Freitag, 31. August 2007

Notting Hill Carnival 2007
Tag 3: Montag

Die Geschichte des Montags ist eigentlich/leider schnell erzählt. Wieder standen wir mittags auf der Matte und zogen los gen Hexenkessel Ladbroke Grove. Am Montag ist normalerweise das doppelte an Menschenmasse unterwegs und das Gedränge verdirbt einem besonders an diversen Nadelöhren den Spass an der Sache.

Wir hatten allerdings für 19.20 Uhr einen Flieger gebucht und mussten die Party zirka gegen 16 Uhr verlassen. Das erwies sich schnell als großer Fehler, denn Jason Mayall stand schon wieder an den Wheels Of Steel von Gaz's Rockin' Blues und dropte einen Killertune nach dem anderen, das eiskalte Red Stripe, welches wir den süßen Jamaikanerinnen an der Gaz's Bar abkauften, schmeckte vom ersten Schluck an und wir hätten noch die Kraft (und vor allem Lust) gehabt, einen weiteren Tag Gas zu geben.

Wie am Vortag fanden wir uns um 13 Uhr vor dem Good Times Bus wieder (hier ein Bild zur Prime Time gegen 18 Uhr). Norman Jay zog wie gewohnt mit großartigen Hut und ebensolcher Sonnenbrille an uns vorbei (siehe oben rechts) und legte einen wundervollen Chooon nach dem anderen auf. Es war etwas kälter als am Sonntag, aber bei dieser Musik wurde einem direkt warm ums Herz. Leicht jazzig, sonst nicht so mein Fall, dort in der West Row aber einfach nur spiritually uplifting! Besonders eindrucksvoll: die 14 Minuten Water Got No Enemy von Fela Kuti und Sista Riddim von Extended Spirit!

Gegen 15 Uhr schlurften wir zu Gaz Mayall und seiner wilden Bande zurück. Immer auf der Suche nach strategisch gut gelegenen WC's, denn der gemeine Brite lädt zwar 1,5 Millionen Leute zu seiner Strassenparty ein, verkauft ihnen kistenweise Bier, stellt aber nur 300 Dixieklos zur Verfügung. Das war natürlich bei jeder Verrichtung ein Thema, mit dem man den Engländer neben einem leicht packen konnte.

Dieser großartige weiße MC bei Gaz, den ich dieses Jahr leider nicht erleben durfte, hatte sich zirka 50 Singles an seinen Blaumann genäht und sowieso glänzte die ganze Truppe wieder mit schrägsten Outfits. Die Krampe, die am Tag zuvor als britischer Polizist mit silber geschminktem Gesicht vor Gaz's sein Unwesen trieb, war heute mit einem Hemd angetreten, dessen Rücken ein riesiges Saddam-Portrait zierte. Ach ja, und die drei zirka 70-jährigen Tänzer und Elvis-Impersonatoren waren auch wieder am Start. Und die afroamerikanischen Bodybuilder hinter der Theke, und der schräge Gaz natürlich, eine Frau mit einer Weltkugel auf dem Kopf und alles andere, was so einen Tag perfekt macht.

Hätte mein Scheiß-Handy noch Akkupower gehabt, ich hätte Easyjet angerufen und umgebucht. Um 15.50 sagte Axel dann: "Man soll gehen, wenn es am schönsten ist!" Und ich dachte mir, wer auch immer diesen Spruch geprägt hat, er ist ein Vollidiot.

Zeit für ein Fazit: es war ein großartiges Wochenende! Axel (den ich vor 3 Jahren noch als "unerträglich" brandmarkte) und ich harmonieren mittlerweile völlig entspannt im gleichen Groove. Zudem sind wir beide fast gleich durstig (sehr staubig in London). Kann ich mir besser nicht vorstellen! Und nächstes Jahr lasse ich mich entweder von Jason Mayall zur Afterparty fahren oder mache was anderes (Optionen gibt es genug). Und eins ist mal klar: 2008 fliegen wir nicht vor Dienstag mittag! Ganz in Ruhe! (R-man)

Donnerstag, 30. August 2007

Notting Hill Carnival 2007
Tag 2: Sonntag

Nach dem nächtlichen Exzess sind wir brav um 12 Uhr aufgestanden und machten uns zügig auf den Fussweg nach Ladbroke Grove. Schließlich beginnt der Carnival um 13 Uhr und endet 6 Stunden später. Da will man alles mitnehmen. Zehn Minuten später liessen wir das erste Soundsystem links liegen und cruisten in Richtung Talbot Road, nicht ohne vorher Verpflegung in Form einer großen Dose Red Stripe aufzunehmen. Red Stripe ist eigentlich ein jamaikanisches Pils, welches mittlerweile in Großbritannien in Lizenz gebraut wird. Schmeckt irgendwo zwischen Veltins und Rolling Rock, ist also sehr lecker und schwerst bekömmlich.

Auf dem ganzen Weg freute ich mich schon auf Gaz's Rockin Blues, das Soundsystem von Gaz und Jason Mayall (den Söhnen von John), zwei völlig sympathisch Bekloppten. Letztes Jahr hatten sie auf 30 Meter einen Flugzeug-Absturz im Dschungel simuliert, dieses Jahr war es eine Mischung aus Gotham City und Mad Max. Einfach abgefahren und genial. Jason legte gerade einen Mix aus groovendem Uralt-Jazz, bläser-getriebenem Ska, mitreissendem R&B, Elvis und gar ein paar Cumbias auf. Das wäre ein Mixtape... Da wollten wir eigentlich garnicht weg, schlurften aber weiter bis ans andere Ende des Areals zu Norman Jay und seinem Good Times Doppeldecker.

Der Platz an der West Row war gegen 14 Uhr schon gut gefüllt und Norman begeisterte uns mit einer relaxten Auswahl an Carnival Classics, die zu dem Zeitpunkt mehr auf Groove als auf Four-to-the-floor setzten. Und das alles bei geschätzten 28 Grad, einer kalten Dose Red Stripe in der rechten Hand, die linke jubilierend in den Himmel gereckt. In 5-Minuten Abständen hörte ich Axel fortan "Ein Traum!" murmeln. Und das traf den Nagel auf den Kopf.

Gegen 16 Uhr machten wir uns wieder in Richtung Gaz Mayall auf, nicht ohne bei Mickey Dread vorbei zu schauen, der mit seinem einen Plattenspieler ultradeepen Rootsreggae auf die Menge losließ und der Massive mit seinen drei zirka 3x3 Meter großen Boxentürmen die Eingeweide massierte. Dazu spielte er mit seinen selbstgebastelten Effekten (die Kisten da im Hintergrund) rum, zündete hin und wieder den Sub-Bass und zeigte sich gar gesprächig (die "Peace and Unity! One big family!" Nummer) während er die Platten wechselte. Alles in allem: fett!

Bei Gaz's Rockin Blues stand derweil Number One Station auf der Bühne, eine Bande angegrauter Ska-Freaks in Marvel-Kostümen. Erstklassig! Party! Nach Ende des Sets fanden wir uns plötzlich auf der Bühne wieder, tanzten uns die Füße wund, lechzten kaffeebraune Schönheiten an, verbrüderten uns mit der halben Welt und sinnierten mit einigen Briten darüber, warum das Leben nicht immer so sein könnte. Irgendwann sind wir dann wieder runter von der Bühne und ich stieg von Red Stripe auf Kryptonite um, weil ich rein von der Flüssigkeitsmenge mit der Verklappungsmaschine Axel nicht mithalten konnte. Kypronite war ein grüner Cocktail, der in der Batcave unter der Gaz-DJ-Kanzel verkauft wurde. Die beiden Jungs hatte ich letztes Jahr schon auf die Afterparty angesprochen und auch 2007 bekam ich die gleichen Direktiven wie 2006: "Go to the end of Latimer Road. It's under Westway!"

Dann machte Jason Mayall den Türsteher und wurde von einer menschgewordenen Killermaschine belästigt, die unbedingt hinter die Bühne wollte. Mindestens 10 Minuten biss er auf Granit, plötzlich ging Jason an mir vorbei und der Riese war der neue Türsteher! Grinste mich an, gab mir die Hand und zog meinen vergleichsweise schmalen Körper gefühlte 3 Meter durch die Luft. Hinter die Barriere. Also rauf auf die Bühne und weiter getanzt.

Irgendwann war der Spass dann vorbei und Axel und ich schleppten uns ziemlich randvoll zum Burger King in Notting Hill Gate. Wortlos verspeisten wir unser Meal (Spicy Beanburger - kann ich nur empfehlen), schauten uns mit glasigen Augen an und hatten uns nicht mehr viel zu sagen. Dann gingen wir in Richtung Bus, stiegen in die 390 ein, ich schaute mich um und mein Sidekick Axel war weg! Ich hatte ihn verloren! Es war sein erster Londontrip, ich hatte keine Ahnung, ob er den Namen des Hotels memoriert hatte, ehrlich gesagt war ich mir in seinem Zustand nicht mal sicher, ob er überhaupt wusste, das er in London war. Aber Axel hatte bereits 30 Minuten nach London-Ankunft in den Vergnügungsmodus geschaltet (dann bringt ihn höchstens schlechte Musik aus der Fassung) und ich war mir sicher, daß er sich irgendwie alleine durchschlagen würde. Wahrscheinlich würde ihn irgendwann eine Gruppe brasilianischer Tänzerinnen mit Mutterinstinkt aufgreifen...

Nach einer 2 stündigen Chill-Session im Hotel machte ich mir dann aber doch Sorgen. Sein Zimmer war nicht besetzt, ich hatte ihn vor gefühlten 3 Stunden verloren und die zurückzulegende Wegstrecke betrug höchstens 3 Kilometer. Ich wollte gerade der netten Hotelfachfrau ein S.A.S. (save Axel's soul) übermitteln, da stand Axel plötzlich hinter mir. Er war direkt in der Rossetti Bar des Hotels hängen geblieben. Aber ich war ausgeruht und nun bereit für sowohl Sodom als auch Gomorrha und machte mich schließlich alleine auf den Weg zu "the end of Latimer Road" - denn mit den Mayall's eine Afterparty feiern sollte die Krönung des Trips werden...

Letztes Jahr hatte ich mir mit meinem Kumpel Barti schon einen Abend versaut und vergebens nach der Party gesucht, dieses Jahr war ich 3 Stunden später (23 Uhr) in der Gegend unterwegs, fand natürlich den Westway (eine 4-spurige Stadtautobahn auf Riesenstelzen), traf aber nur auf die gleiche House-Party wie letztes Jahr. Also habe ich die verf****te Afterparty auch 2007 nicht gefunden.

