Donnerstag, 3. Dezember 2009
Dienstag, 1. Dezember 2009
Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!
Ein Reisebericht
Letztes Wochenende weilten DJ Axel, seine Freundin Heike und ich im schönen Berlin. Vor allem wegen Fat Freddys Drop und deren einzigen Konzert in Deutschland am Freitagabend. Der Astra Kulturclub war ausverkauft und bis 100 Euro wurden die Tickets wohl vorher bei ebay gehandelt. Dementsprechend rammelvoll (die Band sprach von 2.000 Leuten) war der Laden dann auch, der irgendwie aussah, als hätte man ihn Original aus den 70ern in die Jetztzeit gebeamt. Also nicht auf alt getrimmt, sondern im Timewarp so aufgefunden. Gegen 9 Uhr legte die 7-köpfige Truppe dann los, wie gewohnt fette Riddims aus der Konserve von DJ Fitchie, ein Gitarrist, Keyboarder, dazu drei coole Bläser und Sänger Dallas Tamaira.
Aber, das schicke ich mal gleich vorweg, so richtig weggeblasen hat es mich nicht. Das Konzert vor ein paar Jahren anlässlich der Popkomm fand ich wesentlich überzeugender. Alles etwas zu langatmig, die Songs zu sehr ausgewalzt und zu wenig magische Vocals. Das Gebläse wiederholte sich auch irgendwann und im Prinzip war es wahrscheinlich einfach zu voll für einen alten, durstigen Herren mit Blasenschwäche. Aber ich glaube, ich war nicht allein mit meiner Meinung.
Nachher konnten wir noch Eva Be an den CD-Decks erleben und anschließend zwei Soul/Funk-Turntablisten, gar nicht mal schlecht, aber nach diversen Latinausflügen haben wir dann doch die Düse gen Hotelbett angetreten.
Den nächsten Tag begann ich mit moderatem Recordhunting im Downtown Record Store. Die gut gefüllte R&B-Kiste war mir allerdings etwas preisintensiv, sodaß lediglich zwei 45er den Weg in meine Tasche fanden:
The Isley Brothers – I Turned You On/I Know Who You Been Socking It To
Cold Grits – It’s Your Thing / The Gaturs – Cold Bear
Mit 7 Euro das Stück auch nicht eben preiswert, aber Peanuts gegen die sonst im Durchschnitt geforderten 25 Euronen.
Irgendwie habe ich danach aber die Orientierung verloren und den einen oder anderen Laden auf meiner Liste einfach nicht gefunden. Einige schicke Bücher bei zweitausendundeins ließ ich aus Gewichtsgründen liegen und schließlich endete ich im Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstrasse. Die Soulauswahl war wirklich erstaunlich gut, aber man hat ja schon (fast) alles. Um irgendwas zu kaufen, packte ich schließlich eine 10-CD Box mit dem schnöden Titel Rhythm & Blues ein und legte dafür € 12,99 auf den Tisch des Hauses. Das kann natürlich nichts taugen (dachte ich), satte 200 Songs für das Geld, aber ein eingehendes Studium der zehn Pappsleeves macht richtig Appetit auf das Ding, denn neben Charles Sheffield (It’s Your Voodoo Working), The Night Riders (Looking For My Baby) und Frankie Lee Simms (She Likes To Boogie Real Low) habe ich bereits eine Handvoll exzellenter Tunes ausmachen können.
Charles Sheffield's Voodoo war auch einer der letzten Songs, die wir am Abend zu hören bekamen (der letzte war Greatest Lover In The World von Bo Diddley), aber mal der Reihe nach. N
ach einer Enchilada mit Feta-Käse (!) beim Mexikaner machten wir einen kleinen Abstecher in den Roadrunner’s Motor Club (sehr feiner Laden), um schließlich im Bassy’s zu landen. Dort sollte Frank Popp auflegen und zwei Sixties Garage Bands auftreten. Also gab es erstmal Nuggets vom Plattenteller, dann die Flare-Ups (okaye Schwedern) und schließlich die Woogles (in die Jahre gekommene Amis). Alles sehr nett und recht spassig, vor allem aber der wirklich phänomenale Club sorgte für einen netten Abend. Irgendwann lockte Axel mich in die Smoker’s Lounge, einen kleinen Nebenraum mit Bar und DJ-Set-Up für die Raucher, in dem eine Transe in einem schicken vintage Kostüm aber so was von geilen 50s Rhythm & Blues auflegte, das wir noch eine wirklich geniale Stunde hatten, bevor uns die Müdigkeit und die zum schneiden dicke Luft den Garaus machten. Beim rausgehen warf ich noch einen Blick in den Main-Room, in dem Mr. Popp gerade besagten Charles Sheffield und Mr. Diddley droppte, also im Prinzip der gleiche Sound. Das Bassy’s ist definitiv einen Besuch wert und irgendwann will ich die Fabulous Penetrators dort spielen sehen. (R-man)
Montag, 30. November 2009
Abt. Konsumterror
Schwäbisches Outletstore-Shopping
Am Samstag Mittag ruft
Es gab dann reiche Beute, wir legten beide jeweils um die 50 Euro an für einen Riesenstapel Zeugs, das man allerdings größeren Teils wohl nicht zwingend braucht, aber Plattenkaufen macht eben Spaß. Für mich sprangen 15 Seven-Inches und ein Haufen LPs heraus, viel Partykram, aber auch so schöne Sachen wie
Elvis - Kiss Me Quick
Blondie - The Tide Is High (
Led Zeppelin - Immigrant Song
Gary Glitter - Rock’n’Roll Part 1 & 2
Supremes - Back in My Arms Again
und auch die von Chrispop geschätzte Daisy Door - Du lebst in deiner Welt aus der alten Kommissar-Episode, gab es gleich mehrfach.
