Samstag, 17. Dezember 2011

Was vom Jahre übrig bleibt - reloaded.

Unsere Freunde und Freundinnen der Politik haben es mal wieder recht heftig getrieben, da bleibt kein Tränenauge trocken…dennoch: musikalisch gab es für mich doch schon Augenblicke der Freude.
Zuletzt haut mich "El Camino“ von The Black Keys absolut vom Hocker.
Anfang des Jahres und immer noch sehr gerne in der Casa Bing gehört: Imelda May „Mayhem“.
Außer in akademischen Lehrkrankenhäuser war ich noch mit keinem Fuß in einer Hochschule, und trotzdem gefällt mir The Whole Love von Wilco außerordentlich; nix Studentenmusik K-Nut!

Apocalypse von Bill Callahan, ein wunderschönes Album.

Dann natürlich The Other Lives mit Tamer Animals, großes Album hab ich mir als Vinyl geholt um meine Anschaffung des Jahres einen gebrauchten ReVox Plattenspieler einzuweihen, (Vinyl kills the Videostar) daran seid ihr hier nicht unschuldig!

Über Tom Waits Bad As Me hab ich mich sehr gefreut „Chicago“ ist der Hammer!

Single des Jahres: „Video Games“ Lana DelRay! Tolles Ding!

Sportler des Jahres: ganz klar Lukas Podolski!

Live Acts:
Weit oben steht das OBS (noch mal vielen Dank - für alles! Es war eine Wucht), Slim Cessna's Auto Club war für mich eine ganz tolle Entdeckung, aber auch die anderen Auftritte waren sehr schön, man muss sich halt vorne hinstellen…
Bill Callahan im Kölner Stadtgarten brachte auch live seine Stimme sehr gelassen zur Geltung.
Kitty Daisy & Lewis: ein schönes Konzert. Die Messer Chups und Brent Amaker & the Rodeo haben im Sonic Ballroom richtig Spass gemacht. Dann The Other Lives im Blue Shell, wohl als Einzelauftritt das Beste, hat mich sehr beeindruckt!
Ich stelle fest, dass es jedes Jahr wieder mehr Konzertbesuche werden, gute Entwicklung!

Wünsche für 2012: jeiht mer fott mit Coldplay, und eine „Grüne Plakette“ für meinen Selbstzünder!

Besinnliche Weihnacht und ein gutes 2012!
BadaBing!

Freitag, 16. Dezember 2011

Shake Glöckchen Shake -reloaded-

...der ein oder andere wird's gemerkt haben: Die Nummer Fünf unserer kleinen Weihnachts-Compi ist prall gefüllt mit 31 Tracks - auf der Tracklist fanden sich aber nur 28. Jetzt als Nachtrag nun die komplette Version.
Einfach auf's Bild klicken, rechtemaustastespeichernunterihrwisstschon....

Den zu spät gekommenen, bezüglich der bisherigen Ausgaben, empfehle ich die kommenden Comments (und die zum SGS#5-post) konzentriert zu verfolgen.

Ho-Ho-Hrmpf

(K-Necht Ruprecht)
some of 2011 by Axel

Neben der Spoonful Reihe gibt es in diesem Jahr (passend zum Fest) eine weitere "must have"-CD: Jukebox Jam - einige der besten Repro 7" Singles auf einer CD - toll - mit Rose Mitchells "Baby Please Don't Go", Little Esthers "Hound Dog" u.s.w.
50's R&B vom Feinsten + Hammer: Eunice Davis: "Get Your Enjoys"

2 Hippie Mädels mit Acoustic Gitarren wurden auf dem OBS entdeckt: Madison Violet und auch die aktuelle CD ist zu empfehlen ... Lagerfeuer-Folk

In der Edenless-Bar erstmals gehört: Seasick Steve, der leider beim Rolling Stone Weekender absagen mußte - aber die aktuelle Scheibe ist geil.

Für 10" Vinyl Fans: The Excellos - dreckiger Blues-Rock, neben der Miraculous Mule die beste 10" die wir haben (oder sind es die beiden einzigen?)

Vor einem Jahr wünschten wir uns für 2011 ein Sharon Jones Konzert und bekamen es sogar in Kassel ... schlappe 60 Km von hier - ein tolles Energiebündel - Soul pur!

In der kommenden Spoonful Reihe 2012 wünschen wir uns eine ** Kuschel 50's R&B Compilation **

Heike & Axel
(wir sind dann mal weg ...)

Allen eine erholsame Zeit und einen tollen Rutsch mit gutem Sound !!

Donnerstag, 15. Dezember 2011


Top Ten 2011
Günter Ramsauer

Fukushima! Euro Krise! Rechtsradikaler Terror! Katastrophen werden alltäglich. Alltäglich inzwischen auch, dass Die Grünen im Ländle regieren. Hat’s überhaupt jemand gemerkt? Und Kretschmann, der noch schwäbischer als Jogi Löw rüberkommt, kein Wunder letzterer ist schließlich Badenzer und wesentlich erfolgreicher. Wie erfolgreich wird das kommende EM Jahr? Jedenfalls hat sich in der Bundesliga mein favorisierter Club Borussia Mönchengladbach ziemlich weit oben festgebissen und der wankelmütige VfB steht immerhin besser da als letzte Saison. Die Tabellenführung im musikalischen Bereich? Ein Sommer wie geschaffen für die Songs von The Wave Pictures und Schmerzensmänner wie Josh T. Pearson, der meine Jahres Top Ten anführt. Natürlich als Doppel Vinyl, so wie ich Vinyl dieses Jahr ganz neu für mich entdeckt habe. Immer in Verbindung mit Mp3s und Streams, auf die man z.B. im Falle Tex Perkins gern zurückgegriffen hat. Auffällig die Rückkehr der gniedelnden Stromgitarrensoli (siehe Jesse Sykes und Wave Pictures) und die hohe Frauenqoute meiner Top Ten. Wie immer nach so einer Liste kriegt man Muffesausen, was hab ich dieses Mal wichtiges vergessen? Die Nachzügler kommen so sicher wie das Jahr 2012, dennoch an dieser Stelle meine Favoriten von 2011:


JOSH T. PEARSON – The Last Of The Country Gentle Man

Ein Schmerzensmann (mit Gitarre, Stimme und Bart), der auf dem Cover kniend nach unten blickend eine barbusige Frau an den Beinen umfasst. Das große Leiden ungefiltert in große ellenlange Songs transformiert. Das reicht nicht nur tief in die Seele und wird zum puren Schmerz beim Hören, es zeigt auch: Nie war Leiden schöner!


