. Bohannon setzte konsequent auf das Repetitive, verzichtet fast immer auf Breaks, was die Songs zum Teil fast schon auf der Stelle treten ließ, was eben diesen superhypnotischen Groove erzeugte. Spex-Schreiber Olaf-Karnik nannte dieses Prinzip „Disco-Minimalismus“. 1975 war sein bestes Jahr, Nummern wie „Foot-Stomping Music“, „Disco Stomp“ und der faszinierende Midtempo-Burner „South Africa Man“ sind allesamt ein Muss – simpel gestrickt, repetitiv, ja monoton, stampfend und völlig oldschool instrumentiert, mit echten Drums, Orgel/Fender Rhodes und immer diesen messerscharfen Gitarren, ganz selten auch mal mit ein paar Bläsern aufgepeppt. Dieses Prinzip rettete Bohannon dann zwar auch in die Disco-Epoche, klang Richtung achtziger Jahre dann aber immer kommerzieller und chartskompatibler. Hier also meine fünf Album-Tipps für Jäger und Sammler im Namen des Guitar-Funk: Bohannon - Bohannon (Dakar 1975) Allein der Beginn ist sowas von göttlich: ein schunkelndes, gänzlich unaufgeregtes funky Lick, dann setzt der pumpende Bass ein und der Meister selbst inthronisiert sich mit launig gesungenem “Here Comes Bohannon”. Danach sollte man vor allem auf die Gitarre hören, knappe acht Minuten lang ändert sich nämlich zum Glück fast nichts mehr. Auch der zweite Song „Funky Reggae“ besteht fast nur aus einem Ein-Ton-Funk-Lick der Gitarre, zu mächtig pumpendem Bass und gewohnt unerheblichen Vocals, das Ganze erstaunlicherweise im unteren BPM-Bereich und dennoch absolut floortauglich. Ist übrigens kein Reggae, heißt nur so. Bohannon - Insides Out (EMI 1975) Hier noch fast immer im typischen Midtempo-Groove und extrem repetitiv, dazu mit zwei Hits, an die sich Ältere tatsächlich noch erinnern werden: „Foot-Stomping Music“ und „Disco Stomp“ Bohannon - Dance Your Ass Off (EMI 1976) Lohnt allein schon wegen diesen beiden Songs: “The Groove I Feel”, siebeneinhalb Minuten Guitar-Funk, zwei Gitarren umspielen sich so dermaßen schwerelos, ja psychedelisch, das Ganze auf einem hier schon deutlich schnelleren Conga-verstärkten Funk-Groove – wegen mir dürfte das gerne auch 20 Minuten dauern. Das andere Highlight heißt „Zulu“, ähnliches Prinzip mit pointierterem Beat. Watch out for this Killer-Album, der Titel ist Programm! Bohannon - Summertime Groove (Phonogram 1978) Bei Bohannon sollte man sich übrigens nicht von den fast immer richtig hässlichen Platten-Covern abschrecken lassen, hier hat er sich immerhin für drei Bikini-Schönheiten entschieden und bietet außerdem den Disco-Hit “Let’s Start The Dance”, um den das ganze Album gestrickt ist. Hier sorgen die messerscharfen Gitarren für einen unwiderstehlichen Peitschen-Beat, der Gesang wird von Caroline Crawford bestritten. Bohannon ist im Disco-Zeitalter angekommen, erlaubt sich mit dem Titelsong aber noch einmal einen achtminütigen Trip in die Downtempo-Frühphase und bleibt dabei 100%ig funky. Bohannon - Too Hot To Handle (Phonogram 1979) Für mich sein letztes richtig gelungenes Album, erneut auf ganz eigener Spur durch den immer seichter werdenden Disco-Dschungel pflügend. Die beste Nummer heißt „Stop And Go“, ist uptempo und hat erneut richtig harte und rohe Funk-Gitarren zu bieten, dazu einige epochentypische Streicher, die aber ebenfalls sehr akzentuiert eingesetzt werden. Und das muss auch einmal gesagt werden: als Producer hat sich Bohannon kontinuierlich verbessert, dieses Album hat einen selten druckvollen und wuchtigen Sound. Bleibt die Frage: wer spielt eigentlich diese atemberaubenden Gitarren? Bohannon selbst, beseelt von Jimi Hendrix’ Geist? Die Plattencover verzichten leider konsequent auf Credits. Falls also jemand etwas darüber weiß… (Whirlyjoe) PS: Das Problem können wir gleich an Ort und Stelle lösen. Bohannon war gelernter Drummer (der gerne mit armdicken Stöcken spielte, habe ich mal irgendwo gelesen). Seine Mitt-70er Band bestand aus: Hamilton Bohannon (Drums, Vocals, Percussion), Ricardo Rouse und Leroy Emmanuel (Gitarren), Rod Lumpkin und Mose Davis (Keyboards), Fernando Sauners (Bass) und Lorenzo Brown (Percusssion). PPS: Wer nun nicht auf das Vinyl zurückgreifen will/kann, dem seien zwei Best-Of CDs empfohlen: 1. The Very Best Of Bohannon (schwarzes Cover/Vollpreis) auf Rhino und vom Meister selbst zusammengestellt. Konzentriert sich auf die frühe Phase bis zirka 77. Als zweites dann The Collection (türkises Cover/Midprice) mit 14 Tracks von 77-80. Es gibt lediglich zwei Überschneidungen auf den Discs und ein Teil (aber nicht alle) der von Whirlyjoe empfohlenen Tunes finden sich hier.