Und das Beste: dazu erhielt ich als Bonus ein kleines 7-Inch-Köfferchen für ca. 40 Scheiben in schlichtem, klassischem Kunststoffschwarz, damit ich als DJ nie mit einem Beautycase rumlaufen muss.
Der LP-Stapel wurde auch recht groß, diverse billige Soul-, Brazil- und Rock’n’Roll-Compilations plus
Trini Lopez - At PJs
Carpenters - A Kind Of Hush (ich hätte ja auch mal Lust auf ein kleines SBS-Carpenters-Special…)
Barbra Streisand - Je m’apelle Barbra (wegen des schönen Covers)
Bob Wills & Tommy Duncan (Deluxe Doppel-LP im Kartoncover)
Jose Feliciano - Light My Fire (hoffentlich mit dem tollen Song, den Jensomatik gerne spielt)
Paul Simon - Greatest Hits
Jackie Wilson - Greatest Hits
Joe Jackson - Look Sharp
Und als Krönung die Elvis - 7LP-Box “100 Super Rocks” mit so ziemlich allem drauf, was man haben muss.
Herr Weber, ihre Highlights?
Was gibt es Schöneres für unsereins , als am frühen Samstagnachmittag in Vinylkisten zu stöbern und mit einem Sack voll Platten nach Hause zu kommen und zu wissen, ich habe den Samstagabend frei und kann mich durchhören?
Gesagt , getan ... ich habe mich nach unserer Rückkehr für vier Stunden in meinen "Hobbyraum" (Kenner wissen, was ich meine) zurückgezogen. Bald gesellte sich meine Frau Claudia zu mir und schon war eine kleine Party im Gange.
Ich konnte für insgesamt 58,- Euro 48 Singles und 16 LP´s abgreifen.
Hier ist nicht der Platz um alles aufzulisten, daher nur die "Glanzlichter":
7" Singles:
3 x Eurythmics - "When tomorrow comes", "Sweet Dreams" und "Right by your side"
Damit habe ich meine Lücken gefüllt, es war schön das alles noch mal zu hören
3 x Blondie - "Heart of glass", "Call me " und "Dreaming"
Ebenfalls Lückenfüller, die aber in keiner Sammlung fehlen sollten.
2 x George McCrae "I can´t leave you alone" (mit einer phantastischen B-Seite) und natürlich "Rock your baby"
Sehr warm ums Herz ist mir geworden bei Icehouse - "Hey little girl" ,
The Clash - Should I stay ...
PIL - This is not a love song
Diana Ross - Upside down
und viele andere mehr.
Was aber immer was ganz Besonderes ist, weil so abgefahren, sind einige deutsche Perlen ... ja ja ... lacht nur! Ist trotzdem "geil!"...
Freddy - Hundert Mann und ein Befehl
Daisy Door - Du lebst in deiner Welt
Udo Lindenberg - Sonderzug nach Pankow
Karl Valentin - Die alten Rittersleut
Nilsen Brothers - Aber dich gibt’s nur einmal für mich
Wum´s Gesang - Ich wünsch mir ne kleine Miezekatze
Wie gesagt, nur eine kleine Auswahl ...
Noch kurz einen Abstecher zu den LP´s :
Absoluter Höhepunkt und in allerbestem Zustand: The Rolling Stones - "Out of our heads". Da ist einer meiner Alltime-Favorite-Songs dabei , "That´s how strong my love is", oder einer der ersten Songs, den ich auf Gitarre gelernt habe: "Heart of stone".
2 x Bob Marley ("Survival" und "Uprising") waren wieder eher Lückenfüller (das hatte man ja alles schon früher mal auf Vinyl, ging verloren, jetzt nur noch auf CD)
Madness, Steven Stills, Blondie , Chuck Berry und Elvis hake ich auch ab unter "Lückenfüller" , während eine Percy Sledge und eine Ike &Tina Turner-Compilation mir gezeigt haben , dass ich sie bisher sträflich vernachlässigt habe.