GARETH LIDDIARD – Strange Tourist

Noch ein Schmerzensmann, doch der Drones-Sänger leidet nicht nur sondern verbindet Schmerz mit Wut. Alleine mit Stimme und Gitarre bewaffnet, verpackt er politische und historische Inhalte in wahnsinnige acht Songs, die auf eine Gesamtspielzeit von 64 Minuten kommen. Mit nasaler Stimme spuckt dir der Australier seine Lyrics mitten ins Gesicht. Protest- und Punk-Folk-Songs wie man sie bisher nicht kannte!


MIREL WAGNER – Mirel Wagner

Intensität und Intimität! Die dunkelhäutige Finnin mit äthiopischen Wurzeln überzeugt mit ihrem Debüt auf der ganzen Linie. Songs, die die Zeit und den Atem anhalten.


ALINA SIMONE – Make Your Own Danger

Der Spirit von PJ Harvey, Shannon Wright, Cat Power und Scoutt Niblett ist Eins geworden in Alina Simone. Dringlichkeit und Emotion balancieren auf Messers Schneide. Was für eine Stimme! Was für Songs!


JENNIE LOWE STEARNS & THE FIRE CHOIR – Blurry Edges
Schönheit aus einem Guss. Dieses Album fließt wie flüssiges Gold in die Ohren und schließlich tief hinab in die Seele. Gesang, Texte und Musik werden in diesen elf Songs zu purer Poesie. Zum Reinlegen und Niederknien!


JESSE SYKES & THE SWEET HEREAFTER – Marble Son

Dark Americana wird Westcoast-Rock und umgekehrt. In Jesses Sykes ätherischem Gesang lassen sich Spuren von Marianne Faithfull und Karen Dalton entdecken. Feuerspeiende Stromgitarren und dunkle Euphorie. Herrlich!


THE WAVE PICTURES – Beer In The Breakers

Indie-Pop mit gniedelnden Gitarrensoli und Honigstimme. Im Geiste der Modern Lovers und Violent Femmes wird hier aufs Charmanteste losgeschrammelt. Und die dunklen, Angst erzeugenden Balladen, bei denen immer wieder der Stillstand befürchtet wird, reißen schwarze Löcher ins Klangbild. „Beer In The Breakers“ ist gleichermaßen Angst und Spaß. Meine Indie-Könige 2011!


CHARLES BRADLEY – No Time For Dreaming

Bei flüchtiger Betrachtung des Covers kommt einem der junge Roberto „ein-bißchen-Spaß-muss-sein“ Blanco in den Sinn. Aber dann: Vintage Soul vom Allerfeinsten. Rau, emotional und eine Stimme, die deeper nicht sein kann. Das Pendant zu Sharon Jones? Verdammt nochmal ja!


TEX PERKINS & THE DARK HORSES – Tex Perkins & The Dark Horses

TEX PERKINS & THE BAND OF GOLD – Tex Perkins & The Band Of Gold

Import CDs zu teuer und Vinyl gibt’s nicht. Also greift man auf einen mp3 Download und einen Stream zurück. Egal, letztlich sind die eigenen und gecoverten Songs von Tex Perkins & The Dark Horses/The Band Of Gold so großartig, dass sie ein MUSS für die Jahres Top Ten sind! Australische Singer/Songwriter-Feinheiten und Country-Coverversionen zum Dahinschmelzen.


SINGLES / EPs /10-Inch

The Excellos – Sadie Kong /Rockinitis

The Excellos – The Excellos

Dollar Bill – I Ain’t Got Nothing But A Dollar

Bleeding Knees Club – Virginity

Marcel Bontempi – Old Match Witch

Various Artists – The Stars Of Fame

The Icypoles – Promise To Stay

Gemma Ray – Runaway

Miraculous Mule – Miraculous Mule

The Obsidians – Shakin’ It Up / The Black Veil


5 unverzichtbare weibliche Singer/Songwriter-Scheiben

PIETA BROWN – Mercury

EILEN JEWELL – Queen Of The Minor Key

ARIEL ABSHIRE – Still So New

SARABTEH TUCEK – Get Well Soon

MARISSA NADLER – Marissa Nadler


5 unverzichtbare männliche Singer/Songwriter-Scheiben

BILL CALLAHAN – Apocalypse

MATTIAS HELLBERG – High In The Lowlands

SCOTT MATTHEW – Gallantry’s Favorite Son

FINK – Perfect Darkness

JONATHAN WILSON – Gentle Spirit


5 unverzichtbare Americana-Scheiben

JEFFREY FOUCAULT – Horse Latitudes

DAVE ALVIN – Eleven Eleven

FLEET FOXES – Helplessness Blues

RYAN ADAMS – Ashes & Fire

ISRAEL NASH GRIPKA – Barn Doors And Concrete Floors

5 unverzichtbare Rock-Scheiben

RAYOGRAPHS – Rayographs

WOODEN SHJIPS – West

THEE OH SEES – Carrion Crawler / The Dream

JD McPHERSON – Signs & Signifiers

SALLIE FORD & THE SOUND OUTSIDE – Dirty Radio


5 unverzichtbare Indie-Scheiben

TYPHOON – Hunger And Thirst

COMET GAIN – Howl Of The Lonely Crowd

THEM BIRD THINGS – Wildlike Wonder

LOW – C’Mon

FRUIT BATS – Tripper


5 unverzichtbare Soul-Scheiben

QUEEN EMILY – Queen Emily

BRANDY BUTLER & THE FONXIONAIRES – Don’t Want Nothin’

THE SWEET VANDALS – So Clear

SHARON JONES & THE DAP-KINGS – Soul Time!

THE EXCITEMENTS – The Excitements


5 unverzichtbare Glitterhouse / DevilDuck Scheiben

KID DAKOTA – Listen To The Crows As They Take Flight

THE WALKABOUTS – Travels In The Dustland

TALKING TO TURTLES – Oh, The Good Life

L/O/N/G – American Primitive

SCAMS – Rewrite Fiction


5 unverzichtbare Compilations/Sampler

VARIOUS ARTISTS – The Fame Studios Story

VARIOUS ARTISTS – The Soul Of Pum Pum Hotel Vol.1

VARIOUS ARTISTS – Stomp On It! A Stag-O-Lee Shakedown

GEORGE SOULE – Let Me Be A Man

SIXTEEN HORSEPOWER – Yours, Truly


5 unverzichtbare Reissues

MICKEY NEWBURY – An American Trilogy (Vinyl Edition)

THE JAYHAWKS – Tomorrow The Green Grass

DARONDO – Listen To My Song The Music City Sessions

TAV FALCO’S PANTHER BURNS – Behind The Magnolia Curtain / Blow Your Top

THE SMITHS – The Complete Smiths

4 ausgezeichnete Konzerte

CHRISTIAN CUFF & BAND – Live Cafe Kapilio Langenau, 07.05.2011

EMILY JANE WHITE – Live Laboratorium Stuttgart, 03.06.2011

BOB DYLAN – Live Volkspark Mainz, 25.06.2011

BIIL CALLAHAN – Live Manufaktur Schorndorf, 10.11.2011

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Top Ten 2011
Whirlyjoe

Ganz kurz auf den Punkt gebracht: 2011 war für mich ein wunderbares Jahr. In jeder Hinsicht.
Da kann ich auch das Narrenstück um Stuttgart 21 verkraften. Meine Stadt muss dem spießig-muffigen CDU-Filz also noch ein bisschen weiter entrissen werden – wir arbeiten daran. 

