Freitag, 19. August 2011


Abt. Summer Reggae
Das Debut von Hollie Cook

Den radioeins-Hit hier in Berlin „Walking in the Sand“ (zweite Single-Auskopplung) bekomm ich einfach nicht mehr aus dem Kopf. Schön fluffig plätschert dieser bei immer besserem Sommerwetter durch den Äther.
Hollie Cook, Tochter des Sex Pistols-Drummer Paul Cook (heute für Edwyn Collins tätig), hat ein schönes Debut hingelegt. 
Reggae-Pop (sie selbst nennt es „Tropical Pop“) für die ganze Familie, nette säuselnde Songs, dezent mit Orgel und Bläsern unterlegt, die einen okayen Vintage-Sound produzieren, erinnert das Ganze ein wenig an Althea & Donna. 
So langsam tauchen die ersten Remixe auf, die sich mehr oder weniger an Studio One orientieren. Stimmlich etwas schwach auf der Brust (aber das macht nichts) kommt sie daher (auch optisch) wie die junge Neneh Cherry zu New Age Steppers-Zeiten. Das kommt nicht von ungefähr, so gibt es auch in wirklich Verbindungen zur Slits-Famile, das Album ist ausdrücklich Ari Up gewidmet. 


Was ich letztens noch auf arte beim „Summer of Girls“ live mit Band zu bestaunen hatte, sah sehr vielversprechend aus. Wie gesagt, mit der Scheibe, die es auch auf Vinyl gibt, kann man nichts falsch machen, ein ideales Geschenk für ungeübte Reggae-Hörer.

(An-Dréad)


Montag, 15. August 2011

Ray Lugo & The Boogaloo Destroyers – Mi Watusi

Bitte nicht vom kühnen Bandnamen irritieren lassen, denn Ray Lugo pflegt und kultiviert den Boogaloo.Und zwar stilecht wie kaum ein anderer.
Obwohl das Album wie ein wiederveröffentlichter Salsa-Klassiker aussieht (und auch so klingt!), ist Ray Lugo ein Junger, mit venezolanischen Wurzeln, aber aufgewachsen in Nu Yorica, Lower East Side. Entsprechend klingt auch sein Sound, der wie einst in den späten 60ern karibischen Son und Guaracha mit dem Feuer von James Brown und Ray Charles im Stil der großen Fania Allstars verbindet.
Weshalb sich Ray Lugo auch gleich bei etlichen Klassikern von Ray Baretto und Mongo Santamaria bedient.

Die Resultate sind absolut Oldschool und würden problemlos auf den besten Soul Jazz-Compilations zum Thema durchgehen. Bislang war Lugo übrigens als Mitglied der New Yorker Afro-Beat-Truppe Kokolo aktiv. Mein persönlicher Favorit ist die salsafizierte Version des alten Tränenziehers „A Taste Of Honey“, der Ray Lugo und seine vielköpfige Truppe nicht nur perkussives Leben einhaucht.
Der Soundtrack für heiße und schwitzige Sommernächte!

(Whirlyjoe)

Dienstag, 9. August 2011


The Shaolin Afronauts - Flight Of The Ancients

Australien ist das neue Äthiopien. Oder Nigeria. Will sagen: diese Truppe aus Down Under spielt die feinste, schwitzigste, groovendste Afro-Jazz-Funk-Fusion seit Fela Kuti und Mulatu Astatke. Die Namen der beiden AfroBeat- und -Jazz-Großmeister habe ich geradewegs aus dem Promo-Info importiert, sie sind zur Beschreibung des Sounds von „Flight Of The Ancients“ aber unverzichtbar.
Wobei man auch Bembeya Jazz National oder Manu Dibango hätte bemühen können.

Jedenfalls spielen The Shaolin Afronauts wie einst in den frühen Siebzigern: groove-betont, brass-lastig-jazzig (aber auch mal folky mit Flöte), vor allem aber endlos hypnotisch, fiebrig-treibend und extrem tanzbar. Ganz ohne Vocals und nicht zu glatt produziert, gefallen mir die psychedelischen Gitarren allerdings noch besser als die fetten Bläser. Der eine oder andere Tune ist mir zwar ein wenig zu jazzig-verdaddelt, das Album bietet aber mindestens drei absolute Killer-Nummern („Kilimanjaro“, „Shira“) in Sachen messerscharfem Afro-Funk. Hier hört man auch die reine Man-Power der vielköpfigen Truppe, wobei die beiden Gitarristen wirklich durchgehend grandios sind.

(Whirlyjoe)

Freitag, 5. August 2011


Black Feeling – Volume 2

Dies ist keine billige Soul-Compilation, sondern nur so aufgemacht. Vielmehr handelt es sich um ein Instrumental-Album des umtriebigen Australiers Lance Ferguson aka Lanu, den man mit eigenen Bands wie Cookin’ On 3 Burners oder als formidablen Producer von The Bamboos und Kylie Auldist kennt.

2007 veröffentlichte er das erste „Black Feeling“-Album mit neuen Versionen alter Soul- und Funk-Klassiker, instrumental und im ziemlich üppigen Format.

Jetzt also die zweite Runde und zum Style sage ich einfach mal Acid-Jazz in gut. Und in sehr knackig und schweißtreibend funky. Vor allem der Opener, das bewährte „Shaft In Africa“-Thema von Johnny Pate rockt schwerstens, aber auch das wunderbare „Oboe“ von Jackie Mittoo kommt im neuen Gewand sehr überzeugend rüber. Dazu gibt es Songs von u.a. Ronnie Foster („Mystic Brew“), Jorge Ben oder Richard Evans („Burning Spear“).
Großes Muckertum, phasenweise höllisch funky!

(Whirlyjoe)

Mittwoch, 27. Juli 2011

Norman Jay presents Good Times 30

Der Glitzer-Chef pilgert ja seit Jahren regelmäßig zum Londoner Nottinghill Carnival und beglückt uns im SBS-Blog mit seinen süffigen Berichten vom wilden Partytreiben. Ein unverzichtbarer Protagonist des karibischen Straßenkarnevals ist DJ Norman Jay mit seinem Good Times-Soundsystem. Das betreibt Norman seit mittlerweile 30 Jahren, weshalb das Premium-Label Strut nun eine 30th Anniversary Edition in Form eines Norman Jay-DJ Sets veröffentlicht – übrigens in allen Formaten ungemixt, was nicht nur den DJ in uns freut.
Allerdings gibt es hier kaum Reggae zu hören (exakt ein Tune von Jacob Miller & Inner Circle), dafür aber alles andere, was Spaß macht und zum Tanzen anregt: Rare Groove (Zalmac, Curtis Mayfield, Terry Wells, Ted Taylor fast schon Disco-Style), ebenso raren wie extrem coolen HipHop (The Basement Khemist), Soul (Avery Sunshine), Modern Brasil (Attic Tree) und sogar ein kleines bisschen ziemlich aufregendes House (Fries & Bridges, muss man wohl nicht kennen…). Meine Highlights sind zwei rare Cover-Versionen: Marc Capannis butterweich-soulige „I Believe In Miracles“-Interpretation (Jackson Sisters), sowie jemand namens Mario Biondi, der „My Girl“ von den Temptations mit toller Stimme eine neue Klangfarbe verleiht. Für Norman Jay existieren längst keine Genre-Grenzen mehr – gut so!