Dienstag, 26. Dezember 2006

James Brown ist tot! "At 1:45 am Monday, the legendary Godfather of Soul, James Brown, passed away." Das Herz des Soul hat aufgehört zu schlagen. Ich stand gestern abend im Stadtkrug und als mein shake baby shake Mix gerade bei Stone To The Bone angekommen war, überbrachte ein Kumpel die Nachricht vom Tode des Großmeisters. Da haben wir das Stück leicht betreten zu Ende gehört, aber als Rembert dann sowas in der Richtung sagte, er hätte sicher ein erfülltes Leben gehabt und mehr Pussy als wir alle zusammen, waren wir wieder etwas beruhigt. So wird es gewesen sein. Zum Geburtstag (ich habe immer am 25.) haben mir die lieben Kollegen nach einem kurzen Zaunfahlwink von mir auch noch die Startime 4er CD-Box von JB geschenkt, wenn das mal nicht ein seltsames Ding ist?!? Egal, Nachrufe wird es reichlich geben. Musik auch. Zwei schöne Videos hier (die paar Minuten sollte man sich nehmen) und beim nächsten shake baby shake am 6. Januar werden wir sicher ein paar Tracks von James Brown und seinen Funky People auf den Teller bringen. Nuff said! (R-man)
Optimo Essential Mix Optimo sind JD Twitch und JG Wilkes aus Glasgow und ein wagemutiges DJ-Duo. Die halbstündigen Mixes, die sie über die Jahre auf ihrer Homepage veröffentlichten, zeugten von bizarren Sammlertum und grenzenlosen Musikgeschmack. Zudem famos gemixt. Als ich sie dann das erste Mal live auflegen sah, erwartete ich, dass das Vinyl nur so durch die Gegend fliegen würde. Das Gegenteil war der Fall, Wilkes manikürte sich die Fingernägel und Twitch hatte ständig the hands in the air. Das Geheimis war ein Mac Powerbook und die Ableton Live Software. Aber egal. Seit mittlerweile 9 Jahren veranstalten sie in Glasgow jeden Sonntag abend die Optimo Party. Die erste Stunde legen sie ganz wilden Stoff auf (Soundtracks, Cluster etc.), dann spielt eine Band und danach übernehmen Twitch und Wilkes. Und am Montag gehen 100 Glasgower nicht zur Arbeit. Und hier etwas Hoffnung für jeden Clubmacher/DJ-Abend-Veranstalter: “There was no pressure - nobody comes out on a Sunday - so we figured if we could get even 50 people, it'd be great." In fact, they consistently drew as many as 100 for about 18 months, until one night, inexplicably, Optimo's turnout tripled. "We thought it was a crazy one-off, and then the next week we got 400, then 500, and it's been like that ever since," Twitch says. "It was as if people suddenly got it." Also: durchhalten. Nun haben die Optimos in der BBC Essential Mix Serie einen astreinen 2-Stunden Set hingelegt, den man sich bei DFA oder Pitchfork holen kann. Checkt doch einfach mal das Tracklisting, ob das was für euch ist… DFA-Fans müssen zugreifen. (R-man) Optimo Essential Mix BBC Radio 1, November 12, 2006 Jesse Jackson: "Intro" The Jellies: "Jive Baby on a Saturday Night" (Marathon) Prinzhorn Dance School: "You Are the Space Invader" (DFA) The Bar Kays: "Holy Ghost" (Stax) The Staple Singers: "Slippery People" (Epic) Chic: "Good Times" (Atlantic Records) Troublefunk: "Drop the Bomb" (Sugarhill Records) Prince: "Sign 'O' the Times" (WEA/Paisley Park) LCD Soundsytem: "45.33 part 1" (DFA) Altz: "Max Motion" (Zi-Koo) UnknownmiX: "The Siren (Lo Soul's Hot Edit)" (Playhouse) Dondolo: "Dragon (Shit Robot Firebreathing Remix)" (Tiny Sticks Records) The Gossip: "Standing In The Way of Control (Playgroup Dub)" (Back Yard) Depeche Mode: "The Sinner in Me (Ricardo Villalobos Conclace Remix)" (Mute) Ricardo Villalobos: "Fizheuer Zieheuer" (Playhouse) Hansepferd: "BismarkE" (Nobistor) Saint Ibot: "White Night" (Tendenzen Freier Entfaltung) Marc Houle: "Bay of Figs" (M-nus) Paul Johnson: "Rubber Band" (Dust Traxx) Sparks: "Beat the Clock" (12 Inch Stars) Kenlou: "Sensational Beats" (MAW) Bumblebee Unlimited: "Lady Bug" (Red Greg/Unidisc) Lindstrom: "The Contemporary Fix" (Feedelity) Hot Chip: "No Fit State" (DFA/EMI) The Rapture: "Get Myself Into It" (Vertigo) X Vectors: "Your Love" Love Is All: "Busy Doing Nothing (An Optimo (Espacio) Remix)" (Parlophone) Divine: "Shake It Up" (Break Records) Bobby O: "She Has a Way (Glimmers Edit)" (O Records) Yello: "Bostich (Reese Uptempo Mix)" (Mercury) Mala: "Left Leg Out" (DMZ) Neu!: "Hallogallo (Mary Hill Rework)" (Brain) Grauzone: "Eisbar" (Welt-Rekord) Crass: "Bloody Revolutions" (Crass Records) The Celestial Choir: "Stand on the Word" (Larry)