Ansonsten ist das Leben schön. Dies war der Soundtrack dazu.

Alben:
1.     Portugal. The Man – In The Mountain In The Cloud
2.     Bodi Bill – What?
3.     Charles Bradley – No Time For Dreaming
4.     Decemberists – The King Is Dead
5.     LCD Soundsystem – London Sessions
6.     Kitty, Daisy & Lewis – Smoking In Heaven
7.     Nostalgia 77 – The Sleepwalking Society
8.     Sharon Jones & The Dap-Kings - Soul Time Holy Ghost – Holy Ghost
9.     Beastie Boys – Hot Sauce Committee Pt. 2
10. The Duke & The King – Long Live The Duke And The King

Compilation: DJ Andy Smith – Jam Up Twist

7-Inch: Charles Bradley – Heart Of Gold

Konzerte:
1.     Charles Bradley
2.     Ray Collins Hot Club
3.     Casiokids
4.     Fitness Forever
5.     Holmes (OBS)
6.     Miraculous Mule (OBS Garten)
7.     Jesse  Sykes
8.     Future Islands
9.     Kakkmaddafakka
10. Graveyard

Dienstag, 13. Dezember 2011


Alle Jahre wieder...

stürzen sich 3 Unheilige aus dem Abendland in den oberflächlich übelriechenden Sumpf aus schmalztriefenden, rührseligen Xmas-Songs, um aus den Untiefen die verborgenen Perlen zu fischen, die sie ihren Anhängern am Nikolaustag kredenzen. Das mit dem Nikolaustag hat dieses Jahr wegen des ganz normalen vorweihnachtlichen Wahnsinns, verbunden mit Computer-Problemen und einem Überangebot an zu sichtendem Material nicht geklappt. Aber von Einem könnt Ihr Euch überzeugen, wenn Ihr dem beigefügten Link folgt: Die Qualität stimmt wieder.

Die Zusammenstellung ist ein Labsal für alle, die bisher mit Schmachtfetzen von Freddy Quinn bis Boney M gequält wurden, die von George Michaels Last Christmas Pickel kriegen, aber trotzdem auf festlichen Zauber nicht verzichten wollen oder ihren Bekannten beweisen wollen, dass es doch anders geht, als mit gefühlsduseliger Verklärung vollgedröhnt zu werden.

Here it comes: Shake Glöckchen Shake # 5. Original verkorkst und abgemischt von Geschmackspolizist Jingle Joe, ohne dessen genreübergreifenden Background die Serie nicht die nötigen Aha-Momente bekäme; dem unermüdlichen Kompilanten K-Necht Ruprecht, der allen inneren und äußeren Widerständen zum Trotz letzte Hand angelegt hat und so für ein höchst gelungenes Gesamtbild gesorgt hat und dem quasi unsichtbaren Weihno W, der antizyklisch schon im Sommer mit dem Zusammentragen von verwertbarem Material beginnt. Veredelt wurde das Ganze wieder in unnachahmlicher Art vom Hilfselfen Poppi, der für das nächste Jahr ein runderneuertes Design angekündigt hat. Bewährte Qualität also.
Doch eins ist anders dieses mal, wie K-Necht Ruprecht feststellen musste: Das Ding wird hinten raus etwas heftiger - ist also nur bedingt zum Einsatz zur Bescherung in Gegenwart der Großeltern geeignet. In diesem Sinne: ein dreifaches HO!

Lasst Euch überraschen und nicht nerven oder ärgern über die Feiertage. Wir wünschen Euch eine geruhsame Zeit mit viel guter Musik. Für Anregungen oder für eine ausgefallene Geschenkidee hoffen wir hiermit beigetragen zu haben.

Happy Xmas wünschen
Joe, Knut und Heino

Donnerstag, 8. Dezember 2011


Wanted: Eure Jahresbestenlisten!

Endlich: die besinnliche Adventszeit ist auch dieses Jahr wieder die Gelegenheit für akribische Music-Nerds, aufs vergangene Kulturjahr zurückzuschauen. Da ist die Leserschaft unseres kleinen Blogs selbstredend hoch qualifiziert.

Weshalb wir euch auch dieses Jahr wieder aufrufen, eure Bestenlisten zu schicken. Alle dürfen mitmachen, zu gewinnen gibt es Web-Präsenz und damit unsterblichen Ruhm im sbs-Blog.

Erlaubt ist, was gefällt. Sollte halt irgendwas mit Musik zu tun haben, also die zehn liebsten Alben und/oder Singles, Reissues oder Compilations, aber auch Konzerte und was euch sonst so bewegt hat. Entweder als schlichte Liste, gerne aber auch mit ausführlichem Fußnotenapparat.

Letztes Jahr war die Gastteilnahme schon sehr erfreulich, vielleicht können wir das dieses Jahr noch toppen?

Wichtig: es sollte schnell gehen, damit wir möglichst vor Weihnachten zu posten beginnen können. Wer also mag, schickt bitte seine Liste an top-10(at)live.de. Eine angefügte Bild-Datei Eures Jahres-Favoriten – wahlweise auch von Euch in festlicher Verkleidung - wäre hilfreich. Nur Mut!

(Whirlyjoe)

Montag, 5. Dezember 2011



Stag-O-Lee-Shakedown
R-man: Am letzten Samstag haben wir den tatsächlich 6. Geburtstag unserer kleinen Partyreihe gefeiert. Es muss also im Dezember 2006 gewesen sein, als wir zum ersten Mal unter dem Motto „shake baby shake“ im damals noch frischen Stadtkrug ziemlich querbeet aufgelegt haben. 
Nach gefühlten drei Jahren haben wir den Abend in Stag-O-Lee Shakedown umgetauft und die musikalischen Grenzen ziemlich deckungsgleich an den Spoonful Compilations ausgerichtet – früher Soul (aber auch gerne Mal einen Motown-Klassiker – oder 5, wenn jemand tanzt), Rock&Roll, Rockabilly, jamaikanische Beigaben und vor allem 50s Rhythm&Blues. 
Was natürlich schon in großen Städten nicht wirklich funktioniert und in einem Nest wie Beverungen tatsächlich ein echtes Wagnis war. Letztlich hatten wir mittelprächtige besuchte und richtig tolle Abende, es wurde getanzt und gefeiert, oft bis in die frühen Morgenstunden. Für letztere war immer Sidekick Axel zuständig, der auch noch auflegt, wenn er schon nicht mehr stehen kann.