Kumpel Party nun mailte mich gestern an und wollte Bericht. Als ich ihm schrob, daß ich wieder kein Glück hatte, antwortete er folgendes:
"Das mit den Mayalls ist wirklich mysteriös. Wahrscheinlich ist die Adresse in Wahrheit ein Code für den Eintritt in ein Paralleluniversum und uns ist es nicht gegeben, diesen Code zu knacken. Zuzutrauen ist denen vieles :-)."
So wird es sein. Ich bin dann noch rüber zum Neighborhood und der Afterparty von Norman Jay, aber da bluteten die Füße schon, die Laune war irgendwie versaut und die Musik zu sehr bumm-bumm. Axel hatte sich derweil in der Rossetti Bar die Kante gegeben, einem verängstigten Ehepaar aus Spandau die Welt erklärt und Leute aus Rochdale getroffen, dem einzigen Kaff, das er in Britannien kennt.

Trotz allem: gar schön wars. (R-man)

Mittwoch, 29. August 2007

Notting Hill Carnival 2007
Teil 1: Der Samstag


Nach 6 oder 7 Jahren in Reihe wollte ich eigentlich nicht mehr hinfahren zum Notting Hill Carnival. Aber nach 2007 könnte ich jetzt schon für 2008 buchen. Hier ein kleiner Reisebericht in zwei Teilen.

Der Notting Hill Carnival findet immer am letzten August-Wochenende statt, und zwar am Sonntag und Montag (Feiertag). Geschätzte 1,5 Millionen Besucher verwandeln die Gegend um den Ladbroke Grove Stadteil zu einem Hexenkessel. Die Hauptattraktion (neben dem Umzug) sind knapp 50 über ein großes Areal verteilte Soundsystems (DJs). Das zur Erklärung...

shake baby shake Resident Axel und ich brachen am Samstag um 8 Uhr zu relativ humaner Zeit in Beverungen auf und checkten gegen 13 Uhr in meinem Londoner Lieblingshotel ein. Immer wieder schön. Wie schon seit Budapest und Berlin Tradition, führte der erste Gang zur Bar und erst der zweite auf’s Zimmer. Also auf zwei kleine Fosters in die Rossetti Bar und als ich gerade versuchte, meinen alten Kumpel Barti (mit dem ich letztes Jahr beim Carnival war) per SMS zu erreichen, bekam ich eine von ihm, mit den besten Wünschen für gutes Gelingen. Ein kurzes Telefonat später hatten wir ihm das Herz final gebrochen... und stiessen auf ihn an. A true bloodbrother! Next year, mate!

Nach einem kurzen Gang auf das Zimmer machten wir uns in Richtung Notting Hill Gate auf, wo der Soul & Dance Exchange als mehr oder weniger einziger Plattenladen für heute auf der Liste stand. Für knappe 16 britische Pfund ging folgendes in meinen Besitz über:

Maxis von War (Good, Good Feelin im US Disco-Mix), Cerrone (The Only One im Groove Armada Remix) und Mark Rae (das phänomenale Medicine).
7"-es von Eddy Grant (Electric Avenue), Stevie Wonder (Master Blaster), Up Bustle & Out (Little Soldier Boy), Chaka Khan (Ain't Nobody), Grover Washington Jr. (Inner City Blues bw/Ain't No Sunshine), Jimmy Ruffin (Farewell Is A Lonely Sound), KC & The Sunshine Band (That's The Way...), Salsoul Orchestra (Chicago Bus Stop), Eruption (I Can't Stand The Rain); Kalyan (Disco Reggae Pt. 1+2), Musique (In The Bush), Hamilton Bohanon (Disco Stomp), Charles Earland (Let The Music Play), Marvin Gaye (Grapevine, auf Tamla), Temptations (I Can't Get Next To You), Jimmy Ruffin (What Becomes Of A Broken Hearted), Deodato (Also Sprach Zarathustra), Temptations (Ball Of Confusion).

Da meine Tochte die neue CD-Single von 50 Cent mit Justin Timberlake haben wollte, machten uns wir auf den beschwerlichen Weg (der Verkehr!) statteinwärts, nur um bei HMV zu hören, daß das Werk in the UK noch nicht erschienen wäre. Dafür wanderten eine Best Of Café Del Mar Doppel-CD, ein paar Zeitungen und der Reissue der Purple Rain (in der Langversion, mit dem endlosen Geschwurbel) Maxi in meine Tasche.

Für abends hatten wir natürlich das Time Out ausgecheckt und das James Taylor Quartet im Jazz Cafe wegen der verlangten 25 Pfund Eintritt sausen lassen. Dafür entschieden wir uns für zwei Parties im Zentrum, von unserem Hotel leicht zu erreichen. Better Bays im Brown Sugar in Holborn erwies sich im Prinzip als shake baby shake mit besseren Sitzgelegenheiten. Nach einem Reggae-Einstieg (Tinga Stewart, Johnny Osbourne, Dynamics) ging es leicht Soul-jazzig (Can't Keep From Cyring von Mario Bondi!) und funky (Lefties Soul Connection) weiter. Gute Sache, geschmackvolle Musikauswahl, ein toller Laden (Ledersessel!) und nette DJs. Bis auf die Ledersessel eben wie im Stadtkrug. Genau das richtige zum eingrooven.

Ab 23 Uhr sollte im Metro (nahe Tottenham Court Road Tube) der Blow Up Club stattfinden. Von den Leuten hatte ich ein paar CDs, also versprach ich mir einiges von der Nacht. Das Metro erwies sich als Kellerdisco im 70er Jahre Stil, war um 23.30 Uhr auch schon proppenvoll und mit überraschenden 95 % der 300 Leute auf der Tanzfläche (die anderen bestellten gerade an der Theke). Keine Ahnung, ob die Blow Up-DJs sich in 13 Jahren so eine Fanbasis erspielt haben, aber die Jungs konnten auflegen, was sie wollten - der ganze Laden tanzte. Vorwiegend droppten sie britische Musik der letzten 40 Jahre, von den Kinks über The Jam bis zu Franz Ferdinand. Schließlich erwischte ich mich, wie ich zu Paperback Writer (Spoonful-kompatibel/und die Beatles sind nun wahrlich nicht meine Lieblingsband) tanzte und dieses breite Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekam.

Die Souldichte nahm zu, irgendwann spielten sie Pressure Drop, Hard To Handle (von Patti Drew) und andere Groover. Dann wieder Changes von Bowie, White Stripes, T. Rex und die Stones (Jumping Jack Flash hat selten so gut geklungen). Gegen 3 Uhr war ich so gut drauf, daß ich zu Axel sagte: „Heute nacht will ich hier das Licht angehen sehen und als letzter raus maschieren!“ Um 4 Uhr schloß die Bar und Axel verdrückte sich in Richtung Hotel. Irgendwann vertraute sich mir ein besoffener Brite an: " That DJ is shit!" Ich gab ihm 5, nur um ihn loszuwerden und tanzte noch eine Stunde weiter. Als vorletzten Tune spielte der DJ Watts Breakaway von Johnny Otis (einem meiner Faves!) und I had the time of my live! Als letzten Song dann Larry Ellis, eine rare 45, das Licht ging an und die letzten 10 Versprengten wurden sanft auf die Strasse entlassen. Nicht ohne dem DJ vorher die Hand zu schütteln und ihm zu danken. Um halb 6 Uhr wurde mir das Hotel aufgeschlossen und da gerade die Croissants geliefert wurden, entbrannte ein harter Kampf zwischen mir und dem Doorman um ein Stück Teig. Nur als ich ihm mehrfach versicherte, daß ich in diesem Zustand auf keinen Fall zum Breakfast erscheinen würde, ließ er mich ziehen. Mit Croissant.

Kurz danach lag ich im Hotelbett und gehörte in diesem Moment zu den glücklichsten Menschen dieses Planeten (alle Lottogewinner, frische Väter etc. mal ausgenommen). So großartig war dieser Abend! (R-man)

Dienstag, 28. August 2007

Notting Hill Carnival 2007

Vorab ein paar Impressionen von der besten Strassenparty der Welt...

Die tobende Meute vor Gaz's Rockin' Blues. Der rechte Arm gehört mir, auf der Bühne tanzend!


Die tobende Meute vor Norman Jay's Good Times Doppeldecker. O-Ton Axel: "Ein Traum!" Das wurde dann alle 5 Minuten wiederholt.

Die beiden netten Damen an der Theke bei Gaz's Rockin' Blues...
Abt.: Soulfood
G. Corp Vs.
The Mighty Tree
Dub Plates Vol. 3

Bevor ich ein paar Worte über das neue Album (und das Kochbuch) der Groove Corporation schreibe, welches übrigens hervorragend zum vergangenen Wochenende passt, nur kurz: der Notting Hill Carnival Reisebericht folgt morgen und übermorgen. In zwei Teilen, es gibt viel zu erzählen. Bin noch "in recovery mode" (O-Ton Norman Jay).... und noch was, wer sich heute abend im Großraum Weser Hill Country befindet, der kann gerne zum kleinen Rainer in den Garten kommen (auf Höhe Hotel Böker). Jan Pecher spielt auf, es gibt kalte Getränke und Beverunger Soulfood vom Grill.

Die Groove Corporation ist nach langer Pause zurück und verstärkt sich mit The Mighty Tree (Musiker von UB40, Steel Pulse etc.) für ein allerfeinstes Treffen von Old-School-Sound und modernem Dub-Reggae. Schon der Opener sorgt für allgemeines Wohlgefühl, ein strammer Riddim, perfekt gesetzte Dubs und eine Melodica... insgesamt etwas rootslastiger als von der Corporation gewohnt.

Die Erstauflage kommt im Digipak mit einem 52-seitigen Kochbuch für jamaikanisches Dub Food. Letzteres ist wunderschön aufgemacht/lay-outet und unterteilt in Accompaniments (Beilagen), Meat Dishes, Fish Dishes und Veggie Dishes (Callaloo Quiche, yummy!). Dazu ein kurzes Kapitel über Drinks. Das Buch alleine ist das Eintrittsgeld wert. Beides steckt in einem Pappschuber. (R-man)

cd

Montag, 27. August 2007

A Monday morning tune...
Cedric Im Brooks
& The Light Of Saba
Lambs Breads Collie


Eigentlich wollte ich einen ganz anderen Tune zum Wochenanfang posten, aber den habe ich hier im Chaos auch nach einer Stunde Suche nicht gefunden. Damn! Das war so ein Tune, der einen langsam in die Woche reinlaufen lässt, so sachte und wunderschön, daß man garnicht merkt, was los ist... und da ich mir sicher bin, daß ich den Chooon in den nächsten Tagen finde, mache ich da mal gleich eine fortlaufende Serie draus - die shake baby shake Montag Morgen Andacht ... also ab jetzt die nächsten 13 Jahre jeden Montag einen Seelenstreichler. Da darf dann auch mal jemand Halleujah singen, Jah anbeten oder zurück nach Africa wollen - ich will da kein Murren hören. K-Nut und Whirl-man - schaut mal in eure Gospel-Sammlung.