(Whirlyjoe)

Samstag, 23. Juli 2011

Lewis Floyd Henry - One Man And His 30W Pram

Wow, die fetteste One-Man-Band, die ich kenne. Der Titel dieses Debütalbums ist Programm, denn dieser wilde Londoner Straßenmusiker arbeitet nur mit einer dreckigen elektrisch verstärkten Bluesgitarre (gerne mit Slide) und einem kaputten Mini-Drumset, klingt dabei aber so kraftvoll wie mindestens die Black Keys.

Deren Liebe zum alten Blues teilt auch Lewis Floyd Henry, der aber keinesfalls ein Purist ist, sondern zumindest live auch gerne Stooges und Jimi Hendrix – aber auch Wu Tang-Clan covert, legendär ist auch seine 20-Minuten-Version von Frees „Allright Now“.

Auf seinem angemessen roh gezimmerten und oft richtig heavy klingenden Debütalbum mit eigenen Songs reicht das Spektrum von stampfenden Bluesrockern mit reichlich Fuzz im Sound bis zu folkig Gezupftem, vor allem sein pointierter (Bass-)Drum-Einsatz gefällt mir durchgehend gut. Ein echtes Londoner Original, dabei ein wirklich cooler Styler, der es tatsächlich schafft, wie eine komplette garagentrashige Blues-Band zu klingen.

(Whirlyjoe)

Freitag, 22. Juli 2011

Blog-Mix Delight!

Hier mal wieder die innige Empfehlung für einen ganz wunderbaren DJ-Mix, den ich in diesem schönen Blog gefunden habe.

Das Ding beginnt cool, mellow und soulig, mit spacic-verdaddelten Westcoast-Sounds (Kris Kristofferson and Rita Coolidge), um dann über Southern Soul (ausgerechnet von den Black Keys!) ganz langsam seinen Weg zu den geraden Beats zu finden.

Die mag ich ja nur bedingt, hier gefallen sie mir aber fast durchgehend, wobei vor allem die Tunes von Todd Terje und Burnt Island Casual der Hammer sind. Letztere verhelfen übrigens den Temptations und Undisputed Truth zugleich zu einem zeitgemäßen neuen Beat-Kostüm, weshalb die Nummer dann auch „Truth & Temptation“ heißt.

Den wirklich außergewöhnlichen Mix kann man hier abholen.

Intro
Time & Space Machine – Amorous Ways
Kris Kristofferson and Rita Coolidge – I’m Down (But I Keep Falling)
Get a room! Edit – We Learn
Get a room! – Secret Weapon
The Black Keys – I’m Not The One
Rune Lindbæk – Disco Jock
Cream – White Room (Dj Medhi Edit)
Optimo – Cumbia Break
James Brown DJ Tool – Stomp
Todd Terje – Ragysh
It’s A Fine Line Edit – Mischa
The Glimmers Edit – Love Nature
Burnt Island Casual – Truth & Temptation (The Revenge Edit)
Kurt vs Mafia – China Jon
Dionigi – Do You Feel The Way I Feel Love ?
Rootz n°7
Chikiba – Supra Edits
Sasha Distel – Le Bateau Blanc (Cosmo Vitelli Edit)

(Whirlyjoe)

Donnerstag, 21. Juli 2011

Little Barrie – King Of The Waves

Drittes Album der Briten nach unnötig langen fünf Jahren Pause.
Zum Vorgänger Stand Your Ground und der Gitarrenkunst von Mastermind Barrie Cadogan schrieb Glitzerchef Reinhard seinerzeit: „Fast durchweg hört man nur eine knochentrockene Gitarre, selten werden hier ein paar Spuren übereinander gelegt. Das klingt manchmal wie ein Meters-Album auf 45 oder das ach so geile, stoische Saitengekratze auf James Brown Platten. Aber immer wieder zeigt er, was er drauf hat und bringt kleine Beweise seines Könnens ins Spiel – mal ein Jazzlick, dann Chicago-Blues, Hendrix-mässiges oder ruppigen Rock`n´Roll.“

Funky Garagenrocker bietet auch das neue Album, das von Edwyn Collins mitproduziert wurde, was den Mod-Aspekt der Musik betont, wobei der Sound diesmal insgesamt rougher und dreckiger, auch härter geriet. Mehr Rock’n’Roll also, manchmal fast schon heavy, aber immer wieder auch funky-soulig, ja sogar ein wenig psychedelisch, durchaus im Stil von Paul Weller in seinen rockigsten Momenten. UK-Topband und stilistische Allzweckwaffe auf Gitarrenbasis.

(Whirlyjoe)

Mittwoch, 20. Juli 2011

 Black Dub im Stadtgarten Köln

Ich hatte ja etwas länger mit mir gerungen ob ich mir das Ensemble um Star-Produzent Daniel Lanois tatsächlich live ansehen und -hören wollte. Aber da das Black Dub-Album immerhin in meiner Jahres-Bestenliste 2010 auf Platz eins gelandet war, habe ich mich dann doch aufgerafft. Der Konzertsaal des Stadtgartens war komplett ausverkauft.

Das Vorprogram gestaltet Rocco DeLuca, dessen öffentliches Leiden zur Sologitarre bei mir allerdings nicht auf allzu große Gegenliebe stößt. Das bewegt sich zwischen harschen Bluesriffs, leisem Geklimper, expressivem Geheule und etwas orientierungslosem Singer/Songwriter-Gesang. Mir fällt jedoch (seit leider sehr langer Zeit) auf, dass es noch respektvolle Konzertbesucher gibt. Sehr wohlwollender Applaus, kein Gequatsche während der Songs, toll.

Um 22:30 betritt die Band die Bühne und hat das Publikum (trotz leichter Technik-Probleme) sofort im Griff. Nomad, I Believe In You, Silverado gleich zu Beginn - mutig!

Ich wage die Behauptung: Brian Blade ist der beste Schlagzeuger der Welt (mindestens)! Was der Mann da auf seinem kleinen Kit zaubert ist grandios. Man hört zwar meistens heraus, dass Mr. Blade ein begnadeter Jazzer ist, aber mit welcher Energie und sagenhaftem Groove er spielt lässt doch so manchen Unterkiefer runterklappen. Bei drei Songs begleitet ihn Trixie Whitley auf einem parallel aufgebauten Schlagzeug, das passt, groovt und macht beiden offensichtlich einen Heidenspaß.

Und überhaupt sorgt Trixie für den größten Unterhaltungs-Faktor auf der Bühne. So püppchenhaft sie auf den ersten Blick wirkt, die Frau ist eine großartige Musikerin und singt sich die Seele aus dem schmalen Leib. Sie hat zwar keine sonderlich "schwarze" Stimme und rutscht auch so manches mal gefährlich in die "Rock-Röhren"-Ecke, doch das hat tatsächlich 'ne Menge Soul und Ausdruck.
Der Black Dub-Bassist Daryl Johnson wird auf der Tour durch Jim Wilson ersetzt, der zwar nicht die Bühnenpräsenz von Johnson mitbringt, aber einer sehr soliden Job abliefert und auch als Sänger beeindruckt. 