Am letzten Samstag nun hatten wir Besuch vom Kölner Freund des Hauses und Top-DJ K-Nut, der die Juke Joint Pimps direkt im Schlepptau hatte. Mit dem Kölner Duo hatten wir schon das Vergnügen und sie erwiesen sich an diesem Abend als perfekte Wahl für eine Liveband. Schon beim Essen von Inder Harry gegenüber (Hackfleischpizza?) war die Stimmung bestens, ich gab mein Bestes, um mit dem enzyklopädischen Blueswissen von Gitarrist T-Man mitzuhalten und hatte fast keine Sorge, dass es womöglich kein toller Abend werden würde.
Ab 21 Uhr bemannte ich dann das DJ Pult, alsbald gesellte sich K-Nut zum Ping Pong dazu. Dem kölsche Jung wird wohl schnell langweilig, anders kann ich seine abrupten Stil- und Tempowechsel nicht interpretieren. Nach einer halben Stunde hatten wir uns aber gut eingegroovt und heizten gut vor, bis gegen viertel vor 11 die Juke Joint Pimps auf die Bühne kamen.
Nun besteht das Beverunger Publikum nicht unbedingt aus beinharten Fans des „Down Home Garage Blues“, den die Pimps in ihrem Logo als Definitionsgrundlage vorschlagen, aber die beiden Kölner machen es einem leicht. Zudem kann man einem simplen Blues-& Boogie-Riff kaum wiederstehen und zum anderen ist Schlagzeuger/Sänger/Harp-Player Micha ein Entertainer vor dem Herren, der es versteht, etwaige Publikums-Hemmschwellen in nullkommanix zu pulversisieren. So rockten sie sich knappe 70 Minuten durch ihren für ein Duo sehr abwechslungsreiches Set, animierten das Publikum zu Kommentaren und Gesängen und hinterließen alle mit einem breiten Grinsen.


Ab Mitternacht legten wir auflegetechnisch einen Zahn zu. Es wurde getanzt und die Meute hielt sich wacker, vor allem angesichts der Tatsache, dass der eine oder andere weibliche Gast offensichtlich schon weihnachtsmarkt-geschädigt auflief.
Als ich den Stadtkrug dann um halb 5 Uhr verließ, ging ich mit einem zufriedenen Grinsen, denn es war eine erstklassige Nacht im besten Juke Joint des Weserberglandes. Mein/unser Dank gilt besonders Stadtkrug-Supremo Lothar, für alles und dies und jenes. 

K-Nut: Dem gibt's eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Dass dich meine kleinen Rockabilly-Querschläger noch immer so aus dem Konzept bringen können, wundert mich allerdings. 
Es war ein wirklich perfekter Abend, hätte bloß nicht irgend ein Depp ein paar Flaschen Lütje Minze angeschleppt! So litt ich am Sonntag doch arg unter den Folgen der ein oder anderen Ostsee-Gedächtnis-Runde.
Ich habe wirklich niemanden gesprochen, der nicht zufrieden und glücklich gewesen wäre. Auch schön mal Andi58, unseren fleissigen blog-Kommentator, persönlich kennengelernt zu haben.
Auch mein Dank gilt natürlich Lothar, der restlichen Beverunger und Lauenförder Gang und selbstverständlich den großartigen Juke Joint Pimps - man sieht sich!

(R-man; K-Nut)

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Sonntag, 27. November 2011

Reggae's Gone Country/Various Artists

Ein erstaunliches Projekt, das aber nur halb so kurios klingt, wie es zunächst vielleicht anmuten mag.
Zu verdanken ist es der Vizechefin von VP, dem größten Reggae-Label der Welt, die aus unerfindlichen Gründen ein beinharter Country-Fan ist.

Deshalb arbeitete jene Cristy Barber schon seit längerem an einem Fusion-Projekt, wofür VP nun mit Warner Music Nashville kollaboriert. Unter der Regie von Country-Bigshot John Rich (von Big & Rich), dem Singer/Songwriter Charlie Pennachio, dem legendären jamaikanischen Saxplayer Dean Fraser und VP-CEO Chris Chin entstand nun dieses Album, auf dem überwiegend jüngere Jamaica-Artists (aber auch große Namen wie Beres Hammond, Luciano und Freddie McGregor) klassische Country-Nummern von Jim Reeves, Patsy Cline, George Strait, George Jones, Roger Miller, Marty Robbins oder Eddie Rabbit singen.

Dabei treffen dann die entspannten Riddims von Sly & Robbie auf Pedal Steel und Fiddle, das Ganze im gut abgehangenen Format und tatsächlich problemlos miteinander fusionierbar.

(Whirlyjoe)

Freitag, 25. November 2011

Deep Street Soul – Look Out, Watch Out

Zwei Jahre nach dem schwungvollen Debüt der australischen Deep-Funker nun der Nachfolger nach ganz ähnlichem Strickmuster: orgeldominiert und beat-heavy, dabei doch ein gutes Stück dreckiger als ihre Landsleute von den Bamboos.
Was vor allem am scheppernden Schlagzeug-Sound von Sol Loco liegt, der die Band aus dem ansonsten ja eher gefälligen Booker T. & The MGs-Instrumentalband-Format herausholt und eher bei den Meters landen lässt.
Denn gesungen wird hier nur gelegentlich, dann aber gleich richtig beeindruckend. Nämlich mit heißen Soulstimmen von der neu entdeckten May Johnston, dazu Randa Khamis (von Randa & The Soul Kingdom) und Roxie Ray.

Die Eigenkompositionen der Band taugen, das Highlight auf diesem zweiten Album ist aber das saftige Cover von Viola Wills 69er-Hit „Sweetback“, hier kongenial von Randa gesungen. Macht insgesamt erneut dirty, raw & gritty Deep Funk from down under.

(Whirlyjoe)

Dienstag, 22. November 2011


Sivert Høyem & Harrys Gym - live im Luxor Köln 

Ist das Kölner Luxor am Wochenende keine ideale Konzert-Location, da dann zugunsten der Club/Tanz-Gäste gerne mal pünktlich um 19:00 angefangen wird und um 21:30 Schluss mit Live-Musik ist (mehrfach erlebt), kann man den Laden an Wochentagen durchaus empfehlen! 
Am gestrigen Montag gastierte Sivert Høyem, so manchem als die mächtige Stimme von Madrugada bekannt.