Lambs Bread Collie ist ja sowas wie ein Reggae-Standard, aber diese Version von Cedric Im Brooks ist etwas ganz Besonderes! Ist auf dem Album auf Honest Jons zu finden (Cover links). Der kleine Rainer, shake baby shake-Ehrenmitglied, verlangt öfter mal nach diesem Song, wenn die Menge gerade Pogo tanzt! Ihm seinen Wunsch zu verwehren, versetzt mir immer wieder einen tiefen Stich. We are riddim... we are sound... expression, feeling... Ich hoffe, ihr fühlt es! (R-man)

f-e-e-l-i-n-g

Sonntag, 26. August 2007

Shake Bobby Shake

Wir steigern uns, die Aufgaben werden anspruchsvoller. Nach den eher intuitiven Untersuchungen halbwegs tanzbarer Songs von Pink Floyd bis Alan Parsons Project war unser Frühjahrsprojekt Van Morrisson in a Dancehall Style dann schon etwas ambitionierter, die Resonanz dazu jedenfalls sehr zufriedenstellend – auch im Beverunger Stadtkrug, wo sich unsere Compilation beachtlicher Nachfrage erfreut.

Ein Exemplar landete auch bei OBS-Veteran Peter Weber (aka Hard_to_Handle - hier links bei der Meditation) aus Stuttgart, seines Zeichens leidenschaftlicher Sammler und kompetenter Experte speziell für Neil Young und Bob Dylan. Gerade erst veranstaltete er auf heimischem Grund das elfte jährliche Rust-Fest, ein international besetztes Fantreffen von Young- und Dylan-Fans in relaxter Atmosphäre, mit mehrsprachigen Fachsimpeleien und gitarrensatten Jams bis in den frühen Morgen. Ein Ereignis, sage ich euch.

Bei der OBS-Afterhour im Stadtkrug erwuchs in Peter der wilde Entschluss, sich seinem Helden Bob Dylan in klassischer SBS-Perspekive anzunähern und aus hunderten (tausenden?) von Dylan-Songs ein Set mit möglichst tanzbaren Nummern auszuwählen. Ich durfte den Entstehungsprozess begleiten und kann euch sagen: keine leichte Aufgabe. Schließlich hat der Meister nun nicht gerade den Funk erfunden und als sprudelnder Quell euphorischer Partylaune ist er auch nicht unbedingt bekannt.

Peter hat aber das Unmögliche möglich gemacht, sich in seine ausufernde Dylan-Sammlung versenkt, Entwürfe gemacht und wieder verworfen, um schließlich mit dieser Selection zu reüssieren: Shake Bobby Shake. Beim erwähnten Rust-Fest wurde der Mix dann auch in der Party-Praxis im Weberschen Rock’n’Roll-Keller getestet (wo by the way schon erstaunlich prominente Rock-Größen im kleinen Kreis aufgespielt haben).

Hier also nun Peters tanzbare Dylan-Songs mit seinen eigenen Kommentaren... ab jetzt O-Ton:

Tja, zunächst einmal möchte ich kurz erläutern, wie ich mich an die Aufgabe herangearbeitet habe: Es sollten ja „irgendwie“ tanzbare Songs dabei herauskommen. Für den Hardcore-Dylan-Fan sind ja alle Dylan Songs „irgendwie“ tanzbar. Dylan hat sich ja mal selbst als „Song-and-Dance man“ bezeichnet. Sollte also gar nicht so schwer sein....

Ich habe daraufhin ca. 30 – 35 Songs zusammengestellt und gemeinsam u.a. mit Joe unter dem shake baby shake-Aspekt angehört. Schnell wurde mir klar, dass bestimmte Songs unter Dylan Fans sicher funktionieren (The Man In Me, Wigwam oder Brownsville Girl zum Beispiel), dass sie aber für die eher allgemeinen Musikhörer und Tanzbären doch nicht so gut geeignet sind. Es reicht eben nicht, wenn ein Song zum „Füssewippen“ oder zum Schunkeln animiert. Wobei ich mich schon wundere, wieso bei shake baby shake so wenig langsam tanzbare Songs auftauchen (stell dich mal selber dahinter, dann kommt das Tempo von alleine. -R-man). Ich habe ja fast keine Disco-Erfahrung. Nur Anfang der Siebziger Jahre war ich ein paar Mal in einer Disco, aber damals war der Groove dann doch ein anderer als er heute ist. Wir haben damals ja sogar zu Stairway To Heaven getanzt...

O.K. , zu einem anständigen Groove gehört nach meiner jetzigen Auffassung ein treibender Bass und ein knackiges Schlagzeug. Das sollte doch auch bei Dylan zu finden sein ... Also ran an den Speck:

1. Everything Is Broken vom 89er Album Oh Mercy hat diesen Groove. Daniel Lanois hat dieses „Comeback“ Album von Dylan sehr eingängig produziert.

2. Gotta Serve Somebody vom 79er Album Slow Train Coming war Joe wohl etwas zu langsam in seinem Groove. Ich hab´s trotzdem mit reingenommen eben wegen den „drum`n´bass“

3. Wiggle Wiggle aus 1990 von dem Album Under The Red Sky, ist ein selbst unter hartgesottenen Dylan Fans umstrittener Song. Slash von Gun´s & Roses spielt Gitarre, und wahrscheinlich geht das vielen gegen den Strich... aber der Twist ist astrein.

4. Hurricane, der Eröffnungssong aus dem 75er Album Desire, ist der wohl am ehesten als tanzbar definierte Dylan Song. Ich habe einen Freund in Spanien, der dort eine Musik-Kneipe hat, nach tanzbaren Dylan Songs gefragt und der sagte spontan „Hurricane“. Der federnde treibende Groove wird magisch von Scarlett Rivera´s Violine verziert.

5. Political World aus 1989 von Oh Mercy. Hier gilt im Prinzip das gleiche was ich für Track #1 geschrieben habe.

6. Things Have Changed bekam als Musik zu dem Film “Die Wonder Boys” einen Oskar. Noch heute steht der Oscar bei allen Shows von Dylan mit auf der Bühne. Wer einmal den Videoclip zu der Filmmusik gesehen hat, sieht Bob mit tänzelnden Schritten über die Leinwand laufen. Alleine schon deshalb muss er als „tanzbar“ eingestuft werden.

7. The Tweeder And The Monkey Man ist eigentlich kein Dylan Song, sondern stammt von Lucky Wilbury und ist auf dem grandiosen Garagenalbum The Travelling Wilburys Vol.1. Also wer da nicht drauf tanzen kann....

8. Thunder On The Mountain vom aktuellsten Album Dylans aus 2007, Modern Times, steht direkt neben dem ältesten Song dieser Compilation. Dies macht doch deutlich welch grandiose Karriere Dylan hingelegt hat. Und dass er mit seinen 65 Jahren noch so abrocken kann ist einfach nur bewundernswert.

9. Highway 61 Revisited aus dem gleichnamigen 1965er Album. Wenn die Sirenen auf dem Highway heulen, geht die Post ab...

10. Dignity ist erschienen auf der Greatest Hits Vol.3 von 1994, aufgenommen wurde der Song aber schon 1991.

11. Changing Of The Guards von Street Legal (1978). Der wohl umstrittenste Song der Compi. Als ich angefangen habe die Songs zusammenzusuchen, war der Song von Anfang an dabei. Ich habe behauptet, dass man sehr gut darauf tanzen kann. R-man sagte daraufhin „Das möchte ich sehen“. Der Song bleibt drauf und ich werde bei einer der nächsten shake baby shake Partys beweisen dass er tanzbar ist.

12. I Want You (1966 Blonde on Blonde). Ich muss gestehen, ich hätte den Song nicht verwendet, wenn Whirlyjoe nicht so überzeugt gewesen wäre. Sicher ist es ein tanzbarer Song, aber „Groove“ hat er keinen ;-)

13. Man Gave Names To All The Animals (1979 Slow Train Coming). Fast ein Kinderlied mit Reggae Anleihen. Leicht tänzelbar...

Bonus Tracks: Ursprünglich wollte ich die compilation auf 10 Songs beschränken. Letztendlich bin ich bei 13 unverzichtbaren gelandet, aber diese beiden Bonus Tracks müssen trotzdem auch noch draufgepackt werden. Es sind keine Original Bob Dylan Aufnahmen, aber sie passen so wunderbar hier her.

14. I and I (dub mix): Das Original stammt aus 1983 vom Album Infidels. In 2004 hat Sly Dunbar , der als Drummer dem Original schon einen leichten Reggae-Touch verliehen hat, einen vom Meister selbst sanktionierten Remix erstellt. Er ist auf “Is It Rolling Bob ? A Reggae Tribute To Bob Dylan“ enthalten.

15. In My Time Of Dying (Remix) ist 1962 auf der ersten LP von Bob Dylan erschienen. In meinen Archiven habe ich diesen remix gefunden. Keine Ahnung, ob er authorisiert ist oder nicht, auch nicht woher er kommt. Auf jeden Fall witzig...

So ... wie Joe schreibt, wurde die Compilation bereits bei meinem letzten sog. RustFest der Feuertaufe unterworfen. Danach war ich mehr denn je überzeugt dass es funkt(ioniert). Ich bin gespannt auf die Reaktionen und möchte mich nochmals bei Joe für die Unterstützung und guten Ratschläge bedanken. (Peter HARD_to_HANDLE)

Das shake baby shake-Team bedankt sich herzlich und zieht den Hut vor diesem mutigen Beitrag zur Dylan-Forschung. Wer mittanzen will, kann ein Exemplar der schwer limitierten CD via shake baby shake-Merchandise (der Karton unter den Decks im Stadtkrug) preiswertst erwerben oder sich hier hier melden. (Whirlyjoe)

Samstag, 25. August 2007

The Stax Records Story

Hier ist ein knapp 5-minütiger Trailer zur fast 2-stündigen Doku über das Stax Label. Tolles Ding, solltet ihr euch anschauen. Die Doku kommt nächsten Monat auf DVD, aber der Vibe kommt auch bei diesem Trailer schon rüber. Und wo wir doch wegen Booker T. sein Häuschen schon fast dazu gehören... (R-man) PS.: Nach Diktat verreist.

Freitag, 24. August 2007

DJ-Set-Ups, ein Löffel
voll und was macht
eigentlich Booker T.
sein Häuschen?

Liebe Gemeinde! Das Sunny Sunday Morning Mixtape ist durch. Ich hoffe, ihr seid alle bis zum Ende dabei gewesen. Wer was verpasst hat oder eine leicht bearbeitete Version mit handgeklöppeltem Cover käuflich erwerben möchte, der melde sich bitte bei der Adresse am Ende der gestrigen Post.

Wir werden jetzt Mixtape-mässig erstmal eine Pause einlegen. Die Helden sind müde. Aber es gibt schon wieder ein paar Ideen, mein persönlicher Favorit ist ja Coverversionen-die-besser-sind-als-das-Original. Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Sobald es wieder los geht, werdet ihr es hier erfahren.