Joe hat mir noch zwei Scheiben "aufgeschwätzt" (hochdeutsch: empfohlen, Joe), die mir dann aber gezeigt hatten, dass der Mann Ahnung davon hat, was man braucht:
"Phillysound - the fanstastic sound of Philadelphia" und "Chic - C´est chic" ... letzteres hab ich mich noch nicht getraut anzuhören. Muss ich aber wohl mal nach der Präsentation im Blog...
Alles in allem: keine Sensationsfunde , aber eine durchaus gelungene Mischung an Vinyl, die meine Sammlung aufwertet. Für 58 Euro kann ich dann entweder nächsten Samstag mit meiner Frau Essen gehen oder noch mal diesen Flohmarkt besuchen mit anschließender Mini-Party. Ich weiß, was mir mehr Spaß macht! (HtH)
Zum Klamottenkaufen blieb dann leider keine Zeit, aber wir sehen ja auch so gut aus. (Whirlyjoe)
Sonntag, 29. November 2009
Abt.: Brandneu:
Samstag, 28. November 2009
Abt.: Brandneu
Donnerstag, 26. November 2009
vor allem an meinem fortgeschrittenen Alter liegt. Denn bei jungen Menschen ist die Band schon seit geraumer Zeit richtig angesagt. Mir wurde dann auch immer wieder von tollen, ausverkauften Konzerten und dem souveränen Gewinn der Jägermeister-Rockliga (Respekt!) berichtet, außerdem spielte man mir den wirklich wunderbaren Song „Arpeggio“ zu, den ich seither innig liebe. Grund genug also, mich als definitiv ältester Besucher ins seit Wochen ausverkaufte Stuttgarter Schocken zu wagen.
Dort herrschte gute Laune bei ständig steigenden Temperaturen und schon früh am Abend beschlugen die schönen Fensterwände des Clubs – auch weil das enthusiastische Publikum (könnten an die 300 gewesen sein) wild am Hüpfen, Tanzen und Pogen war. Konnte ich von meinem komfortablen Platz oben auf der Galerie bestens beobachten. Mutige Stagediver (auch der Drummer!) fanden kaum mehr einen Platz zur Landung, weil es so voll war. Die Band bestand aus fünf bärtigen jungen Schweden, deren simpel gestrickte Songs live ungeheuer ansteckend wirken. Die Refrains haben den Charme von Trinkliedern, manches erinnert an die jungen Pogues, allerdings ganz ohne Irish-Faktor. Der singende Oberhippiezausel spielt zumeist eine sehr schöne Mandoline. Bestechend ist der hemmungslose Melodienreichtum und der sich gegenseitig befruchtende Enthusiasmus bei Band und Fans.
Sie selbst sprechen gerne von „Kindermusik mit erwachsenen Texten“, ich höre ein Amalgam
aus den sonnigsten Indie-Bands der letzten 30 Jahre, mit ebenso simplen wie funktionalen Songs, das Ganze wirklich grundsympathisch. In diesem Sinne vielleicht auch viel sagend, dass Friska Viljor trotz beachtlicher Erfolge (noch) nicht bei einem Major unter Vertrag stehen, sondern beim feinen kleinen Haldern Pop-Label. Hört euch also Friska Viljor doch mal an, am besten live – gerade auch weil der eine oder andere sbs-Besucher vielleicht doch den Anschluss an den Sound der Jugend ein wenig verloren hat? Vielleicht täusche ich mich da auch….
Dank an die flinken Handy-Fotokünstler Betti und Chris.
(Whirlyjoe)
Montag, 23. November 2009
Abt. Sounds to make you get down
Daptone-Offensive
Am 27. November erscheint die feine Daptone-Compilation und auf ein paar Live-Häppchen darf man sich Anfang nächsten Jahres auch schon freuen.
Wer das Premium-Soul/Funk-Label Daptone aus Brooklyn noch nicht kennt, bekommt hier den perfekten Einstieg geboten – aber auch passionierte Fans des wohl wichtigsten US-Labels des aktuellen Soul/Funk-Genres kommen dank einiger rarer Tunes auf ihre Kosten, denn auf Daptone Gold werden 23 Single-Hits und Album-Tracks, aber auch längst Vergriffenes kompiliert. Gabriel Roth und Neal Sugarman bilden mit ihrem typischen Label-Sound die ausgesprochen soulige Seite des aktuellen Funkgeschehens, was sowohl die Vokalisten, als auch die Produktionen betrifft. Ihrer Bedeutung für die Szene entsprechend, hören wir hier gleich sechs mal Sharon Jones & The Dap Kings, ihr männliches Label-Pendant Lee Fields ist mit drei Songs vertreten, darunter einem gediegenen Duett mit Sharon. Die Budos Band spielt instrumentale Grooves im perfekten Retro-Sounddesign, während Naomi Shelton deutliche Gospel-Roots beweist. Aus dem Rahmen fällt das Brooklyn-Afro-Beat-Kollektiv Antibalas mit Gastsängerin Mayra Vega hart auf den Spuren von Fela Kuti, aber eben mit spanischen Vocals. Ganz nach Daptone klingen dagegen die Menahan Street Band vom Daptone-Sublabel Dunham, sowie der großartige Charles Bradley mit dem Downtempo-Burner „The World (Is Going Up In Flames)“, bekanntlich ein Favourite des SBS-Chefs. Vielleicht liegt die Klasse des Daptone-Sounds auch darin, dass man im eigenen Studio konsequent analog produziert? Nicht umsonst hat dort ja auch Amy Winehouse ihr epochales „Back To Black“-Album mit der New Yorker Posse eingespielt. Sounds to make you get down. Doppelvinyl mit Download-Code.
