Sonntag, 8. Juli 2012

Top Ten 2012 so far...
bluetwang

Meine Liste ist auch noch fertig geworden.
Mir fehlt der Zettel neben Bildschirm und Stereoanlage.
So hat es halt ein wenig Zeit gebraucht die 6 Monate zu rekapitulieren. Musikalisch haben mich in den vergangenen 6 Monaten diese Neuerscheinungen bewegt. Einiges davon dürfte es dann auch auf die Jahresende-Liste schaffen.
Einfach hingeworfen, ohne spezifische Reihenfolge. Das auch noch festzulegen tue ich mich immer sehr schwer.

The Funk Ark – High Noon
Afrobeat-Funk-Latin-Style. Erinnert an Afrika in den 70ern, die JB’s und die Fania Allstars oder auch Santana. Sehr heiss, sehr sommerlich.

Kingfisha – Kingfisha
Dub/Reggae aus Neuseeland. Von wo sonst?

John Hiatt - Paper Thin - The 1989 Canadian Broadcast
Auszüge seiner unsterblichen Topalben "Bring The Family" und "Slow Turning" aus einem Konzert in Ottawa das von einer lokalen Radiostation gesendet worden ist.

Chelle Rose – Ghost of Browder Holler
Lucinda Williams, Bobbie Gentry and Holly Golightly werden als Inspiration und Vergleich genannt. Von Ray Wylie Hubbard produziertes Album voll mit dripping gothic blues, rowdy country rock, atmospheric folk und einer anständigen Portion Memphis Soul.

Lee Fields - Faithful Man
Purer Soul. Geht ganz tief.

Janiva Magness - Stronger For It
Blues der Topklasse. Grandiose Version von Waits "Make It Rain" aber nicht nur das, auch der Rest überzeugt.

Malted Milk – Get Some
Top Blues und Soul aus Frankreich(!). Grandiose Stimme, gute Instrumentierung, geniale Produktion.

Anders Osborne – Black Eye Galaxy
Der Schwede aus New Orleans mit einem nicht ganz einfachen weil stilistisch sehr vielfältigen Werk das viel Aufmerksamkeit fordert.

Royal Southern Brotherhood - Royal Southern Brotherhood
Heisses Gebräu mit einigen bekannten Cracks. Spitze!

Warren Haynes - Live at the Moody Theater
Beim Stax-Logo auf dem Cover hat man hohe Erwartungen. Und die werden nicht enttäuscht. Der Typ wird immer besser.

Erick Baker – Goodbye June
Singer/Songwriter der neuen Generation.

The Shins – Port of Morrow
Einfach umwerfend guter Pop.

Sind wir doch gespannt was uns die zweite Hälfte noch bringt. Geniesst den Sommer!

Samstag, 7. Juli 2012

Top Ten 2012 so far…
Heino Walter

Täusche ich mich oder ist 2012 wirklich ein überdurchschnittlich ergiebiges Jahr für außergewöhnlich interessante Veröffentlichungen? Jedenfalls haben einige der in der Halbjahresbilanz vorgestellten Beiträge bei mir große Neugier ausgelöst. Und vielversprechende Sachen wie die dB`s-Reunion oder die 3. Solo-CD von Jim Cuddy (von Blue Rodeo) müssen auch noch entdeckt werden.
Wenn das so weitergeht, muss ich einen Kleinkredit aufnehmen…
Hier nun mein absolutes Highlight und die nicht minder lohnende Musik auf den Plätzen:

1. Neil Young & Crazy Horse - Americana NEIL YOUNG adaptiert uralte Volkslieder, die jeder schon mal gehört hat, wie Oh Susannah, (Oh my Darling) Clementine oder (Hang down your head) Tom Dooley (hier: Tom Dula) so, als kämen sie aus seiner Feder. Seine Begleitband CRAZY HORSE veredelt das traditionelle Liedgut mit ihrem Trademark-Sound. Die rumpelnde, stoische, mächtige Basis legen Billy Talbot und Ralph Molina an Bass und Schlagzeug. NEIL YOUNG und FRANK PONCHO SAMPEDRO steuern oft dröhnende, sich duellierende, mehr oder weniger verzerrte Gitarrenlinien dazu. Diesen Garagenrock mit Folkeinschlag zelebriert niemand sonst so vibrierend, energetisch und lebendig. Da darf es auch ruhig mal nicht ganz so perfekt sein. Hauptsache, die Spielfreude ist überschäumend. Und das spürt man hier bei jedem Titel.
Die Band findet die richtige Balance aus eingängigen Melodien gepaart mit brachialer oder auch einfühlsamer Begleitung. Die Interpretationen sind für CRAZY HORSE-Verhältnisse hier sogar sehr variabel und reichen von massiv rockig bis intim folkig mit verschiedensten Schattierungen dazwischen. Die besondere kreative Leistung des Quartetts wird gleich im Eröffnungstrack OH SUSANNAH deutlich: Das Stück beginnt relativ konturlos wie ein lockerer Jam und dann grooven sich die Musiker plötzlich in den Song rein, bauen Spannung und pure Magie auf.
AMERICANA ist meiner Meinung nach die überzeugendste NEIL YOUNG & CRAZY HORSE CD seit SLEEPS WITH ANGELS von 1994. Aber AMERICANA scheint zu polarisieren, denn dieses Werk hatte bisher noch niemand auf dem Schirm.

2. Nick Waterhouse - Time`s All Gone
Der bieder aussehende weiße Kalifornier präsentiert unbändigen Rhythm & Blues und verbindet ihn mit der Inbrunst des STAX-Sound und dem Schwung von MOTOWN-Klassikern. Einziger Makel: Mit 32 Minuten Spielzeit viel zu kurz.

3. Dr. John - Locked Down
Der Doktor ist weiter im Aufwind. Schon 1998 hat er auf ANUTHA ZONE bewiesen, dass ihn junge Mitstreiter zu Höchstleistungen inspirieren können. LOCKED DOWN ist unter den Fittichen von DAN AUERBACH von den BLACK KEYS entstanden. Der hat es verstanden, die Qualitäten seiner frühen Werke zu reanimieren und so ist mit LOCKED DOWN ein brodelndes, geheimnisvolles Projekt entstanden.

4. Quantic & Alice Russell - Look Around The Corner
Den bisher nicht stattgefundenen Sommer hat mir diese luftig-leichte Latin-Soul Kollaboration ersetzt. Sanfte hypnotische Grooves treffen auf die unvergleichlich einnehmende Stimme von Alice Russell. Hat ein bisschen gedauert, bis die CD ihre volle Wirkung entfaltet hat, dann aber gewaltig.

5. Darrell Scott - Long Ride Home
Der Multiinstrumentalist ist Mitglied von Robert Plant`s BAND OF JOY und nahm mit LONG RIDE HOME sein 7tes Solo-Album auf. Hatte er das Vorgängerwerk A CROOKED ROAD noch komplett alleine eingespielt, so hat er sich hier Hilfe von Szenegrößen wie GUY CLARK, RODNEY CROWELL und LLOYD GREENE geholt. Herausgekommen ist Country-Folk vom Feinsten. Besonders die Balladen sind eine Klasse für sich.

6. Michael Kiwanuka - Home Again
Er ist im Augenblick everybody`s darling. Seine Mischung aus BILL WITHERS und TERRY CALLIER ist ja auch grundsympathisch, ja eigentlich sogar zwingend. Hoffentlich bleibt er sich treu und zerbricht nicht am derzeitigen Medienrummel.

7. Menic - Railroad Blues Anthology
Nicht vom Titel täuschen lassen! Das ist kein klassisches Blues Album, sondern ein vor Optimismus strotzendes, selbstbewusst vorgetragenes Singer-Songwriter-Werk mit lebendigen, nicht glatt gebügelten Kompositionen im erweiterten akustischen Roots-Rock/Americana-Umfeld. Für mich bisher der Newcomer des Jahres.

8. Amos Lee - As The Crow Flie
Der Folks-Jazz-Barde trifft auf Joey Burns und John Convertino von Calexico und spielt mit ihnen eine 6-Track-CD mit hymnischen, entspannten, weiträumigen, seelenvollen Country-Folk-Titeln ein. Hoffentlich arbeiten sie weiter zusammen.

9. The Excitements - The Excitements
Retro Soul/Funk a la SHARON JONES & THE DAP KINGS mit der großartigen Sängerin KOKO JEAN DAVIS. So retro, dass sogar in Mono aufgenommen wurde. Spannend, abwechslungsreich und mitreißend, genau so muss solche Musik klingen.

10. Leonard Cohen - Old Ideas
 Die CD ist bei mir ein bisschen ins Hintertreffen geraten, denn diese Musik passt so gar nicht in die helle Jahreszeit. Aber die dunklen Tage kommen ja leider auf jeden Fall viel zu früh wieder. Und dann wärmt dieses abgehangene, merkwürdige sakrale Alterswerk wahrscheinlich wieder die Seele.

Jetzt schon die Compilation des Jahres:
Beat From Badsville Vol. 1 - Trash Classics from Lux & Ivy`s Vinyl Mountain
Vor kurzem bestellt und rasend schnell geliefert. Diese Zusammenstellung aus krudem, unangepassten, rarem Rock`n`Roll aus der Sammlung der CRAMPS-Leader ist nicht nur auf Grund des farbigen 10-Inch-Doppel-Vinyls ein Hingucker sondern auch noch aufgrund der mitgelieferten CD-Version universell einsatzbar. Ich freue mich jetzt schon auf Teil zwei.

Da nur eine Top 10 gemeldet werden sollte, sind die CD`s von Jack White, Lee Ranaldo, The Great Lake Swimmers, Cold Specks, Patti Smith, Lee Fields, First Aid Kit, Patrick Watson, Father John Misty (= John Tillman), Lambchop und Great Lake Swimmers nicht mit in die Wertung gekommen.
Mal sehen, wo sie sich am Jahresende wiederfinden.

Freitag, 6. Juli 2012

Top Ten 2012 so far...
K-Nut


Spain - The Soul Of Spain
Finde ich genau so großartig, wie das erste Spain-Album - und das finde ich wirklich verdammt großartig!
Glücklichmachende Wiederkehr des Josh Haden.