Daniel Lanois bekommt im Mittelteil des Konzertes sein Solo-Showcase und spielt eine knappe halbe Stunde seine Trademark-Sounds. Trixie Whitley verlässt solange die Bühne und ich vermisse sie sehr! Denn so sehr Lanois seinen Sound zu einem echten Markenzeichen gemacht hat (auch als Produzent) - auf Dauer finde ich das etwas langweilig. Abgesehen von einer Pedalsteel-Einlage spielt Lanois den ganzen Abend nur sehr ähnliche Sounds. Da empfinde ich es als echten Lichtblick, wenn sich Frau Whitley für ihren Song I'd Rather Go Blind auch mal 'ne Gitarre umhängt und dieser ein paar andere Töne entlockt.

Für ebenfalls "andere Töne" sorgt natürlich auch der Soundmann (ist es Mark Howard?), der vom Mischpult aus den ein oder anderen dezenten Dub-Effekt zaubert.
Die Version von Ring The Alarm finde ich auf dem Album nicht wirklich zwingend, aber was die vier da auf der Bühne abbrennen ist sagenhaft. Zur Zugabe gibt es noch The Maker in einer echten Gänsehaut-Version.

Insgesamt ein wirklich großartiges Konzert und eine dringliche Empfehlung für die restliche Tour!

(K-Nut)

   

Samstag, 16. Juli 2011

Americana – Rock Your Soul/Various Artists

Nicht die Art von Americana, wie sie ansonsten hier im Hause propagiert wird. Sondern „Blue Eyed Soul and Sounds from the Land of the Free“, so der Untertitel dieser BBE-Compilation mit raren bis komplett unbekannten Nummern ebensolcher Künstler.
Es geht um überwiegend weiße US-Artists der 70er Jahre, die sich stilistisch am slicken California-Sound von Topanga und Laurel Canyon versuchten. Also prinzipiell auf den Spuren von Crosby Stills & Nash, Jackson Browne und Joni Mitchell, faktisch aber souliger, seichter, glatter, muckermäßiger und softrockiger, als sagen wir mal im Stil des notorischen Producers Lenny Waronker.

Dieses Softrock-Ding erlebt momentan ja einen kleinen und ziemlich umstrittenen Hype, auch in Kreisen des Shake Baby Shake-Blogs wird das heikle Thema kontrovers diskutiert.
R-man nennt die Musik auf diesem zweifellos liebevoll gemachten und ebenso kommentierten Album schlicht „Grütze“, Kollege K-Nut spricht von „ziemlich seichtem, von vorne bis hinten zugegeigtem Kram“. Beide liegen grundsätzlich nicht falsch, ich möchte aber dennoch die elegante Schönheit der Gesangsharmonien, die chromblitzenden, zum Teil leicht discoiden Arrangements und den dezenten Funk von wahrscheinlich zurecht vergessenen Künstlern wie Babadu, Eric Tagg, Mike Lundy, Tender Leaf, Michael Killen oder Evans Pyramid loben.
Wer das Gute auch in generell schwierigen Genres sucht, bekommt hier einen durchaus appetitmachenden Einstieg geboten.

(Whirlyjoe)

Montag, 4. Juli 2011



Wenn einer eine Reise tut: R-man in Switzerland!

Ein kurzer Bericht eines Spontanwochenendes in der Schweiz. Am Donnerstagmorgen setzte ich mich in meinen Ford Transit Tourneo, die beiden Bänke hatte ich flugs gegen eine Matratze und Kühlbox eingetauscht und cruiste in diesem so wundervollen Gefährt aus dem regnerischen Weserbergland in die sonnige Schweiz.

Die erste Station war da schöne Brugg bei Aargau, im Norden der Schweiz. Beim Lauschallee Open Air sollten die Moon Invaders als Headliner auftreten, eine meiner favorisierten Livebands. Vorher musste ich mich aber durch drei unterklassige lokale Truppen kämpfen. Eine Band wie Stonefloor gibt es in jeder mittelgroßen Stadt – schüchterner Gitarrist, 5-Saiten-Bass-Jungspund, Rockröhre und keine Songs. Warum man sich als Rocksteady Band Alaska nennt, wird mir immer verborgen bleiben, an die Knödelstimme des Sängers werde ich mich aber noch lang erinnern. Daumen runter. Zwei Mitglieder des Samu Projects traten dann Barfuß auf, der Drummer wechselte von Drums zu Congas, das Songwriting war verkopft, aber minderwertig. Die Eingeborenen waren scheinbar informiert über die Klasse ihrer Bands, denn schlagartig bei den Moon Invaders aus Belgien füllte sich der kleine umsonst-und-draussen Platz. Und was waren die wieder gut! Es gibt einfach keine bessere Band, die an der Schnittstelle early Reggae/Rocksteady/Ska und Soul/R&B agiert. Zu neunt standen sie da auf der Bühne und rockten und rollten, skankten und groovten gut gelaunt durch fast 90 Minuten Programm, das direkt in die Tanzbeine ging. Die Interaktion der drei Bläser ist schon mal sehr genial, dazu eine Rhythmusgruppe der Extraklasse und mannschaftsdienlich arbeitende Gitarre und Orgel. An der Front dann Backingsänger Thomas Hardison und Rampensau/Bruder Matthew, beide in New Orleans geboren und in Charleroi gelandet. Im Stile eines souveränen Bandleaders peitscht Sänger Matt die Band permanent nach vorne und benutzt charmant den einen oder anderen billigen Trick von der Sorte, die man einfach lieben muss. Einfach grandios und so wankte ich zufrieden zurück zu meinem Bus/Hotel.

Nachdem ich am Freitagmorgen meine Bahnen im Freibad Brugg gezogen hatte, stellte ich erfrischt fest, dass die Orte um mein Hauptziel von meinem Navi nicht erkannt wurden. Also besorgte ich mir eine Karte der Schweiz und zuckelte auf schmalen B-Roads durch das malerische und sonnendurchflutete Berner Oberland nach St. Stephan, einer Gemeinde im Simmental. Dort sollte das 10. Hangar Rockin‘ Festival stattfinden, eine Mischung aus Hot Rodding, 1/8 Meile Rennen, US Car Meeting und Rock&Roll Festival. Ganz meine Tasse Bourbon, die Szene aus pomadierten Geezern, Damen im 50s Chic und zutätowierten Körpern gefällt mir seit ein paar Jahren einfach und das eine oder andere Event hatte ich schon mitgenommen – z.B. das Race 61 in Finowfurt (bei Berlin) oder die Bottrop Kustom Kulture, beides sehr feine Veranstaltungen.

Über das Gelände eines großen Sägewerks gelangte man auf den Platz und da ich früh vor Ort war, ergatterte ich einen 1A Parkplatz für mein Wundergefährt. Über den Parkplatz für die US-Cars, Hot Rods und Custom Cars (die noch näher dran parken durften) gelangte man zum Hangar/Zelt und einem Areal, welches mit Cocktail Bars, Verkaufsständen, Bierbuden und ähnlichem dicht gefüllt war. Überall legten DJs auf, vorwiegend Rock & Roll, Rockabilly und Rhythm & Blues, dazu die Capital Soul Sinners in der Tiki Cocktail Bar mit durchweg astreinem Sixties Soul, New Breed und Popcorn rund um die Uhr.