Hier.
Und dann gibt es noch zwei Deutschlandkonzerte vom Premium-Package Menahan Street Band + Charles Bradley + Lee Fields & the Expressions!
7.2.2010 Köln - Stadtgarten
8.2.2010 Frankfurt - Künstlerhaus Mousonturm
(Whirlyjoe)
Samstag, 21. November 2009
Jahres Top-10 her oder ich erschieße diese Katze!
Wie jedes Jahr wollen wir den shake baby shake Blog im Dezember mit persönlichen Nachlesen füllen. Ich nenne es hier mal Top-10, aber im Prinzip muss das keine Listung sein, es kann auch im fließenden Text wiedergegeben werden, was bei euch in diesem Jahr so hängen geblieben ist. Wer jetzt mehr der Listentyp ist, sollte zumindest kurz erklären, warum nun gerade diese Platte oder sonst was in den Top-10 sind. Kinofilme, Liveauftritte, Festivals, TV-Ereignisse usw. dürfen natürlich auch genannt und bewertet werden.
Dazu rufe ich alle auf, die hier hin und wieder mal schreiben, aber auch die, die nur mal so reinschauen und Lust haben, sich mal mit ihrem Rückblick zu beteiligen. Wir würden uns kollektiv extremst freuen! Bitte Eure Jahrescharts einfach an top-10@live.de schicken, wir bringen das dann optisch in Form und veröffentlichen die Charts im Laufe des Dezembers.
Dann wollte ich mich auf diesem Wege für das slacking im Blog entschuldigen. Wir sind zwar nicht verpflichtet, hier ständig was zu „posten“ (Bloggerlatein), schließlich haben wir alle noch kleine Nebenjobs, aber wir wollen diesen Blog schon am Leben halten. Schließlich ist ja demnächst auch wieder der Rolling Stone Leserpoll… und da wäre es schön, wenn wir nicht aus den Top-10 fliegen würden. Wir versprechen also Besserung!
Und wo ich gerade so schön im Flow bin: am ersten Samstag im Dezember steigt das letzte shake baby shake im Stadtkrug zu Beverungen. Dafür werden diverse Gast-DJ’s eingeflogen, der Soundcruiser aufgebaut und nur Vinyl aufgelegt. Das war es dann für uns. Allerdings arbeiten wir gerade fieberhaft an einem Neuanfang, mit geändertem Namen, frischen Konzept und einem dritten DJ, dessen Zusage für mich entscheidend war, überhaupt weiter zu machen. Details dann nächstes Jahr.
Und: Am 23. Januar (müsste ein Samstag sein) steigt in der Mutter in Kassel der Stag-O-Lee Shakedown: an den Decks Duke Jens-O-Matic (extra aus Stuttgart!) und Prince R-man, die dem kultigen Club im Norden der Stadt mal so richtig einheizen werden. Auch da gibt es noch eine genaue Ankündigung, Flyer und alles Mögliche.
Das war es dann von hier. (R-man)
Mittwoch, 18. November 2009
Samstag, 14. November 2009
ABC
Lieber Knutster, bei Heaven 17, unseren zuletzt hier abgehandelten Eighties- (Schein-) Helden hast du mit kritischem Ohr deutliches Altern auch ihrer besten Produktionen attestiert – verspürst du das auch bei den ja weithin konsensfähigen ABC? Interessanterweise kamen ja beide Bands eben nicht aus London, sondern aus Sheffield.
War ich da etwa zu streng? Ich attestiere Heaven 17 hiermit aber ein deutlich stringenteres Gesamtwerk im direkten Vergleich zu ABC.
Zeitloser erscheinen mir allerdings die Produktionen von ABC.
Dabei war die gestylte Soul-Lässigkeit und der perfekt produzierte Sound anno 1981 ja schon ein ziemlicher Affront gegenüber der dominierenden Punk/Wave-Kultur.
Ich fand ja immer ABC waren ihrer Zeit ständig ein klein wenig voraus.
Das hat ihnen jedoch nicht immer nur Pluspunkte eingebracht.
Wobei Martin Fry und Kollegen ja eigentlich nur ein wirklich überdauerndes Meisterwerk geschaffen haben, nämlich das Debütalbum „The Lexicon Of Love“ von 1981. Da sind wir uns vermutlich einig, oder?
Da sind wir uns mal völlig einig, mein lieber Joe! Das halte ich tatsächlich für ein Meisterwerk. Produktion, Songs, Gesang, sogar die Texte finde ich auch heute noch ganz vorzüglich! Alles mit einem Gewissen Mut zur Peinlichkeit, manchmal etwas cheesy, aber dermaßen charming präsentiert – ein großartiges Album!