Der Rest ohne wertende Reihenfolge:

Bobby Womack - The Bravest Man In The Universe
Nur zu Beginn gewöhnungsbedürftig - ein absolutes Monster von einem Album. (s.u.)

Kelly Hogan - I Like To Keep Myself In Pain
Fast schon zu perfektes Amalgam aus Country und Soul. Dazu die denkbar beste Begleitcombo.

Die Aeronauten - Too Big To Fail
Sensationelle Wundertüte zum Band-Jubiläum; Doppel-Album mit einer höchst abwechslungsreichen "normalen" und einer völlig abgedrehten Instrumental-LP. Neben Koppruch die beste deutschsprachige Musik zur Zeit.

Gemma Ray -  Island Fire
Großzügiger instrumentiert, dadurch noch abwechslungsreicher als bisher. Unglaublich viele Einflüsse so geschickt verbunden, dass eine ganz unverwechselbare eigene musikalische Sprache entsteht. Bekennenderweise dauerverliebt.

Mary Epworth - Dream Life
Endlich! Zwar noch ganz frisch, aber der erwartete Debut-Volltreffer. Ein wunderschönes Album, dem es mit anscheinend spielerischer Leichtigkeit gelingt vernebelte englische Landschaften und sonnen-gleissende amerikanische Sandstrände zu verschmelzen. Ganz eigenständige Kunst.

Dexys - One Day I'm Going To Soar
Wie konnte ich es nur so lange ohne meine Lieblings-Dramaqueen Kevin Rowland aushalten? Die Arbeiterklassen-Ästhetik ist einer leicht operettenhaften Dandy-Attitüde gewichen, aber die relativ erdige Produktion reisst alles wieder raus. Gottseidank singt der Mann immer noch deutlich besser als er inzwischen aussieht. Tolles Album!

Tindersticks - The Something Rain
Zurück zu alten Stärken. Kommt nicht an die Grandezza der ersten beiden Alben heran, ist aber besser als alles, was danach kam. Live ein Erlebnis!

Holmes - Burning Bridges
Unverändertes Rezept, nach wie vor absolut betörend! Möchte ich unbedingt nochmal live sehen!

Pepe Deluxé - Queen Of The Wave
"Esoteric Pop-Opera" nennen die Herren das; in Wirklichkeit hören wir jedoch die besten Sounds, Grooves, Melodien und seltsamsten Harmonien seit langem. Kurzweiliger geht's nicht! Beeindruckt mich immer wieder (von der ersten Sekunde an). 

Knapp vorbei, dennoch empfehlenswert:

Django Django - Django Django
Electro-Pop, Tribal-Chants, Beach Boys-Harmonien, Disco-Stomps, Psychedelisches, elektrischer Glam-Rock, Western-Gitarren, Ethno-Gedöns, ...
Was sich jetzt liest wie Erbsensuppe mit Schokoflocken und Matjeshering klingt tatsächlich richtig lecker.


Kandidaten für die Jahres-End-Liste:

Andrea Schroeder - Blackbird (da bin ich mir sogar ziemlich sicher, ist aber noch nicht veröffentlicht)
Richard Hawley - Standing At The Sky's Edge (das wächst noch - aber ganz langsam...)
Nick Waterhouse - Time's All Gone (da hatte ich etwas mehr erwartet, vielleicht k(l)ickt's doch noch) 
Farmen - Farmen (tolle Arrangements, tolle Songs, alles auf Dänisch - noch ganz neu für mich)
Paul Buchanan - Mid Air (bei diesem Album bin ich bisher immer eingeschlafen, und das ist
noch nicht mal als Kritik zu verstehen)



...und damit begeben wir uns zurück in die Sommerpause (falls nicht doch noch ein paar Listen aufschlagen).

Donnerstag, 5. Juli 2012

Top Ten 2012 so far...
BadaBing!

Kinder wie die Zeit vergeht…
Dä! Gerade noch, Ende Januar, den Gisbert zu Knyphausen bei seinem schönen Auftritt im Gloria erlebt und schon ist es Hochsommer.

Platz Eins: The Tindersticks - The Something Rain
Inkl. großem Abend, auch im Kölner Gloria. Da fehlen mir fast die Worte, jetzt schon Platte des Jahrzehnts!

Platz Zwo: Spain – The Soul Of Spain
Ehrlich, ich kannte Spain bis dato nicht, aber die Platte bringt mich bei Stress immer wieder fein runter.

Platz Drei: The Black Seeds – Dust And Dirt
Reggae war eigentlich nie so richtig “mein Ding”, jedoch die Herrn aus Neuseeland konnten mich bei ihrem Auftritt im Underground richtig begeistern, und kamen auch nach dem Konzert äußerst sympathisch daher. Die Platte, Doppelalbum, läuft gern komplett, und dann zucken durchaus auch mal die Beine…

Platz Vier: Garland Jeffreys – The King Of Between
Auch da muß ich ehrlich sein, von ihm kannte ich nur  „Hail Hail Rock'N'Roll“ und natürlich „Matador“, aber auch hier: Großartige Platte, großartiges Konzert in der Kulturkirche zu Nippes, großartiges Comeback des kleinen Mannes!

Platz Fünf: Lana Del Ray – Born To Die
Beim ersten durchhören fand ich schon, naja, nicht schlecht, aber…mittlerweile mag ich die CD richtig gern.

Alles sicher recht mainstream, nun gut, aber es half mir über die ein und andere sportliche Katastrophe hinweg, am schlimmsten ist natürlich der Abstieg des geliebten Domclubs, dann das frühe (jawohl: Das FRÜHE!) ausscheiden der DFB-Elf bei der Euro, da half auch der Sieg gegen die Elftal nix. Sowie ein bisschen auch die Niederlage der Bayern gegen Chelsea.
…in dem Sinne “Zweite Liga: wir kommen!“

Schönen Restsommer!

Mittwoch, 4. Juli 2012

Top Ten 2012 so far
Pete F.

hier sind die Resultate der Ingolstadt-Jury:

01. Bobby Womack - The Bravest Man In The Universe
02. Spain - The Soul Of Spain
03. Michael Kiwanuka - Home Again
04. Dr. John - Locked Down
05. Amos Lee - As The Crow Flies (EP)
06. Nick Waterhouse - Time's All Gone
07. Jack White - Blunderbuss
08. Rufus Wainwright - Out Of The Game
09. The Tindersticks - The Something Rain
10. Patti Smith - Banga

Montag, 2. Juli 2012

Halbjahresbilanz 2012
An-Dréad

Patti Smith – Banga
Ich geb zu, dass ich als Fan mehr als befangen bin, deshalb außerhalb der Wertung. Bestes Album seit 1978 (das 2007er Cover-Album Twelve war auch schon überraschend gut), was freue ich mich auf den Open Air Gig mit den Walkabouts in Bonn nächsten Montag!

Hier die Liste:
1. Spain – Soul of Spain Comeback des Jahres. Ein Fest auf Glitterhouse.
2. Sergio Mendoza – Mambo Mexicano Latin-Platte des Jahres auf LePop, live noch besser.
3. Quantic & Alice Russell – Look Around The Corner Collaboration des Jahres, live mit Spielfreude eine Wucht.
4. Alabama Shakes – Boys & Girls Konsensplatte des Jahres, sehr schöner Groove das Ganze.
5. Gemma Ray – Island Fire Die 60’s Pop Queen jetzt Neu-Berlinerin und somit oft zu sehen.
6. Stabil Elite – Douze Pouze La Düsseldorf lassen grüßen, sehr gelungen!
7. Michael Kiwanuka – Home Again Auch gut: Nick Waterhouse – Times All Gone
8. Chairlift - Something Dream Pop Alternative mit noch mehr Autotunes: Polica – Give You The Ghost
9. Paul Buchanan – Mid Air Ebenso contemplativ ohne Vocals: Hilary Hahn & Hauschka – Silfra
10. Fenster – Bones Die Band der Stunde aus Berlin. Stammgäste: Wave Pictures – Long Black Cars

Noch recht frisch in der Folie: Bobby Womack – Bravest Man in the Universe (Tour leider abgesagt). Dexys – Someday I’m Going to Soar. Da fehlt mir noch der Kick.

Ohrwürmer, denen ich mich nicht entziehen konnte (schöne Videos auch):
1. Lana Del Rey – Video Games / Born to Die
2. Mount Washington – Lisbon
3. Gemma Ray – Runaway

Ein Tune aus dem letzten Jahr, der aus traurigem Anlass ständig im Radio läuft: Beastie Boys feat. Santigold – Don’t Play No Game I Can’t Win

Viele gute Berlin-Konzerte in chronologischer Reihenfolge (großartig: Mouse on Mars, Fenster, Sergio Mendoza, Quantic & Spain):
1. Walkabouts & Miss Kenichi - Lido
2. Black Keys & Portugal The Man – Arena
3. Mouse On Mars – Berghain
4. Mount Washington – Waschhaus (Potsdam)
5. Fenster – Marie Antoinette
6. Nick Waterhouse – Lido
7. Olafur Arnalds – Lindenpark (Potsdam)
8. Obsidians & Excellos – Roadrunner’s
9. Excitements – Bassy
10. Malia – Porgy & Bess (Wien)
11. Sergio Mendoza & Marianne Dissard – Heimathafen Neukölln
12. Holmes – Schokoladen
13. Tu Fawning – HAU2
14. Quantic & Alice Russell – Gretchen
15. Stabil Elite – Festsaal Kreuzberg
16. Spain – Lido
17. Codeine & Schneider TM – Festsaal Kreuzberg
18. Barbara Morgenstern – HBC
19. Manuel Göttsching & Ashra – UfA Fabrik
20. Jah Wobble & Keith Levine Play Metal Box - Volksbühne
Dreimal erlebt: die kleinste Ska-Band der Welt, die Skalitzer aus Berlin(-Neukölln),
gesehen: “Marley” auf der Berlinale.