Am Freitagabend konnte man sich schon an den großartigen Autos und vintage Motorrädern erfreuen, bis gegen 22 Uhr Dollar Bill auf der Bühne stand. Oder besser: er saß, denn der Mann aus London ist eine One-Man-Band mit Bassdrum, Hi-Hat, Harp und Gitarre. Primitiver Boogie-Blues mit Anleihen an Slim Harpo, Dr. Ross und John Lee Hooker, sehr fingerfertig an der Gitarre und gut abrockend. Ein guter Einstieg, ebenso wie der DJ-Set des Duos um Hot Poppa Peter (1210 Stuttgart). Die Starliters aus Mailand machten den Abschluss für den Abend, aber mir war nicht so sehr nach Countrybilly und Western Swing, sondern eher nach Matratze. Allerdings wurde die Nacht eiskalt, den Leuten in den Zelten war mein Mitleid gewiss. Temperature drop in dowtown St. Stephan! Der Zeltplatz lag übrigens direkt neben dem Racestrip, der wiederum 100 Meter vom eben beschriebenen Areal lag. Die paar hundert Meter vom Park- zum Zeltplatz konnte man auf dem Hänger eines Traktors zurücklegen, der pendelte, um das Gepäck zu transportieren. Service.

Am nächsten Tag machte ich mich in der Dusche der lokalen Turnhalle frisch (500 Meter) und freute mich auf einen sonnigen Tag. Links und rechts ragten die Alpen in die Höhe, teilweise gar schneebedeckt. St. Stephan selbst liegt auf 1.000 Meter und durch den stetigen Wind merkt man nicht, dass man sich gerade einen fetten Sonnenbrand holt. So lungerte ich in der Gegend rum, träumte davon, welches Gefährt demnächst in meiner Garage stehen sollte (einige waren 4 sale) und checkte die Stände von Voodoo Rhythm und Rockaway Beach aus. Gegen 13 Uhr begannen die 1/8 Meile Rennen. Immer wieder ein Spass zu sehen, wie die alten Motoren und Vehikel ihr Bestes geben. Und zu hören natürlich, denn es gibt etwas Besseres als den röchelnden Klang eines V8-Big Block? Schnell hatten sich die Favoriten durchgesetzt und es blieb etwas unklar, ob hier nun ein Ausscheidungsrennen gefahren wird (wie beim Race 61 etwa) oder einfach nur so losgekachelt wird. Da kam es gerade Recht, dass mein Nachbar, der Lorenz aus Solothurn auch alleine unterwegs war, sein Bier zu Hause in der Gefriertruhe vorgekühlt hatte und sich spendabel zeigte. Selber fuhr er einen Chevrolet Caprice, war Automechaniker und ist auf Baumaschinen umgesattelt. Also repariert er jetzt Bagger, verdient aber 1.000 Franken mehr als als Kfz-Schrauber.

Irgendwann tauchte auch Kumpel Jens-O-Matic aus Stuttgart auf, mit dem ich ein paar Stunden abhing, bis man sich im allgemeinen Trubel wieder verlor. Um 20.30 Uhr traf man sich bei den Staggers wieder, sehr unterhaltsamer Garage-Rock der schrägen Vögel aus Österreich. Ein guter, schwer aktiver Frontmann und ihr Highspeed Sound sorgten für die positive Überraschung des Abends.

Von Voola & The Jayhawks hatte ich schon gehört und mich auch bärig auf den Voodoo Rhythm & Blues der Londoner Truppe gefreut. Zwei Saxphone, Double-Bass, Drums (Dollar Bill) und Gitarre hatte der dunkelhäutige Voola im Rücken, der sich im Vorfeld als beinharter Screamin‘ Jay Hawkins Fan outete, den Verdacht des Posertums aber nie ganz entkräften konnte. Solide.

J.D. McPherson mit Jimmy Sutton am Bass, dazu Drums und Sax war dann eine kraftvolle Angelegenheit. McPherson ist ein bodenständiger Typ mit Kraft in Stimme und Gitarre. Die Mischung aus Rock & Roll und Rockabilly zündete wie erwartet und sorgte für ausgelassene Stimmung im Hangar. Die letzte Band habe ich mir geschenkt, schließlich hatte ich am nächsten Tag einen satten Trip gen Heimat vor mir.

Nach einer weiteren eiskalten Nacht machte ich mich auf den Heimweg, wählte die Strecke über den 1.700 hohen Jaunpass und holte mir eben noch eine Überdosis Natur, bevor ich mich auf die Autobahn einfädelte und meinem Ford die Sporen gab.

Fazit: ein feiner Trip. Die Schweiz ist toll, das Hangar Rockin‘ Festival eine sehr relaxte und erstklassige Angelegenheit, der Schweizer ist ausnehmend freundlich, die Damen in Bank, Bäckerei oder Supermarkt singen dich an (anders kann man es nicht nennen) – a damn good feeling gibt es quasi obendrauf. Das man sich allerdings auch recht teuer erkaufen muss, die Schweiz ist nicht billig, und beim nächsten Mal werde ich mich einfach besser vorbereiten und mich in Deutschland besser eindecken.
(R-man)

Mittwoch, 29. Juni 2011


When in Hackney...
The Pacific Social Club

Einige von Euch werden Liam Casey als furchteinflößenden Frontmann der so grandiosen Fabulous Penetrators kennen, aber eigentlich ist der große Ire so ungefähr der netteste Kerl, den man sich vorstellen kann. Seit Jahren nun verdient er sein Geld als Thekenkraft in Pubs und hat sich dort mittlerweile in die Geschäftsführerposition hochgearbeitet, während er schon ewig den Traum einer eigenen kleinen Rock & Roll Bar träumt.

Der Traum sollte Realität werden bevor Liam den 30. Geburtstag feiert. Es hat leider nicht geklappt, denn die britische Gesetzgebung macht es den Novizen wohl alles andere als leicht, so ein Etablissement zu eröffnen. Also startete man erstmal mit einem Café durch und wenn das ein paar Jahre ordentlich läuft, bekommt man eventuell auch eine Lizenz zum Alkohol.

Also ganz frisch: der Pacific Social Club, rechts oben in London versteckt, zirka 2 km hinter Camden Town, also noch irgendwie erreichbar für den Londoner Touristen mit gutem Geschmack.

Hier die Details:
Location: 8 Clarence Road, E5 8HB London, United Kingdom
Jeden Tag von 7:30 am bis 7 pm geöffnet, Samstags und Sonntags von 10-18 Uhr.
Description: We are a new coffee shop/social club/analogue recording library/drop-out centre/mixtape factory in Lower Clapton, London Town. Nice coffee, ice coffee, ice tea, self help books, exotic sandwiches, coconuts, Nigerian soft drinks, cake, cake, no booze but flasks subtly ignored, lovely staff, healthy breakfast, unhealthy chat 7.30-7 Monday to Friday, 10-6 Weekends
Public Transit: Hackney Central Station, Hackney Downs Station, Buses: 30, 38, 55, 48, 106, 236, 253, 276, D6, W15
Auch bei Facebook. 

Montag, 27. Juni 2011


Kitty, Daisy & Lewis
Die zweite Meinung

Unser lieber R-man zeigte sich ja kürzlich nicht wirklich begeistert vom neuen Kitty, Daisy & Lewis-Album, kündigte aber gleichzeitig eine Gegendarstellung/Konterreview von Freund Whirlyjoe an. Der ist jedoch zurzeit mit wichtigeren Dingen beschäftigt, meinte aber einen Top-Ten-Kandidaten des Jahres 2011 zu hören und fand Album zwei deutlich besser als das erste.