Das doppelte Instrumentarium auf der Bühne liess es erahnen: Vorprogram! Da kann einem ja zwischen großartigen Neuentdeckungen und nervigem Langweilertum so ziemlich alles passieren. Von Harrys Gym hatte ich zuvor noch nie gehört. Ich stand mit einem frischen Becks in der dritten Reihe und hatte also keinen Grund zur Flucht. Die Bühne betraten drei Herren und eine hübsche junge Dame in Rüschenbluse. Optisch erinnerte mich die Sängerin/Gitarristin an die bezaubernde Dawn Landes, stimmlich ging sie aber eher als Mischung von  Siouxsie und Karin Dreijer Andersson (The Knife/Fever Ray) durch.
Das ging von leicht verhuschtem skandinavischem Pop bis zu elektronisch unterstützten, druckvollen Rock-Grooves (großartiger Drummer), steigerte sich dem Ende entgegen, wirkte aber trotz meist doppeltem Synthie-Einsatz nie gekünstelt. Mein persönliches Highlight: Attic - das klang irgendwann wie Massive Attack auf Speed.
Also ein klarer Fall von gelungenem Einstand - das gefiel nicht nur mir!


Nach kurzer Umbaupause und Synthie-Intro zu leerer Bühne (das scheint wieder modern zu werden) erschienen Sivert Høyem und Band. ...und genau so stellte er sich nach eher sanftem Einstieg (Blown Away) vor: "Hello, my name is Sivert Høyem and this is my band." Die zweite Nummer liess dann aber gleich so einige Unterkiefer Richtung Fußboden klappen - ein heftiger Rocker mit eher herben Breaks und recht harten Gitarrenriffs. Und so verlief das komplette Konzert: ruhigere Passagen im Wechsel mit ziemlichen Brocken. Was alles bombenfest zusammenhielt: die wirklich beeindruckende Stimme dieses doch recht schlanken Herren. 
Dass Sivert Høyem gewohnt ist in Norwegen vor deutlich größerem Publikum zu spielen, liess er zwar nicht raushängen, aber so manches Rock-Star-Gebaren ist ihm wohl nicht völlig fremd. Insgesamt hinterliess er aber einen recht sympathischen Eindruck und zeigte gegen Ende sogar öfter, dass er auch gelöst lachen kann.

Ein Roadie war ständig damit beschäftigt nach nahezu jedem Song neue Instrumente anzureichen und bereits gespielte zu entsorgen. Wieviele Gitarren da letztendlich zum Einsatz kamen blieb unüberschaubar. 

Eines war dieses insgesamt wirklich sehr, sehr gute Konzert vor allem: Es war laut! Jeder Song, selbst die "romantischeren", wurde sehr druckvoll gespielt. Das Keyboard sorgte nur ganz selten für Untermalung, sondern war bevorzugt für strange Sounds und Effekte zuständig. So wurde The Kids Are On High Street aus dem Madrugada-Repertoire nicht mit dem Synth-Teppich der Studio-Aufnahme unterlegt, sondern mit drei Gitarren kräftig "durchgerockt". Ein Song begann gar mit einem wüsten Intro, wie ich es zuletzt auf dem Gang Of Four-Konzert zu hören bekam. Madrugada-Songs waren locker dazwischen gemischt, aber deutlich in der Minderheit.
Zwei großzügige Zugaben später beendete die Band um halb zwölf den Abend. Eine Gänsehaut-Soloversion (Sivert zur Akustischen) von Majesty und Vorstellung der Band-Mitglieder inklusive.
....und da mir meine alten Knochen furchtbar weh taten, bin ich alter Depp nach hause ohne am stark bevölkerten Vinyl-Stand vorbeizuschauen - worüber ich mich schon während der Heimfahrt geärgert habe.


(K-Nut)

Montag, 21. November 2011

Other Lives am 10.11. im Blue Shell, Köln.

Nachdem sich die Sportfreunde R-man und K-Nut ja beim RS Weekender mit den Other Lives eher schwer taten konnte ich die Band kurz vor Sessionsanfang live in Kölle erleben.
Wir sicherten uns gute Plätze ganz vorne, heutzutage ein „Muss“ da ab Publikumsmitte immer mehr gequasselt wird.
Supports finde ich im allgemeinen überflüssig und zeitraubend, war aber sehr angenehm über Jason Serious überrascht; eine westliche Multikultitruppe mit Wohnsitz München, die mit einen feinen Folk, harmonischen Gesang und schön gespielten Banjo durchaus für gute Laune sorgten.
Dann kämpften sich Other Lives mit ihren Instrumenten durchs Publikum auf die kleine Bühne, die anschließend proppevoll von Keyboard, E-Piano, Cello, Trommeln, Schlagzeug usw. war. Ein großer Vorteil des Blue Shell ist, das der Service auch noch während der Umbauphase und des Konzert sich mit Kölschkränzen durchs Publikum quetscht und lecker Kölsch anbietet.
Ich war schon etwas skeptisch ob der großartige Sound der CD hier auf die Bühne zu übertragen ist - ja war er! Klang war toll! Das war halt nicht alles Synthesizer und PC sondern auch Geige, Klarinette und Trompete und was weiss ich alles. Im Wechsel, ganz ohne neuen Soundcheck, lieber K-Nut
Es wurde alles von der der letzten, sehr schönen Platte, und auch ältere Stücke gespielt wobei der zottelige Sänger und wohl auch Chef der Gruppe sich die Seele aus dem Leib sang. Er wirkte auf der Bühne nicht ganz von dieser Welt…
Irgendwo hab ich „Kammerpop“ gelesen, kann man sicher so nennen, war für mich halt großartige Unterhaltung!
Später am Merchandisingstand auch äußerst sympathisch und bescheiden.

Hinzufügen möchte ich noch das ich am Vorabend die russischen Messer Chups im Sonic Ballroom erleben durfte, auch sehr kurzweilig: mit schneller Gitarre, trockenen Schlagzeug und langbeiniger Bassistin. Untermalt wird die Mucke mit einer Kollage von alten B-Horrormovies und Russ Mayer Damen…

BadaBing!

Donnerstag, 17. November 2011


Der Rolling Stone Weekender
Wahrscheinlich hat sich der ein oder andere ja schon gefragt ob wir denn keinen Rückblick zum Rolling Stone Weekender mehr bringen möchten. Da kam aber bei allen Beteiligten eine arbeitsreiche Folge-Woche und wohl auch diverse Erkältungskrankheiten dazwischen.

Nun denn:
R-man: Wir sind so gegen 15 Uhr in Bevertown losgekommen und trotz schwer beladenem Ford Transit locker durch gerauscht. Richtung Puttgarden (wie früher nach Roskilde), dann aber Abfahrt 10 genommen und die 5 Minuten Richtung Ferienparadies gecruist. Während Sidekick Archie und ich uns noch selbst beweihräucherten wie locker doch der Trip war, sah ich links am Fahrerfenster plötzlich tief in die blutunterlaufenden Augen eines riesigen Monster-Hirsches. Der Bursche hatte nicht diese Stöpsel zwischen den Ohren, sondern ein richtig fettes Geweih mit gefühlten zehn, wenn nicht zwölf Enden. Oder gar 14-16? Er ging hinten voll in die Hufe, so Hintern runter mit quietschenden Bremsgeräuschen und machte dabei ein sehr dummes Gesicht, wie in einem Bugs Bunny Cartoon. Ich konnte überhaupt nicht reagieren, nur staunen. Archie hat von all dem nichts mitbekommen. Ich hätte tot sein können, Hirschkopf direkt durchs Fenster und einer der 18-20 Hörner direkt durch die Augenhöhle in mein Hirn. Aus und vorbei.
Als ich Archie bei der Abholung der Schlüssel unterstützte, wollte die Dame Vorkasse, was laut Archie nicht abgemacht war. Und wer ihn kennt, der weiß, dass das ungemütlich werden kann. Ich habe das Ganze dann staatsmännisch mit meinem guten Namen gelöst.