Uff, war doch ganz schön viel los dieses Jahr.
Top Ten 2012 so far…
Günter Ramsauer

Gute Idee mit der Top Ten so far. Da kann man selbst überprüfen was sich bis zum Jahresende alles geändert hat. Also denn:

Nick Waterhouse – Time’s All Gone
Als Bankangestellter würde er kaum auffallen, als Sänger dagegen schon! Stimme und Musik platzieren sich ziemlich exakt zwischen R&B und Rock’n’Roll. Dazu The Naturelles als fantastisches weibliches Background Vocals Trio und zu den messerscharfen Bläsersätzen blitzen E-Gitarrenlicks und Riffs plus das famoseste Rhythmusgepoltere seit langem. Ein echter Hammer diese Platte!

Hiss Golden Messenger – Poor Moon
Zu Beginn etwas untergegangen bei den vielen Neuheiten, die ich mir so anhöre. Inzwischen ganz vorne in meiner Liste und bereits als Vinyl bestellt. Mike Taylor von The Court And Spark hat hier ein Americana Meisterwerk abgeliefert. Für Kopf und Bauch gleichermaßen!

Gallon Drunk – The Road Gets Darker From Here
Die hatte ich nicht mehr auf dem Zettel. Mehr als gelungene Rückkehr der Großstadtmelancholiker. Haut einen fast um mit welcher Urgewalt sie hier in Saiten, Tasten und Schlagzeug hauen. Der Sänger war ja schon immer eine Klasse für sich und hier faucht und zischt er mit Orgeln, Bass und Stromgitarren um die Wette. Phasenweise glaubt man einer Session der frühen Nick Cave & The Bad Seeds mit The Black Keys beizuwohnen. Ein Rock’n’Roll-Monster! Derzeit nur als Import (Vinyl + CD + Download-Code als limited Edition) erhältlich, im August wird es (meines Wissens) auch hierzulande veröffentlicht. Hervorragend produziert von Johann Scheerer (1000 Robota, Karamel) in dessen Clouds Hill Studios Hamburg.

Buxton – Nothing Here Seems Strange
Vom leisen Americana Folk bis zu beinahe lärmendem Roots Rock. Der AMG vergleicht mit Gram Parsons und Crazy Horse. Der Sänger hat die Emotionalität von Gram, von David Blue die Nonchalance und ein Ryan Adams ähnliches Timbre. Musikalisch geht das Richtung The Band. Bisher die Platte, die ich am öftesten gehört habe. Ein Americana Masterpiece!

Crybaby – Crybaby
Der frühe Richard Hawley trifft Morrisey. Verdammt toller Crooner dieser Danny Coughlan und was für schneidende Stromgitarren im transparenten Klangbild. Leider kein Vinyl.

Adam Arcuragi – Like A Fire That Consumes All Before It…
Wahrscheinlich nicht das kunstvollste Singer / Songwriter Album des Halbjahres, indes das mitreißendste. Vor lauter Begeisterung steht man plötzlich mitten im Raum, breitet seine Arme aus und fällt in die passionierten Gesänge und die himmlischen Chöre mit ein.

Michael Kiwanuka – Home Again
Den werden einige in ihrer “so far Liste” aufführen. Immer wieder fallen die Namen Bill Withers und Terry Callier, ich füge Lou Bond hinzu. Smoother Soul-Folk ist das, der unter die Haut geht. Ganz wunderbar!

Chicken Snake – Trouble On My Doorstep Blues
Stompin' Rock'n'Roll im Geiste von Holly Golightly, Billy Childish etc. Das rockt und stampft bis zum Abwinken!

Dry The River – Shallow Bed
Die Briten wurden mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Da war ich zunächst eher skeptisch. Zu Unrecht, denn diese erhabenen, teils mächtigen Songs gehen ins Ohr ohne anzubiedern. Brit-Folk-Pop trifft Westcoast-Harmonien!

Wovenhand – Live At Roepaen
DVD und CD haben die Magie eines Wovenhand-Konzerts in seiner dunklen Poesie und sakralen Wucht mehr als eindrucksvoll eingefangen.

Des weiteren: Tiny Ruins, Mariee Sioux, Patrick Watson, Will Stratton, Lindsay Fuller, Sophia Knapp, The Dynamite Pussy Club, Alabama Shakes, Gemma Ray, The Wave Pictures, Holmes, Leonard Cohen, Paper Dollhouse

Donnerstag, 28. Juni 2012


Bobby Womack - The Bravest Man In The Universe

Bobby Womack hat mich bis in die bösen 80er hinein begleitet und ich habe seine Poet-Alben geliebt. Das war zum Teil völlig überarrangierter aber dennoch hochgradig seelenvoller Stoff. Dieser großartigen Stimme konnte einfach kein Produktions-Overkill (und auch kein noch so scheussliches Album-Cover) etwas anhaben.
Dann wurde der Mann irgendwann sehr sehr krank, man hörte lange gar nichts mehr von ihm.
Und jetzt ein neues Album, nach 18 Jahren.

Vorab gab es einen sehr ungewohnten Song zu hören, und ein noch eigenartigeres Video dazu: "Please Forgive My Heart". Seltsame, aber wohl hochmoderne Beats, ein karges Arrangement mit sparsamen Piano-Tupfern und etwas Synth-Begleitung. Zum Ende dann noch ein wenig Gitarre... Ziemlich befremdlich das ganze. Die gealterte, aber immer noch großartige Stimme packt allerdings zuverlässig. Ich habe den Song relativ oft hören müssen - um dann doch in freudiger Erwartung das Album (Vinyl inkl. CD)zu kaufen.
Wäre es doch der einfachere Weg gewesen für ein Comeback einen, für solche Fälle bewährten Produzenten, wie Joe Henry oder Mark Nevers (die ich beide sehr schätze!) zu verpflichten - nein das ganze Album geriet in die Hände von Richard Russel, dem Chef von XL Records, und Damon Albarn. Und die beiden lassen den alten Mann über ein Gerippe von Beats, Synth-Bässen und Spuren-Elementen von Klavier und Gitarre singen. Das hat ähnlich, wenn auch nicht ganz so radikal, bereits bei der letzten Russel-Produktion für das leider letzte Gil Scott Heron-Album funktioniert.


Ich habe zwar ein Weilchen gebraucht um zu dieser Einsicht zu kommen, aber dies ist ein großartiges Album! Das Ding wächst und wächst. Die Kompositionen taugen durchweg, die Stimme ergreift sofort und alles greift irgendwann perfekt ineinander.
Zum Ende hin wird es zwar etwas schwächer, "Love is Gonna Lift You Up" ist mir etwas zu simpel und "Jubilee" geht mir mit seinem stupiden Geballer dann doch gehörig auf die Nerven. Mit der Nummer kann man (trotz mal wieder tollen Vocals) jedem Atzen-3er-BMW an der benachbarten Ampel Konkurenz machen. Ein unwürdiger (und gottseidank sehr kurzer) Abschluss für ein insgesamt überragendes Album.

Meisterwerk!
(K-Nut)

Montag, 25. Juni 2012


shake baby shake vs. Sommerloch

....tja, da hat das jährliche blog-Sommerloch anscheinend etwas früher und heftiger als gewohnt zugeschlagen.
Das mag private oder berufliche Gründe haben, vielleicht liegt es an der EM, am Kackwetter oder einfach daran, daß seit dem OBS eigentlich nix spannendes mehr passiert ist

Und so saß ich nun gestern vor der Glotze und während das England-Italien-Spiel gen Ende immer langweiliger wurde, überlegte ich mir wie man unser blog-Baby mal wieder etwas wiederbeleben könnte.
Online-Mixtapes wurden ja bereits vorgeschlagen - aber aus diversen Gründen haben wir uns ja schon (leider) vor geraumer Zeit davon verabschiedet.

Ein bisschen Mitarbeit von Euch, lieben Lesern, finde ich persönlich ja auch immer sehr hilfreich. Und da ich neben Plattenspieler und Rechner immer einen Zettel liegen habe, auf dem ich mir besonders gelungene Tonträger notiere (damit ich sie bei der "Jahres-Endabrechnung" nicht vergesse), dachte ich mir "Warum nicht einfach mal 'ne Liste zur Halbzeit-Pause?".
Der Guardian macht das ja auch immer im Juni: "best albums 2012 - so far". Und falls im Dezember tatsächlich die Welt untergeht, wären wir unseren Listenpflichten schon längst brav nachgekommen...

Angesichts des kürzeren Zeitraumes würde ich um maximal 10 Alben-Nennungen bitten. Singles, Bücher, Filme sind natürlich auch willkommen. Also: welche 2012er Alben haben sich bisher als absolut unverzichtbar und empfehlenswert herausgestellt?
Mails (gerne mit einer separaten Bilddatei des Lieblingsalbums) bitte an top-10 (at) live.de.
Unter 5 Beiträgen fange ich allerdings gar nicht erst an! 
Freue mich über jede Wortmeldung! Haut rein!


(K-Nut)



Sonntag, 3. Juni 2012


"This is Ace!"
OBS16 revisited Teil 3

Der Sonntag:
K-Nut:
Ich verschlafe und versäume den surprise act The Frictions. Das tut mir leid.

Whirlyjoe:
Oh weh, ich auch. Soll wie Crazy Horse geklungen haben, argh! Nächstes Jahr muss ein Wecker mit ins Sarglager in Lauenförde, wo wir wieder höchst komfortabel bei Heike und Axel wohnen durften – tausend Dank noch mal euch beiden!

Pete F.:
Tja Jungs, in Sachen The Frictions habe ich Euch was voraus. Habe allerdings auch, um der Wahrheit die Ehre zu geben, am Vorabend den Stadtkrug geschwänzt.
Aber, oh boy, dieses Konzert war jedes Opfer wert. Chris Eckman und seine slowenischen Kumpels im klassischen Zwei-Gitarren-Bass-Schlagzeug-mehr-braucht-kein-Mensch-Modus reiten das Verrückte Pferd mit einer Begeisterung und Spielfreude, dass es nur so eine Art hat. Selten habe ich Chris so locker und so selig gesehen.
Highlights: der abgespeckte Walkabouts-Klassiker „The Stopping-Off Place“, die Zugabe „Revolution Blues“ (von Neil Youngs epochalem „On The Beach-Album“, einer meiner Top-5-Platten für die Ewigkeit) und eine Handvoll mir bis dato völlig unbekannter Klassesongs von The Frictions.
Long may you run, guys.

K-Nut:
Clickclickdecker finde ich nett und einige mich mit Joe auf „Mädchenmusik“.