Ich stürze mich jetzt mal todesmutig in die freigewordene Meinungslücke, hatte inzwischen auch genügend Zeit mir eine eigene Meinung zu bilden und lande mal wieder irgendwo im diplomatisch wertvollen Mittelfeld.

An zu hohen Erwartungen kann Smoking In Heaven bei mir schon mal nicht scheitern – ich hatte schlicht keinerlei Erwartungen. Das Erstlingswerk von K,D&L fand sich zwar in meiner Jahres-Bestenliste, aber gar so oft habe ich es in letzter Zeit dann doch nicht gehört. Ohne den Niedlichkeits-Faktor der drei Blagen wäre das Album auch sicherlich nicht international dermaßen abgefeiert worden, wie es der Fall war. Live gefiel mir der Charme und die Spielfreude der Rasselbande zwar sehr aber das ständige Instrumenten-Gewechsele und –Gestimme ging mir arg auf den Keks. 

Mutig und sehr begrüßenswert finde ich die Tatsache, dass sich die drei nicht an einem zweiten Aufguss versucht haben und ein komplett selbstgeschriebenes Werk vorlegen. Neu sind zudem Ska- und Funk-Einflüsse. Das finde ich größtenteils wundervoll, das hat Groove, macht Spaß und selbst die Trompete von Eddie ‚Tan Tan‘ Thornton nervt nur selten aber jetzt kommt das große ABER: was um Himmels Willen sollen diese Jams auf einem Album? 

Sowas gehört in den Proberaum, nicht auf die Bühne und schon gar nicht auf einen Tonträger! 
Hätte man all dieses selbstverliebte Gedaddel weggelassen hätte es ein wundervolles, konzentriertes Album gegeben, das mit geschätzten 35 Minuten immer noch lang genug gewesen wäre. Den Spruch vom breitgetretenen Quark spare ich mir, aber nie passte er so gut wie hier. 

Mein erstes Hörerlebnis mit Track 8 What Quid?:
1.„cooler Groove“ 
2.“singt da denn niemand?“ 
3. „aha, ist wohl ein knackiges Meters-style Instrumental“ 
4. „jetzt ist’s aber mal gut!“ 
5.“danke, das reicht!“ 
6.“siebenminutendreissig???“ 
… sorry, aber sowas hätte man ersatzlos weglassen können! 

Im Cover bekommt man erklärt welches tolles Original-Vintage-Equipment für die Aufnahmen benutzt wurde, da passt es wirklich nicht ein Album mit über 60 Minuten Spielzeit abzuliefern, dass dann mind. 20 Minuten zu lang ist. Auch hier passt ein Großeltern-Spruch: „Hier wäre Weniger Mehr gewesen.“


Also gebe ich hier abschliessend R-man recht: Die Songs sind zum Teil definitiv zu lang, die Instrumentals überflüssig!             ….und ich gebe auch Joe recht: Besser, frischer, eigenständiger als das Debut ist das trotzdem!    

…und dann bastelte ich mir eine hübsche Best Of aus beiden Alben und hörte nur noch die.

(K-Nut)

Samstag, 18. Juni 2011

„You’re At Home, Baby“ - OBS Tag 3

Orange Blossom Special, das kleine feine Festival von Glitterhouse Records, Ausgabe Nummer 15 – und schöner denn je. Eure Korrespondenten K-Nut und Whirly berichten wie jedes Jahr direkt aus den Augen des Hurricanes (Glittergarten, Stag-O-Lee-Area, Stadtkrug) und zeigen euch die schönsten Fotos.
K-Nut: Den Sonntags-Opener Talking To Turtles fand ich ja sehr charmant und war auch von den Keyboard-Sounds sehr angetan. Eine sehr schöne Begrüßung, die auf einen tollen Sonntag hoffen ließ, hatte mich schon der Samstag wieder komplett glücklich machen können.
Whirlyjoe: Meine heimliche Lieblingsband, auch wenn ich erst das letzte Drittel des Konzerts erlebt habe. Ganz charmante Musik, wunderbare Harmony Vocals und mal wieder so eine rundum perfekte Band zum Start in den OBS-Tag, auch wenn man noch mit den Nachwirkungen der letzten Party zu kämpfen hat.

Tamikrest
K-Nut: Tamikrest  machten ja zu Beginn einen etwas unsicheren Eindruck, hatten aber spätestens beim dritten Song in ihren unwiderstehlichen Groove hineingefunden. Die neue Sängerin brachte auch zusätzliche Energie auf die Bühne. Gefiel mir tatsächlich besser als der gemeinsame Auftritt mit den Herren von Dirt Music. Das kann inzwischen ganz für sich alleine stehen, und der sich anbahnende Erfolg gibt ja auch allen Beteiligten recht.
 Whirlyjoe: Die haben sich deutlich verbessert und die große Aufmerksamkeit des schon zahlreich anwesenden Publikums absolut verdient. In der Mittagssonne fand ich den psychedelischen Wüsten-Blues noch hypnotischer als letztes Jahr.

K-Nut: Der Sänger von Who Knew war anscheinend das männliche Gegenstück zu Wallis Bird, oder? Ein singender Gummiball mit schier unbegrenzter Energie. Das war mir aber nach drei Songs zu gleichförmig, so dass ich den Rest des Auftrittes zu einer kleinen Pause nutzte.
Madison Violet – da war ich ja hin und weg. Da hatte ich schon glattes Mainstream-Gezupfe und –Gefiedel befürchtet, die Damen zeigten sich zwar handwerklich sehr professionell aber auch sehr beseelt und recht amüsant. Dazu hätte ich mir dann am liebsten einen der zahlreichen Klappstühle stibitzt und mich direkt vor der Bühne niedergelassen. Hach!
An dieser Stelle auch noch mal ein fettes Lob an Thorsten und seine Crew, die für einen wirklich sensationellen Sound auf dem Gelände sorgten! Einen großartigen Job habt Ihr da gemacht!
Whirlyjoe: Natürlich, dickes Lob mal wieder an Thorsten und die Soundleute – Superjob! Who Knew hab ich nach drei Tagen schon wieder vergessen, Madison Violet haben mich trotz arger Glätte im Sound aber auch gekriegt. Die neuen Indigo Girls.

K-Nut: Und wer den Auftritt von Miraculous Mule am Vortag für ein Strohfeuer gehalten hatte, wurde auf der kleinen Publikums-Bühne von den Herren eines besseren belehrt. Alex musste leider schon vormittags abreisen, darum also nur zu dritt und etwas härter und sehr intensiv. Diesmal war der WDR (anders als am Vortag) auch mit mehreren Kameras direkt hautnah dran. Ich bin auf die Aufnahmen gespannt. 
Miraculous Mule -1
The Great Crusades, der Volkswagen der Rockmusik: zuverlässig, unverwüstlich, nicht sonderlich spannend aber mit sehr hohem Unterhaltungswert. Spaßig auch der Gastauftritt von Rocco Recycle. Alle paar Jahre müssen die einfach auf’s OBS! Keine Widerrede!
Whirlyjoe: Mule rocken jede Bühne, ob groß oder klein. Dass Patrick anfangs mit arg ramponierter Stimme aufgetreten ist, hat dann auch nicht weiter gestört. Die Stars des OBS, keine Frage. Great Crusades hab ich auch schon zu oft erlebt, freue mich aber jedes Mal über die dunkle Version von Echo & The Bunnymens „The Killing Moon“.