Derweil ist das Spoonful Box-Set in Arbeit und ich muß sagen, es ist ein echter Hammer geworden. 6 CDs mit 170 Songs zwischen Blues, Funk, Soul, Country, Ska/Rocksteady, Garage, Punk und sonstwas - extrem facettenreich, mit einigen Hits und jeder Menge Underground. Demnächst mehr hier.

An Booker T. seinem Häuschen sind wir auch noch dran, trotz leichter Funkstille in dieser Sache. Es haben sich bis dato mehrere Investoren gemeldet, die je 1.000 Euro raustun wollen. Einer davon ist Stadtkrug Wirt Lothar Richter (einen Tusch dafür). Im Augenblick scheitert es daran, daß keiner meiner wenigen Memphis Kontake mal dazu zu bewegen ist, uns einen unabhängigen Bericht über das Haus zu geben. Falls jemand von euch einen Bekannten in Memphis hat, her mit dem Kontakt. Es gibt wohl auch Interesse einer Investorengruppe aus der deutschen Landeshauptstadt, da könnte es demnächst zu einem Schulterschluss kommen. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Morgen/Samstag machen sich shake baby shake Resident Axel und ich auf in Richtung Notting Hill Carnival. Endlich mal wieder mittags eine eiskalte Dose Red Stripe aufreissen, ohne das einer blöd guckt. Reisebericht folgt. In der Zwischenzeit wird Whirlyjoe euch mit Posts erfreuen.

Und dann das hier noch: hatte ich schon mal gespostet, die großartigen Fotos von den Set-Ups diverser Heim-DJs. Schaut sie euch ruhig alle mal an, ich kann mich über sowas freuen wie andere Leute über eine Blumenwiese. Ein großartiges Bild kann man oben sehen (unbedingt per Doppelklick vergrößern), den Rest gibt es hier. Ich mache demnächst mal ein Foto von meinem Tisch, ich muß erst mal die coolen 12"-es nach vorn stellen - im Augenblick sieht man die Go Go Crankin LP und die I Shot The Sheriff 7" von Erich (eher Zufall), aber da erkennt man nur das RSO Logo. Oben auf dem Tisch liegt die Texas Cannoball CD von Freddie King (läuft gerade - kann ich nur jedem empfehlen), das Baia Degli Angeli Buch, die Chess-Blues-Rock-Songbook Doppel-CD, Studio One Kings und I'm A Man von Macho als 7" - für einen Zufallsgenerator nicht mal eine schlechte Quote! (R-man)

Donnerstag, 23. August 2007

Mixtape Update
Sunny Sunday Morning

Track 24: Ennio Morricone


Als ich letzten Donnerstag schrieb, I Can See Clearly Now sei mein letzter Song für’s Mixtape, war das die reine Wahrheit. (...would I lie to you?)

Dieser Track hier wurde schon zu Begin unserer Mixtape-Tätigkeiten intern intensivst diskutiert. Anscheinend ein Herzenswunsch von Joe, und bei seinen DJ-Einsätzen wohl bewährt, traf er anderenorts auf nicht allzu viel Gegenliebe. Da Joe schon seine Abschluss-Nummer nicht platzieren konnte, kommt halt jetzt eben doch noch sein Morricone.

Track 24.
Ennio Morricone – My Name Is Nobody

Der Restlaufzeit unseres Mixtapes angepasst das Thema eines Filmes, der zugleich als Parodie und Abgesang auf den Italo-Western betrachtet wird. Hauptdarsteller sind Terence Hill und Henry Fonda.

...und so endet nun auch unser Sunny Sunday Morning-Mixtape. Die (hohe) Messlatte des Lazin’ On A Sunday Afternoon-Mixtapes konnten wir eindeutig nicht erreichen. Dafür sind anscheinend die Vorlieben für die musikalische Begleitung unserer Sonntag-Vormittage zu unterschiedlich gewesen. Mit einer leichten Unwucht, dafür aber schön abwechlungsreich, bereitet Euch das Resultat aber hoffentlich genug Freude beim sonntäglichen Frühstück oder was ihr am Sonntag Morgen sonst so macht. (K-Nut)

Dann mal heißen Dank dem K-Nut für seine Spendierhosen. Nur noch so viel zu der Nummer: ich spiel das gerne zum Ausklang, unweigerlich fängt auch immer jemand an mitzupfeifen. Der Film ist allerdings eine ziemliche Klamotte.
Und by the way: ich bin sehr zufrieden mit dem Mixtape. R-man hat sich trotz des einen oder anderen hörbaren Zähneknirschens höchst wacker geschlagen. Ich hoffe auch, dass er beizeiten wieder so ein schönes Cover wie zuletzt abliefert. Aber lasst ihm noch ein paar Tage Zeit. (Whirlyjoe)

Was heißt hier „wacker geschlagen“? Eindeutiger Punktsieger, würde ich sagen (kleiner Scherz). Wie eingangs schon mal gesagt, mit dem sonnigen Zeugs habe ich es nicht so, Düsterdinger könnte ich jeden Tag eins schnitzen. Aber ich habe mir das Endergebnis heute das erste mal gebrannt angehört und bin doch ganz angenehm überrascht. Das geht besser zusammen, als ich erwartet habe und das eine oder andere positive Feedback habe ich auch schon bekommen. Ist eh alles Geschmacksache. Wie das Cover, welches ich ebenfalls zum Download bereits gestellt habe. Wer jetzt einen Track verpasst hat oder ein mundgeblasenes Exemplar für nen 5er (die Tracks sind dann etwas bearbeitet, Fades weg, leicht überblendet mit dickem Profiausdruck und bedruckter CD), erwerben möchte, der schicke bitte eine Mail. (R-man)

Track 24.
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Mittwoch, 22. August 2007

Abt.: Coole Franzosen
Dirty Space Disco
Dirty Sound System presents

Die drei Franzosen des Dirty Sound System sind echte Aktivisten, Blogmacher, Partyveranstalter, DJs, Disco-Maxi-Editierer (Dirty Edits), Kompilateure (die schwer geschätzte Dirty Diamonds CD-Serie) und selbsternannte Kämpfer gegen musikalische Grenzen.

Nun haben sie 13 Tracks versammelt, die man grob unter dem Begriff Cosmic oder Space zusammenfassen kann, jener Stilart, die Daniele Baldelli in den frühen 80ern in der Discoteca Cosmic am Gardasee im Alleingang erfand. Baldelli spielte damals alles durcheinander, war ein genialer Mixkünstler und begeisterte mit seinem eklektischen Sound die Jugend. Das Tempo bewegte sich dabei im unteren Bereich (90-105 bpm), denn Heroin war die Droge der Kids, und bei über 110 Beats wären sie einfach alle kollabiert.

So beginnt dieser Mix mit dem echt käsigen Atlantis von John Forde (hat aber schon wieder was), bevor die Dirtys mit Rodelius (Regenmacher) und Clara Mondshine (Die Drachentrommler) zwei klöppelnde 6-Minüter auffahren. Spätestens bei Undisputed Truth wird es dann grooviger, mit Fern Kinney präsentieren sie eine echte Entdeckung, John Miles hat sich hierher verirrt (im tollen Pilooski Edit) und Conrad Schnitzler raunzt sich elektronisch durch Auf Dem Schwarzen Kanal (hier hätte auch de Elektrolurch gut gepasst). Mit The Samurai von Yellow Power geht es dann kraftvoll/Jap-wavig weiter, bevor Processione Del Mare von Tony Esposito allen Druck rausnimmt. Man hofft auf einen knackigen Italo-Disco-Stomper und bekommt ein freeform Percussion-Teil, das man höchstens bei Sonnenaufgang spielen kann. Aber das macht das psychedelisch-sonnige Who von Odyssey wieder wett, gefolgt von Sylvester (Moroder-style), Risqué (Disco!) und dem trippigen Voyager II von Starlight.

Erstklassige Compilation! Ich mag so was ja. Kann man gleich neben Cosmo Galactic Prism von Prins Thomas stellen. Und neben die LateNightTales von Lindstrom. Und Collectors Series 2 von Kaos. Und Baia Degli Angeli. (R-man)

PS: Mit Alain Finkielkrautrock haben die Dirty's auch einen recht coolen Blog. Hier kann man lesen, was sie in Zukunft so vorhaben und ganz unten im Text gibt es noch einen Cosmic-Mix zum Download. Ich habe ihn noch nicht gehört, aber checkt selbst...

cd

Dienstag, 21. August 2007

Notting Hill
Carnival calling...

Noch ein paar Tage und die shake baby shake Residents Axel und R-man werden in London die Strassen noch unsicherer machen, als sie ohnehin schon sind. Denn der Notting Hill Carnival findet wie gewohnt am letzten August-Wochenende (Sonntag und Montag) statt.

Natürlich gibt es nachher einen fetten Reisebericht, denn was gibt es besseres, als bei sonnigen 25 Grad (Tatsache!) gegen mittag die erste Dose eiskaltes Red Stripe aufzureissen und sich vor die Bassrutsche von Mickey Dread zu stellen? Nicht viel, korrekt! Ganz wichtig dieses Jahr: mit den bekloppten Mayall Brüdern von Gaz's Rockin Blues die After-Party feiern! Denke das wird Sünde pur.

Anyway, sollte ein Blog-Leser am Wochenende vor Ort sein, dann bitte ich um Kontaktaufnahme. Eventuell können wir ja mal zusammen auf Norman Jay und Gilles Peterson anstossen? (R-man)
Mixtape Update
Sunny Sunday Morning
Track 23: J.J. Cale

So, mein letzter Tune für dieses Mixtape. Zeit für´s Mittagessen. Habe lange hin und her überlegt, aber die anderen Tunes auf meiner Liste wollten nicht so richtig passen, Dirty Vegas wurde von meinen Co-Kompilatoren abgewählt (so hinten rum) und dann dachte ich mir, J.J. Cale geht immer. Das war dann allerdings auch nochmal extrem verworren. Die Story geht so...

Track 23.
J.J. Cale – Out Of Style
Gerade mal 2 Sterne bekam das 1979 erschienene Album “5” des Schweigers von Tulsa vom All Music Guide, was ich definitiv für ungerecht halte. Sind ein paar richtig coole Nummern drauf. Ich förschelte mich jedenfalls durch mehrere Cale-Alben, auf der Suche nach einem Song unter 3 Minuten. Hat er reichlich. Das war nicht das Problem. Schließlich fand ich Katy Kool Lady auf „5“, ein recht unüblicher Tune des Saitenmeisters. Zwar besteht er aus dem typisch-lässigen Rhythmus, aber vor allem aus einer perlenden Pianofigur und Gebläse (Klarinette, eigentlich Scheiße, ist hier aber auszuhalten). Auf meiner CD ist auch ein kurzes Gitarrensolo, was nach der WAV-Umwandlung dann nicht mehr zu hören war. Keine Ahnung, wo es geblieben ist. Also ist das hier die Erstaufführung - J.J. Cale fast völlig ohne Gitarre.