Whirlyjoe:
Sag ich doch. Grundsympathisch bei derber Mittagshitze.

K-Nut:
Von Nive Nielsen hatte ich ja im Vorfeld behauptet, ihre Musik lebe auch von einem gewissen Niedlichkeitsfaktor. Da sollte ich recht behalten – das gilt auch live und ebenso für ihre komplette Band The Deer Children. (Besonders auffallend dabei die expressive Drummerin.)
Dennoch überrollt mich diese Niedlichkeits- und Charme-Offensive ohne ernsthaften Widerstand meinerseits. Hach! Sofort das Album gekauft!

Whirlyjoe:
Da sind wir uns völlig einig. Supernette Typen, niedlich und herzlich, die Schlagzeugerin tatsächlich was Besonderes. Mir fehlt es live und auf Platte ja noch an klaren Songstrukturen, so ein Konzert funktioniert aber auch ohne Mitsing-Hits. In der Tat eine vielversprechende Entdeckung, die den zu immer noch früher Stunde erfreulich gut gefüllten Garten ergriffen zuhören ließ.

Pete F.:
Für mich ist Nive Nielsen die Königin der Herzen dieses Festivals. Singt über Staubsauger und darüber, dass ihr Freund ohne Kaffee nicht in die Gänge kommt. Banal eigentlich, doch es klingt, als hätten Engel diese Songs geschrieben.
Im Ernst: Miss Nielsen könnte mir auch das Telefonbuch von Paderborn vorsingen - ich würde fasziniert lauschen.

K-Nut:
The Travelling Band hatte mir Joe sehr ans Herz gelegt. Mit ihm recht weit vorne eine halbe Stunde geschwelgt, weitere zehn Minuten ausgeharrt, dann nach hinten ein Bier holen und nicht zurückgekehrt. Das ist mir schon fast zu schön und darum nicht aufregend genug. Auf dem Weg zur Zinkrinne drei Klappstuhl-Besitzer beim konzentrierten Zeitung-Lesen beobachtet - das finde ich wiederum irgendwie doof.

Whirlyjoe:
Ich bin gegen Klappstühle. Die bärtigen Briten finde ich dennoch großartig, selten zwei so prächtig harmonierende Singstimmen gehört. Ihr Auftritt vor einigen Wochen in der schwäbischen Diaspora war noch ein wenig deftiger in Richtung Southern Rock gegangen, dennoch verschaffte mir die Travelling Band schon beim Einstieg den OBS-typischen Gänsehautmoment.
Einer der Sänger gab in seiner Begeisterung dann auch das Motto für diesen Festivalbericht aus: „This Is Ace!“


Pete F.:
Gänsehaut, that‘s it: Als der Sänger sich langsam vom Mikro wegbewegte und die komplette Band loslegte, habe ich, glaube ich, gejauchzt vor Glück. Tolle Harmonies und alles - aber ein paar mehr memorable Songs wären schon schön gewesen.

K-Nut:
Bei den Fog Joggers eine enorme Girlie-Dichte vor der Bühne festgestellt. Wo kommen die plötzlich alle her? Die unbeschuhten Bengels klingen mir inzwischen fast etwas zu erwachsen und abgehangen. Gute Songs und Bühnenpräsenz dennoch. Weitermachen!

Ich bezeichne The Flying Eyes backstage unflätig als „Kinder mit Bärten“. Auf der Bühne fliegen keine Augen sondern Haare, viele Haare! Das rockt wie in den Siebzigern, seitdem aber nicht viel dazugelernt. Aber ganz große Live-Qualitäten, zweifellos! Leider viel zu wenig Pedalsteel gespielt. (Der beste Song war der von der Hömma-Compi.) Dennoch sehr angetan!

Whirlyjoe:
Nach ausgiebigem Chillen an der lauschigen Weser (und dem Verpassen der Fog Joggers und Orph) waren The Flying Eyes dann aber ein echter Knaller. Psychedelischer Boogie’n‘Blues-Hardrock wie anno 73. Freut mich immer sehr, dass auch nachwachsende Generationen von Langhaarigen diesen unverwüstlichen Sound pflegen. Stilistisch zwischen der ersten Bad Company, Blue Cheer und „Stranglehold“ von Ted Nugent.

Pete F.:
Mein Tipp war ja Cobo Hall, Detroit, 1971: Das ging aber auch mächtig los. Songs wie Lava, Gitarrensoli wie ein Güterzug, den keiner stoppen kann, und Vocals in der Tradition großer Shouter (sagt man das heute noch so?). Machen wir‘s kurz: Solange es noch junge Menschen gibt, die so eine Musik spielen, kann diese Welt nicht ganz schlecht sein.

K-Nut:
Die Spain-LP (die CD habe ich schon) kaufe ich mir schon vor dem Auftritt, nötige Josh Haden ein kurzes Gespräch auf, lasse mir das Cover signieren – so benehmen sich nur Fanboys? Ok, ich gestehe.

Hätte mir vor einem Jahr jemand erzählt Spain machen ein neues Album und spielen auf dem OBS. Ich hätte es niemals geglaubt! Seit Anfang an bin ich ein echter Fan von Josh Haden, der sich als extrem netter und höflicher Mensch erweist.
Kündigt mir Andread vor dem großen Finale noch an: „Josh Haden spricht auf der Bühne kaum ein Wort.“ (Das war beim Berliner Gig – vor 61 Gästen; schämt Euch, Ihr Ferngebliebenen! – wohl so) gibt der Mann auf der OBS-Bühne die Festival-Rampensau. Wen und was er da so hochleben lässt: nette Geburtstags-Kinder (die WDR-Tonfrau), Boote, Papa Charlie, Rembert, Lutz, das Glitterhouse, etc.; das ergibt ein tolles Spannungsfeld zwischen befreiendem Gelächter und ergreifenden Tränenziehern.
Musikalisch ist das in meinem Universum kaum noch zu toppen und löst Michael J. Sheehy/The Miraculous Mule als bisheriges OBS-Highlight ab. (...sorry Michael) Das war für mich kein Konzert, das war so etwas wie eine Messe! Mein bisheriger OBS-Höhepunkt in immerhin 14 Jahren.
Ich bin tatsächlich zwischenzeitlich den Tränen nahe und lache anschließend mit den Umstehenden um die Wette. Nuff said!

Whirlyjoe:
Ich hab’s ja nun nicht so mit Gottesdiensten, habe mich aber auch schon sehr auf Spain gefreut, denn das neue Album auf Glitterhouse ist wirklich sensationell und die alten Sachen der Band eh über jeden Zweifel erhaben. Hadens Performance geriet dann für einen gottesfürchtigen Amerikaner doch ein wenig eigentümlich („…in the motherfuckin‘ house!!!“), in einem Interview während des Festivals bezog er sich ja lustigerweise auf Ozzy Osbourne, was tatsächlich ein wenig Licht in die Sache bringt. Die Musik war jedenfalls einfach nur ganz wunderbar. Gänsehaut pur, erhabene Schönheit und als letzte Zugabe „Spiritual“. Wow, besser geht’s nicht – auch wenn die Meinungen zu Spain anscheinend weit auseinander gehen.

Pete F.:
Dem ist ganz wenig hinzuzufügen. Auch für mich das - neben Midnight Choir (die Älteren werden sich vielleicht erinnern) - wohl schönste Konzert der 13 OBSe, die ich bisher besuchen durfte. Wie Knut stehen mir beim Spain-Auftritt Tränen des Glücks in den Augen. Es ist ergreifend. Wunderschön. Unvergesslich. Ein magischer Moment. Danke, Josh Haden. Danke, Euch allen für ein Festival, das ich immer in meinem Herzen tragen werde. Und dann fließen die Tränen doch, auch weil ich meinen Freund Reinhard noch selten so emotional erlebt habe wie bei seinen Abschiedsworten.

K-Nut:
Rembert und Reinhard sprechen die famosen letzten Worte des OBS16. Rembert dankt, Reinhard erzählt Interna, während Rembert um Jahre altert. Alle sind bewegt, alle lachen – wie bei Spain. Ich bin schon wieder (oder immer noch) gerührt. Was für ein Finale!
Bevor ich tatsächlich noch anfange in mein Bier zu weinen, ab in den Stadtkrug!

Ca. 80% der Gäste sind auf der Tanzfläche. Der Sänger der Flying Eyes tanzt sturzbetrunken, aber unfallfrei, auf seinem Barhocker stehend, und lässt sich anschließend von den Umstehenden den nackten Oberkörper signieren. Um kurz nach Sieben verabschiede ich mich, während die Glitterhäusler zum traditionell letzten Song „Smells Like Teen Spirit“ abheben.
R-man meint: „Ich würde sonst was geben, hätte ich jetzt John Miles’ Music dabei!“
Ich gehe und sehe, dass Jens seinen Plattenkoffer wieder ausgepackt hat.
Die Sonne scheint.
Ich bin glücklich.


Pete F.:
Glücklich ist das Stichwort: Ich halte zwar nur bis zwei Uhr morgens durch, aber als ich gehe, fühlt es sich an, als würde ich eine Familie verlassen. Für ein ganzes langes Jahr. Auf dem Weg zum Hotel schon wieder Tränen. Aber Tränen der Freude. Über die Musik. Und darüber, Euch alle kennen zu dürfen. Danke.


Whirlyjoe:
Danksagungen gehen wie immer an Alle: Macher und Gäste, Künstler, DJs und Dienstleister. Extrapunkte verleihe ich an die Sound-Crew (High Fidelity live!), das ebenso wunderbare wie hartschuftende Stadtkrug-Team, sowie den Bäcker am Eingang für den Käsekuchen. Den schönsten Sailorgirl-Pulli trug – Sailorgirl.

K-Nut:
Käsekuchen hatte ich keinen, ansonsten kann ich mich nur in allen Punkten anschliessen. Rembert, Yannick: alles richtig gemacht!
R-man: Danke!!! Die famosen Richters und die restliche Stadtkrug-Crew - Ihr seid großartig.
Give it up to OBS!