Michael + R-man
K-Nut: The Young Rebel Set gefielen mir hervorragend, wenn sie wie die Söhne der Pogues und deutlich weniger wenn sie die Brüder von Mumford & Sons klangen. Gottseidank war ersteres eindeutig in der Überzahl. Ein weiterer Festival-Höhepunkt. Meine Erwartungen an den Sonntag waren schon hier übertroffen.
Whirlyjoe: In Indie-Kreisen dank das wunderbaren „If I Was“ ja mittlerweile hoch gehandelt. Ich sah sie schon in Stuttgart und stimme dem Knutster zu: mehr Pogues als Mumford. Gute Laune und Gefühl, dazu ein verdienter Publikumserfolg.
K-Nut: Ich hatte ja vermutet Du hättest mit dem Hit "Lion’s Mouth" gemeint, das ist doch eigentlich die (noch) bessere Nummer!
Holmes
Beim Auftritt von Holmes hätte ich ja beinahe geweint. Nicht weil das so rührend war, sondern weil ich diesen wundervollen Auftritt nur zu einem ganz kleinen Teil sehen konnte!
Die hatten mich sofort gepackt – aber: Plattenspieler-Transport, Taxi zum Stadtkrug, Ihr wisst ja...
Alle, die ich später sprach waren hochgradig begeistert, hoffentlich ergibt sich für mich da noch mal eine Gelegenheit.
Whirlyjoe: Jau, da haste was verpasst. Ich hab meine Stadtkrugpflichten glatt vergessen und mich ganz in die Musik fallen lassen. Was für ein wunderschöner Sound: diese Stimme! Dieser unglaubliche Drum-Sound! Pedal Steel! Große Emotions-Oper, dabei lästere ich sonst ja immer über all die Coldplays und Washingtons dieser Welt. Holmes trafen mich mitten ins Herz, für mich das beste Konzert des OBS. Punkt.

K-Nut: Der Stadtkrug war mal wieder kurz vor dem Platzen. Die Herren Joe und R-man eröffneten mit einem recht eklektischen Set. R&B, leichte Jazzanklänge bei Joe, Soul, Rockabilly bis zur angedrohten ZZ-Top Nummer. Die Tanzfläche war mal wieder so gut und dauerhaft gefüllt wie nie zuvor.
Allerdings fiel Chrispop und mir irgendwann auf, dass der größte Teil der Tanzmeute männlichen Geschlechts war während die hübschen Damen im Nebenraum hockten. Das galt es schleunigst zu ändern. Da Chrispop und ich uns als Team schon in der vorherigen Nacht ganz gut eingespielt hatten übernahmen wir wieder für die letzten Stunden. Ein überaus dankbares und feierwütiges Publikum (es gab sogar Szenenapplaus) und die Möglichkeit sich mal zur Theke oder zur Toilette durchkämpfen zu können, während der Kollege beide Seiten übernahm, machten das ganze zu einem puren Vergnügen. Irgendwann umklammerte mich dann ein junger Mann, den ich zuerst leider so gar nicht verstand (starker englischer Dialekt und etwas betrunken). Das war der Young Rebel-Sänger, der sich einen Dylan-Song wünschte. Chrispop empfahl ihm seine Gitarre auszupacken und einen zu singen – respektlose Jugend!
Wir stromerten dann durch R&B, Soul (da galt es ungeahnte tänzerische Talente von Norbert zu entdecken), Reggae, Motown, Beat, und Garage. Dass ausgerechnet ich alter Beatles-Hasser mit Paperback Writer für eine der wenigen Doubletten des Wochenendes sorgte (wie bereits im OBS-Guestbook bemängelt) sei mir verziehen. Passte gerade und funktionierte wunderbar. Als Deadline für die Musik war 06:00 ausgerufen worden. Wir wussten ja, dass Smells Like Teenspirit als offizielle Ausklang-Hymne ans Ende gehört – hatten wir aber beide nicht dabei. Also war hektische Suche in fremden Plattenkoffern angesagt – nix! Axel (noch in Top-Form) meinte das hätte er da, müsste aber 3-4 Koffer dafür durchsuchen. Also bastelten wir uns ein neues Finale und endeten mit Have Love Will Travel um 06:15, was zwar auch sehr begrüsst wurde, aber als wir danach den Stecker zogen gab’s einiges Gemaule nach Nirvana. Dann erschien Lothar mit einer Nirvana-CD unter dem Hemd versteckt und fragte ob das mit uns abgesprochen wäre. Na klar! Strom wieder an, alle Regler auf 11 (es wurde sogar kolportiert ein DJ hätte dabei „Wake the neighbours!“ gegröhlt) und der Stadtkrug hob zu einer letzten Runde ab. Es gab sogar ein gewagtes Stagediving (ok: Bardiving) mit anschließendem Crowdsurfing dicht unter der Decke. Großartiger Abschluss für ein fantastisches Wochenende!
Whirlyjoe und K-Nut im Chor: Das OBS als Gesamtpaket wird tatsächlich von Jahr zu Jahr besser! Allergrößter Dank gilt natürlich Rembert, Reinhard, unseren unglaublichen Gastgebern Familie Richter, Heike und Axel und dem sensationellen OBS-Team. Wir kommen wieder! (...das habt Ihr jetzt davon.)    

Freitag, 17. Juni 2011

„You’re At Home, Baby“ - OBS Tag 2

Orange Blossom Special, das kleine feine Festival von Glitterhouse Records, Ausgabe Nummer 15 – und schöner denn je. Eure Korrespondenten K-Nut und Whirly berichten wie jedes Jahr direkt aus den Augen des Hurricanes (Glittergarten, Stag-O-Lee-Area, Stadtkrug) und zeigen euch die schönsten Fotos.

Whirlyjoe: Der Samstag begann glänzend für mich: dank der mehr als komfortablen Unterkunft bei Heike & Axel in Lauenförde und dem weitsichtigen Frühzubettgehen war ich so ausgeschlafen wie noch selten beim OBS. Das Wetter zeigte sich erst noch etwas mürrisch, der Garten war aber schon vor Mittag so voll wie noch nie um diese Zeit, denn mittlerweile hatte sich herumgesprochen, dass die skandinavischen Glitterhouse-Darlings Washington die „geheime“ Überraschungsband waren. Dank eines luxuriösen Frühstücks bei Familie Richter im Stadtkrug verpassten wir allerdings das meiste vom Gig, mir persönlich tat das nicht weh, finde ich Washington beim vierten oder fünften Konzert inzwischen doch arg rührselig und Coldplay-haft. Ja, schimpft nur in den Comments über so viel Ignoranz….

K-Nut: Ich war ja auch völlig baff einen dermaßen knüppelvollen Glitter-Garten um diese unchristliche Uhrzeit vorzufinden. Washington mag ich ja ganz gerne, aber dass sie immer rührseliger werden stimmt schon irgendwie. Als samstägliche Einstiegs-Band im leichten Nieselregen aber perfekt platziert.