Produziert hat ja erstaunlicherweise Trevor Horn, hier der richtige Mann zur richtigen Zeit, und für seine Verhältnisse doch relativ dezent, will ich meinen. Okay, die Keyboards sind manchmal schon ein wenig aufdringlich, dazu aber der dominante Bass und die saftigen Bläser, schon okay, finde ich.
Ich gehöre ja nicht zu den Trevor Horn-Hassern; meiner Meinung nach hat dieser Mann ein paar wirklich tolle Alben produziert. Bei aller Opulenz finde ich seine Arbeiten seltenst überproduziert – durchproduziert bis ins kleinste Detail schon. Und wenn ich mir ein komplettes Pop-Album aus dem Jahre 1981 von vorn bis hinten schmerzfrei durchhören kann, ohne dass mir eine zweifelhafte Sound-Ästhetik den Spaß verdirbt, ist das schon eine echte Ausnahme! (Übrigens finde ich sowohl das Cover als auch die Videos äußerst gelungen. …womit wir wieder beim Mut zur Peinlichkeit wären.)
Und das Album bietet eben eine ganze handvoll feiner Hits, neben dem Titelsong vor allem auch das ansteckend euphorische „Poison Arrow“, „Show Me“ und „Tears Are Not Enough“. Für mich definitiv eines der wichtigsten, archetypischen und bis heute hörbaren Eighties-Alben.
Sind ABC eigentlich Blue-eyed Soul oder doch nur verchromte Poppermusik?
Weder noch: für mich ist das Debut einfach nur der Prototyp eines rundum gelungenen Pop-Albums!
Von den beiden folgenden Alben hat mir erstmal keines gefallen, habe ich alle wieder aussortiert. Was bleibt von „Beauty Stab“ und „How To Be A Zillionaire“?
Was mir ja immer imponiert hat: ABC hätten ja locker ein “Look Of Love Pt.2” abliefern können; aber nein, sie servierten uns eine Platte, die zwar nicht völlig vom bewährten Rezept abwich, aber plötzlich mit schmierigen Rock-Riffs und komischem Reggae angereichert daher kam. Das war ein zielsicherer Karriere-Killer. Album drei dann plötzlich mit synthetischem Plastik-Pop. Ich konnte da auch irgendwann nicht mehr folgen… Aber dann: 1987 raffte sich Martin Fry mit dem einzig verbliebenen Mitstreiter Mark White zum einem zweiten großen Wurf auf, es entstand „Alphabet City“, koproduziert von Chics Bernard Edwards. Sind wir uns einig, dass dieses Werk beinahe die Größe des Debüts erreicht? Hier jagen sich doch die Hits: „When Smokey Sings“ ist ein würdiger Motown-Tribute, auch „King Without A Crown“ hat diese Klasse, und dann ist da natürlich „The Night You Murdered Love“. Letzteres ist auch meiner Meinung nach ein echtes Pop-Monster!
Tolle Nummer!
…und auch hier rate ich erneut zur Maxi-Single (trotz Rap-Einlage)!
Yep, als 12-Inch ein absolutes Muss, denn nicht nur die achtminütige „Whole Story“ taugt, sondern vor allem auch „The Reply“, auf dem Label als „The Night You Murdered Love Rap“ angekündigt, auf dem die mir ansonsten unbekannte Rapperin Contessa Lady V. eine bewundernswert coole Performance abliefert.
The Night You Murdered Love (kurz, aber mit trendy Video) und die lange Version, ein Knaller!
…die kurze Version mag ich eigentlich lieber, die ist aber auch auf der 12“.
Könnte man wieder ganz nostalgisch werden, was? Allerdings nicht so nostalgisch, sich den noch immer durch die Lande tingelnden Martin Fry heute noch live anzusehen, die Videos bei Youtube versprechen jedenfalls nichts Gutes. Naja, irgendwoher muss die Altersversorgung ja kommen. (Auf der 2009er „Night Of The Proms“-Tour sind/waren übrigens auch Heaven 17 dabei.) Und hübscher, schlanker und besser bei Stimme werden wir wohl alle nicht, gell? Aber ob ich meinen alten Helden unbedingt beim Altern auf der Bühne zusehen muss ist wirklich 'ne gute Frage. Ich habe ABC damals in Düsseldorf live gesehen. Da hatten sie gerade mal das erste Album draußen und spielten das in großer Besetzung einmal komplett durch und wiederholten als Zugabe zwei-drei Songs. Das war’s! …hat einen etwas schalen Nachgeschmack hinterlassen. Was muss man also unbedingt von ABC im Schrank stehen haben? Das erste Album und die späte Maxi? Ich hab‘ noch zusätzlich Album Zwei „The Beauty Stab“ behalten. Das höre ich immer mal wieder und staune und wundere mich. Ansonsten mal wieder d’accord: „The Lexicon Of Love” und “The Night You Murdered Love” müssen, der Rest kann. …um es mit Martin Fry zu sagen: ”Yippie ay yippie ay yeah – be lucky in love!” (whirlyjoe + k-nut)
Mittwoch, 11. November 2009
Montag, 9. November 2009
Abt. Leichen im Keller
Heaven 17
Der verehrte K-Nut und ich zerbrachen uns kürzlich mal wieder den Kopf, was denn aus den finsteren 80er Jahren an relativ cooler Musik per Bergungskommando prinzipiell rettenswert sein könnte. Dabei kam uns auch Heaven 17 in den Sinn - berechtigterweise? Sprechen wir darüber.