Samstag, 2. Juni 2012

"This is Ace!"
OBS16 revisited Teil 2

Der Samstag:

K-Nut:
Auch wenn es schwerfällt: Für Rocco Recycle geht es früh aus dem Bett. Gefrühstückt wird am Weserufer. Die Sonne knallt auf den Schädel. Rocco hat sich die große Bühne absolut verdient. Er bestreitet, sich im Glitterhouse hochgeschlafen zu haben. Ich glaube ihm.
Blues, Garagenrock und durchaus mal ein paar poppige Töne, alles höchst unterhaltsam. Ein perfekter Start in den Samstag.

Whirlyjoe:
Verflucht – ich hab Rocco verpennt. Bin aber auch mit schwerem Schlafdefizit angereist. Asche auf mein Haupt, ich könnte mir jetzt noch in den Hintern beißen.

K-Nut:
Amanda Rogers hat abgesagt. Ich bin nicht traurig. Als „Ersatz“ kommt Scott Matthew. Ich bin begeistert. Scott singt ausschließlich Coversongs zu Gitarre oder Ukulele. Die Auswahl der Songs ist hochgradig eklektisch, alles wunderschön und very charming.

Whirlyjoe:
Also ich hätte mir Frau Rogers sehr gerne angesehen. Scott Matthew schätze ich ja sehr, aus dem hinteren Garten genossen, erschließt sich der Reiz seiner superentspannten Performance aber nur bedingt. Erneut mein Fehler, aber immerhin habe ich Songs von Sex Pistols und Whitney Houston erkannt. Der Mann hat einfach Stil und Charisma.

K-Nut:
Das "Opfer" der unpassenden Uhrzeit und des schönen Wetters ist diesmal Andrea Schroeder, sind ihre Musik und Stimme doch eigentlich für düstere und späte Augenblicke prädestiniert.
Aber lassen wir dieses Luxusproblem mal beiseite, ich sehe und höre einen wundervollen und bewegenden Auftritt. Einige finden Frau Schroeder zu „divenhaft“, ich finde ihr Auftreten äusserst passend. (Abseits der Bühne ist mein Eindruck auch ein völlig anderer.) Ich ergattere das Album und liebe es. Die Dame hat einen neuen Fan.

Whirlyjoe:
Hui, da war‘s aber mal richtig heiß. Das hatte ich gut durchgebraten vor der Bühne aber schnell vergessen. Gemeinsam mit Pete F. genossen wir die dunkle Schönheit ihrer noch dunkleren Musik, hörten deutliche Einflüsse von Nico, Cowboy Junkies und Mazzy Star heraus. Das Album will ich als Vinyl.

Pete F.:
Wo, bitteschön, darf ich die roten Rosen hinschicken? Im Ernst: Andrea Schroeder und ihre fabelhafte Band sind für mich die Entdeckung dieses OBS. Eine charismatische Sängerin, kongeniale Begleiter, wundervolle Songs, eine Atmosphäre, als träfen sich Nico und Nick Cave, Margo Timmins und Beth Gibbons zur Séance - Andrea und ihre Jungs würde ich für mein Leben gern in einem in blaues Licht getauchten Club erleben, wenn sie schon im sonnendurchfluteten Glitterhouse-Garten so zu betören wissen.
Achtung: Anfang September erscheint das Album offiziell. Kaufen!

Und Scott Matthew war natürlich so großartig wie immer.

K-Nut:
The Fuzztones auf dem OBS. Sie sind tatsächlich da und rocken das Haus bzw. den Garten. Den Saxophonisten, der sie auf dem Stag-O-Lee-Shakedown noch begleitete, haben sie gnädigerweise daheim gelassen.
Die Herrschaften machen einen überaus gut gelaunten Eindruck. Ein Teil der Gäste ist irritiert, der Rest begeistert.

Pete F.:
Genau deswegen höre ich seit 40 Jahren Rock and Roll: Cool, calm and collected legen Rudi und seine Spießgesellen einen Wahnsinnsauftritt hin. Und die gute, alte Vox treibt mir immer noch und immer wieder Tränen der Begeisterung ins Auge. Weiß übrigens wer, wo Lana Loveland ihren einteiligen Zebra-Suite herhat?

Whirlyjoe:
Ich hatte auch befürchtet, dass das mit den Garagen-Legenden im sonnigen Garten nichts wird. Aber ganz im Gegenteil – Rudi und seine Mistreiter strahlten mit der Sonne um die Wette, gaben sich während des gesamten Festivals freundlich, volksnah und handzahm – und legten ein total souveränes Konzert hin.

Das Publikum blieb leider ein wenig misstrauisch, während ich dann doch sehr froh war, ein tolles Konzert privilegiert vom seitlichen Backstage-Bereich zu erleben. Am Durchgang zum Instrumentenkeller war es fast ein wenig zu kühl….

K-Nut:
Auch Kill It Kid mussten absagen. Das finde ich sehr schade. Ihren Platz übernehmen Navel aus der Schweiz. Gefällt mir größtenteils sehr gut. Einige Menschen aus meinem Umfeld, die ansonsten ganz andere Musik hören, sind gar begeistert und kaufen Navel-Schallplatten.
Erland & The Carnival gefallen mir trotz latent vorhandener Indie-Hype-Allergie meinerseits erstaunlich gut. So abwechslungsreich wie erhofft. Sie spielen sogar eine Stagger-Lee-Version.

Whirlyjoe:
Von meinen Indie-Freunden vorab in höchsten Tönen gepriesen, wurden die hohen Erwartungen dennoch problemlos erfüllt. Zweifellos ist die Band mit dem Gitarristen von The Verve ein Fall für das jüngere Drittel des Publikums, aber wie sie das mit sonnigen Mitsing-Melodien, hüfenden Beats und tollen Plinker-Gitarren gemacht haben, finde ich ganz famos. Die perfekte Stimmungsband zur Primetime.


Pete F.:
Das kann ich nur unterschreiben, Joe, bis auf einen Punkt: In meinem Fall war‘s auch ein Fall für das älteste Viertel im Publikum. Großes Kino. Nuff Said.



K-Nut:
Immanu El brauchen eigentlich keine Dia-Schau im Hintergrund. Sie haben trotzdem eine.
Ich denke zu Beginn an die betörenden Holmes aus dem Vorjahr. Auf Dauer wird mir das aber zu drängend, zu dräuend und zu ähnlich in der Struktur.
Wir brechen auf.

Im Stadtkrug brennt die Hütte. Alle DJs in Bestlaune und Höchstform. Lustige Musikwünsche nur vereinzelt – es trifft Stompin Johnson mit: „Das ist die Nummer Eins der Deutschen Charts! Das kennst Du nicht?“
Alle anderen tanzen. Der Schweiß tropft mal wieder von der Decke. Das Thekenteam schwitzt solidarisch mit.

Whirlyjoe:
Oh ja. Das war voll. Und laut, heiß und verraucht. Stadtkrug eben. Der Sound: strictly spoonful auf Anweisung des Chefs. Bekannte Hits muss man dort nicht mehr spielen, damit die Massen tanzen. Hier wurde tatsächlich über die Jahre etwas aufgebaut. Ein Beweis für die Klasse des OBS ist ja immer wieder auch die Tatsache, dass teils prominente Musiker im überfüllten Stadtkrug ihre Hüften schwingen – am Samstag wurde mehrere Fuzztones gesichtet, am Sonntag wie immer auch Chris Eckman.


- to be continued -

Freitag, 1. Juni 2012

"This is Ace!"
OBS16 revisited Teil 1

K-Nut:
 ...und ratzfatz ist das Pfingstwochenende schon wieder rum; das Internet quillt über von OBS-Lobhudeleien. Alle sind hochgradig wohlwollend, alle sind durchgängig positiv, alle sind wahr!
Und wir sind mal wieder ziemlich spät dran. Unsere Ausreden sind aber gut: Wir hatten keine Laptops dabei, wir haben wenig geschlafen, wir haben viel getrunken.

Um es diesmal etwas kompakter zu halten, haben wir uns dazu entschieden, nichts zu Bands zu schreiben, die wir entweder gar nicht gesehen haben oder nicht ganz so aufregend fanden.

Der Donnerstag:
 Anreise aus Köln, zur Abwechselung mal völlig problemfrei. Leider nicht über Paderborn – der liebe Chrispop ist traurigerweise diesjährig nicht dabei. Dafür habe ich mit Martin und Steffi nette Mitfahrer an Bord.
Ankunft am Stadtkrug: großes Hallo, nette Menschen, gute Pizza bei Harry, das erste Bier. Im Stadtkrug ist es mir viel zu heiß, ich verpasse Crocozebra. Alle sind begeistert, sogar der dezent durchnässte R-man. Crocozebra haben viele tanzwütige junge Menschen mitgebracht, der Stadtkrug ist rappelvoll, der Schweiß tropft von der Decke. Das macht Spaß.
Ich verlasse den Laden im Morgengrauen - müde, nass, aber glücklich.

Pete F.:
Spätestens wenn Axel im Stadtkrug Buffalo Springfields „For What It‘s Worth“ auflegt, weiß ich: Irgendwie bin ich back where I belong. Und dann auch mal wieder „Spoon“ von Can in aller Öffentlichkeit gehört (und nicht nur in der stillen Music-Lover-Klause daheim) - das hat schon was. R-Man und K-Nut lassen die Temperaturen mit ihren Platten anschließend ins Subtropische klettern. Was für eine Nacht, was für ein Start.


Der Freitag:
K-Nut:
Früh raus – die Arbeit ruft! Der Stag-O-Lee-Stand will aufgebaut werden. Obwohl wir diesmal nur zu zweit sind und entsprechend früh angefangen haben, sind wir überraschend zügig fertig. Zweite Dusche, der Tag kann kommen! Die Stuttgarter trudeln ein, großes Hallo zum zweiten.

Whirlyjoe:
Trudeln trifft es. Vier vollgepackte PKW (die meisten von uns campen ja) wollen erst mal koordiniert sein. Der für früh geplante Start verlief dann doch eher unkoordiniert und entsprechend stauträchtig. Was uns dann gleich mal den Auftritt von Alamo Race Track kostete.
Christian Kjellvander nahm ich dann leider nur im Hintergrund wahr, denn das Hallo im OBS-Garten wird tatsächlich immer größer, länger und breiter – versüßt mit den ersten leckeren Bieren – so muss das sein! 