Als ich den Track dann my man K-Nut vorstellte, sagte dieser: "Das ist nicht Katy Kool Lady". Und dann hat sich herausgestellt, daß der Tune beim ersten CD-Umschnitt aus unbekannten Gründen von einem Mystery Track ersetzt wurde! Aber auf dem Cover nicht geändert wurde. Aber da das Intenet a wonderful thing ist, habe ich das schnell herausgefunden und daß es sich hier um Out Of Style handelt. Love it... (R-man)

Track 23.

Montag, 20. August 2007

Der Montag Morgen
mit Dirty Vegas

Diesen Tune hatte ich eigentlich als letzten Sunny Sunday Morning Mixtape-Beitrag vorgesehen, aber meine beiden Mitstreiter Whirly & K-Nut konnten meine Begeisterung nicht wirklich teilen. Dann habe ich mich für einen anderen Tune entschlossen (seht ihr morgen), hatte den hier aber schon upgeloadet, wie man so schön sagt. Also, hier nur einen Tag, morgen hau ich den wieder weg...

Dirty Vegas sind an mir vorbei gegangen. Diesen Tune habe ich auf einer billigen Chill Out CD gefunden, die ich immer mal einsacke, wenn sie preiswert rumstehen und das Tracklisting einigermassen aussieht. Investition zur Weiterbildung sozusagen. Auf der war auch Ben Harper und Turin Brakes zu hören, aber der Dirty Vegas Songs hat mich von Anfang an richtig umgehauen.

Days Go By (Acoustic) hängt als Bonus am Dirty Vegas Album (2002, Cover hier links), die elektrische Version ist ein ziemlich pumpender Dancefloor-Hammer. Auch nicht schlecht, aber akustisch merkt man erstmal, was für ein feiner Song das ist. (R-man)

Dirty Vegas - Days Gone By (Acoustic)

Sonntag, 19. August 2007

Mixtape Update
Sunny Sunday Morning
Track 22: Velvet Underground


Wir haben die Zielgerade erreicht. Jetzt heißt es endgültig Tempo rausnehmen (glaube ich jedenfalls) und einen gemütlichen Ausklang hinkriegen. Und dies ist mein Song, den ich eigentlich ganz am Ende sehen wollte. Ziehe ich jetzt aber vor, schon um zu sehen, wie die Kollegen darauf antworten.

Track 22: Velvet Underground - Afterhours
Afterhours
ist natürlich Moe Tuckers Song, findet sich auf dem namenlosen 69er-Album und bildet in all seiner beschwingten Kinderliedhaftigkeit einen überzeugenden Kontrast zur ansonsten V.U.-typischen New Yorker Kunst- und Drogen-Schwere.

Natürlich spreche ich auch hier mit voller Überzeugung von einer kompositorischen Perle, denn in der Einfachheit liegt die wahre Schönheit. Weshalb dieser Song die vergangenen Dekaden ebenso unbeschadet überdauert hat, wie die kommenden. (Whirlyjoe)

Track 22.

Samstag, 18. August 2007

Pete's Best Vol. 1
'Scuse Me While I Kiss The
Sky oder: The Summer Of

Love revisited

Jimi Hendrix' brennende Gitarre. Janis Joplins Southern Comfort getränkter Blues. Die Beatles in Uniformen, die Stones mit komischen Hüten auf den Köpfen. Das Monterey-Festival. Der Vietnam-Krieg. Aufbegehren gegen die bestehende Ordnung. Haight-Ashbury brodelt, London swingt. Die Jugend der Welt trägt Stirnbänder und Blumen im Haar, Indianerschmuck und schrille Klamotten und träumt bunte Träume von einer besseren, friedlicheren Welt. Und Grateful Dead und Jefferson Airplane, Doors und Byrds, Pink Floyd, Love und Buffalo Springfield spielen den Soundtrack zum Flug auf dem magischen Teppich. Der Zauber wirkt fort – auch im 40. Sommer nach dem Sommer der Liebe. „What's so funny 'bout peace, love and understanding?“, begehrte Elvis Costello einst zu wissen. Gute Frage. Doch genug der Vorrede: Hier sind zehn Alben aus dem Jahr 1967 – für die Ewigkeit. Coming to the top...

04. The Doors – The Doors
Sie sind düster, unheimlich und, geheimnisvoll – so wie ihre Musik. Sie sind der Gegenentwurf zu dieser ganzen beschwingten, farbenprächtigen, von Drogen und Liebe beflügelten „Come on, people, now get together, try to love one another right now“-Seligkeit der kalifornischen Hippies. Sie lassen sich von der griechischen Mythologie inspirieren, von Bertolt Brecht und Kurt Weill, von alten Bluesmusikern, bringen ihre eigene Erfahrung aus Filmhochschule, Meditationskursen, Drogenexperimenten sowie dem Studium diverser Dichter, Denker und Philosophen von Aldous Huxley bis Antonin Artaud ein und schaffen Songs, wie sie die Welt noch nicht gehört hat. „Break On Through (To The Other Side)“. „Light My Fire“. „Soul Kitchen“. „The End“. Um Tod und Verdammnis geht es in diesen Songs, um Liebe und Sex, um Ausbruch und Freiheit. Morrison betrachtet sich zeitlebens als Poet, als „erotischer Politiker“ gar, aber gewiss nicht als Sänger in einer Rock-'n'-Roll-Band. Und obwohl es seit geraumer Zeit schick zu sein scheint, seine – zugegeben bisweilen angestrengten und komplett humorfreien – Lyrics als dilettantischen Unfug zu schmähen, bleibt doch festzuhalten: Morrison war einer der charismatischsten Performer überhaupt, Manzarek, Krieger und Densmore eine nahezu unschlagbare musikalische Einheit - und „The Doors“ darf als eines der großartigsten und einflussreichsten Debütalben aller Zeiten gelten. (Peter Felkel)

PS.: Im Zuge der 40th Anniversary Reissues wurden die Doors Scheiben ja neu abegmischt, mit teilweise sehr heftigen Unterschieden zum Original. Auch läuft der Reissue schneller, weil man 40 Jahre später merkte, daß das Original wegen eines technischen Fehlers zu langsam lief. Und schon fast frevelhaft: die originale CD (auch die Remaster) werden ausverkauft, nicht nachgepresst und durch die 40th Anniversary Remxie ersetzt!

Freitag, 17. August 2007

Jesus Is Waiting...

...ooh, sweet Soul music...

Abt.: Roots
Culture
Two Sevens Clash

Ganz klar eines der Meisterwerke der Roots-Ära. Jetzt als 30th Anniversary Edition runderneuert. Als streng gläubige Rastafaris began das Vokaltrio 1976 mit Joe Gibbs zu arbeiten und legten mit der zweiten Single Two Sevens Clash gleich einen Klassiker vor. Tatsächlich glaubten die Rastas, im Jahre 77 (wenn zwei 7en clashen) würde die Apokalypse beginnen. Da ist ja dann erstmal nichts passiert, aber am 7.7.77 waren die Strassen Jamaikas leergefegt, denn hier clashten gleich four sevens. Religion...

Aber die Welt drehte sich weiter und so stellten sie mit den Revolutionaires (Sly & Robbie, Tommy McCook etc.) dieses Album fertig, welches 1977 in Londons Rough Trade Shop besser verkauft haben soll, als das gleichzeitig erschienene Exodus. Und das ist ja schon mal was.

Die 30th Anniversary Edition kommt mit neuen Linernotes von Lenny Kaye, vielen extra Fotos und fünf erstklassigen Dubs und 12“-Mixes (zwei mit I-Roy) als Bonus. Dazu kommt das Teil in einem Digibook von CD-Hüllen-Grösse. Warum nur? (R-man)

cd

Donnerstag, 16. August 2007

Mixtape Update
Sunny Sunday Morning
Track 20: Johnny Nash

Diesen Song hatte ich vor kurzem schon mal ganz oben auf der Liste, aber da erschien er mir plötzlich doch all zu sehr abgenudelt und ausgelutscht. ...zumal es ja auch gefühlte 400 Coverversionen davon gibt. Aber wie schrieb R-man in einer seiner letzten diesbezüglichen mails: „A good song is a good song“. Und dies ist ein guter Song:

Track 21.
Johnny Nash – I Can See Clearly Now

Ein schwarzer Soulsänger aus Texas, der mit Reggae auch in den USA Millionen von Platten
verkauft hat, findet sich eher selten. Erfolge hatte er unter anderem mit Coverversionen seines Freundes Bob Marley, aber diese Nummer hier ist seine eigene. Am bekanntesten dürften hier die Coverversionen von Jimmy Cliff und Holly Cole sein. Letztere wurde vor ein paar Jahren in irgendeiner Sprit-Werbung verwurstet, ist aber meiner Meinung nach die beste. Der Song (Backingband sind Mitglieder der Wailers) stammt vom gleichnamigen Album von 1972.

...ein durch und durch optimistischer Anschluss an den Joker und mein letzter Song für das Mixtape. (K-Nut)

Track 21.

Mittwoch, 15. August 2007

Holy Moly!

Abt.: NZ in Dub
Black Seeds
Into The Dojo


Neulich noch live auf der Bohannon-Bühne(wir berichteten), nun als Konserve schwerst empfohlen - das 3. Album der Black Seeds. Seit fast 10 Jahren ist dieses 6-8-köpfige Ensemble aus Neuseeland bereits in Sachen Reggae unterwegs und hat in ihrem Heimatland in etwa den Status ihrer Kollegen Fat Freddys Drop. Letztere werden in Europa von Daniel Best und seinem Best Seven Label betreut und nachdem sich das Album von FFD zirka 6-stellig verkauft haben dürfte (Qualität setzt sich manchmal durch), erscheint nun dieses 2006er Album der Black Seeds erstmals in Europa. Die natürlich nichts mit den Mannen von Nick Cave zu tun haben und schon 2005 auf der New Zealand In Dub Compilation (Echo Beach) mit Keep On Pushin’ einen Monster-Tune hatten.

Nun sollte man die Black Seeds erwartungstechnisch von Fat Freddys Drop abkoppeln, denn wo FFD Rare Groove/Soul/Folk-Elemente in ihren Sound einbauen, geben sich die Black Seeds dem relativ puren Reggae hin. Aber den kriegen sie völlig klischeefrei hin und begeistern dabei mit einem melancholischen Unterton, der sich wie bei den besten Roots-Platten durch die gesamte Platte zieht. Gleich der Opener The Answer gibt die Richtung vor, ein überaus hypnotischer Tune (auch auf der best Seven Selections 2) mit intensiv vorgetragener Gesanglinie. Danach folgt mit Cool Me Down ein richtiger Hit (auch live unstoppable). Durchaus variabel und als sehr gute Songwriter präsentieren sie sich im Verlauf des Albums, arrangieren jeden 2. Song mit satten Bläsern, schieben einen uptempo-Dub-Track ein (The Prince) und geben sich mitreissend/poppig/hymnisch wie auf Sometimes Enough. Als Bonus gibt es die beiden besten Stücke The Answer und Sometimes Enough noch als grandiose Dub-Versionen und Tuk Tuk als weiteren Bonustrack.