Immer wieder schön, das Donnerstagabend Treffen mit den anderen Plattendealern, Frank (plus Anhang, der Mann muss einen Magneten in der Tasche haben), der gute Schuppo (Fozzybär mit dem nettesten Lächeln der Welt) und der ebenso coole wie wirre Franco - „hömma, ich habe da in Honneff einen Gewölbekeller aufgetan. Da lege ich jetzt mal ein Konzept vor. Dann rufe ich dich an.“ Ein Macher (und netter Kerl, don't get me wrong). Natürlich gingen des Hirschen wegen auch ein paar Jägermeister. Nach einem kurzen Nickerchen trafen dann meine Apartmentgenossen ein und dann wurden noch ein paar weitere Bierchen hinter die noch trockene Binde gegossen.

K-Nut: Für mich ging es Donnerstag-Abend los mit einer der nervigsten Auto-Fahrten meines Lebens. Für die ersten 25 KM benötigte ich zwei Stunden, und so kamen Chrispop, Axel und ich erst am frühen Freitag-Morgen gegen 02:30 (Abfahrt 17:30 in Köln!) am Weissenhäuser-Strand an. Dort wurden wir von einem recht gut gelaunten R-Man mit ein paar kalten Begrüßungs-Bierchen empfangen. Freund Rembert gesellte sich noch zu uns, eine geplante Vorab-Besichtigung des beeindruckenden Komplexes (O-Ton Rembert: „Genau so stelle ich mir Belgien vor!“) scheiterte aber an verschlossenen Türen.

Aussicht vom Balkon
Am Freitag dann ein skuriles Frühstück mit zwei Vegetariern, einem Nichtfrühstücker und einem, der auch gerne mal ordentlich Blutwurst auf’s Frühstücks-Brötchen legt (ich).

Dann Standaufbau direkt am Haupteingang; eigentlich eine perfekte Position, da alle an uns vorbei mussten, der Platz erwies sich aber dank frostiger Temperaturen als deutlich suboptimal. Als erstes machte ich mich mal mit dem netten Haustechniker, der örtlichen Polizei und der Berufsfeuerwehr bekannt (in genau dieser Reihenfolge).
...und im nächsten Jahr weiß ich dann genau, wo sich die Sensoren für die Rauchmelder bzw. Alarmanlage befinden und steige auch nicht mehr auf hohe Leitern! Versprochen!!! („So ein Einsatz kostet schnell mal 5.000,-€!“ „Tut mir leid, habe ich gerade nicht dabei...“)


Stag-O-Lee & Glitterhouse
R-man: Der Aufbau des Stag-O-Lee Stands lief ansonsten gewohnt geschmiert. Mit K-Nut und Chrispop braucht man sich keine Sorgen zu machen. Ich war letztes Jahr schon mal da und habe auf meinen drei Standmetern einen gigantischen Umsatz gemacht und hatte dementsprechend „the time of my life“. Damals.

K-Nut: Das Wetter war ja eigentlich toll! Zwei Tage keine einzige Wolke zu sehen – aber ein paar Grad wärmer hätte es ruhig sein können, oder? Allerdings ein echter Vorteil: Der biergefüllte Transit gab den perfekten, nahegelegenen Kühlschrank ab. Und wenn es ganz frostig wurde gab es leckeren Lütje Minze zum aufwärmen.
Die Stand-Situation war ja vergleichbar mit dem OBS, so hatten wir auch diesmal die fette Anlage am Start. – und das sollte sich noch bewähren. Luxuriöserweise auch zwei Plattenspieler.

R-man: Im achsogrossartigen Soundcruiser, muss man hinzufügen. Aber K-nut hat es schon gesagt, es war einfach zu kalt. Ich friere wegen guter Körperisolation ja eigentlich selten (und hatte folglich auch auf allzu warme Klamotten verzichtet), aber das kroch schon in der ersten Minute in mich hinein und machte mich mürbe. Zudem litt ich unter mangelnder Kauflust der Besucher, ein echtes Problem, wenn man Umsätze vorher hochrechnet und verplant. Den Abend gerettet hat wie letztes Jahr der gute Volker H. aus W. (ein Jugendfreund), der eine Flasche Lütje Minze spendierte, ein lokales Gebräu, das man wohl nur in Lütjendorf in einem kleinen Laden am Marktplatz kaufen kann. Schmeckt wie flüssiges After Eight und hat satte 50 %! Schmeckt, wärmt und hat heilende Kräfte. Bands habe ich an dem Abend keine gesehen. Oder?

K-Nut: Nö, nicht dass ich wüsste. Ich trinke ja normalerweise keinen Schnaps, und süßen schon garnicht - meine mich aber an ca. 5 Lütje Minze erinnern zu können. Echt lecker! Auch von mir herzlichen Dank. Ich habe dann mit Chrispop im großen Zelt ca.10 Minuten Notwist gesehen. Da machten diverse Herren lustige Geräusche mit lustigen Instrumenten (u.a. einer Wii-Fernbedienung), das passte aber gerade so gar nicht zu meiner Stimmung, also zurück zum Stand.
Später habe ich dann versucht Portugal. The Man zu sehen, ließ mich aber von der ewig langen, und nicht kürzer werdenden, Schlange abschrecken. Die tolle Ausweichstrecke quer durch die Herrentoilette entdeckte ich erst später.

Abends dann ein erneuter (und letzter?) Versuch mich mit Wilco anzufreunden. Es tut mir leid, wahrscheinlich bin ich schlicht zu doof für diese Band. Da kann die Presse Herrn Tweedy noch so sehr feiern – ich verstehe das alles einfach nicht. Im großen Zelt wurde jede kurze Noise-Einlage frenetisch bejubelt. Mich hinterliessen meine 20 Minuten Wilco einfach nur ratlos und genervt. Das ist wohl doch exklusiv Musik für Studierte und Studierende...

R-man: Ach ja, bei Wilco war ich doch so drei Minuten. Ich wollte dann so ein paar Treppenstufen hoch, um besser zu sehen, und wurde dann von einer Gauleiterin darauf hingewiesen, dass hier der VIP-Bereich beginne und ich doch besser wieder gehen sollte. Beheizt von ein paar Minzschnäpsen machte ich ihr ausführlich klar, dass ich garantiert wichtiger sei, als 95 % der Lutscher, die da oben stehen. Gebracht hat es nichts. Befehl ist Befehl.