K-Nut:
Christian Kjellvander klingt tatsächlich, als wäre er schon mehrfach auf dem OBS aufgetreten. Passt wundervoll hierhin. Stimmungsvoll und ergreifend – sehr schön, das!
The Moon Invaders
Irgendwo lese ich, dass Reggae auf dem OBS immer ein Zuhause hatte. Das ist mir neu!
Die Belgier füllen den Garten (siehe Foto vom Dienstag). Seelenvoller und gar nicht eintöniger Spaß. Da könnte man durchaus gerne eine Tradition draus machen.

Whirlyjoe:
Den Quatsch mit der Reggae-Tradition hat der Herr vom Rolling Stone verbreitet. Tsss. Lustiger war da schon die Ansage, dass die Moon Invaders auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herrn an Bord waren – wir wissen, von welchem. Danke R-man fürs Entdecken der famosen Belgier, die diesmal eher noch besser als vor zwei Jahren beim Stag-O-Lee Shakedown waren.

K-Nut:
The Miserable Rich gingen beim OBS13 ja gänzlich an mir vorbei. Ob’s am fehlenden Schlagzeug, der unpassenden Uhrzeit, zu großer Entfernung zur Bühne oder an falscher Gesellschaft lag? Wer weiß – diesmal gefällt mir das irgendwie! Verführt mich zwar nicht zum Plattenkauf, ist aber bei Weitem nicht so verkopft, wie mich der OBS-Compi-Track vermuten ließ.

Pete F.:
„Time is a jet plane“, sang Bob Dylan einst in „You‘re A Big Girl Now“, „it moves too fast.“ Manchmal hat es aber auch was, wenn die Zeit rast: Man behält offenbar nur das Essenzielle in Erinnerung. Und so ist für mich der Freitag - bei allem Respekt vor den sympathischen Alamo Race Track, dem großartigen Christian Kjellvander und den bewährten Miserable Rich - der Tag der Moon Invaders, jenes bläserbetriebenen Ska-, Reggae- und Soul-Kraftwerks, das angeblich aus Belgien stammt. Wo doch jeder, der Ohren hat zu hören, weiß: Die können in ihrer ganzen groovigen Grandezza nur aus Kingston oder New Orleans kommen
Furios. Nicht weniger.

K-Nut:
Der Stadtkrug ist mal wieder gut gefüllt, es bleibt aber Luft zum Atmen. Das Auflegen läuft ganz entspannt, die Stuttgarter Gast-DJs Jens-O-Matik und Stompin Johnson (am Stag-O-Lee-Headquarter leicht an Tattoos und Sonnenbrillen zu erkennen) sind eine echte Bereicherung. Der unkaputtbare Axel übernimmt die Spätschicht bis in den Morgen.

- to be continued -

Dienstag, 29. Mai 2012


...ein ausführlicher OBS-Bericht folgt natürlich zeitnah (sobald unsere Regeneration etwas weiter fortgeschritten ist.) Es war übrigens mal wieder ganz wundervoll!

Schnellere Berichterstattung (die Kollegen hatten ja auch mehr Schlaf) gibt es unter anderem auf gaesteliste und beim Rolling Stone. 

(K-Nut)

Sonntag, 27. Mai 2012


The Black Seeds - Dust And Dirt

Die beiden Vorgänger-Alben dieser neuseeländischen Reggae-Band hat euch an dieser Stelle zuletzt Glitzer-Chef Reinhard präsentiert – der war zurecht sehr angetan vom Glitterhouse-tauglichen Reggae, durchaus auf den Spuren der Genre-Götter Fat Freddys Drop.
Black Seeds sind allerdings ein wenig traditioneller orientiert und nicht ganz so soulig und floortauglich wie FFD. Aber ebenso laidback funky, auf dem neuen Album phasenweise auch durchaus rockig inklusive fetter Gitarre. Nennen wir es einfach Openminded-Reggae der neueren Generation, mit dublastigen Digi-Bässen, aber auch durchaus oldschooligem Lovers-Feeling.
Dazu kommen Bläser und wechselnde Vokalisten, eine blitzsaubere Produktion und ein extrem upliftender Vibe, der wie bei der Single „Pippy Pip“ sogar ein wenig discolastig gerät. Nach 125.000 verkauften Einheiten haben The Black Seeds jetzt als ihre eigenen Produzenten mit eigenem Label und somit kompletter künstlerischer Freiheit ein zeitgemäßes Reggae-Album gemacht, das gekonnt und elegant Tradition mit Moderne verbindet.

(Whirlyjoe)

Freitag, 25. Mai 2012

The Impellers – This Is Not A Drill

Heavy Soul & Funk aus Brighton/UK, die zweite. Die zehnköpfige Truppe kommt vom fetten Deep Funk, wechselt aber auch undogmatisch Richtung Afrobeat und Latin.
Charakteristisch ist die sehr satte Bläser-Power, das hat mal richtig Dynamik – wie auch die brodelnde Percussion-Basis. Um hier stimmlich nicht unterzugehen braucht es schon eine echte Soulröhre wie die von Claire Witcher, die nicht nur beim unkonventionellen Cover des Ting Tings-Hits „That’s Not My Name“ brilliert –wie auch bei der einzigen Soul-Ballade „Signs Of Hope & Happiness“.
Mastermind Glenn Fallows setzt aber überwiegend auf brodelnden Funk alter Schule, hinreichend dreckig und extrem druckvoll produziert. Toll ist auch der zornige Funk von "Politiks Kills People" mit souveränem Zitat von Ewin Starrs Klassiker „War“.

Will ich unbedingt live erleben.

(Whirlyjoe)

Dienstag, 22. Mai 2012

OBS-Vorfreude

Ha, nur noch ganz wenige Tage bis zum Orange Blossom Special 16.

Zeit der explodierenden Vorfreude und dem häufigeren Blick auf das Pfingstwetter im Weserbergland. Und wie Veranstaltungsprofis das nun mal machen: das Wetter wird gut, vielleicht sogar perfekt. Man muss also auch dieses Jahr keine Gummistiefel einpacken, eher schon Sonnenhut und Lichtschutzfaktor.

Der Herr K-Nut hat noch einen Vorbericht zur Spannungssteigerung angeregt, weshalb wir uns jetzt mal gemeinsam die feine Hömma-Compilation vornehmen, die Glitterhouse Records sinnvollerweise vorab veröffentlich hat – zum lächerlich geringen Selbstkostenpreis. Gibt’s hier und auch beim Festival.

01. Erland & The Carnival – This Night
Indie-Darlings fürs jüngere Publikum. Finde ich sehr einnehmend, sonnig und gutgelaunt. Kriegt wahrscheinlich zu Recht den Headliner-Platz am Samstag.
Da habe ich beim Intro ja kurz vermutet ich hätte versehentlich ein Archive-Album eingelegt. Der Eindruck verflüchtigt sich aber innerhalb weniger Sekunden. Klingt schon innerhalb eines Songs abwechslungsreich genug um aus dem üblichen Indie-Schema auszubrechen. Bin gespannt.

02. Nive Nielsen & The Deer Children – Good For You
Ganz neu auf Glitterhouse – und aus Grönland stammend! Der Song klingt für mich wie maßgeschneidert für einen sonnig-entspannten Nachmittag im Glitzergarten. Das lebt natürlich etwas vom Niedlichkeits-Bonus, aber ich bin überraschenderweise ganz angetan. Das gefällt mir sehr! Ich hoffe Frau Nielsen fühlt sich auch bei Beverunger Sommer-Atmosphäre wohl.

03. Spain – Because Your Love
Fassen wir und hier besser kurz, lieber K-Nut. Sind uns wohl einig, dass Spain das Highlight des OBS 16 sind. Lieblingsband seit jeher, jetzt nach längerer Pause dieses fabelhafte neue Album – auf Glitterhouse. Ergreifend schöne, über alles erhabene Musik mit garantiertem Gänsehautfaktor. Da werden wir Sonntagnacht wohl beide mit Verspätung im Stadtkrug einlaufen. YES! Die könnten von mir aus an allen drei Tagen spielen! Dann bliebe auch Zeit für Songs der anderen Alben (obwohl das erste und das neue tatsächlich die besten sind). Große Kunst! Das ausgesuchte "Because Your Love" ist für Spain-Verhältnisse übrigens beinahe Speedmetal...

04. Christian Kjellvander – Transatlantic
War der nicht schon mal beim OBS? Scheint mir ja ein ganz klassischer OBS-Act zu sein, wobei dieser Song in seiner in sich ruhenden, weisen Gelassenheit tatsächlich einer der schönsten dieser Compilation ist. Reife Größe möchte ich das mal nennen. Da hätte ich Dir spontan zugestimmt – beim Stöbern im OBS-Archiv habe ich ihn aber nicht gefunden. Mag ich auch sehr gerne. Klassisch gut!

05. The Travelling Band – Sundial MMXI
Die bärtigen Briten durfte ich vor einigen Wochen schon live sehen, fand ich in ihrer erstaunlich frischen 70er Jahre-Fixierung ganz großartig. Haben live Momente von Fleet Foxes ebenso wie von Lynyrd Skynyrd und Crosby Stills & Nash. Nicht verpassen, auch wenn man sie hierzulande noch nicht kennt. Fand ich beim ersten Anhören doof. (Die Bärte hört man förmlich.) Inzwischen haben sie auch mich erwischt – das wird irgendwann zum Ohrwurm. Sehr sehr hübsch!

06. Amanda Rogers – The Best Things In Life Aren’t Things To A Fugitive
Da weiß ich jetzt schon, dass ich am Samstagmittag (hoffentlich nur leicht) verkatert in der Beverunger Mittagssonne stehen werde und mich des Lebens an sich erfreue. Nicht nur wegen dieser charmanten Folk-Elfe. Da muss ich Rembert bezüglich des perfekten Timings loben. Die Mittags-Zeit ist perfekt. Da sitze ich nämlich backstage und esse gerade ein dickes Schnitzel.