Lieber K-Nut, geht es dir als diplomiertem Eighties-Fachmann auch so, dass der Gedanke an das Trio aus Sheffield erst einmal positive Assoziationen hervorruft? So als die etwas intellektuellere und wagemutigere Variante im Vergleich zu eher stromlinienförmigen Synthiepop-Kollegen jener Zeit wie Human League oder Orchestral Manouvres In The Dark? Woran liegt das denn?
So stromlinienförmig waren die beide zu Beginn gar nicht. Heaven 17 bestand ja zu zwei Dritteln aus Ex-Human League-Mitgliedern. Nach der Trennung haben aber zweifelsohne Heaven 17 den intelligenteren Eindruck gemacht, das stimmt.
Selbstredend höre ich mich gerade durch das in meinem Plattenschrank verbliebene Heaven 17-Programm – mehr als die ersten beiden Alben und eine vorzügliche späte 12-Inch ist da aber nicht mehr. Zum Debüt „Penthouse & Pavement“ von 1981 fallen mir genau zwei Sachen ein: „(We Don’t Need This) Fascist Groove Thang“ ist ein bewundernswert sperriger Kracher mit notwendiger Message, kommerziell nicht leicht verwertbar und vom britischen Radio seinerzeit bizarrerweise boykottiert. Dazu der Titelsong, eine messerscharfe und höchst rasante Funk-Nummer mit diesen supercoolen Backgroundsängerinnen, die tatsächlich technoiden Appeal mit Soul und Funk fusioniert. Fiese Moog-Sounds treffen auf Funkdaumenbass und klöppelnde Percussion. Lege ich bis heute immer wieder gerne auf. Der Rest des Albums ist allerdings völlig belanglos, oder?
Ich hab‘ das ganze Zeug schon seit Ewigkeiten nicht mehr gehört. Im Regal stehen bei mir noch das Debutalbum sowie vier 12“-Singles. Ich fand das Debut ja seinerzeit wirklich großartig, kann das aber heute nur mit Mühe durchhören. Die Musik ist schon ziemlich gealtert. Zeitlos kann man das wirklich nicht nennen. …immerhin kann ich heute noch nachvollziehen, warum mir das so gut gefiel. Den Gesang von Glenn Gregory fand und finde ich noch heute wundervoll! Der Titelsong ragt auch tatsächlich heraus, wogegen mir „Fascist Groove Thang“ noch nie sonderlich gut gefiel. (…und was verflixt ist überhaupt ein Fascist Groove Thang?) Die LP ist auch die einzige mir bekannte Platte mit unendlicher Spieldauer: die Auslaufrille der zweiten Seite läuft ja endlos mit der Textzeile „for a very long time“ weiter. Hübsche Idee!
Das ist mir gar nicht aufgefallen - geht nur im Vinyl. Album Nummer zwei war dann das Opus Magnum, auch in kommerzieller Hinsicht. Denn anno 1983 hatte „The Luxury Gap“ gleich zwei fette Hitsingles zu bieten, die ich auch heute noch großartig finde. Da wäre einmal „Temptation“, das so einen tendenziell northernsouligen, motownigen ABC-Vibe entwickelt und bis heute auf jeder Ü30-Disco abräumt, zum anderen das majestätische „Let Me Go!“, für mich einer der unpeinlichsten und trotzdem typischsten 80er Jahre-Songs, wie ansonsten vielleicht nur noch „Being Boiled“ von Human League. Und mit „Crushed By The Wheels Of Industry“ findet sich hier gleich noch ein guter Song, der einiges an zukünftigen Club-Tunes vorwegnimmt. Wenn man also etwas von Heaven 17 braucht, dann dieses Album, oder?
…Öh? Die LP hab‘ ich irgendwann mal verkauft und mir dafür 'ne schnöde Best Of-CD gekauft. Und ausgerechnet Deinen liebsten Song mag ich überhaupt nicht: „Temptation“. Alle Heaven 17-Nummern, bei denen sie dieses grausliche Schlagzeug-Geboller einsetzen finde ich furchtbar. OK, da sind Geigen dabei, aber sonderlich elegant kann ich das nicht finden und höre weder Northern Soul noch Motown noch ABC; so sorry! Und die quietschige Damenstimme mag ich auch nicht! (Ja, ich weiß: die hat schon bei Isaac Hayes gesungen! Trotzdem!)