K-Nut: Am Samstag wollte ich mir dann mal ein bisschen mehr Live-Musik gönnen; ich war ja schliesslich nicht nur zum Arbeiten mitgekommen.

Heather Nova
Ganz kurz zu Heather Nova, immer noch sehr hübsch die Dame, aber musikalisch doch unglaublich langweilig. Dann R-man zu den Other Lifes geschleppt. Die hatte ich ihm als „wahrscheinlich beste Band des Festivals“ angepriesen (das Album mag ich sehr). Nachdem wir ziemlich lange vor dem Rondell (eine Mischung aus King-Size-Gartenhaus und Großraum-Sauna) gewartet hatten und so gerade eben noch reindurften („Jetzt nur noch 15!“) hatten wir die Möglichkeit einem elend langen Soundcheck zu lauschen (sehen konnten wir leider nichts); als es dann losging war der Sound an unserem Platz noch immer grottig, die Luft zum schneiden und der erste Song packte uns auch nicht gerade. Als wir dann während der zweiten Nummer wieder gingen, stand draußen noch eine ganze Menge Menschen, von denen drei glückliche Schlanke unsere Plätze einnehmen durften. Das war also nix! 

Zwischendurch mit Chrispop an die Ostsee und der Sonne beim Untergang zugeschaut.
la mer

Anschliessend erstmal ein Stand-Bierchen (oder war’s ein Minz-Likör?) dann wollte ich unbedingt noch zu Archive. Da stand ich dann in Bühnennähe mittendrin und hatte großen Spaß! Die Mischung aus Massive Attack, Pink Floyd und Bratz-Gitarren wirkt auf Tonträger ja ab und wann etwas bemüht, aber live packte mich das sofort. Das Konzert begann mit einem längeren Sequencer-Intro zu leerer Bühne (das sollten später noch Cake wiederholen) und steigerte sich dann in ein wirklich tolles „Best Of Archive“-Konzert. Nach ca. 80 Minuten trieb mich meine Blase aus dem Zelt und erwartungsgemäß blieb ich beim Rückweg am Stag-Stand hängen. Trotz Chrispops „Seit wann stehst Du auf Stadion-Rock?“ blieben Archive mein absoluter Festival-Höhepunkt! 

Archive
Später zu Cake. Die fingen, laut Poppy, ebenfalls mit sonderbarem Synthie-Intro zu leerer Bühne an – und zwar stolze 12 Minuten lang, sodass die Band zu einem munteren Pfeifkonzert auf die Bühne kam. Cake sind eine, nach wie vor, sehr unterhaltsame und abwechslungsreiche Band. Da wechseln sich funky Rocker mit Mitsingrefrains und Countrywaltzes mit jazzigen Balladen und purem Pop ab. Wirkt auf Dauer etwas beliebig, hat aber Spaß gemacht (und die hübschesten T-Shirts hatten Cake auch!). Der Frontmann wollte übrigens kurz vor dem Gig die sechs €uro für eine Spoonful-CD bei mir mit Kreditkarte bezahlen.

R-man: hier mische ich mich mal ein. Drei Minuten Cake, zwei Songs Other Lives (Hippierock), mehr war nicht. Laut K-Nut (siehe nächste Zeile) war ich bei Elbow – glaube ich nicht. Es war ein kalter und trauriger Tag. Zu wenig Umsatz und irgendwie frustriert. Bis Volker noch eine Flasche Lütje Minze vorbei brachte. Dann wurde es langsam besser.

Elbow
K-Nut: Wie meinen? Du hast mich am Händchen mit zu Elbow geschleppt, bist aber gleich beim ersten Song wieder verschwunden! Elbow kannte ich vorher nicht, die waren mir aber sehr ans Herz gelegt worden. Großes Bühnen-Spektakel mit Streichern und großem Auftritt des Sängers. Nach der ersten Nummer (die klang, als hätte man sie aus dem 3.Wahl-Haufen von Phil Collins gezogen) fing der Sänger einen längeren Monolog an, der zwar stellenweise ganz lustig war, aber eben Konzert-dramaturgisch völlig daneben. Nach dem zweiten Song (oder war das noch mal der erste?) fing er wieder an zu sabbeln. Ich bin dann gegangen und hatte kurz darauf eine sehr vergnügliche halbe Stunde an den Plattenspielern. 

Aus dem großen Zelt strömten ziemlich viele Menschen (ich war wohl nicht der einzige der das langweilig fand) und fingen spontan an im eiskalten Flur zu tanzen. Den einheizenden GoGo-Boy gab ein gutgelaunter R-Man auf dem Rand eines Palmenkübels. Nachdem ich meine „Hits“ alle verpulvert hatte übernahm Chrispop dann die Spätschicht.

R-man: ja, die letzte halbe Stunde. Letztes Jahr hatte ich zwei Girls aus Neubrandenburg mit meinen 10 verbliebenden Tonträgern zur Ekstase gebracht, was dann in spontanen „Du bist unser König!“ Rufen kulminierte als ich meine letzte Platte droppte – Ich Wünsch Mir Eine Kleine Mietzekatze von Wum & Wendelin. Dieses Jahr war ich besser vorbereitet und als die beiden Mädels plötzlich aus dem Nichts auftauchten und wie letztes Jahr zur Bambule animierten, kochten die paar Meter plötzlich über. Ich stand irgendwann auf einem Blumenkübel, schwang einen Palmwedel über mein Haupt und bewegte meinen grazilen Körper im Rhythmus der Musik. Bis dann wieder so ein Security-Nazi kam und mir den Wedel aus der Hand nahm. Hat er wahrscheinlich als Waffe eingestuft. Egal, gar schön war's.

K-Nut: Nana! Ich fand die Security eigentlich sehr umgänglich. Leider gibt's von der Tanzeinlage keine Fotos...  
Als wir dann zu später Stunde den Stand abgebaut hatten, gingen wir noch zur RS-Aftershowparty und tranken ein paar Absacker zu anscheinend geshuffelten Indie-Hits mit Michael Jackson und Take That- Einlagen.

R-man: vor der Aftershowparty bin ich dann noch kurz im Kinderspiel-Waterworld gelandet und wollte mich dort mit einem Floß und einer Liane von Küste zu Küste (5 Meter) ziehen. Ich muss wohl zugenommen haben in den drei Tagen, denn plötzlich stand ich knöcheltief im Wasser und versaute mir meine blauen Wildleder adidas.
K-Nut: Davon habe ich wiederum Bilder, hähä.
R-man: Mit nassen Füssen war die Aftershow Party aber genauso langweilig. Rembert konnte die Tracks sogar vorhersagen!