Alex & Patrick
Whirlyjoe: Aber dann. Die beste Band des Festivals. Natürlich bin ich voreingenommen, weil ich Michael Sheehy und seinen Bruder Patrick als Freunde bezeichnen darf, aber was die beiden Londoner mit ihrer neuen Band Miraculous Mule geboten haben, war einfach umwerfend. Deepster Gospel-Blues, Soul und äh, Spacerock, von Michael mit diversen aufgedrehten Effektgeräten an der Gitarre in Szene gesetzt. Ich hab die Jungs über die Jahre jetzt schon so oft spielen sehen, aber das war der Hammer. Gänsehautmusik im wahrhaftigen Sinn, nicht wahr Peter? Früh legte ich mich fest: „bessere Musik würde es beim OBS garantiert nicht mehr geben“, behauptete ich kühn, um später dann doch noch eines Besseren belehrt zu werden.

K-Nut: Ich durfte die Mulis ja bei ihrem letzten Deutschland-Trip für zwei Tage begleiten - aber die werden tatsächlich immer besser! Michael mag ja kein Virtuose an seinem Instrument sein, aber er gehört definitiv zu meinen Lieblings-Gitarristen.
(Die Gitarre-im-Nacken-Einlage hielt ich ja für einen Gag, den hat er aber am Sonntag wiederholt.) Das war wirklich großartig und hätte, meiner Meinung nach auch gut in den Abend gepasst. Die vier ergänzen sich wirklich perfekt. Großes Kino!

Whirlyjoe: Danach Marie Fisker, die Dänin mit dem biederen Outfit, aber einem umso hinreißenderen Sound zwischen Mazzy Star und Velvet Underground. Musik zum Ein- und Abtauchen, magisch und nicht von dieser Welt. Mein OBS war nach diesem Konzert schon gerettet. Wie war das bei dir, Knut?

K-Nut: Du hattest mir ja angekündigt, dass Frau Fisker (von der ich noch nie einen Ton gehört hatte) auf den Spuren von Mazzy Star wandeln würde. Die mochte ich ja immer sehr gerne, war also höchst gespannt. Meine Aufmerksamkeit konnte sie zwar nicht über den gesamten Gig halten, dafür klang mir das zu oft nach Zitat („…woher kenne ich das jetzt schon wieder?“), aber insgesamt fand ich den Auftritt der jungen Dame mit dem urgroßmütterlichen Outfit schon sehr gelungen. …bin aber weder ab- noch ein-getaucht.

The Great Bertholinos
Whirlyjoe: The Great Bertholinis sah ich nur aus dem Augenwinkel, vertraue aber Herrn Chrispops Urteil, etwas verpasst zu haben.

K-Nut: Da muss ich ja gestehen, dass mich meine Allergie gegen Ost-Folklore gar nicht erst in die Nähe der Bühne kommen liess. Aber selbst R-man fand die ganz gut.
Ich kann mir da aber wirklich keine Meinung erlauben.

Whirlyjoe: Emily Jane White sah ich mir dann wieder aus der Nähe an – die perfekte Nachmittagsmusik zum inzwischen richtig sommerlichen Wetter. In sich ruhend und unaufgeregt, die blanke musikalische Schönheit.

K-Nut: Im Vergleich zu Ihren Alben war das ja eher karg instrumentiert, aber dennoch wunderschön, da hast Du recht.
Positiv überascht war ich auch vom Pausenmusikanten Rocco Recycle, der ja auf den ersten Blick doch recht albern wirkte, sich aber als echter Entertainer entpuppte und zudem im Backstage-Bereich als grundsymphatischer Zeitgenosse neue Freunde sammeln konnte.


Whirlyjoe: Dan Mangan wurde unter den anwesenden Indie-Nerds als Geheimtipp gehandelt, und zwar durchaus zurecht. Der Kanadier hat einer erstaunliche Reibeisenstimme, dazu eine fiebrige Band im Rücken, was mich zum Teil angenehm an Okkervil River erinnert hat. Der große Erfolg beim jüngeren Publikum war jedenfalls in höchstem Maße verdient.

K-Nut: Indie-Hypes finde ich aus Reflex heraus ja immer erst mal doof – als wäre „indie“ ein Qualitäts-Merkmal – aber der Herr Mangan steht seit Samstag auf meinem Einkaufszettel. Sehr schön das!
Das Soundcruiser-Program war ja am Samstag etwas bunter gemischt, ab und wann provozierten wir auch die ein oder andere spontane Tanzeinlage auf der Wiese.


Slim Cessna's Auto Club
Whirlyjoe: Äh, Slim Cessna‘s Auto Club sah ich mir dann von hinten in der Stag-O-Lee-Area an. Zumindest von dort hinten hat das nicht so gut funktioniert. Cow-Punk mit Showcharakter? Als ich kurz mal nach vorne ging, sah ich eher befremdliche Exorzismus-Rituale auf der Bühne, die ich aber wohl falsch verstanden habe. Gisbert zu Knyphausen hatte danach das erwartete Heimspiel. Der ist einfach ein Guter, hat Charisma und betörende Songs, von denen ich leider zu wenige gehört habe, denn die DJs müssen ja rechtzeitig im Stadtkrug sein, seit Samstag auch noch mit dem 1210er vom Soundcruiser unterm Arm.

K-Nut: „Cow-Punk“? Wo hast Du denn da Punk gehört? Ich fand das überraschend poppig. Die Bühnenshow war aber dermaßen durchgeknallt, dass man das wohl nur lieben oder hassen konnte. Ich konnte mich nicht ganz zwischen Faszination und Belustigung entscheiden und machte mir zwischendurch Sorgen um die Kinder auf der Bühne. Ich werde mir das wohl mal auf Tonträger anhören müssen um zu beurteilen ob die Musik alleine trägt. Auf jeden Fall als Diskussions-Thema so geeignet wie der Auftritt der Fabulous Penetrators 2010.
Ob der Herr zu Knyphausen und ich jemals zueinander finden? Ich werde es weiter mit ihm versuchen. Wenn der hochgeschätzte Nils Koppruch meint das wäre ein Guter verdient er auch eine dritte und vierte Chance. Vielleicht funkt’s ja irgendwann mal…
Die erforderliche Plattenspieler-Logistik machte auch einen recht frühzeitigen Aufbruch per Taxe nötig.

Whirlyjoe: Die Party geriet dann doch ein wenig aus den Fugen, ich kann mich nicht erinnern, einmal einen derart proppevollen Stadtkrug erlebt zu haben. Da muss man schon motiviert sein. Ich durfte mit Chrispop eröffnen, später übernahm Patrick mit zum Teil neuen und gewohnt wilden Goodies, weiter kann ich mich imBier-, Schweiß- und Zigarettendunst nicht mehr erinnern. K-Nut, übernehmen sie….
K-Nut: Bei den Aftershow-Parties sind Gedächtnislücken erlaubt und nur zu verständlich. Erwarte bitte keine Details! Patrick hat noch ein Weilchen mit R-man gemeinsam gezaubert. Mindestens die Hälfte von Tamikrest erschien, verstand sich anscheinend glänzend mit den Party-Animals von Miraculous Mule, es wurde ausgiebig getanzt und gefeiert. Irgendwann waren die alten Herren müde (inkl. Dir – habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich in Wahrheit älter bin als Du?). Axel war auch von zwei langen Nächten etwas angezählt. Den Rest der Nacht bestritten dann Chrispop und ich. Der Mann ist ja schließlich Profi und ich freue mich natürlich, dass er einen Hobby-DJ wie mich an seine Seite lässt. Die Ping-Pong-Sessions von uns beiden klappen auch von mal zu mal besser und wir hatten eine volle Tanzfläche bis 05:30. Dann haben wir noch zwei Rausschmeisser gespielt- es wurde weitergetanzt. Dann haben wir alles ausgeschaltet – ein Päärchen tanzte weiter. (Das muss dann aber eher sexuelle Gründe gehabt haben.) Die Sonne schien schon, Wecker auf 10:30 und ab auf die Matratze.

to be continued
 (Whirlyjoe & K-Nut)

Donnerstag, 16. Juni 2011

„You’re At Home, Baby“ - OBS Tag 1

Orange Blossom Special, das kleine feine Festival von Glitterhouse Records, Ausgabe Nummer 15 – und schöner denn je. Eure Korrespondenten K-Nut und Whirly berichten wie jedes Jahr direkt aus den Augen des Hurricanes (Glittergarten, Stag-O-Lee-Area, Stadtkrug) und zeigen euch die schönsten Fotos.