Into The Dojo setzt in diesem Bereich Maßstäbe und dürfte bei mir in nächster Zeit auf Dauerrotation laufen und als Mixtape-Spender herhalten müssen. Neben ausserordentlicher Musikalität ist es ganz sicher die abgeschiedene Lage Neusselands, die ganz eigene Pflänzchen gedeihen lässt. Ganz feine Sache das! Mit dem Viererpack Into The Dojo, Fat Freddys Drop’s Based On A True Story und den beiden Best Seven Selection Vol. 1 und Vol. 2 kommt man allerbestens gerüstet durch den Sommer. (R-man)

cd

Dienstag, 14. August 2007

Mixtape Update
Sunny Sunday Morning
Track 20: Spearhead


Auf meine Frage, was das den für musikalische Steilvorlagen wären, antwortete my man Whirly nur was von "Befreiungsschlägen". Ich kann solche ungenauen Pässe jedenfalls nicht erlaufen, auch wenn man mich damals in der Bezirksklasse gerne Zico rief ("der weiße Brasilianer"). Und in meiner Belle & Sebastian Sammlung wühle ich auch nicht, denn die ist non-existent. Ich habe (glaube ich) eine CD-Single mit irgendeinem tauglichen Remix, aber die finde ich grad nicht. Und sowieso muß jetzt mal etwas Butter bei die Fische, wie man im Weser Hill Country zu sagen pflegt, denn bei dem melancholerischen Grundtempo legt man sich gleich wieder zum Mittagsschlaf hin. Da dies der Sachlage nach mein vorletzter Beitrag ist (wir sind bei 70 Minuten), mußte ich den jetzt bringen. Ganz wie damals zu meiner besten Zeit, spiele ich lieber mal einen Risikopass in die Tiefe. Nur gut, daß ich K-Nut's Laufwege kenne...

Track 20.
Spearhead - The Joker
Ich bin ja beinharter Steve Miller Band Fan. Die erste Handvoll Platten sind absolute Meisterwerke des Psychedelik-Blues, deren Klasse ich erst neulich wieder entdeckt habe. War absolut verwundert, welch grandiose Songs ich in den letzten 20 Jahren vergessen hatte. Bei The Joker konnte er das Qualitätslevel nicht mehr über ein ganzes Album halten, aber für ein paar Klassiker war er trotz allem noch gut. So wie dieser Tune hier. Das Original mag für den einen oder anderen vielleicht etwas abgenudelt erscheinen, deshalb gebe ich Euch hier die (gelungene) Version von Spearhead. Die ist zudem noch recht rar, denn es gab sie exklusiv auf einer Kiffer-Compilation namens Hempilation 2.

Some people call me the Space Cowboy, some call me the Gangster Of Love... Dig it! (R-man)

Track 20.

Montag, 13. August 2007

Die Schnelle Quelle,
schwarze Samen
und A Bouquet Of Hits!


Wie das alles zusammen passt? Nun, liebe Gemeinde, daß werde ich Euch jetzt erzählen. shake baby shake Resident Axel und ich sind letzten Freitag mal eben nach Berlin gedüst, um der Releaseparty der Best Seven Selections 2 beizuwohnen und bei diesem Anlass die Black Seeds live zu erleben. Letztere sind eine neusseländische Reggae-Combo in den Spuren der grandiosen Fat Freddys Drop. Zudem mit erstklassigem neuen Album (Into the Dojo) am Start.

Mit Ax-man als kundigem Führer sind wir erstmal nach Kreuzberg, bißchen rumwandern, hinsetzen und Kaffee trinken. Den einen oder anderen Plattenladen haben wir dabei geentert (Logo, Scratch) und die Stapel diverser Trödler durchforscht. Letztendlich gab es nicht wirklich viel abzustauben, aber für minimale Euros gingen mit: Boris Gardiner (20-Track Retrospektive mit viel Grütze und einer mir unbekannten, aber recht famosen Version von Ain't No Sunshine), Rare Earth (Midnight Lady, spätes Album, prod. by Norman Whitfield), Mark-Almond (auf Line), Mink De Ville (Coup De Grace), Buffy Sainte Marie (Changing Woman) und A Bouquet Of Hits von Ferrante & Teicher (mit Mac Arthur Park, Sunny, The Good The Bad & The Ugly). Zwei Alben (Vinyl) von den Undisputed Truth habe ich stehen lassen, 12 Euro schienen mir doch etwas heftig, aber ich denke, die Band werde ich demnächst komplettieren müssen.

Nach dem Einchecken und drei schnellen Bier wurde erstmal geruht und sich mental auf die lange Nacht vorbereitet. Nach einem kurzen Fußmarsch standen wir schon recht früh vor dem Bohannon - dem Club/Ort der Veranstaltung - sorgten aber erstmal für die nötige feste Grundlage. Auf zwei Großbild-Leinwänden verfolgten wir danach in der Schnellen Quelle die 2. Halbzeit des Spieles Stuttgart-Schalke. Das war eine echte Berliner Eckkneipe mit einer erstklassigen Wirtin! Die uns aber nicht ausreichend erklären konnte, warum es im Laden gefühlte 25 Grad wärmer war als draussen (T-Shirt Wetter)?!? Also stellten wir uns in die Tür der Sauna und konzentierten uns auf die Wiederholungen.

Gegen 22.30 Uhr schlenderten wir dann zum Bohannon, standen natürlich nicht auf der Gästeliste, wurden aber trotzdem durchgewunken. Cool! Das Bohannon entpuppte sich als schöner/weitläufiger Kellerclub, der stilistisch voll auf meiner Wellenlänge liegt. Man fühlte sich also gleich wohl, auch wenn sich die Versorgungslage erst beim 3. Bier korrekt einpendelte. Vorher gab es kaltes Jever (bääh) und warmes Berliner (bääh). sbs-Besucher An-Dré wurde auch direkt erkannt und begrüßt.

Vom Band lief ein toller Soul-Reggae-Sampler und als erste Band traten Eva Be auf, wobei die Namensgeberin in einem hautengen Leggins-Kostüm eine gute Figur machte, vor allem, da sie zirka im 7. Monat schwanger war. Ich hatte die ganze Zeit Angst um das Baby, denn das was das Quartett (mit teilweise Gast-Sängerin) da zauberte, ging schon richtig gut ab.

Nach einer minimalen Umbaupause legten die 8-köpfigen Black Seeds aus Wellington/Neuseeland direkt los. Und wer die neue CD kennt und liebt, dem kann ich sagen, live sind sie um einiges besser. In 10 Jahren Bandgeschichte haben sich genug gute Tunes für 90 Minuten angesammelt und auch eine gewisse Routine, wie ein Publikum zu packen ist. Nämlich mit einer bezwingenden Mischung aus Dynamik, tollen Melodien, Raum für Grooves und gut gesetzten Bläsersätzen. Das Ganze hin und wieder in einem Tempo, daß an Hochgeschwindigkeits Ska ranreichte. Aber dann auch wieder ruhig und relaxt mit superfetten Riddims. Da machte es auch nichts, daß ausser dem Perkussionisten-Beau optisch nichts aus der Band rauszuholen war. Der Frontmann/Sänger/Gitarrist sah aus wie der Sänger der Bottle Rockets und überhaupt war das eine Mischung aus Riesenbabies, Lehrern und Truckern. Aber mit ihrem mitreissenden Sound würden sie garantiert jeden Reggae-Hasser konvertieren.

Wir hatten einen Platz in der ersten Reihe und tanzten bis zur völligen Erschöpfung, teilten unser Bier mit jungen Mädchen, die wegen eines längeren NZ-Aufenthalts einen enormen Wissensvorsprung in Sachen Black Seeds hatten und amüsierten uns wahrlich königlich. Nach gefühlten 90-100 Minuten war der Gig vorbei und alle waren zufrieden.

Direkt wurden ein paar Klassiker vom DJ-Stapel gelassen - Chase The Devil etwa, oder die wundervolle Version von Ordinary People (Jennifer Lara, auf Studio One). Noch während ich mich bei Label- und Bohannon-Eigner Daniel Best nach letzterer erkundigte, rasselte ich mit einem unfreundlichen Herren zusammen, der gerade seinen Laptop mit dem Mixer verkabelte. Noch sorgten zwei andere Plattenleger für gute Stimmung, aber als der Griesgram seinen Serato Scratch Aufbau (keine Lust das jetzt zu erklären) beendet hatte, übernahm er für den Rest des Abends. Zwar konnte er sauber mixen, aber mit seiner Mischung aus Hits (Crazy) und Disco nicht wirklich überzeugen. Noch dazu ging er mit einer derart lustlosen Fresse ans Werk, als wollte er Eier abschrecken. Das hätte man tatsächlich besser lösen können! Wollte man aber wohl im Hause Best Seven nicht.

Axel und mir war's dann auch egal. Es war 3 Uhr morgens, wir waren am Ende unserer Aufnahmekapazität, glücklich und zufrieden. Am nächsten Tag ging es wieder nach Hause. War schön! (rh)

PS: Hier ein Interview mit Daniel Best zur Philosophie des Bohannon Clubs und die Webseite des Ladens.

Sonntag, 12. August 2007

Abt.: Fette Beute
Flohmarkt in
Holzminden

Da die Posts für die nächsten Tage schon feststehen, hier ein brandheisser Bericht über die soeben getätigten Flohmarktkäufe. Holzminden war wieder eine Reise (20 Km) wert, obwohl ich noch nicht mal wusste, dass heute Flohmarkt ist.

Neu im R-man Schrank ab sofort: LPs von Supermax (World Of Today, meine 4.), Hair (englische Originalaufnahme, saucooles Cover), Bob Marley (Uprising), Rolling Stones (Big Hits), Jimmy Cliff (Give Thanks), The Ventures (Very Best Of), Michael Rother (Sterntaler).

Maxis von Chris Rea (Josephine in der French Version), ABC (The Look Of Love), Power Station (Get It On), Bill Withers (Oh Yeah! plus 4 Hits), Kool & The Gang (Cherish im US Remix), Talk Talk (Life's What You Make It).