K-Nut: Als Gesamt-Erlebnis-Wochenende war das ein großer Spaß! Als Festival für mich persönlich nicht der große Wurf. Das lag aber zum größten Teil an den Venues, die nicht unbedingt konzerttauglich sind (Ausnahme, trotz peinlichem VIP-Bereich: das große Zelt) und dem Line-Up (das ist natürlich reine Geschmacks-Sache). 
Mir fällt übrigens gerade ein, dass wir auch einen schnarch-langweiligen Fleet Foxes-Song mitbekommen haben!
Das superangenehme Publikum, die freundliche Crew, die sonderbare Location, die leckeren Getränke und natürlich unsere lieben Glitterhouse-Stand-Nachbarn wogen aber so ziemlich alles auf.

R-man: ich habe ja musikalisch kaum etwas mitbekommen, aber irgendwie habe ich das Gefühl (ich erlaube mir jetzt einfach ein Urteil), dass die Truppen beim RSW entweder weinerliches Indie-Schrum-Schrumm machen oder bräsigen Neuzeit-Prog-Rock. Der einzige, den ich sehen wollte (Seasick Steve) hatte einen Tag vorher abgesagt. Ich bin ja auch nicht wegen der Musik hingefahren, sondern wie gewöhnlich hinter dem schnöden Mammuth her gewesen. Und hier schien Umsatz gleich Stimmung, geteilt durch Frostbeulen mal Lütje Minze hoch zehn.
Ich werde nächstes Jahr wohl wieder vor Ort sein, mit geringeren Umsatzerwartungen, mehr Schnaps und sexy Skiunterwäsche. Nuff said.

K-Nut: Ich kann's kaum erwarten...

Donnerstag, 10. November 2011

...das shake-baby-shake-Team verabschiedet sich bis Anfang nächster Woche um in der Zwischenzeit beim Rolling-Stone-Weekender mal nach dem rechten zu sehen...
Fall jemand von Euch auch da ist: Sagt mal Hallo! (Ihr werdet uns zu finden wissen.)
Am 11.11.11 um 11:11h möchte ich eine kurze Gedenkminute für die daheimgebliebenen Kölner Kollegen einlegen.



(K-Nut)

Montag, 7. November 2011


The Past and Future of Soul: 
Charles Bradley and his Extraordinairies

Am Samstag fuhren wir motiviert nach Mannheim-Ludwigshafen zum ersten Konzert der aktuellen Tour von Daptone-Star Charles Bradley. Die etwas längere Anreise sollten wir nicht bereuen, denn wir wurden mit einem wahrhaft sensationellen Konzert belohnt.

Der Rahmen war eher uncool, aber entspannt: „Das Haus“ ist eine funktionale Mehrzweckhalle, die dann auch sehr ordentlich mit einem eher gesetzten Publikum gefüllt war. Die komplett weiße Band spielte dann zunächst im Stil klassischer Soul-Revues ein paar lässige Instrumental-Nummern und erwies sich dabei durchaus als so etwas wie eine zeitgemäße Neuauflage von Booker T & The MGs – mit Orgel, Gitarre, Trompete und Sax zur kompetenten Rhythm Section. Wer genau die Burschen waren, kann ich nicht sagen, die zuständige Label-Betreuerin von Daptone sprach aber von einigen Überschneidungen mit der famosen Menahan Street Band, was ich ihr gerne glaube. Egal – die Burschen spielten einen staubtrockenen Groove, funky, organisch, kraftvoll und extrem mitreißend.

Nach 15 Minuten kam Charles Bradley auf die Bühne und eroberte das zunächst etwas hüftsteife Publikum im Handumdrehen. Der Typ ist völlig umwerfend, knuffig und charmant, liefert eine prächtig altmodische Show und hat eine Stimme, die mich einfach umhaut. Ich durfte ja schon James Brown, Curtis Mayfield und Isaac Hayes live erleben, aber so viel Soul habe ich noch nie erleben dürfen. Die Showelemente mit Mikrofonständerkippen, theatralischem Zubodenwerfen und irren Tanzeinlagen ist natürlich klassische JB-Schule, aber der Typ bringt das extrem souverän und mitreißend rüber.

Und Bradley ist ein wahrhaftiger Soulman, stimmlich zwischen Wilson Pickett und James Brown. Bei aller Liebe zur theatralischen Show lebt er seine Texte mit Leib und äh, Seele. Tief emotional und oft den Tränen nahe, gibt er wirklich alles. Und als dann während des Konzerts auch noch sein 63. Geburtstag mit Torte und Gesangseinlage des Publikums gefeiert wurde, flossen dann echte Tränen über des Meisters Wangen. Zum Konzertende stieg er übrigens ins glückliche Publikum hinab, drückte zunächst ein paar Hände und fing schließlich an, fast jeden einzelnen Besucher zu herzen und zu drücken.

Das 90-minütige Konzert verflog leider viel zu schnell, zwischenzeitlich legte Bradley ein Päuschen zum Umkleiden ein, während die Band u.a. das unschlagebare „Take The Road By Walking“ der Menahan Street Band originalgetreu intonierte. Und auch Bradleys aktuelle Single, das Neil Young-Cover „Heart Of Gold“ gelang ganz prächtig. Dazu kamen natürlich alle Hits des fantastischen Daptone-Albums „No Time For Dreaming“.

Insgesamt war das ein grandioser Konzertabend und wahrscheinlich das Beste, was ich dieses Jahr live erleben durfte. Charles Bradley ist gleichzeitig die Vergangenheit und die Zukunft der Soul Music, genauso wie ansonsten wohl nur noch Label-Kollegin Sharon Jones.

Beim Merchandise konnte man übrigens diverse 7-Inch-Vinyle erstehen, mit Zeug von Bradley und auch der Menahan Street Band, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten.

Falls ihr die Möglichkeit habt, dann schaut ihn euch unbedingt noch live an – niemand wird es bereuen, das verspreche ich.

06.11.11, 21:00, Berlin - Lido
08.11.11, 21:00, Erlangen - E Werk
09.11.11, 21:00, Köln - Luxor
10.11.11, 20:30, Basel - Kaserne

Das Foto hat Ola gemacht.

(Whirlyjoe)

Donnerstag, 3. November 2011

hingehen:

Charles Bradley and his Extraordinairies on Tour

Für Kenner: unter den Musikern der Extraordinairies sind auch Leute, die sonst bei der famosen Menahan Street Band spielen.

05.11.11, 20:00, Ludwigshafen - das Haus (Enjoy Jazz Festival)
06.11.11, 21:00, Berlin - Lido
08.11.11, 21:00, Erlangen - E Werk
09.11.11, 21:00, Köln - Luxor
10.11.11, 20:30, Basel - Kaserne

Hier das ganz neue Video:



(Whirlyjoe)