Yep, die Soul-Dame ist unerträglich, die hat Isaac wahrscheinlich aus dem Studio geworfen.
Den Song hab‘ ich hier seltsamerweise auf 12“ im Dance-Remix rumstehen. Schenke ich Dir bei nächster Gelegenheit.
Ich geb dir dafür ein Bier aus!
„Let Me Go!“ allerdings finde auch ich noch heute ganz fantastisch und rate stilecht zur 12“Maxi-Version. Der Gesang beginnt erst nach über zwei Minuten und das Ganze wird trotz über insgesamt sechs Minuten kein bisschen langweilig!
Spätere Alben habe ich mangels Substanz schon vor vielen Jahren alle aussortiert, nur die 1988er Maxi „The Ballad Of Go Go Brown“ habe ich behalten, denn das ist eine echte Perle mit Soul, Harmonica, Westerngitarre und laidback-funky Groove, die an die besten Zeiten von Wall Of Voodoo erinnert. Wenn ich die Platte auflege, werde ich tatsächlich ziemlich oft gefragt, was das denn ist - also Augen auf beim Flohmarktstöbern.
Ich bin mir ganz sicher die auch mal besessen zu haben, aber das Ding lässt sich beim besten Willen nicht mehr finden. Schade! …und auf meiner Best Of-CD ist das auch nicht drauf.
Und wie fandest du das kuriose Coverversionen + Gastsänger-Konzept „Music Of Quality And Distinction“ des Nebenprojekts B.E.F.? Ich habe da trotz potenziell lustiger Mitsänger wie Gary Glitter keine einzige gute Nummer gefunden. Tina Turner verhunzt „Ball Of Confusion“ sogar auf ganz grässliche Weise, von Paula Yate’s „These Boots Are Made For Walking“-Version wollen wir lieber schweigen.
Irgendwie sind B.E.F./Heaven 17 ja auch am Tina-Revival mitschuldig. Für ihr folgendes Comeback haben sie danach ja (das nur mittelüble) Let’s Stay Together produziert.
Ich habe da allerdings nur die zweite B.E.F.-Ausgabe im Regal. Auch mit interessanten Sängern (Mavis Staples, Green Gartside, Billy Preston, Billy MacKenzie, …) aber genau so irrelevant.
Was bleibt also von Heaven 17? Wie bei Chic die Singles, hier auch bedenkenlos im kompakten 7-Inch-Format zu empfehlen und auf jedem besseren Flohmarkt für 50 Cent zu haben.
Im Fall von „Let Me Go!“ bitte ich Dich mal die 12”-Version gelten zu lassen – ansonsten einverstanden!
…und beim Durchhören meiner CD bin ich noch auf „Contenders“ gestossen – schön arrangiert und gar nicht übel!
(Whirlyjoe & K-Nut)
Sonntag, 8. November 2009
shake shake baby
Freitag, 6. November 2009
DJ Concept - 2120 S. Michigan Avenue
Erst neulich bin ich in den Genuss des Cadillac Records Films gekommen, den ich wirklich gut und vor allem sehr, sehr inspirierend fand. Bin gleich ziemlich abgetaucht in die Welt von Chess Records und da ist mir doch gerade dieser Mix wieder in die Finger gekommen...
Muddy Waters - Rollin’ Stone
Robert Marshall - Six Three 0
Memphis Slim - Mother Earth
Chuck Berry - Mabellene
Bo Diddley - Bo Diddley
Howlin’ Wolf - Moanin’ At Midnight
Dale Hawkins - Suzie Q
TV Slim - Flat Foot Sam
Bo Diddley - Gunslinger
Willie Dixon - 29 Days
Koko Taylor - Tease Your Man
Jimmy Ruffin - Tell Me What You Want
The Rolling Stones - 2120 South Michigan Avenue
Chuck Berry - School Day
JB Lenoir - Don’t Touch My Head
Jump Jackson & His Orchestra - Hey Pretty Mama
Andrew Tibbs - Bilbo Is Dead
Etta James - At Last
Muddy Waters - Rock Me
Shoeshine Johnny - So Glad I Found You
bitte hier abholen
(R-man)
Donnerstag, 5. November 2009
Spoonful #27 – Shake, Shout And Soul
Nur selten bekomme ich unaufgefordert Mix-CDs geschickt. Irgendwann kam dann mal eine und ganz schnell hinterher noch zwei Silberlinge, jeweils mit 90 (!) Minuten Lauflänge. Der Schicker hatte die Initialen DJ, nannte sich aber für das aus den drei Vorlagen verdichtete 14. Volumen von Spoonful dann doch Mad Daddy.
Und das war für mich damals eine echte Horizonterweiterung und müsste ich mich für ein Spoonful Volumen entscheiden, dann würde ich wahrscheinlich Vol. 14 nehmen. Das hatte Druck, Cavemen-Drums, scheppernde Schräglage, reichlich Überraschungen und vor allem jede Menge richtig coole Tunes zwischen Rockabilly & -Roll, Garage und Soul.