Montag, 25. Dezember 2006

2006 is almost over! Best of the rest... Nachdem ich den ganzen Tag damit verbracht habe, Batterien in die neuen Spielzeuge meiner Kids einzubauen, noch eben ein paar Sätze an die sbs-Massive. Nun habe ich noch eine Stunde, bevor ich im Stadtkrug einen heben werde. Weihnachten, Wiedersehen, mein Geburtstag - Gründe gibt es genug. Zur Einstimmung hören ich gerade Crockett´s Theme als 12", immer wieder gut. Vielleicht sollte ich meine Knarren mitnehmen? Oder ohne Socken gehen? Oder doch lieber den Ferrari aus der Garage holen? Schon zu Ende, mal die Klein & MBO Mini-LP nachlegen... Egal, ich wollte nur kurz darauf hinweisen, dass bis zum Jahresende kräftig weitergepostet wird. Es gibt da eine Optimo-Geschichte mit Link zum Supermix, Whirlyjoe und ich arbeiten gerade an einer neuen Folge des DJ-Handbuchs ("Wie kaufe ich 2nd Hand Platten?"), dann gibt es ja auch noch die 6 ersten Plätze der Compilation-Jahres-Top-10, Chromeo haben einen neuen Vocoder-Disco-Mix gemacht und gerade eben lieferte Whirlyjoe eine schön ausführliche und tatsächlich längst fällige Würdigung an Hamilton Bohannon ab. So, bisschen Deo unter die Achseln und raus ins Beverunger Nightlife. Stay in the groove! (R-man)

Sonntag, 24. Dezember 2006

Frohes Fest & so... Soul Deep Vol. 1 A Selection Of CountrySoul & FunkyBlues Nachdem ich den Soul Deep Mix einige Monate in diesem Blog angekündigt habe, ist er nun endlich zum Download fertig. Unter dem Link unten gibt es eine zip-Datei mit dem mp3-Mix (192 kpbs) und einem ausdruckbaren Cover und Traycard. Es geht wie vorgestern schon geschrieben eher im gemässigten Tempo voran, aber immer seelenvoll und funky. In den 63 Minuten könnt ihr folgendes hören: Shelby Lynne – Leaving >von ihrer ersten Platte nach der musikalischen Wiedergeburt. Deep Soul der Extraklasse! Den Song hat sie tatsächlich mal bei Geld Oder Liebe gesungen. Van Morrison – I’ll Take Care Of You >auch diesen Song habe ich zuerst im TV gehört (ein Film mit Dietmar Bär). Es gibt viele erstklassige Versionen dieses Tunes, Van’s gehört auf jeden Fall dazu. Staples/King/Cropper – Tupelo >drei der ganz Großen mit einem 6-minütigen Bluesfest. Mit dem guten Pops an den Vocals. Little Milton – Tupelo Honey >eine wie ich finde gelungene Version eines meiner Alltime-Faves. Von der Vanthology CD. Bobbie Gentry – He Made A Woman Out Of Me >mit ganz feinem Country-Soul wird das Tempo etwas angezogen. Johnny Otis Show – Country Girl >um dann wieder runterzuschalten. Funky wie Hölle mit einem ganz jungen Shuggie Otis, der von seinem Daddy hier zu einem heißen Solo ermuntert wird. Albert King – The Pinch Paid Off 1 >von The Blues Don’t Change, eins von mehreren richtig guten King-Alben auf Stax. Robert Palmer – Work To Make It Work >einer meiner Helden. Tatsache. Die beiden ersten Soloplatten lege ich immer wieder auf. Als Backingband im Studio: Little Feat. Pops Staples – Farther Farther >von seinem zweiten Soloalbum (da war er schon 78!). Von erhabener Größe! Beide Solowerke sind kürzlich feinst remastert wiederveröffentlicht worden. Gregg Allman – Midnight Rider >die vielleicht größte weiße Soulstimme ever. Mit einer schön düsteren Version des Allman Klassikers von seinem 73er Solo Debüt. Al Green – I’m A Ram >jaja, die Hi-Studio-Band. Welch ein Groove! Sharon Jones & The Dap Kings – This Land Is Your Land >ein Woody Guthrie Song. Natürlich. In absoluter Killerversion von einer neuen Soulband. Booker T. & The MGs – Soul Clap ‘69 >habe ich auf der von Elvis Costello kompilierten Stax Profiles entdeckt. Ein kleines Juwel. Bobby Blue Bland – Aint No Love In The Heart Of The City >ein shake baby shake Klassiker. Nuff said. George Soulé – Get Involved >auf der empfehlenswerten Country Got Soul CD der Sieger. Albert King – The Pinch Paid Off 2 >Mr. King und seine Gitarre im Reprise. Viel Spass damit! (R-man)