07. The Flying Eyes – Overboard
Von dieser Ami-Band hatte ich noch nie etwas gehört, dabei spielen sie tatsächlich den angkündigten „Psychedelic Blues Rock“, der mich hier an Bad Company mit Lap Steel erinnert. Mein „Hömma“-Song-Favorit, freue mich schon sehr auf den Auftritt zur Prime Time am Sonntagabend. Genau da hätte ich die auch auftreten lassen, Rembert. Da bin ich als alter Freund der horizontalen Gitarre auch sehr positiv überrascht. Toller Song! Das mit der passenden Frisur zum Haareschütteln bekomme ich bis Sonntag wohl nicht mehr hin, aber auf die Flying Eyes freue ich mich sehr.

08. The Miserable Rich – Fear Of The Dark
Da tue ich mich jetzt ein wenig schwer, das liegt aber wohl nur an diesem Geigen- und Cello-seligen Song, der mir ein wenig zu arty geraten ist. Müssen mich dann eben live überzeugen. Lustigerweise habe ich da auch „arty“, aber auch „operettenhaft“ auf meinem Notiz-Zettelchen stehen. Dafür bin ich anscheinend zu sehr Kultur-Banause. Die haben mich schon auf dem OBS13 ziemlich unbeeindruckt gelassen. Ob ich wohl kurzfristig von Bier auf Rotwein umsteigen sollte?

09. The Fog Joggers – Forever and A Day
Die junge Truppe aus Krefeld hat sich vor zwei Jahren ja schon in die Herzen des OBS-Publikums gespielt, hier klingen sie süffig und vollreif wie alte Americana-Hasen. Die CCR-Einflüsse scheinen verschwunden zu sein. Klingt auch Dank der tollen Stimme ziemlich abgehangen (im positiven Sinne). Ihre Nervosität dürften sie inzwischen auch abgelegt haben.

10. Andrea Schroeder – Dark Nightingales
Auf das Debütalbum auf Glitterhouse warten wir ja noch, dieser einzige mir bekannte Song verspricht dunkle Atmosphäre und spannende Dynamik. Da gibt es weitere wunderschöne Songs auf ihrer facebook-Seite zu hören. Bin sehr gespannt ob und wie das im Glittergarten funktioniert. Auch hier allergrößte Vorfreude!

11. The Moon Invaders – Different Strokes For Different Folks
Endlich! Reggae beim OBS, und gleich eine der besten europäischen Bands zum Thema. Wer damals beim Stag-O-Lee Shakedown in der Beverunger Eisbahn dabei war weiß, dass die Moon Invaders den Glitzergarten zum Tanzen und Hüpfen bringen werden. Also unbedingt schon am Freitagabend dabei sein und keine Zeit im Anreisestau verschwenden. Über dieses Booking war ich so erfreut wie überrascht! Das wird großartig, garantiert!

12. Israel Nash Gripka – Baltimore
Der Song des Blue Rose-Künstlers beginnt natürlich original wie Ol‘ Neal zu „Harvest“-Zeiten. Womit dann wahrscheinlich exakt die Geschmäcker der OBS-Veteranen im Publikum bedient werden. Diese generationsübergreifende Programmgestaltung muss ich wieder einmal sehr loben. Das wird dann auch die OBS-Besucher der frühen Jahre zufrieden stellen. Die bunte Mischung des Line-Ups macht für mich einen der Hauptgründe aus, warum ich das OBS so liebe.

13. ORPH – Morgue – Die Unbekannte Aus Der Seine
Die singen trotz des Titels nicht deutsch, obwohl sie aus Weimar kommen. Für mich ist das ein wenig umständlich inszenierter Indie-Folk-Prog für jüngere Leute, die auch Get Well Soon mögen. Dieser Song lässt mich etwas ratlos zurück. Da habe ich auch schon ganz andere Nummern von Orph gehört. Das verspricht sehr spannend zu werden! (Und ich mag Get Well Soon so gar nicht...)

14. Alamo Race Track – Shake Off The Leaves
Die Holländer haben die Ehre, das OBS 16 am Freitagnachmittag zu eröffnen, sie tun das mit aufgeräumtem Indie-Rock, zu dem ich nicht allzu viel sagen kann. Auch hier gilt: Sehr abwechslungsreiche Band/Musik! Da ist es nahezu unmöglich einen „typischen“ Song für eine Compi auszusuchen. Ich freue mich auf die Niederländer.

15. Rocco Recycle – Living Dead
Das Unikum hat sich verdientermaßen letztes Jahr vom Garten auf die große Bühne gespielt – und zwar nicht nur als schräge One-Man-Showband, sondern auch mit so tollen, klassischen Songs wie diesem hier. Guter Typ! Den guten Rocco hätte ich bei dieser Nummer wahrscheinlich gar nicht wiedererkannt. Kurzweil und Spaß pur. In meinen Augen die bisher beste Besetzung unter den Pausen-Beschallern. Zu Recht dieses Jahr auf der großen Bühne.

16. The Fuzztones – Between the Lines
Hoffentlich kriegt Rudi Protrudi, der Erfinder des Garagenrocks, am Samstagnachmittag keinen Sonnenbrand. In Erinnerung an ihr Konzert beim Shakedown vor zwei Jahren freue ich mich schon sehr auf die noch immer fitten Legenden, auch wenn sie den eigentlichen OBS-Rahmen dann vielleicht doch sprengen. Ist mir aber recht so, ich mag Abwechslung.
Zweite Band des Stag-O-Lee-Shakedown-Line-Ups und auch zweite große Booking-Überraschung. Das glaube ich erst wenn die vor mir auf der Bühne stehen.

17. Horst With No Name – Grandma
Kerniger Trash-Rock’n’Roll einer Hamburger One-Man-Band. Damit der evolutionäre Nachfolger von Rocco und hier mit einem Song vertreten, den ich gerne auch im Stadtkrug spielen werde. Spoonfull Baby! Da ist mir der Herr Recycle etwas näher, da deutlich abwechslungsreicher. Macht aber auf der Kurzstrecke durchaus Spaß.

18. ClickClickDecker – Einbahnstraße
Dafür bin ich wahrscheinlich zu alt.
Finde ich gar nicht übel! Tolle Gitarrenarbeit auch. Da lasse ich mich mal überraschen.

19. Immanu El – On Wide Shoulders
Der melancholische Ausklang für Samstagnacht – der Schwede liebt es episch und melancholisch, vermutlich wird mal wieder der ganze vollgepackte Garten in Ergriffenheit hingerissen sein. Tatsächlich schwelgerisch schön. Nicht ganz im Holmes-Format, aber ähnlich berührend. Das wird himmlisch, ich sag’s Dir! 

20. ???
Dann gibt es ja noch einen Hidden Track, den ich mal dem streng geheimen Surprise Act zuordnen will, der am Sonntag zur Mittagszeit die Show eröffnen wird. Diese altgediente OBS-Band erkennt man schon am ersten Ton von Stimme und Gitarre und selbstredend hätte sie auch einen gebührenden Headliner abgegeben. Wisst ihr jetzt Bescheid?
Das ist doch inzwischen so gar nicht mehr geheim, oder? Mit der altgedienten OBS-Band liegst Du übrigens falsch! Das ist das neueste Projekt eines OBS-Veteranen. Fällt wohl deutlich rockiger aus als die Stammband... 

Wo sind eigentlich Kill It Kid?
Die Briten haben es leider nicht auf die Compilation geschafft und spielen lauten, deftige und richtig dreckigen Bluesrock. Gefällt mir ganz ausgezeichnet.
Wahrscheinlich hat das lizenzrechtliche Gründe. Am Erscheinen dieser Band bin ich möglicherweise nicht ganz unschuldig, das war mal ein ganz früher Vorschlag. Bluesrock ist ja eigentlich ziemlich pfui, aber was diese blutjungen Engländer da hinlegen klingt, zumindest im Studio, ganz ganz großartig! Und ich habe mir sagen lassen, dass das auf der Bühne genau so gut funktioniert. Kann’s kaum erwarten!

Verdammt, jetzt ist die OBS-Vorfreude doch tatsächlich noch größer geworden…. Wir sehen uns im Glitzergarten, sagt auch mal Hallo zum Shake Baby Shake-Team, das sein Bier wohl wieder gerne hinten am Stag-O-Lee-Stand trinkt.

Cheers!
(Whirlyjoe & K-Nut)

Montag, 21. Mai 2012


Dojo Cuts feat. Roxie Ray – Take From Me

Drei Jahre nach dem auch schon sehr guten Debütalbum der Australier nun das Meisterstück.
Die Band aus Sydney ist die Speerspitze des australischen Retro-Soul/Funk-Movements und macht hier einfach alles richtig. Die Landsleute von Bamboos über Kylie Auldist bis zu Deep Street Soul und Randa & The Soul Kingdom sind ja alle sehr gut, aber dieses Album klingt eben auch ein gutes Stück nach New York, genauer: nach Daptone. Denn am Album waren die Daptone-Dons Gabriel Roth, Neil Sugarman und Homer Steinweiss beteiligt, und das hört man mehr als deutlich.

Hier klingt alles so wunderbar deep und transparent wie bei Sharon Jones, Charles Bradley oder der Menahan Street Band, und auch Vokalistin Roxie Ray kann da mithalten, denn sie singt exakt so, wie ihr Name verheißt. Der Sound ist warm und organisch, der Vibe überwiegend laidback - man kann aber auch richtig funky wie beim Marva Whitney-Cover „What Do I Have To Do“.
Die Bläser sind weniger fett als sehr pointiert eingesetzt, ebenso die butterweich hingetupfte Orgel. Das allerbeste ist aber die Gitarre, ein Traum von subtiler Effizienz und elegantestem Flow. Die Songs sind überwiegend Mid- bis Downtempo, je langsamer desto besser, sage ich ganz entgegen meinen sonstigen Hörgewohnheiten. Gecovert wird übrigens auch „I’d Rather Go Blind“ von Etta James. Für mich das beste Soul-Album seit Charles Bradleys Meisterwerk vom letzten Jahr.

(Whirlyjoe)

Dienstag, 8. Mai 2012

Samstag, 5. Mai 2012

 
Darf man eigentlich Dr. John remixen?

Zweifellos eine in philosophischen Voodoo-Zirkeln vieldiskutierte Frage.