Das Fazit kommt am Schluss, wir beginnen lieber mit dem Anfang, den Herr K-Nut dank relativ kurzer Anreise aus Köln schon am Donnerstag erlebt hat.

K-Nut: Naja, ganz so kurz war die Anreise gar nicht, da wir mit einem, zwar sehr geräumigen, aber auch eher langsamen Fahrzeug unterwegs waren. Denn diesmal begleitete und chauffierte mich mein lieber Freund badabing! in seinem vintage Land Rover und wir machten einen kleinen Schlenker über Paderborn um den lieben Chrispop und einen Kronleuchter einzusammeln.
Im wirklich erstaunlich gut gefüllten Stadtkrug gab’s erstmal ein Begrüssungs-Bierchen und die versprochenen „Country Got Soul“-Sounds. Den Warm-Up- Abend verbrachten wir aber bevorzugt mit lustigem Geschwafel und weiteren Erfrischungsgetränken. Irgendwann übernahm Axel die Regie und bewies mal wieder seine legendäre Ausdauer an den Technics.

Aufbau
Freitag recht früh raus und ab aufs Gelände, wo wir dank gewachsener Routine ganz souverän den Stag-O-Lee-Stand zusammenzimmerten. Diesmal mit funkelnagelneuer Disco-Kugel und Soundcruiser-Beleuchtung durch den wunderhübschen Paderborner Kronleuchter. Soundtechnisch wurde mit einer zweiten Box aufgerüstet und die Box im Soundcruiser durch unseren Schutzpatron ersetzt. Nach Pizza und zweiter Dusche konnte das OBS endlich starten.

Soundcheck mit deutschem Schlager
Whirlyjoe: Wir Stuttgarter – übrigens wieder eine vielköpfige Schwabenarmada vor allem auf dem Campingplatz – hatten diesmal wieder Glück mit der Anreise, keine Staus, vier Stunden Fahrtzeit. Daher schon nachmittags das erste Begrüßungsbier auf der Terrasse von SBS-Resident Axel, ganz idyllisch an der schönen Weser gelegen. Stressfrei zum Glitzergarten spaziert und all die netten Menschen wieder getroffen, von denen man viele tatsächlich nur einmal im Jahr sieht. Glaubt mir: die OBS-Crowd ist schon eine erstaunliche Ansammlung der tollsten Menschen der Welt.

Die Stag-O-Lee-Erlebniswelt war wieder detailfreudig dekoriert, die Kids von Glitterchef R-man schmissen den Stag-Merch lässig im Alleingang, wir Alten konnten uns ganz dem Biertrinken, Labern und Musikhören hingeben, dazu auch die eine oder andere 7-Inch am Soundcruiser droppen. Der Sound des Tages: Reggae.

Die Chef-Hasen
Wobei mir die Freitagsbands noch nicht die ganz großen Highlights bescherten. Wallis Bird war ja lustig und sehr enthusiastisch, mehr aber nicht. Auf jeden Fall aber ein dynamischer Einstieg. Bei den skandinavischen Southern Rockern Hellsingland Underground gingen die Meinungen dann weit auseinander, aber Veteranen wie der gute Peter Felkel und ich fanden dann an den authentischen Twin Guitars doch großen Gefallen, auch wenn die Burschen auf der Bühne gnadenlose Poser waren.

K-Nut: Ich habe immer ganz große Probleme mit Musikern, die diese “say: He-Hoo“-Spiele mit dem Publikum für nötig halten. Und mit genau so einem Firlefanz begann Frau Bird dann ihren Auftritt. Dass sie danach das Gebaren eines hyperaktiven Pinselohr-Äffchens an den Tag legte machte es für mich nicht leichter. Vielleicht war ich auch einfach noch nicht entspannt genug (oder zu alt) für sowas. Die jungen Leute vor der Bühne hatten jedenfalls einen Heidenspaß - und genau das zählt!
Hellsingland Underground war dann ja ganz die versprochene große Rock-Bambule. Den Burschen war wirklich kein Riff und keine Pose zu abgedroschen, aber den Unterhaltungswert fand ich jetzt bedeutend höher. Das würde ich mir keinesfalls daheim anhören, als Bühnenerlebnis fand ich die Herren aber schon sehr beeindruckend.

Whirlyjoe: C-Types habe ich nur kurz gesehen, das Backstage-Büffet musste schließlich irgendwann getestet werden. Kam mir aber so revuemäßig wie Tav Falco vor, allerdings ohne dessen bizarren Stilwillen.
The C-Types
K-Nut: Das C-Types-Album Devil On 45 mag ich ja sehr gerne und hatte darum auch vergleichbares auf der OBS-Bühne erwartet – und wurde doch ziemlich enttäuscht. Das klang mir alles zu hakelig und steif; die coole Mischung aus Helldorado und Calexico kam deutlich zu kurz. Der Frontmann hatte wohl auch nicht seinen besten Tag erwischt oder er war angesichts der WDR-Kameras etwas übernervös. Kam mir alles zu unsouverän rüber. Denen würde ich aber sehr gerne eine zweite Chance in einem kleinen Club geben wollen.
Golden Kanine
Whirlyjoe: Top-Act Golden Kanine fand ich letztes Mal deutlich besser, diesmal fand ich sie bei weitem nicht mehr so frisch und sonnig, sondern seltsam soßig und oft arg sentimental, eher Richtung Washington oder gar Coldplay – trotz saftiger Bläserverstärung durch die Typen von den Great Bertolinis. Könnte aber auch an meiner fortschreitenden Müdigkeit gelegen haben, die mich auch bei der ab Mitternacht anschließenden Stadtkrug-Sause nicht allzu alt werden ließ, weshalb der immer wache K-Nut hier wieder übernimmt.

K-Nut: Golden Kanine haben mir letztjährig auch wesentlich besser gefallen. Die Frische des letzten OBS erreichten sie zu keinem Moment. …und auch die tolle Posaune fehlte mir! Der Freitag ließ also durchaus leichte Steigerungen zu.

Im Stadtkrug liessen sich zu vorgerückter Stunde noch Ian Mule und Patrick Mule blicken. Der Sound war jetzt strictly spoonful ausgerichtet. Die Regelung nur Gäste mit OBS-Armbändchen reinzulassen bewährte sich, es war auch so proppevoll und es wurde ausgelassen getanzt. Last man standing war wieder der unkaputtbare Axel, der sich wohl auch durch zwischenzeitliche Besuche der Ordnungshüter nicht bremsen liess.
  
to be continued (Whirlyjoe & K-Nut)