Samstag, 23. Dezember 2006

Muss das wirklich sein? Relativ coole Weihnachtslieder. Okay, es muss nicht wirklich sein, gebe ich ja zu. Aber wenn man sich das Blog-Wesen der letzten Tage und Woche vornimmt, führt kein Weg daran vorbei, jeder scheint auf der Suche nach halbwegs erträglichen, womöglich sogar richtig coolen Christmas-Songs zu sein. Also habe ich mich auch ein wenig umgehört und folgende kleine Liste von Songs zusammengestellt – alles Tunes, die ich nicht scheuen werde, über die Feiertage öffentlich zu spielen. Neueres Zeug wie die Weihnachtssammlung von Sufjan Stevens oder die wirklich schönen Lider von Aimee Mann will ich hier mal außen vor lassen, Weihnachtszeit ist schließlich Oldschool-Nostalgie angesagt, da darf man schon mal etwas sentimental werden. 1. Brenda Lee - Jingle Bell Rock Das Nonplusultra in Sachen Zeitlosigkeit, exakt zwischen cheesy Easy Listening und (beinahe) Rockabilly, absolute unverwüstlich und bis heute partytauglich 2. The Soulful Strings - Sleigh Ride Diese Schlittenfahrt gibt es in ziemlich vielen Versionen, diese groovy Streicher/Vibraphon-Variante ist aber wirklich unschlagbar und definitiv upliftend 3. Dean Martin - Let It Snow Dino ist genau der richtige für sentimentale Weihnachtslieder, hier zeigt er sich von seiner besten Seite - Musik von ansteckender Beschwingtheit 4. Elvis Presley - Here Comes Santa Claus Der King hier noch weitgehend schmalzfrei, dafür mit Schwung in Stimme und Hüfte, Weihnachten zum Tanzen 5. James Brown - Funky Christmas Saucooler JB-Funk, eigentlich nur textlich an den Feiertagen orientiert – Good Lord, Uh! 6. Frank Sinatra - Have Yourself A Merry Little Christmas Ganz klar mein liebster Weihnachtssong, liegt auch in endlos vielen Versionen vor: A true Classic. Sinatra ist für sowas natürlich der Richtige. 7. The Crystals - Santa Claus Is Comin’ To Town Die große Phil Spector-Oper, hier darf er mal richtig fett in die Breite produzieren, die Mädels sind trotzdem stimmgewaltig genug, sich gegen den Wall-Of-Sound durchzusetzen 8. Nat King Cole - The Christmas Song What a Voice! Mit Karamell in der Kehle croont sich der Meister des zart-souligen Schmelzes durch diesen wunderbaren und immer wieder herzergreifenden Klassiker der alten Schule 9. Gene Autry - Rudolph The Red Nosed Reindeer Natürlich hat sich auch die Country-Music ausgiebig dieses kassenträchtigen Themas angenommen. Neben unendlich viel Schrott gibt es aber auch sehr liebevolle Aufnahmen von Loretta Lynn, Johnny Cash, Hank Thompson und dieser hier 10. Claudine Longet - Snow Die betörende Französin mit wackligem Englisch und ebensolcher Intonation, was dieses einfach schöne Lied aber locker verträgt Ist wie gesagt alles Geschmackssache, aber mir hat diese Exkursion dann doch großen Spaß gemacht. Demnächst singen wir dann ja alle unterm Christbaum… (Whirlyjoe)