Meine Antwort auf diese ethisch wie ästhetisch heikle Frage: man muss es am Resultat messen. Und angesichts dieses butterweichen, voodoosumpfig schwebenden Versuchs von J. Spaceman – genau dem von Spacemen 3 – aus dem Jahr 1998 kann ich nur sagen: man muss es sogar!
"Modern Psychedelic Spacerock meets des Doctors New Orleans Swamp Funk in a mellow Style" würde ich das mal nennen. Kann man sich hier holen.

(Whirlyjoe)

Donnerstag, 3. Mai 2012

Dirty in Deutschland
The Fabulous Penetrators 

Am Freitag sollten die Fabulous Penetrators im Subrosa in Dortmund spielen, bei freiem Eintritt als Teil einer Rockabilly Night und um 20 Uhr sollte ihr Auftritt beginnen. Das Subrosa ist eine nette Kneipe im Hafengebiet von Dortmund, Chef Cornel ist ein rühriger Kauz, aber der Laden ist bei mir nicht unbedingt als Epizentrum des Rock & Roll gespeichert. Noch dazu hätte ich keinerlei Verbindung zwischen Subrosa und dem Genre Rockabilly vermutet und warum muss die einzige Liveband um 20 Uhr auf die Bühne gehen? Was ist das denn für ein Konzept?
Das alles ging mir durch den Kopf, als wir um 18 Uhr in einem alten Ford Mondeo gen Ruhrpottmetropole preschten. Da meine Begleiter an dem Abend noch fahren mussten, entfuhr mir im 10-Minuten Abstand ein „Mann, habe ich heute einen Durst!“ Was sich später rächen sollte.

 Im Subrosa angekommen, hätte ich mal direkt fast die Schiebetür zum Nebenraum aus der Verankerung gerissen, weil ich sie halt „normal“ öffnen wollte. Dahinter traf ich dann auf Sänger Liam, einen der nettesten Menschen dieses Planeten. Die anderen drei Penetratoren tauchten kurz danach auf und wieder einmal badete ich in der so famosen Wohlfühl-Bandchemie. Und verklappte eifrig DAB von Fass. Rockabilly – oder was Cornel dafür hielt – lief auf Shuffle vom Laptop und als die vier Kämpfer aus London gegen 21 Uhr die Winzbühne des Subrosa betraten, setzten sich die acht offensichtlichen Rockabillysten und – bellas auf die Raucherveranda. Das war egal, denn der schmale Schlauch zwischen Bar und Wand hatte sich bis dahin ganz ordentlich gefüllt.

Die Penetrators legten wie gewohnt mit The Hump los wie die Feuerwehr, hatten ansonsten aber nur noch zwei alte Songs im Programm. Die neuen Tunes brauchen noch etwas Arbeit und ich bin mir nicht ganz im Klaren, ob es wirklich eine Ballade braucht, aber das minderte nicht den Spass am Hi-Speed-Rock & Roll der Burschen. Die Reduzierung zum instrumentalen 3-piece mit Sänger hat ihnen nicht geschadet, Joao und Clem grooven wie Hölle und Crispin’s Finger zu beobachten, während er aus seiner Gretsch eine Soundlawine nach der anderen holt, das fordert schon höchsten Respekt ein. Aber was wären die Penetrators ohne Frontbär Liam?!? Der kam in siedend heißen Club üppig bekleidet auf die Bühne. Zuerst entledigte er sich seines Zorro-Capes, dann war das Leopardenjacket dran, schließlich die Weste. Dann stand er da im großgemusterten Blumenhemd, zog die Hose aus und hatte darunter die passende Hose zum Hemd – so eine Art mutiger Pyjama. Wow!

Was soll ich sagen: beste Rock & Roll Unterhaltung! Nach dem Konzert wurde noch stundenlang weitergeschwatzt, wobei sich ihr Roadie Michael –ein australischer Hardrocker- als prächtige Humor-Ergänzung erwies. Leider gingen die beiden auf dem Heimweg eingeschmissenen Veggieburger mit den diversen DAB und dem Mief im Mondeo (Alter Rauch, neuer Rauch, ein Vanille-Raumerfrischer, alte Heizung im roten Bereich) eine sehr unheilige Verbindung ein, sodaß ich back at home noch eine Runde Porzellanbus fahren musste. Egal, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne.
Long live the Fabulous Penetrators!
(R-man)

Ein Tag später in Köln. Im Sonic Ballroom wird ja üblicherweise etwas später angefangen. Im Vorprogram gab es Horst With No Name, ein offensichtlich recht schmerzfreier junger Mann, der mich als One-Man-Band zwar nicht über die gespielten 30 Minuten fesseln konnte, aber für zwei Songs einen Mitmusiker/Stargast auf die Bühne bat, der gekonnt ein paar Kuhglocken und ein Theremin bediente. Das funktioniert auf der OBS-Pausen-Kurzstrecke mit Sicherheit besser.

Auch in Köln gab's ein herzliches Wiedersehen mit der Londoner Rasselbande. Clem musste natürlich seinem Ruf gerecht werden und beklagte sich über "too less girls". Die zweite Gitarre fehlt tatsächlich kein bisschen. So sympathisch Steven auch war, auf der Bühne fehlte er mir nicht wirklich. Crispin macht da einen tollen Job. Die Jungs machen aktuell einen unglaublich hungrigen, super eingespielten und druckvollen Eindruck. Die "Ballade" würde ich eigentlich nicht als solche bezeichnen; die Nummer wird nach hinten raus ja doch recht laut, ist aber zugegebenermaßen eher untypisch für die Penetrators. Liam äusserte vor dem Song auch, dass er etwas Angst vor dem Ding hätte.

Dass Liam gerne diverse Teile seiner Bühnenkleidung auf der Bühne ablegt ist ja nicht neu (auch im Ballroom war es ziemlich warm). Als er aber Schuhe und Hose auszog war ich dann doch etwas irritiert. Das Beinkleid unter der Hose würde ich ja eher als Plüschleggins bezeichnen. Mir fällt weder ein Grund für die Herstellung noch für das Tragen eines solchen Kleidungsstückes ein.

Nach zwei Zugaben machte die Band einen ziemlich fertigen aber glücklichen Eindruck. Ich musste mich dann auch leider zeitig verabschieden, da ich Sonntag früh noch arbeiten durfte und zudem mit dem PKW angereist war. Aber wenn man an einem solchen Abend trotz alkoholfreiem Bier und Cola dermaßen viel Spaß haben kann spricht das schon für sich. Ein wirklich großartiger Gig, gute Jungs, toller Laden!
(K-Nut)

Das große Finale der Dirty in Deutschland-Tour fand dann mal wieder in Stuttgart statt, wo die Fabulous Penetrators bereits zum dritten Mal gastierten: nach dem Stag-O-Lee Labelstart 2009 im inzwischen leider verblichenen Beat Club und dem letztjährigen Gastspiel im Zwölfzehn ging es diesmal ins Goldmarks, der eher punk-orientierten Location am Stuttgarter Charlottenplatz.

Kleinere Widrigkeiten taten einem höchst gelungenen Abend keinen Abbruch: so blieb der Bandbus (genauer: R-mans Familienmobil) kurz vor dem Ziel – aber immerhin innerhalb der Stadtgrenzen – liegen, und der eigentlich sehr guten Idee, die Party nach der Show mit den legendären DJs Jens-O-Matik und Reverend Reichsstadt kurzerhand ins Freie zu verlegen, machte dann ein Gewitter einen Strich durch die Rechnung. So wurde also erst draußen zum ausgiebigen Meet & Greet getrunken (Augustiner, das Beste!), die verzweigte Stuttgarter Community fand erfreulich vollzählig zusammen und sorgte für ein sehr gut gefülltes Haus.
Die vielversprechenden Local Heroes The Tremolettes boten als Jungspunde Anfang 20 ein gut abgehangenes Set zwischen Soul, Country und deftigem Rock (und einem sehr coolen Booker T.-Cover) und sorgten für einen perfekten Einstig in ein erneut wildes Set der Penetrators.

Liams wechselnde Outfits schmeichelten dem Auge des Besuchers, die einzige Konstante sind da wie gewohnt die weißen Slipper. Auch ohne einen zweiten Gitarristen (der jüngste Neuzugang an den Saiten ist schon wieder weg) klang die wilde Truppe tight wie immer, mittlerweile zahlt sich das langjährige Zusammenspiel wirklich aus. Das schwäbische Publikum gab sich anfangs gewohnt hüftsteif, aber die zweite Hälfte des Konzerts war dann von großräumigen Pogoaktivitäten geprägt, dass sogar der Türsteher im Einbauschrankformat ein wenig bremsen musste. Die Jungs hatten sichtbar Spaß und gaben wie gewohnt alles, Schweiß und Bier flossen in Strömen – wie immer eben bei einem Penetrators-Konzert.

Anschließend übernahmen Jens und Robin dann die Decks und spielten einen rundum spoonful-tauglichen Freestyle-Mix zwischen Ska, R&B, Punk und Rock’n’Roll, während wir erst mal draußen standen und Sauerstoff tankten. Die Band gesellte sich dann zu uns, inzwischen kennt man sich ja. Normalerweise verspüre ich kein allzu großes Bedürfnis, mich nach Konzerten mit den Musikern zu unterhalten, aber diese Burschen sind einfach sensationell nett, freundlich und kommunikativ. Dazu versorgten sie uns mit reichlich Backstage-Getränken und alle hatten richtig Spaß. Das sind einfach gute Jungs, die auch nicht vergaßen, ihren heldenhaften Tourmanager Yannick verdientermaßen über den grünen Klee zu loben.

Gegen drei standen wir dann wieder im Club, wer noch konnte, tanzte wild und entfesselt zu einem immer mutigeren und rocknroll-lastigeren Stilmix, den Jens dann tatsächlich mit den mir vorher mit verschwörerischer Miene angekündigten Hardrock/Metal-Nummern krönte: „La Grange“ von ZZ Top und „Run To The Hills“ von Iron Maiden. Hell Yeah! Beim Raustaumeln nahm ich im Hintergrund dann schließlich noch „California Über Alles“ von den Dead Kennedys wahr – ein perfekter Abschluss für einen sehr sehr lustigen und wie erwartet auch bierseligen Abend.

 Freuen wir uns alle schon mal aufs OBS 2013, wo die Penetrators laut eigenem Bekunden wieder spielen werden. Hoffentlich stimmt’s auch!
(Whirlyjoe)