Auf sanftes Nachfragen kam dann vor ein paar Monaten Nachschub in Form von zwei 80-Minütern, aus denen ich mal eben zwei frische Spoonful-Volumen gebastelt habe. Voila, Spoonful #27 ist das erste Resultat, fast 1:1 übernommen, nur zwei vorher schon mal anderweitig compilierte Songs wurden gegen Rest-Feinheiten aus dem Spoonful #14 Fundus getauscht.
Das beginnt mit jeder Menge gnadenlosem Rock`n´Roll (Dr. Ross, King Coleman, Jerry McCain), hat den alten Charlie Rich und frühen Otis Rush und gar einen Ohrwurm (!) von Sun Ra, das originale und ach so geniale I Wish You Would von Billy Boy Arnold, mit Graham Bond Organisation, den Animals, Small Faces und ganz frühen Stones eine britische Fraktion, sowie ein mördermässiges Geschoss von Cuby & The Blizzards. Zum Schluß zieht es einem dann die Schuhe gänzlich aus. Messer Chups mit Die Nacht Von Offenen Graben. Die bestehen vor allem aus einem Russen, der eben so gut wilde Surfgitarre wie billige Synthesizer spielt. Und wie aus dem fetten Gitarrenriff ein zirpendes Etwas wird, ohne das man’s merkt, das ist schon der Hammer. Als ich das letztens ins Stuttgart aufgelegt habe, hat Joe es ausgeblendet. Das Weichei.
Mad Daddy II. – ein Hammerteil! (R-man)
Mittwoch, 4. November 2009
Stag-O-Lee News: The Death Letters
Montag, 2. November 2009
Das Sonar Kollektiv (mit Conferencier Daniel Best) veranstaltete die Woche ein Minifestival mit starkem Line-Up: Mulatu Astatke & Heliocentrics, Lisa Bassenge & Micatone, Boozoo Bajou sowie Jazzanova als DJ-Pausen-Set. Das war natürlich die Gelegenheit, die neue angesagte Concert-Location in Berlin-Friedrichshain aufzusuchen: von außen eine Bruchbude auf dem RAW-Gelände, von innen schön hergerichtet. Alles holzvertäfelt im 50’s Design, große hohe Bühne, toller Sound, Lounge-Bereiche drinnen & draußen (auch zum sitzen), zudem gibt es Astra (sic!) vom Fass und Luckies aus dem Automaten.
Besonders gefreut hatte ich mich auf den Opener Boozoo Bajou (hatte mal in Köln vor Jahren ein phantastisches DJ-Set erlebt), musste dann aber zur Überraschung feststellen, dass eine 7-köpfige Band die Bühne betrat (laut Daniel Best das erste Band-Konzert außerhalb Nürnbergs). Dass der Mac des öfteren abstürzte tat dem Set aber keinen Abbruch, denn es gab Acoustic Soul pur, überwiegend vom Grains-Album: Schlagzeug, Kontrabass, Pedal Steel, überhaupt Gitarren, Sängerin. So stellten die Herren etwas nervös aber musikalisch souverän ihren neuen Westcoast-Sound vor. Sehr schön laid back, etwas für den Sommer.
Ein Heimspiel hatte die Berliner Chanteuse Lisa Bassenge mit ihrer Souljazz-Combo Micatone. Das mittlerweile vierte Album auf dem Sonar Kollektiv sollte angemessen vorgestellt werden. Ich kannte die Band vorher eher im „light“ Jazz-Sound, nun versuchen sie etwas poppiger und souliger zu werden. Gelungen waren die Songs an sich (sogar ein gekonnter Reggae war dabei), wie immer Lisas starke Stimme, aber als Jazz-Interpretin nicht deep genug zum neuen Arrangement. Aber das Gesamtergebnis zählt: das Publikum feierte zu recht enthusiastisch die neuen Songs.
Highlight war gegen Mitternacht (nach einer Stunde Umbaupause, kein Wunder bei ein dutzend Musikern und noch mehr Instrumenten) der äthiopische Großmeister am Vibraphon Mulatu Astakte mit den australischen Heliocentrics. Mulatus Musik aus den 60ern kennen die meisten aus dem letzten Jim Jarmusch Film Broken Flowers, die Zusammenarbeit mit den Heliocentrics aus dem bemüht vertrackten Inspiration Information Album.
Aber live war das Ganze eine Offenbarung: Mulatu souverän altersehrwürdig und glücklich versunken in seinem Spiel, die Heliocentrics eine hinreissende Live-Band, äthiopischer Bläser-Sound, mellow Grooves, ausgefeilte Percussion, tighte Rhythmusgruppe, selbst der Cellist (!) spielte unglaubliche Soli. Das alles wie aus einem Guss. Ein Erlebnis. Bin gespannt, ob Fat Freddys Drop das an gleicher Stelle in vier Wochen noch toppen können.
(An-Dréad)
Sonntag, 1. November 2009
Abt.: Brandneu