No Country For Old Men?
Die Stones und der FunkDas Thema geistert nun schon ewig durch die virtuellen Räume der
shake baby shake-Posse, ich gehe das jetzt einfach mal an. Was taugt von den Stones im Sinn von funky/tanzbar? Mir sind die ganz jungen Stones ja mit Abstand am liebsten, als sie das ganze alte R&B- und Blues-Zeug gecovert haben, was sich dann auch zu recht im Spoonful-Kosmos wiederfand.
Hier soll es aber um die mittlere Schaffensphase (70er/frühe 80er Jahre) gehen, als sich ihr latenter und bis dahin eher rootsiger Funk (z.B.
Shake Your Hips von
Exile On Mainstreet) tatsächlich ein gutes Stück in Richtung Disco und Dancefloor entwickelte.
Ich bin zwar in Sachen Stones ein ziemlicher Dilettant, versuche hier aber trotzdem mal, die Songs aufzulisten, die in dieses Schema passen.
It’s Only Rock’n’Roll (1974)Quasi als Prolog für die folgende Entwicklung sehe ich das Temptations-Cover
Ain’t Too Proud To Beg, immerhin schon eine Motown/Glimmer Twins-Mutation mit wegweisendem Charakter. Ein echter Startschuss in Richtung Stones-Funk ist aber ganz klar das sechseinhalbminütige
Fingerprint File: mit lupenreinem Funk-Bass und einer feinen WahWah-Gitarre, alles schön dreckig und sumpfig - toller Song zum Wiederentdecken.
Black And Blue (1976)
Für mich das Highlight des Stonesschen Funk-Sub-Genres:
Hot Stuff – tatsächlich der pure Stoff, mit Harvey Mandel an der Leadgitarre, damit sich Ol’ Keef (der damals ja noch ganz rüstig war) voll auf sein WahWah-Pedal konzentrieren konnte. „Recorded in Musicland, Munich“. Grandiose Nummer.
Some Girls (1977)Fast genauso gut und kommerziell erfolgreicher:
Miss You. Erst hört man ja auf die

in diesem Kontext ungewöhnliche Geige, dann sollte man sich aber ganz an Charlie Watts famosen, minimalistischen Beat halten – ein wahrer Meister seines Fachs. Und die Nummer ist bis heute völlig unverschlissen, finde ich.
Emotional Rescue (1980)
Ebenfalls ein sehr zielführendes Album mit gleich zwei funky Tunes, aufgenommen in Paris und Nassau. Beim programmatischen
Dance singt irgendwo im Hintergrund Max Romeo mit, man sollte sich aber ganz auf den Groove und die feine Gitarre konzentrieren, am schönsten ist das kurze Break mit den Congas. Von Axel habe ich davon neulich einen feinen Remix bekommen. Auch groß: der
Titelsong, der Beat erinnert mich an Grace Jones, Jaggers Falsett ist nicht wirklich schön, aber der Song hat so einen herrlich dekadenten Laidback-Disco-Vibe und der Snare-Sound von Charlie Watts verdient ein Denkmal.
Tattoo You (1981)Hier war es mit der konkreten Funk-Phase fast schon vorbei, wäre da nicht
Slave, das

in seiner angenehm behäbigen Untertourigkeit doch einen schön trägen New Orleans Swamp-Groove entwickelt.
Das war es dann meiner Meinung nach. Auf den folgenden Alben fanden sich mit
Undercover und
One Hit To The Body dann zwar auch noch gute und tanzbare Songs, die aber eher Dance-Rock als Funk waren. Und nach
Dirty Work (1986) habe ich dann auch kein Stones-Album mehr angerührt. Eine lobende Erwähnung gibt es aber noch für Keith Richards Soloalbum
Talk Is Cheap (1988), auf dem er mit
Big Enough noch einmal schwer vom Funk-Vibe erwischt wird.
Insgesamt stelle ich mir ja langfristig eine dreiteilige Stones-Dokumentation als Triple-CD vor: Volume 1 wären die frühen R&B-Tunes – Spoonful-Style, Volume 2 die Funk-Phase und Volume 3 die von R-Man mehrfach angekündigten Remixe. Vielleicht kommen wir in der Sache bald weiter? (Whirlyjoe)