7"-Singles: Birth Control (Gamma Ray Pt. 1+2), T. Rex (Children Of The Revolution, endlich im Picture Sleeve), Style Council (Walls Come Tumbling Down), Joe Cocker (With A Little Help.../Delta Lady), Jimmy Cliff (Hot Shot), Free (All Right Now/Wishing Well), Golden Earring (Radar Love), 2 x Supermax (I Want You und It Ain't Easy), Johnny Guitar Watson (Booty Ooty), Boney M. (I See A Boat On The River. B-Seite: tatsächlich die Boney M.-Version von My Friend Jack von Smoke!!!), Steppenwolf (Born To Be Wild), David Bowie & Mick Jagger (Dancing In The Street), Laid Back (Sunshine Reggae, auch eine, die ich wegen White Horse nie stehen lassen kann), Boney M. (Mary's Boy Child/Dancing In The Street. Kann ich auch nicht vorbei - geile B-Seite, gell Whirly?), Hot Chocolate (Man To Man), The Dillards (I've Just Seen A Face/Reason To Believe- Original Elektra).

Alles so zwischen 50 Cent und 1 Euro. Impossible is nothing... (R-man)
Mixtape Update
Sunny Sunday Morning
Track 19: The Gentle Waves

Genau, das musste sein. Zurecht neulich schon von einem sachkundigen sbs-Besucher vorgeschlagen, scheint mir jetzt der richtige Moment für Isobel Campbells wohl allerschönsten Song gekommen zu sein. Er stammt vom zweiten (und letzten) Gentle Waves-Album Swansong For You.

Track 19.
The Gentle Waves - Falling From Grace
Damals (2000) noch hauptberuflich bei Belle & Sebastian im Einsatz, hatte sie ihr erstes Soloprojekt The Gentle Waves noch relativ frisch im Rennen – heute macht sie ja immerhin schon Duett-Platten mit Mark Lanegan.

Damals klang sie noch mädchenhafter als die wimpischen B&S, hatte aber kompositorisch einen wirklich großen Wurf gelandet – wenn das mal keine Perle ist, dazu noch angemessen kunstvoll mit Clavinet und Cello instrumentiert. Zwar weht hier auch ein zarter Hauch von Melancholie, dennoch ist das genau die Musik, die ich Sonntag morgens hören will. Habe ich mir damals gleich nach Erscheinen des Albums als 12-Inch geholt und bis heute nicht bereut.

Hier kann man auch das Video sehen. Bin dann mal gespannt, ob R-Man sich jetzt doch noch in seine Belle & Sebastian-Sammlung vertieft…. (Whirlyjoe)

Track 19.

Samstag, 11. August 2007

Pete's Best Vol. 1
'Scuse Me While I Kiss The
Sky oder: The Summer Of
Love revisited

Jimi Hendrix' brennende Gitarre. Janis Joplins Southern Comfort getränkter Blues. Die Beatles in Uniformen, die Stones mit komischen Hüten auf den Köpfen. Das Monterey-Festival. Der Vietnam-Krieg. Aufbegehren gegen die bestehende Ordnung. Haight-Ashbury brodelt, London swingt. Die Jugend der Welt trägt Stirnbänder und Blumen im Haar, Indianerschmuck und schrille Klamotten und träumt bunte Träume von einer besseren, friedlicheren Welt. Und Grateful Dead und Jefferson Airplane, Doors und Byrds, Pink Floyd, Love und Buffalo Springfield spielen den Soundtrack zum Flug auf dem magischen Teppich. Der Zauber wirkt fort – auch im 40. Sommer nach dem Sommer der Liebe. „What's so funny 'bout peace, love and understanding?“, begehrte Elvis Costello einst zu wissen. Gute Frage. Doch genug der Vorrede: Hier sind zehn Alben aus dem Jahr 1967 – für die Ewigkeit.

05. Jefferson Airplane – Surrealistic Pillow
Diese Band und dieses, ihr zweites Album sind nicht weniger als die Verkörperung des „summer of love“: Marty Balin (Gitarre, Gesang), Jack Casady (Bass), Spencer Dryden (Schlagzeug), Paul Kantner (Gitarre, Gesang), Jorma Kaukonen (Gitarre, Gesang) und die erst im September 1966 zur Band gestoßene Sängerin und Keyboarderin Grace Slick leben in einer dieser riesigen, alten, viktorianischen Villen in San Franciscos Fulton Street und nehmen – mit Jerry Garcia als musical and spiritual adviser - binnen weniger Tage im November 1966 in den RCA-Studios in Hollywood diesen Klassiker des psychedelischen Westcoast-Rock auf, der auch die beiden Top-10-Hits „Somebody To Love“ und „White Rabbit“ enthält, die mit Abstand bekanntesten, aber gewiss nicht die einzigen großartigen Tracks eines durchgehend fantastischen Longplayers. Mindestens Balins wunderfeine Folk-Fantasie „Comin' Back To Me“, Kaukonens verspultes Instrumental „Embryonic Journey“, dazu der mitreißende Opener „She Has Funny Cars“, das zynische „Plastic Fantastic Lover“, der rustikale Countryrocker „D.C.B.A. - 25“ und das zutiefst romantische „Today“ liegen auf dem gleichen Level, der Rest ist kaum schwächer. „Surrealistic Pillow“ - das waren seltsame Nachrichten von einem fremden Planeten. Wie nennt Paul Kantner das San Francisco jener Tage so treffend: „49 square miles surrounded entirely by reality“. See you there, one day or another. (Peter Felkel)

Freitag, 10. August 2007

Es ist vielleicht
noch etwas früh…


…aber große Ereignisse werfen ihre Schatten sowas von voraus, da dachte ich, ich droppe jetzt mal die letzten Neuigkeiten. Nach der letzten grandiosen OBS-Afterparty im Stadtkrug mit den Brüdern Michael (Sheehy) und Patrick McCarthy hinter den Decks (wir berichteten), hat sich gerade in dieser musikalischen Hinsicht unter den shake baby shake Blogmachern einiges getan. Denn in Erinnerung an diesen denkwürdigen Abend haben K-Nut, Whirlyjoe, Chrispop und ich (R-man) je eine CD kompiliert. Mit Songs, die wir im Ping-Pong mit den McCarthys gespielt hätten, hätte man uns gelassen (ich durfte ja, und einige davon haben es auch auf meine CD geschafft).

Nur zwei Monate mußte ich auf Post aus England warten: vorgestern sind endlich gleich drei Discs der Brotherhood eingetroffen, die ich jetzt auf zwei CDs eingedampft habe. Da war der Gedanke an eine ultralimitierte 6-CD-Box schon geboren. Der Titel der Blechkiste (mit 16-seitigem Booklet) ist Spoonful. Ich nenne jetzt einfach mal pro CD drei Bandnamen, damit ihr wisst, wo die Reise hingeht: Captain Beefheart, Freddie King, Bobbie Gentry, Bar-Kays, Lee Dorsey, Lord Tanamo, Betty Harris, Detroit Cobras, Johnny Cash, John Lee Hooker, James Brown, Animals, Bo Diddley, Spanky Wilson, Roger & The Gypsies, Ike & Tina Turner, Slim Harpo, Solomon Burke. Aber das sind nur die bekanntesten Namen, auf sechs prall gefüllten CDs und unter 172 Songs findet sich jede Menge mehr cooler Stoff zwischen R&B, Rock`n´Roll, Country, Soul, Funk, Garage-Rock – alles in der tanzbar-groovenden Variante.

Und das Beste: Michael und Patrick kommen wieder! Die Tickets sind schon gebucht. Am Samstag, dem 1. Dezember feiert unsere kleine shake baby shake Party den 2. Geburtstag und da wollen wir es mal wieder so richtig krachen lassen. Die Türen des Stadtkrugs öffnen wie gewohnt um 20.30 Uhr, die Post wird in allen Räume abgehen! Gegen 22.30 Uhr werden Michael und Patrick einen Akustikset abliefern (darauf freue ich mich schon besonders) und nach einer kleinen Pause werden wir sie noch hinter den Wheels Of Steel begrüssen dürfen. Eins ist mal klar, ich werde vorher Tanzstunden nehmen. Nochmal lasse ich mich nicht so vorführen!

Natürlich wird sich die Magie des post-OBS-Gigs nicht nachstellen lassen können, aber der Abend wird garantiert eine feine Sache werden, da mache ich mir keine Sorgen. Neben den drei shake baby shake Residents dürfen wir als zusätzliche DJ-Freunde (hoffentlich auch bei der Arbeit) begrüssen: Fruity Mulati, Peter Felkel (Musikexpress) und die drei Spoonful-Compilanten Chrispop, K-Nut und Whirlyjoe. Aber am meissten freue ich mich natürlich auf die beiden verrückten Brüder! Natürlich werden wir uns musikalisch nicht auf Spoonful-kompatibles beschränken - ich könnte auf Zuruf auch meinen neuen Edit von Peace Frog droppen! Donna Summer jemand? Buffalo Springfield gefällig? Supermax? Alles geht...

Wer also schon länger hier im Blog reinschaut, OBS-Veteran ist oder einfach mal Bock hat, bei einem shake baby shake Abend dabei zu sein, der sollte am 1. Dezember-Wochenende einen Trip in unser kleines Weserstädtchen unternehmen. Wir würden uns freuen… (R-man)

PS.: Neben den Hotels Stadt Bremen, Böker, Kuhn und ähnlichen Etablissements gibt es mit der Pension Schübeler eine neue Übernachtungsmöglichkeit in Beverungen. Das (frisch eingerichtete) DoZi gibt es ab 15 Euro pro Person oder ganz umsonst, wenn man die Matratze kauft. Die Pension liegt ungefähr 2 Minuten vom Stadtkrug entfernt und Carl-August (der Inhaber) ist der neue Beverunger Schützenkönig (also unbedingt mit "Majestät" anreden)!

Donnerstag, 9. August 2007

Mixtape Update
Sunny Sunday Morning
Track 18: Isolation Years

Einen Folkie kann man mich nun wirklich nicht nennen und die Geige zählt auch nicht gerade zu meinen Lieblingsinstrumenten. Trotzdem (nach Reel & Soul Association) nun mein zweiter leicht folkloristischer Beitrag zum Mixtape:

Track 18.
Isolation Years – Landslide
Nach drei eher getragenen Alben haben die Nordschweden mit Sign Sign ein durchweg positives und schon fast fröhliches Album veröffentlicht. Noch recht aktuell (April 2007) birgt Sign Sign mit Landslide einen meiner momentanen Lieblingssongs. So gutgelaunt kennt man die Band zwar von der Bühne (z.B. OBS) aber nicht unbedingt von ihren vorangegangenen Platten. Diese sind zwar lange nicht so schwermütig, wie man es den Skandinaviern oft nachsagt aber doch etwas introvertierter als es Landslide vermuten lässt. Empfehlenswert sind sie jedoch alle; mindestens einen wirklich herausragenden Song (It’s Golden; Hemisphere; Look What I’ve Done) findet man auf jeder.

…zumal alle wirklich günstig beim Mailorder Eures Vertrauens erhältlich sind! (K-Nut)

Track 18.

Mittwoch, 8. August 2007

shake baby shake

Isaac Hayes
Schokokeks im
Disco-Fieber
Der Fortsetzungsroman
Kapitel 4

Diesmal der ganze Rest, den Fokus auf die eher raren Perlen des Spätwerks gerichtet.

Aber erst mal zum Auflockern das Video oben: wegen solcher Clips muss man YouTube doch einfach lieben: Playas Unite!
Und weiter mit den Alben:

Chocolate Chip (1975)
Das letzte eher klassische Soul-Album von Isaac Hayes, das von ihm erstmals in seinem eigenen Studio in Memphis arrangiert und produziert wurde. Es repräsentiert nochmals alle Stärken seines typischen Sounds, bevor er sich dann nicht immer ganz geschmackssicher dem Disco-Sound zuwandte. Die Arrangements der größtenteils im mittleren Tempo gehaltenen Soul-Dramen sind wie immer opulent, die Horns kommen in gewohnter Qualität von The Movement. Das Album bietet sechs Eigenkompositionen von Isaac Hayes, dazu kommt noch der von Tony Joe White geschriebene Opener "That Loving Feeling" mit einem wirklich unglaublichen Ein-Ton-Bass, der den Song zu einem weit unter der Oberfläche groovenden Burner werden lässt. "Body Language" ist die zu erwartende Ode an die "universal joys of making love" geworden. Der dynamische Titeltrack kommt in einer zusätzlichen Instrumental-Version, auf der die funky WahWah-Gitarren noch besser zur Geltung kommen. Die ganze Klasse des selbsternannten Black Moses kommt auch im abschließenden "I Can't Turn Around" zur Geltung, das als luftiger Soul-Pop-Song anfängt, sich dann aber zu einem furios-psychedelischen Gitarrenexzess mit hypnotischen Qualitäten entwickelt. Und das Kekscover finde ich ja auch ganz hervorragend.

Disco Connection (1976)
Der Titel sagt (beinahe) alles: der Black Moses springt auf den Disco-Zug auf und geht erst mal ziemlich baden. Seichte Instrumental-Tunes in unterschiedlichen Tempi sorgen für Langeweile, denn tatsächlich: Hayes singt hier gar nicht. Keine gute Idee und insgesamt ein fast komplett enttäuschendes Album, wäre da nicht der herausragende Titelsong: ein hypnotischer Parforce-Ritt durch die Disco-Funk-Hölle mit grandiosem Peitschen-Groove und euphorischen Streichern, satt produziert und ein echter Floorfiller – ganz klar einer meiner Alltime-Disco-Faves. Aber der Rest ist bis auf die ordentliche Soul-Nummer „Disco Shuffle“ (was für ein dämlicher und dazu unangemessener Songtitel!) schwach und Hayes wirkt insgesamt ideenlos und ausgebrannt.

Groove-A-Thon (1976)
Von den discoiden Alben eines der besseren, dennoch nicht mehr so zwingend wie früher. Der zehnminütige Titelsong ist fetter Disco-Funk mit leckerer Gitarre und satten Bläsern, der Gesang klingt aber irgendwie flacher als früher. „Rock Me Easy Baby“ ist eine deepe Slow-Funk-Nummer und solider Durchschnitt, von den Balladen (die ich bei Hayes ansonsten fast immer schwach finde) kann „Wish You Were Here“ überzeugen, aber die anderen drei Songs sind doch arg lau geraten. Und obwohl der Meister wie gewohnt mit üppigem Budget selbst produziert hat, klingt das Album etwas saftlos und verwaschen.

Juicy Fruit (Disco Freak) (1976)
Das dritte Album in einem Jahr und auch hier kann nur der superlässige Titelsong überzeugen: ein treibender Disco-Stomper mit grandioser Gitarre und Bläsern wie einst im Mai. Allerdings kommt das Ding erst nach einem länglichen Intro in die Gänge. Der Rest sind erneut klischeehafte Balladen und halbgare Midtempo-Tunes – die Masche war jetzt doch ziemlich ausgereizt. Und außerdem war auch stimmlich die Luft raus, ein leichter Hang zum Knödeln lässt den mächtigen Bariton von früher vermissen. Fans brauchen das Album allerdings wegen des grandiosen Covers (Vinyl als Gatefold), hier hat (ironischer?) Machismo mal wirklich Stil.

New Horizon (1977)
Ab hier weist meine Sammlung Lücken auf, die angesichts der überschaubaren Qualität der späten Alben aber wohl nicht so dramatisch sind. Ein paar Alben hatte ich auch schon mal, sind dann aber einer Sammlungsverschlankung verdienterweise zum Opfer gefallen. Hier finden wir übrigens den legendären Tom Moulton at the Controls, der aus „Stranger Than Paradise“ immerhin eine üppig produzierte Disco-Hymne mit WahWah und Marimbas, vor allem aber ziemlich enthemmten Streichern gezaubert hat. Oha, schon lange nicht mehr gehört – gefällt mir heute richtig gut, trotz eines gewissen Barry Manilow/Las Vegas-Show-Touches. Besser ist allerdings der andere Zehnminüter auf Seite 1 “Moonlight Lovin’ (Menage A Trois)“, etwas schwüler und leichtgewichtiger Midtempo-Funk. Seite 2 kann man aber leider komplett vergessen, sorry. Dafür gefällt mir das Foto auf dem Backcover: Hayes räkelt sich auf einem Lederkissen und trägt dabei nicht nur einen rosafarbenen Strickpulli, sondern auch eine dieser damals superhippen Digital-Armbanduhren. Selbst das kann er sich leisten.

Hotbed (1978)
Nach längerer Pause diesmal wieder auf Stax, dazu im Klappcover und mit famosem Einstieg, nämlich Bill Withers’ „Use Me“. Das macht er richtig gut, klingt wie früher, saftig und kraftvoll. Zum komponieren hatte er damals wohl keine Lust mehr, vier der fünf Songs stammen aus fremder Feder. Der Disco-Fluch scheint aber beendet, dies hier ist wieder altmodischer Soul- und Funk, auch die Balladen klingen wieder deep und erdig, mit Bläsern und diesmal dezenten Streichern garniert. Manches hat fast schon einen Hauch von richtigem Southern Soul abgekriegt – was für ein Wandel zum Vorgänger, da hat wohl einer die Notbremse gezogen.. Auch cool: fast 14 Minuten hypnotisches „Feel Like Makin’ Love“ von Elias McDaniel aka Bo Diddley (er schon wieder!). Fazit ein überraschend gelungenes Comeback zu den Roots.

Branded (1995)
Ich behaupte jetzt einfach mal, was Hayes zwischen 78 und Mitte der 90er veröffentlicht hat, braucht kein Mensch - lasse mich aber gerne eines besseren belehren. Das 94er Stax-Comeback Wonderful kenne ich leider nicht, mit Branded gelang ihm ein Jahr später auf Virgin aber dann doch wieder ein sehr gutes Album. Trotz – nein sogar wegen des Sting-Covers „Fragile“ (bei dem ich nun für alle Zeit an OBS-Host Rembert denken muss), das hier mit ausführlichem Intro und Outro zu einer fast viertelstündigen Mini-Symphonie (sogar mit halbwegs erträglichem Kinderchor!) aufgeblasen wird. Im Vergleich zu früher hören wir hier zwar mehr Keyboards, aber auch die Gitarren haben nach wie vor ihren Platz. Überflüssig finde ich das Lovin’ Spoonful-Cover „Summer In The City“, rundweg genial dagegen das Remake seines eigenen „Hyperbolicsyllabicsesquedalymistic“(von Hot Buttered Soul) mit smoothem Gast-Rap von Chuck D (Public Enemy). Auch seine „Soulsville“-Neuaufnahme (Original auf „Shaft“) geht voll okay. Keine Frage: Isaac Hayes war zurück!

Raw & Refined (1995)
Kein richtiges neues Album, sondern eine Sammlung cooler und bislang unveröffentlichter Instrumentals. Und zwar nicht nur aus den Branded-Sessions, sondern auch deutlich älteren Datums, zum Teil sogar Demos aus Stax-Zeiten. Titel wie „Birth Of Shaft“, „Funkalicious“ oder „Funky Junky“ sprechen Bände. Und ohne Vocals klingen die Tunes von Hayes eben oft genug wie Soundtracks zu noch nicht gedrehten (Blaxploitation-) Streifen. Ein nostalgisches Vergnügen also, dieses seinerzeit wohl doch ziemlich untergegangene Album, das damals sogar zum Sonderpreis zu haben war, da es als Bonus zu Branded vermarktet wurde, mit dem es aber eigentlich nichts zu tun hat - sieht man mal von der Covergestaltung ab.

Bonus:
At Wattstax (2003)
Hat wahrscheinlich auch kaum jemand mitgekriegt, dass Hayes’ Auftritt beim legendären Wattstax-Festival vor einigen Jahren eine späte CD-Veröffentlichung erfahren hat (hierzulande via ZYX). Wattstax fand 1972 in Los Angeles statt und war als eine Art ‚schwarzes‘ Woodstock konzipiert. Hayes ließ der es sich nach seinem extrem erfolgreichen Shaft-Soundtrack nicht nehmen, an seinem 30. Geburtstag vor 112.000 afroamerikanischen Zuschauern in seinem legendären Kettenhemd (siehe Cover) zu performen. Nachdem vor ihm fast alle Größen aus dem Stax-Katalog aufgetreten waren, hatte Hayes leichtes Spiel: schon der Einstieg mit dem Hammer-WahWah-Riff von Shaft ist natürlich kaum zu überbieten, auch weil Gitarrist Charles Pitts hier ungleich dreckiger als auf der Studioversion spielt. Das Repertoire von At Wattstax überschneidet sich zwar größtenteils mit dem 73er Album Live At The Sahara Tahoe, ist aber als Groß-Event atmosphärisch ganz anders gelagert.
Natürlich war die Stimmung am Ort der ‚Race Riots‘ in den Sechzigern auch politisch aufgeheizt, und Hayes bricht mitten im Konzert ab, um das Mikrophon an Jesse Jackson weiterzugeben, der zum stadionweiten Gebet aufruft, das dann doch eine harsche politische Anklage wird, die wiederum mit „we thank god for Stax and Isaac Hayes“ endet. Das 17-Minuten-Medley „Ain’t No Sunshine“/“Lonely Avenue“ war seinerzeit bereits auf dem kurz nach dem Konzert erschienen „Wattstax“-Sampler zu finden, alle anderen Aufnahmen sind tatsächlich bislang nie veröffentlicht worden.

Jetzt sind wir durch, vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, da draußen auf den Flohmärkten nach alten Scheiben von Isaac Hayes zu greifen - zur Not tun es auch neue CDs beim Mailorder eures Vertrauens – dieser hier ist zum Beispiel auffallend gut sortiert. (Whirlyjoe)

PS.: Das sbs-Headquarter arbeitet zur Zeit an einer Isaac CD à la Whirly's Picks.